Der Ziel-Rapport 2026

Den Januar und Februar habe ich heuer nicht nur dafür genutzt, um meine Ziele aus dem Vorjahr auszuwerten und daraus Schlüsse für meine neuen Ziele zu ziehen. Stattdessen möchte ich dieses Jahr noch einen Schritt weiter gehen und meine Ziele als solche generell hinterfragen.

Meine Ziele aus 2025

Zum schnellen Überblick (die ausführliche Auswertung folgt darunter) –Anfang 2025 hatte ich mir folgende Ziele gesteckt:

  1. Gesundheit – nachhaltige Routinen etablieren
    • im Kontrollzeitraum durchschnittlich zwischen 6,25 und 7,5 Stunden nächtlich schlafen 🚫
    • jede Woche im Kontrollzeitraum zumindest mit mindestens einem Herzensmenschen reden oder anderweitig Zeit verbringen ✅
    • durchschnittlich drei Trainingseinheiten pro Woche 🚫
    • einen wöchentlichen Speiseplan erarbeiten ✅
    • jeden (Arbeits-)Tag im Kontrollzeitraum mindestens eine Stunde für Meditation, Spaziergänge oder Lesen 🚫
    • jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne 🚫
  2. Karriere – bis Ende des Jahres mindestens drei verschiedene zahlende Kund*innen 🚫
  3. Bildung – bis Ende des Jahres mindestens 12 Bücher fertig lesen 🚫

Auf den ersten Blick wirken die Ergebnisse durchwachsen und eher negativ. Für mich fühlt es sich allerdings wie das Gegenteil an, denn ich habe ungeheuer viel über mich selbst gelernt. Was hat also gut geklappt und woran sind meine Ziele gescheitert?

1. Gesundheit – nachhaltige Routinen etablieren

Gesundheit hatte ich zwar bewusst an erste Stelle gesetzt, allerdings unterschätzt, wie stark mich mein erstes Jahr in der mobilen Selbstständigkeit sich auf meinen Alltag und meine Energielevel auswirken würde.

Schlaf

Hierbei beschränkte ich auf meinen selbst gewählten Kontrollzeitraum von 01.03. bis 30.11. Den hatte ich bewusst gewählt, weil ich weiß, wie schwer mir das Erreichen von Zielen im Winter fällt. Das gilt allerdings nicht für Schlaf, denn im Winter schlafe ich tendenziell mehr als im Sommer, was sich negativ auf meine Bilanz auswirkt:

Monatø Schlafmenge
Januar6h 50min
Februar6h 9min
März6h 3min
April5h 43min
Mai6h 10min
Juni5h 31min
Juli5h 34min
August5h 53min
September6h 8min
Oktober5h 40min
November5h 58min
Dezember5h 58min

Damit liegt meine durchschnittliche Schlafmenge im Kontrollzeitraum bei 5h 51min. Betrachtet auf das gesamte Jahr liegt sie bei 5h 58min. Beides schrammt an meinem Ziel vorbei und bedarf einer gesünderen Zu-Bett-geh-Routine. Was kann ich konkret verbessern?

Schon mehrere Male habe ich darüber geschrieben, wie sehr mich die Umstellung der Uhren belastet. Ehrlicherweise muss ich mir aber eingestehen, dass meine selbstverstverschuldeten Abweichungen im Schlafverhalten einen wesentlich größeren Einfluss auf meine Gesundheit haben dürften. Arbeitsbedingt habe ich wesentlich mehr Nächte durchgemacht, als mir lieb und für meinen Körper gesund ist.

Außerdem sollte ich mir generell eine gesündere Schlafhygiene zu eigen machen, beispielsweise indem ich abends ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr Bildschirmlicht ausgesetzt bin und schlichtweg zeitiger ins Bett gehe – auch, wenn es mir schwer fällt. Zwar bin ich nach wie vor eher Chronotyp Eule als Lerche, allerdings habe ich auch gelernt, dass ich morgens gewisse Tendenzen habe, nach einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr wirklich schlafen zu können.

Sozialleben

Dieses Ziel habe ich als einziges mit Leichtigkeit erreicht. Deshalb brauche ich mir hier künftig erstmal keine Gedanken mehr machen. Zwar erachte ich es weiterhin als wichtige Säule meiner Gesundheit, aber die steht auf einem stabilen Fundament und bedarf deshalb vorab keiner Steuerung mehr. Mein Sozialleben ist erfreulicherweise ein Selbstläufer und braucht kein Ziel, das ich verfolge.

Sport & Bewegung

Auch die waren sehr stark von meinem Arbeitsalltag und meinem Leben unterwegs beeinflusst. Insgesamt habe ich leider nicht so viel Sport gemacht, wie ich mir vorgenommen hatte. Womöglich liegt es auch daran, dass ich mich nicht für einen Marathon angemeldet hatte, der mich zu mehr Training gezwungen hätte, um ihn überhaupt absolvieren zu können.

Insgesamt hatte ich im Kontrollzeitraum 86 Sporteinheiten absolviert, was in etwa 2,39 Sporteinheiten pro Woche entspricht. Auf durchschnittlich 3 Sporteinheiten pro Woche kam ich im letzten Jahr also nicht. Allerdings sind mir zwei Dinge aufgefallen:

  1. “3 Sporteinheiten pro Woche” ist mir als Ziel zu vage, weil man nie den Eindruck gewinnt, es irgendwann geschafft zu haben. Denn kaum hat man das Ziel in einer Woche erreicht, steht schon wieder die nächste Woche vor der Tür.
  2. Hilfreicher erweist sich für mich ein Stichtag. In November setzte ich mir beispielsweise als Ziel, innerhalb des Monats 12 Sporteinheiten zu absolvieren. Das führte zwar dazu, dass ich in der letzten Woche jeden Tag Sport machte, um mein Ziel zu erreichen, war in Summe aber effektiver als “jede Woche drei Sporteinheiten”. Beides bedeutet inhaltlich dasselbe, aber Ersteres wirkt bei mir psychologisch motivierender.

Was die Zielsetzung anbelangt setze ich mir für das neue Jahr deshalb eine konkrete Gesamtsumme anstelle einer Quote.

Ernährung

Für mein Ernährung wollte ich einen Go-to-Speiseplan entwickeln, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann, um mein Meal-Prepping zu vereinfachen – egal, ob ich gerade von einem Arbeitseinsatz in einer anderen Stadt, einem Heimatbesuch oder aus dem Urlaub zurückkehre.

Zu Beginn des Jahres fiel mir direkt auf, dass ich im Grunde sogar zwei benötige: Einen für, wenn ich gerade Gastritis habe, und einen für den Rest der Zeit, weil die Diät bei Gastritis dann auf Dauer doch etwas einseitig ist. Der Gastritis-Speiseplan war schnell aufgestellt. Bei dem anderen gestaltete es sich so schwierig, dass ich das Ziel sogar schon verwerfen wollte.

Größtes Problem: Wenn ich auswärts arbeite, bekomme ich in einer Kantine Essen. Arbeite ich hingegen von zuhause aus, ist mit der Essensbeschaffung so viel Zeit verbunden: Mahlzeiten planen, Rezepte recherchieren, Lebensmittel einkaufen, Kochen, Geschirr spülen (Nein, wir haben keine Geschirrspülmaschine.), … Das summiert sich und ist im Alltag kein Posten, den ich mitdenke. Deshalb erschien mir die Idee, eine festgelegtes Rezept pro Wochentag zu haben, das sich schnell mit gut gut lagerbaren Standardzutaten umsetzen lässt, als hervorragend.

In der Praxis kam ich jedoch nicht mal dazu, Rezepte zu recherchieren. Zwar lieh ich mir ein paar Bücher passend zum Thema aus, aber andere Dinge wie Erwerbsarbeit drängten sich ständig in den Vordergrund. Ehrlich gesagt war ich deshalb auch sehr frustriert und frage mich wirklich, wie andere Menschen das hinbekommen.

Kurz vorm Jahreswechsel benötigte ich für ein paar Tage auswärts mit Freunden zwei Mittagsgerichte für mich allein, weil nicht alle zu Mittag essen wollten. Da ich mich im Urlaub befand, plante ich zunächst, mich selbst zu verwöhnen, und wollte mir jeweils etwas Ausgefallen zaubern. Doch noch beim Lebensmitteleinkauf merkte ich, dass sich der Aufwand für mich allein überhaupt nicht rechnet. Und tatsächlich koche und backe ich einfach nicht gern für mich allein. Also fiel meine Wahl auf Tiefkühlfertiggerichte.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Tiefkühlfertiggerichte sind die ideale Lösung für mich. Sie lassen sich zu Hause hervorragend lagern, lassen sich schnell in einer Pfanne ohne großen Aufwand zubereiten und sind perfekt portioniert. OK, zugegeben: Was Hersteller als vier Portionen verkaufen entspricht einer Philipp-Portion.

Tiefkühlware genießt, da wo ich herstamme, wahrlich nicht den besten Ruf. Mir ist durchaus bewusst, dass es besser wäre, komplett mit frischen Zutaten zu kochen. Aber meine Lebensrealität ist eine andere, an die Qualität von Kantinenessen kommt es allemal heran, wenn man nicht gerade zu Pommes und Nuggets, sondern gemüsehaltigen Gerichten greift. In jedem Fall ist es so immer noch besser, als wenn ich gar nichts Gekochtes essen würde. Ziel erreicht!

Ruhe

Dieser Bereich lief überhaupt nicht gut. Ursprünglich vorgenommen hatte ich mir:

  • Jeden (Arbeits-)Tag im Kontrollzeitraum mindestens eine Stunde für Meditation, Spaziergänge oder Lesen.
  • Jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne.

Funktioniert hat keines von beidem so wirklich. In Summe hatte ich insgesamt im Kontrollzeitraum von neun Monaten zehn Tage ohne Pläne. Bei der täglichen Stunde für Meditation, Spaziergang oder Lesen kann ich nicht einmal so genau zu sagen, wie es eigentlich lief, weil zum Ende des Jahres hin auch meine Protokollierung sehr lückenhaft geworden ist. Aber das spricht ja schon für sich. Dennoch lassen sich daraus für mich ein paar Rückschlüsse ziehen:

  1. Protokollierung per Hand wird mir schnell zu viel, wenn ich zu viele Dinge gleichzeitig tracken möchte.
  2. Insgesamt hatte ich – abgesehen von besonders arbeitslastigen Spitzen – letztes Jahr nicht den Eindruck, zu wenig erholt gewesen zu sein.
  3. Unruhe im eigentlichen Sinn entstand bei mir vor allem durch zwei Faktoren:
    • Einerseits war ich über das Jahr gesehen arbeitsbedingt sehr viel unterwegs, hauptsächlich zwischen meiner Wahlheimat Berlin und Lüneburg als Auftragsorts für die Erwerbsarbeit.
    • Andererseits war ich auch privat viel unterwegs, was im letzten Quartal des Jahres seinen absoluten Höhepunkt erreichte, sodass ich über alle zusammenhängenden Tage, die ich in Berlin verweilen konnte – auch wenn ich mich zwischenzeitlich schon fragte, warum ich in Berlin überhaupt noch eine Wohnung mietete.

Konkret nehme ich aus diesem Bereich deshalb mit ins neue Jahr, dass ich mich bei der Ruhe ruhig etwas mehr entspannen darf – darum geht es schließlich! Außerdem möchte ich weniger oft dieselbe Strecke hin- und zurückfahren und stattdessen länger am Stück an einem Ort verweilen.

2. Karriere – erfolgreich in die Selbstständigkeit starten

Ein großer Wechsel ging im letzten Jahr mit meinem Schritt in die vollumfängliche Selbstständigkeit einher. Deshalb setzte ich mir als Ziel, bis Ende des Jahres mindestens drei verschiedene zahlende Kund*innen zu gewinnen. Das hat nicht geklappt und war auch ein unkluges Ziel.

Rückblickend bin ich dennoch zufrieden mit meinem ersten Jahr als freischaffender Drehbuchautor, denn es ist mir gelungen, von meinen erwirtschafteten Einnahmen gut zu leben. Nichtsdestotrotz werde ich künftig mehr Kund*innen benötigen, woran ich auch weiter arbeiten werde. Ein guter Grundstein dafür ist bereits gelegt, aber für das komplette Fundament braucht es noch etwas mehr Zeit.

Woran scheiterte dieses Ziel also? Im Grunde genommen an sich selbst. Denn so, wie ich das Ziel formuliert hatte, lag es überhaupt nicht ausschließlich in meiner Macht, es zu erreichen. Dass die wirtschaftliche Lage schwierig ist, mag zwar stimmen, soll aber keine Entschuldigung sein. Ungeachtet dessen sind aber Entscheidungszeiträume bei Film und Fernsehen sehr langwierig. Viele Projekte brauchen Jahre, bis sie erste Früchte tragen. Das einzige, was ich letztlich tun kann, ist am Ball zu bleiben und mehr kreativen Ausstoß zu erzeugen.

3. Bildung – mehr Bücher lesen

Bei mir und den Büchern steckt irgendwie der Wurm drin. Bis Ende des Jahres wollte ich mindestens 12 Bücher fertig gelesen haben. Geschafft habe ich gerade mal vier.

Womöglich liegt es daran, dass ich bereits beruflich so viel lese, dass es mir schwer fällt, oder schlichtweg die Tatsache, dass der Griff zum elektronischen Gerät, um im Netzt etwas zu lesen, quasi allgegenwärtig schneller ist, oder eine Mischung aus beidem. In jedem Fall ist es mir nicht langfristig gelungen, eine tägliche Leseroutine zu etablieren. Da hat es mir auf Dauer auch nichts genützt, mir ein Buch per Seitenzahl auf Abende aufzuteilen.

Im Grunde sind mir die gelesen Bücher im Jahr auch egal. Vordergründig wünsche ich mir eine durchgängigere Leseroutine. Wenn ich dabei noch das eine oder andere Buch zu lesen schaffe, freut mich das umso mehr. Aktuell habe ich eher das Gefühl, dass die Menge an Büchern im Haushalt trotz Buchembargo mehr wird, weil mir liebe Menschen aufmerksamerweise weiterhin welche schenken, ich aber auch Bücher aus der Bibliothek lese, die dann ja nicht mal zum permanenten Bücherstand im Haushalt zählen. Die Frage besteht also darin, wie ich eine umfassendere Leseroutine etablieren kann.

Paradigmenwechsel

Schon seit ein paar Jahren strebe ich an, weniger Wert auf meine Ziele, als auf Systeme zu setzen, die mir eine geschmeidig laufende Umsetzung ermöglichen. Das klappt mal besser, mal schlechter. Neues Jahr, neuer Versuch. Was mache ich also heuer anders?

Kontrollzeitraum adé

In jedem Fall werde ich künftig auf einen Kontrollzeitraum verzichten. Die Zeit, die ich für die Protokollierung benötige, um die Daten nur für den entsprechenden Zeitraum herauszufiltern, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Händisch herauszufiltern, welche Tage in den Kontrollzeitraum, auf Wochenenden sowie Kranken- oder Urlaubstage fallen, ist mir zu zeitintensiv. Da nutze ich lieber die automatischen Tracking-Feature meiner Smartwatch, wo auch immer möglich, beispielsweise beim Schlaf. Warum mir selbst das Leben unnötig verkomplizieren?

Zielmarken flexibel halten

Prinzipiell halte ich es für eine gute Idee, sich Ziele zu setzen, weil man damit sich selbst eine Richtung vorgibt, in die man sich entwickeln möchte. Mit dem Ziel allein ist es jedoch nicht getan. Um es zu erreichen, braucht es Systeme, mit denen man den eigenen Zielen kontinuierlich näher kommt.

Manchmal reicht das jedoch nicht aus. Obwohl man sich rigoros an ein System gehalten hat, kann ein Ziel aufgrund von Krankheit oder anderen Hindernissen nicht erreicht werden. Das wiederum kann auf Dauer sehr stark am Selbstwertgefühl nagen, weil man sich lediglich auf das Ziel konzentriert, aber nicht auf den Weg, den man bereits zurückgelegt hat.

Letzteres ist jedoch nötig, um sich vor Augen zu führen, welche Fortschritte man über die Jahre bereits erreicht hat – auch wenn es für das ursprüngliche Ziel nicht genügt haben mag. Wenn ich meine Zielmarke bei 100% ansetze, aber nur 99% erreiche, habe ich das Ziel faktisch nicht erreicht. Dennoch sind 99% ein riesiger Fortschritt!

Die Idee flexibler Zielmarken ist nicht neu, aber auch nicht sonderlich stark verbreitet. Deshalb einmal kurz zur Erklärung: Im Grunde geht es lediglich darum, die eigenen Ziele regelmäßig auf Machbarkeit im Alltag zu überprüfen. Stelle ich fest, dass ich ein Ziel zu einfach erreiche, kann ich es dann für den Folgezeitraum erhöhen. Bemerke ich, dass ich das Ziel nicht erreicht habe, passe ich es automatisch nach unten an, um das Ziel realistischer zu halten.

Ein sehr gutes Beispiel dafür sind Bücher: Seit Jahren möchte ich mehr davon fertig lesen. Regelmäßig stelle ich wieder fest, dass es nicht geklappt hat. Anstatt starr an diesem Ziel festzuhalten, passe ich es nach unten an. Letztes Jahr habe ich gerade mal vier anstelle von den geplanten 12 Büchern geschafft. Also wäre es naiv, anzunehmen, dass ich im neuen Jahr wesentlich mehr Bücher schaffen würde. Denn in meinem Alltag an sich werden generell nicht wesentlich mehr Freiräume entstehen.

Ziele SMART definieren

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir vornehme, Ziele nach dem SMART-Framework festzusetzen. Allerdings ist mir in der Retrospektive häufiger aufgefallen, dass sie dem doch nicht genügen.

Zur einfacheren Erklärung: SMART ist ein Akronym, das als Hilfestellung dienen soll, um Ziele so zu formulieren, dass sie realistisch erreichbar werden. Die einzelnen Buchstaben stehen für:

BedeutungÜbersetzungErklärung
SpecificspezifischDas Ziel soll so konkret wie möglich formuliert sein und keinen Raum für vage Interpreationen lassen.
MeasurablemessbarDas Ziel soll sich eindeutig messen lassen, um definitiv bestimmen zu können, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht.
AchievableerreichbarDas Ziel soll unter Einbeziehung der Rahmenbedingungen realistisch erreichbar sein.
RelevantrelevantWenn ein Ziel keine Relevanz für mich hat, braucht es auch kein Ziel zu sein.
Time-boundzeitgebundenDas Ziel soll durch einen konkret vorgegebenen Zeitrahmen abgesteckt sein.

Mit Blick auf meine Ziele aus den vergangenen Jahren kann ich einige ausmachen, die einem oder mehreren dieser Kriterien nicht gerecht geworden sind:

  • “Jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne ” aus dem letzten Jahr war spezifisch, messbar und zeitgebunden, aber schlichtweg nicht realistisch und, wie sich im Nachhinein herausstellte, auch gar nicht so relevant.
  • “Einen Prototypen für ein neues Spiel entwickeln” war 2024 zumindest in der Theorie erreichbar und zeitgebunden, aber nicht spezifisch genug (Ab welchem Punkt der Entwicklung gilt ein Prototyp als solcher?) und in der Folge auch nicht messbar. Darüber hinaus erschien das Ziel aufgrund meines Interesses durchaus als relevant, verlor im Vergleich zu anderen Bereichen in meinem Leben jedoch derart an Priorität, dass ich die Relevanz rückblickend in Frage stellen muss.
  • Meine ideale Woche als Standard etablieren” aus dem Jahr 2023 war weder spezifisch (Was bedeutet “als Standard”?), noch messbar (Ab wie viel Wochen Erfüllung gilt es als Standard?), noch erreichbar (Philipps Ideale vs. Realität). Relevant war es zum damaligen Zeitpunkt durchaus, da ich aus einem Job kam, der sehr viele Opfer forderte, zu denen ich nicht länger bereit war. Das Kriterium der Zeitgebundenheit sehe ich jedoch auch nicht als gegeben, denn selbst wenn ich es 2023 als Standard etabliert hätte, wäre noch einiges an Aufwand nötig gewesen, diesen Zustand auch dauerhaft in den folgenden Jahren aufrecht zu erhalten.

Der Blick zurück zeigt mir recht deutlich, dass ich mir das SMART-Framework durchaus häufiger in Erinnerung rufen darf, um sie auf Herz und Nieren zu prüfen. Insbesondere der Punkt Relevanz zeigt sich oft als nicht gegeben. Das fällt mir beispielsweise auch dann auf, wenn ich zu Beginn des Jahres darüber nachdenke, wie viele Blogbeiträge ich im Jahr gern veröffentlichen möchte. Bin ich jedoch ehrlich mit mir selbst, spielt die Anzahl an veröffentlichten Blogbeiträgen überhaupt keine Rolle für meine tatsächlichen Ziele. Deshalb möchte ich neben dem SMART-Framework als Ganzes insbesondere dem Kriterium Relevanz künftig mehr Aufmerksamkeit schenken.

Das Pareto-Prinzip auf Ziele anwenden

In der preußisch-protestantischen Kultur, in der ich aufgewachsen bin, hat sich mir ein Glaubenssatz besonders eingebrannt: “Entweder du machst etwas richtig oder gar nicht.” Heute wundere ich mich sehr über diesen Unsinn. Natürlich kann ich meine privaten Ziele mit solch einer totalen Denkweise angehen. Doch für hilfreich halte ich es nicht.

Stattdessen möchte ich das Pareto-Prinzip auch für meine Ziele nutzen. Im Grunde besagt das Pareto-Prinzip, dass man mit 20% der Ressourcen 80% eines Ziels erreicht. Für die übrigen 20% verwendet man hingegen die übrigen 80% der Ressourcen. Ein geläufiges Beispiel ist ein Textentwurf: Der erste Entwurf steht schnell, aber man ist noch nicht zufrieden. Also feilt man weiter und weiter an den Details, bis man der Meinung ist, es geschafft zu haben. Doch gerade die kleinen Details benötigen am meisten Zeit. Freilich möchte man für ein Meisterwerk das Beste geben und, dass jedes kleinste Detail stimmt. Aber nicht alles, was wir tun, muss ein Meisterwerk werden. Oft sind 80% völlig ausreichend.

Die Schwierigkeit besteht darin, für sich zu erkennen, wann dies der Fall ist, und, wann man sie erreicht hat. Deshalb ist es umso wichtiger, dass meine Ziele messbar sind. Denn dann kann ich 80% an einer konkreten Zahl festmachen. In jedem Fall sollen mir die 20% Reduktion Raum fürs Scheitern lassen.

Freiräume lassen

Wo wir schon beim Thema sind: Mit den Zielen “Jeden (Arbeits-)Tag im Kontrollzeitraum mindestens eine Stunde für Meditation, Spaziergänge oder Lesen” und “Jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne” lief es im vergangenen Jahr überhaupt nicht gut. Und auch meine vor einigen Jahren ausgemachte ideale Woche hat sich langfristig nicht behaupten können – abgesehen davon, dass sich meine Ansprüche fortlaufend weiterentwickeln.

Kernproblem ist hier oft, dass mein Terminkalender zu voll ist. Auch wenn ich mir einen Tag ohne Pläne oder eine freie Stunde am Abend vornehme, werden die im Handumdrehen von anderen Tätigkeiten verdrängt. Was ich entsprechend benötige sind mehr Pufferzonen. Die möchte ich auf drei Arten erreichen.

  1. In meinem Kalender halte ich mir Abende und Samstage zunächst prinzipiell frei.
  2. In meinem Kalender arbeite ich mit Zeiteinheiten von 45 Minuten statt einer vollen Stunde.
  3. In arbeitsreichen Zeiten streiche ich alle Termine, die nicht unbedingt nötig sind.

Der erste Punkt bedeutet natürlich nicht, dass ich abends oder samstags nie Pläne haben werde. Aber er nimmt Druck raus. Indem ich von vornherein keine Termine auf diese Zeiträume lege, gebe ich mir selbst nicht das Gefühl, die Zeit noch unbedingt nutzen zu müssen. Stattdessen ist Gammeln ausdrücklich erlaubt. Wenn es mich packt und ich etwas anderes machen möchte: Gern! Alles kann, aber nichts muss. In eine ähnliche Scharte zielt der zweite Punkt. Indem ich mit akademischen Stunden anstelle von vollen Stunden plane, entstehen hier und da Lücken, um die unweigerlich auftretenden Verzögerungen aufzufangen.

Der dritte Punkt ist eine Neuerkenntnis aus dem letzten Jahr: Ein einheitlicher Kalender funktioniert in meinem Alltag nicht. Entgegen Menschen, die einem geregelten 9-to-5-Job nachgehen, wechseln sich bei mir besonders erwerbsarbeitsreiche und -reduzierte Phasen ab. In letzteren kann ich meine Zeit frei einteilen. In den anderen weniger, da mir generell weniger freie Zeit zur Verfügung steht. Dem trage ich Rechnung, indem ich meinen Kalender in den ohnehin dichten Phasen von allen persönlichen Projekten entschlacke.

Gesunde Gewohnheiten etablieren

Ganz im Sinne von Systemen strebe ich mehr gesunde Gewohnheiten an. Diesbezüglich bin ich vor Kurzem im Internet auf eine interessante Unterscheidung zwischen Gewohnheiten und Routinen gestoßen:

Gewohnheiten sind der Autopilot unseres Gehirns, der ohne großen Energieaufwand als Selbstläufer funktioniert – oft geschieht dies unbewusst. Routinen bestehen aus Abläufen, die wir bewusst exerzieren, allerdings benötigen wir dafür die nötige Motivation und Disziplin. Wenn wir Routinen lang genug befolgen, entwickeln sich daraus Gewohnheiten. Oft scheitert es jedoch an der Motivation und/oder Disziplin, so lang durchzuhalten. Entsprechend können sich auch ganz unbewusst ungesunde Gewohnheiten einschleichen: Die wiederkehrende Nascherei, das alltägliche Feierabendgetränk, der wiederholte automatisierte Griff zum Handy am Morgen, …

Deshalb möchte heuer jeden Monat einer neuen gesunden Gewohnheit widmen. Welche das werden, entscheide ich von Monat zu Monat nach meinen persönlichen Bedürfnissen. Auch hier werde ich Pareto anwenden und als Zielmarker 80% der Tage des Monats wählen. Daraus ergeben sich für Monate mit 31 Tagen die Zielquote von 25 Tagen, für Monate mit 30 Tagen eine Zielquote von 24 Tagen und für Februar 23 Tage als Zielquote.

Projektbasierte Ziele

Im Übrigen werde ich meine Ziele privat an konkrete Projekte koppeln. Insbesondere im Rahmen meines Marathon-Trainings ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, ein konkretes Ziel zu haben, auf das man hinarbeitet. Wie in einem Museum mit seinen Ausstellungen unterscheide ich dabei zwischen permanenten und temporären Projekten. Zu meinen permanenten Projekten gehören:

  • Gesunde Gewohnheiten
  • Sport
  • Lesen
  • Sprachen
  • Musik
  • Mein Jahresmotto und damit verbunden dieser Blog

Bei den temporären Projekten unterscheide ich zwischen Mini-, Midi- und Maxi-Projekten, wobei die sich hauptsächlich durch ihren Zeitaufwand von einem, zwei respektive drei Monaten unterscheiden. Ursprünglich wollte ich davon stets jeweils eins parallel laufen lassen, aber dank meiner Testphase im Januar und Februar habe ich recht schnell gemerkt, dass das viel zu realitätsfern angesetzt war. Entsprechend reduziere ich auch hier meinen Anspruch an mich selbst. Welche Projekte ich konkret umsetzen werde, entscheide ich ebenfalls von Monat zu Monat nach persönlichen Bedürfnissen und entsprechend der Rahmenbedingungen.

Meine neuen Ziele

Kommen wir nun also zu meinen konkreten Zielen für 2026 unter Berücksichtigung meiner vorherigen Erkenntnisse:

  1. 10 gesunde Gewohnheiten etablieren
    • Angedacht waren ursprünglich zwölf, durch Pareto werden es aber zehn.
    • Etwas unspezifisch ist das Ziel, weil nicht genau definiert ist, was “Gewohnheiten etablieren” bedeutet. In meinem Kalender halte ich zwar täglich Zeiträume für gesunde Gewohnheiten frei, allerdings werden am Ende des Jahres nicht alle in 45 Minuten pro Tag hineinpassen. Deshalb möchte ich nach jedem Monat evaluieren, was mir tatsächlich weitergeholfen hat, und, wie ich es künftig – ganz im Geiste einer Gewohnheit – ohne Anstrengung weiterführen kann.
    • Die Messung führe ich per Evaluation zum Monats- sowie Jahreswechsel durch.
    • Erreichbar ist es in meinen Augen, weil ich jeden Monat neu einschätze, was ich gerade am dringensten brauche.
    • Für relevant halte ich dieses Ziel, weil ich mir in puncto Gesundheit mehr Automatismen und weniger Bedarf an Disziplin wünsche.
  2. Durchschnittlich mindestens 6,25h Schlaf pro Nacht
    • Eigentlich würde ich 7,5h anstreben, aber aufgrund der 80% und meiner Schlafzyklendauer wähle ich 6,25.
    • Spezifisch genug ist es, da der Durchschnitt des Kalenderjahres zur Beurteilung herangezogen wird.
    • Die Messung übernimmt meine Smartwatch.
    • Bei der Steigerung um 4,75% im Vergleich zum Vorjahr ist es definitiv erreichbar, wenn ich weniger Nächte durcharbeite.
    • Relevant ist das Ziel auf jeden Fall, da mein Schlaf bestimmt, wie fit ich für alles andere in meinem Leben bin.
    • Der Zeitrahmen ist mit dem Kalenderjahr vorgegeben.
  3. 125 Sporteinheiten im Laufe bis Jahresende
    • Bei 3 Sporteinheiten je Kalenderwoche komme ich auf 156, aber nach Pareto lande ich bei 125 Sporteinheiten.
    • Spezifisch genug ist es, da der Zahlenwert absolut ist.
    • Die Messung erfolgt per nummerierter handschriftlicher Liste im Journal.
    • Erreichbar halte ich es durch eine niedrige Schwelle für “eine Sporteinheit” – meine kürzesten zusammengestellten Workouts dauern lediglich 15 Minuten, wenn ich sie straff durchziehe.
    • Relevanz ergibt sich aus meinem Streben nach einem gesunden Körper und Geist.
    • Der Zeitrahmen ist auch hier mit dem Ablauf des Kalenderjahres gesetzt.
  4. 5 Bücher fertig lesen
    • Eigentlich würde ich gern 12 Bücher im Jahr schaffen. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, das vier für mich realistischer ist. Deshalb gehe ich nicht aufgrund Pareto auf zehn, sondern aufgrund von Realismus “nur” auf fünf.
    • Es ist definitiv spezifisch genug, da ich keine Hörbücher konsumiere und Bücher auch nicht nur überfliege. Danksagungen und Quellennachweise sind hiervon ausdrücklich ausgenommen. E-Books auf dem E-Reader sind erlaubt.
    • Die Messung erfolgt per handschriftlicher Liste in meinem Journal.
    • Für erreichbar halte ich es, insofern ich einfach zum Buch/E-Reader statt zum Handy greife.
    • Relevant bleibt es nach wie vor, da ich mich danach sehne, mehr zu lesen.
    • Der Zeitrahmen ist hier ebenfalls mit Ablauf des Kalenderjahres gesetzt.
  5. 42 Tandem-Sessions auf Hebräisch
    • Es ist schon über zehn Jahre her, dass ich begonnen habe, Hebräisch zu lernen. Seitdem ich in Israel gelebt habe, dümpelt mein Hebräisch auf ziemlich ein und demselben Niveau herum. Zwar habe ich zwischenzeitlich schon Kurse besucht und mit Sprachlern-Apps versucht, doch wirklich für fließendes Sprechen fehlt mir das Selbstbewusstsein. Das wurmt mich – abseits davon, dass ich auch gern noch andere Sprachen lernen möchte.
    • Idealerweise hätte ich eine Tandem-Session pro Woche, aber das ist total unrealistisch. Nach Pareto bleiben statt 52 jedoch 42 Sessions übrig. Auch das erscheint mir schon viel.
    • Ursprünglich wollte ich ein konkretes Sprachniveau angeben, allerdings eignet sich der Europäische Referenzrahmen für Hebräisch nur bedingt. Außerdem klappen Lesen und Schreiben bereits ganz gut. Deshalb fokussiere ich mich jetzt auf das Sprechen.
    • Die Messung werde ich mittels handgeschriebener Liste in meinem Journal führen.
    • Dieses Ziel wird hart und anstrengend. Damit es erreichbar ist, fokussiere ich mich jetzt erstmal komplett auf Hebräisch und etabliere eine neue Regel mit meinem Partner: Je nach Wochentag sprechen wir ausschließlich Hebräisch oder Deutsch. Das hilft uns beiden.
    • Dieses Ziel ist relevanter denn je, weil ich dieses Jahr voraussichtlich zu einer Hochzeit nach Israel reisen werde.
    • Das Lernen von Sprachen hört freilich nie auf, aber am Ende des Jahres werde ich neu beurteilen, wie ich fortfahren werde.
  6. 125 Praxiseinheiten am Harmonium
    • Idealerweise würde ich mindestens drei Mal pro Woche üben, aber das klappt nicht immer, insbesondere, wenn ich weder in der Heimat, noch zu Hause in Berlin bin. Dank Pareto werden es analog zu den Sporteinheiten 125.
    • Spezifischer als “Vom Blatt spielen können” ist es allemal. Als ich letztes Jahr gefragt wurde, was ich studieren würde, wenn ich noch mal könnte, geriet ich erst ins Stocken, denn ich hatte ja schon studiert, was ich wollte. Dann dachte ich kurz an all die Schulfächer, die mich interessieren und fand mich ziemlich schnell bei Musik wieder. Beim Spielen vom Blatt ist aber nicht klar, welcher Schwierigkeitsgrad gemeint ist.
    • Die Messung nehme ich per handschriftlicher Liste in meinem Journal vor.
    • Dieses Ziel dürfte – in Abhängigkeit von meinen Erwerbsarbeitseinsätzen – erreichbar sein.
    • Relevant ist dieses Ziel für mich, weil mir Musik wichtig ist und ich gern selbst musizieren können möchte.
    • Der Zeitrahmen steht mit dem Kalenderjahr. Zum Jahreswechsel werde ich entscheiden, wie ich damit fortfahre.
  7. 8 temporäre Projekte abschließen
    • Wie schon erwähnt, wollte ich – wie so oft – ursprünglich viel mehr. Bei einem Maxi-, zwei Midi- und drei Mini-Projekten käme ich auf sechs Projekte. Nach Pareto lande ich jetzt bei fünf.
    • Ideen für Projekte gibt es mehr, als ich dieses Jahr umsetzen können werde. Bei der konkreten Auswahl entscheide ich jedoch spontan nach Möglichkeit und Muse. Spezifischer wird es zu diesem Zeitpunkt nicht.
    • Die Projekte werde ich hier auf meinem Blog dokumentieren.
    • Da ich in der Auswahl der Projekte flexibel bin, kann das Ziel durchaus erreichbar sein.
    • Diese Projekte sind vor allem aufgrund meines selbst gewählten Jahresmottos relevant, denn bei diesen Projekten sollen analoge Erfahrungen im Vordergrund stehen.
    • Der Zeitrahmen für die Projekte ist mit jeweils einem, zwei oder drei Monaten bemessen. Am Ende des Jahres ziehe ich Bilanz.

Berufliche Ziele lasse ich hier mittlerweile bewusst außen vor, weil ich bereits lernen durfte, wie wenig Kontrolle ich über ihre Umsetzung in letzter Instanz habe. An einem Aspekt möchte ich dennoch festhalten: Beruflich möchte ich meine kreative Ausgabe erhöhen, indem ich mit konkreten Wochenzielen arbeite – auch, wenn ich nicht gebucht bin. Denn das ist im Grunde das Einzige, das meiner Kontrolle unterliegt. Allgemein könnte man auf beruflicher Ebene also sagen: Ich möchte mehr Output als Input.

So weit, so gut. Wenn ich ganz ehrlich mit mir selbst bin, wird mir beim Anblick meiner Ziele leicht schwindlig. Andererseits empfinde ich es als hilfreich, sich sowohl Erkenntnisse als auch Ziele einmal aufzuschreiben, um einen klareren Überblick zu bekommen. Und falls es doch zu viel werden sollte, halte ich es ja ab jetzt mit den Zielmarken ganz flexibel. 😉

Wie nutzt du Ziele und Systeme in deinem Alltag? Über geteilte Erfahrungen und Tipps freue ich mich wie immer sehr.

Alles Liebe
Philipp


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Ziel-Rapporte.

Analoge Freuden – Mein Motto für 2026

Vergangenes Jahr wählte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Jahresmotto. Da ich das in vielfältiger Hinsicht für gut befunden habe und mir schon Mitte des letzten Jahres ein neues Motto in den Sinn kam, liegt es nahe, dass ich es als leitendes Thema für 2026 auserkiese: Analoge Freuden.

Freude beschäftigt mich schon eine Weile. Bereits als Kind liebte ich es, in die irdischen Freuden der Welt einzutauchen. Davon habe ich auch als Erwachsener nichts verloren; im Gegenteil: Ich suche überall danach und versuche stets, eine Atmosphäre der Freude zu kultuvieren, weil ich davon überzeugt bin, dass sie das Leben aller bereichert.

Analoges erfreut mich seit jeher, obwohl in meinem Herzen zwei Seelen schlagen: In ihm wohnt einerseits der Retroliebhaber, der sich für analoge Technologien begeistert. Andererseits ist da aber auch der digitale Nomade, der die Vorzüge von Digitalem zu schätzen weiß. Über den Kampf zwischen Analogem und Digitalem habe ich bereits vor fast zehn Jahren geschrieben. Der Kampf hält weiterhin an, allerdings gewinne ich den Eindruck, dass wir uns derart stark in virtuelle Welten begeben, dass wir den Sinn für die Bedeutung von Analogem viel zu oft vergessen.

Deshalb widme ich dieses Jahr all den kleinen und großen analogen Dingen, Aktivitäten und multisensorischen Erfahrungen, die mir Freude bereiten.

Obwohl es zunächst widersprüchlich erscheint, werde ich hier auf meinem Blog digital darüber berichten, welche es mir besonders angetan haben. In meiner Vorstellung werde ich am Jahresende entsprechend eine schöne, kleine Sammlung von analogen Freuden als Inspiration für dunkle, digitale Zeiten kuratiert haben. Doch damit nicht genug, denn freilich soll mein Motto sich auch auf mein Verhalten auswirken.

Es gibt hin und wieder Momente, in denen ich den Austausch im Internet sehr schätze. Allerdings werden diese Momente leider immer seltener. Stattdessen verspüre ich oft Reue über augenscheinlich vergeudete Zeit im Internet und am Handy. Das liegt vor allem daran, dass mittlerweile alles kommerziell derart ausgeschlachtet wird, dass es mir keinen Spaß mehr macht. Heutzutage entsteht nur noch selten Flow, weil mir überall Banner ins Gesicht springen, die mir etwas verkaufen wollen, Videos alle zwei Minuten unterbrochen werden, um mir Werbung anzuzeigen, und selbst Content oft nichts anderes als Werbung ist. Kurzum: Es bereitet mir bei Weitem nicht so viel Freude wie zu Anfangszeiten, als im Internet noch alles neu und aufregend war und sich frei angefühlt hat. Die Blogs, denen das noch gelingt, kann ich an zwei Händen abzählen.

Allerdings ziehe ich analogen Austausch vor. Deshalb möchte ich heuer meine Zeit in der Virtualität deutlich reduzieren. Arbeitsbedingt verbringe ich bereits sehr viel Zeit vorm Rechner. Meine Arbeit macht mir ungeheuren Spaß (allem voran der Teil, bei dem ich mir mit anderen Menschen zusammen großartige Geschichten ausdenke), doch warum abseits davon noch länger vorm Bildschirm hocken, anstatt Zeit mit den Menschen, Aktivitäten und Dingen verbringen, die mir im Leben am wichtigsten sind?

Freilich wird es hier auf dem Blog weiter gehen. Allerdings werde ich meine Beiträge ebenso wie meine übrigen Online-Aktivitäten in Häufigkeit und Länge beschränken. Denn kürzere und weniger Beiträge bedeuten nicht nur mehr Zeit für anderes für mich, sondern auch für euch, geschätzte Mitlesende! Über Austausch freue ich mich natürlich dennoch nach wie vor – in den Kommentaren, aber am liebsten analog.

In diesem Sinne: Auf bald in der analogen Welt!

Alles Liebe
Philipp

Handverlesen in 2025

Da 2025 nun endgültig vorüber ist, wird es Zeit für meinen persönlichen Jahresrückblick. Und los geht’s!

Jahresmotto: Ein Leben in Hülle und Fülle

2025 suchte ich mir zum ersten Mal ein übergeordnetes Jahresmotto heraus, das mich 365 Tage lang begleiten sollte. Das hat mir in mehrerlei Hinsicht sehr getaugt:

  1. An keinem Moment im Jahr fehlte mir etwas – allen selbst auferlegten Einschränkungen zum Trotz.
  2. Das Motto führte mich thematisch wie ein roter Faden durch das Jahr. Gelegentlich machte mir das Entscheidungen einfacher, weil ich bewusst sagen konnte: Entsprechend meinem Motto handle ich so.
  3. Es tat mir nach über zehn Jahren, die ich mich bereits mit dem übergeordneten Thema Minimalismus auseinandersetze, und mehreren Jahren, in denen ich für meine Verhältnisse über Geld im Überfluss verfügte, gut, mich mal wieder zurückzubesinnen: Was brauche ich? Was möchte ich? Was ist mir wichtig?

Dafür hatte ich mir zu Beginn ein paar Maximen an die Hand gegeben, die dem Motto folgten:

Nix Neues – Bis auf ein paar wenige Ausnahmen hat das ausgezeichnet funktioniert. Die Idee dahinter war, das zu nutzen, was ich bereits besitze, anstatt noch mehr anzuhäufen. Letzteres ist bei mir insbesondere bei Gesellschaftsspielen ein wunder Punkt. Abhilfe geschaffen haben wir Brettspielcafés und Bibliotheken. Das möchte ich künftig beibehalten: Bevor ich mir ein Spiel (oder etwas anderes) selbst zulege, leihe ich es erstmal aus, um es auszuprobieren und herauszufinden, wie oft ich es tatsächlich selbst nutzen würde. Eine große Ausnahme dürfte hier meine größte Anschaffung des vergangenen Jahres sein: In Berlin habe ich ein Harmonium erworben, weil ich meine musikalische Ausbildung verbessern möchte. Da es jedoch aus einem Gebrauchtwarenkaufhaus stammt, wurde es zumindest nicht neu produziert.

Aufbrauchen – Dass das gut funktioniert hat, liegt zu großen Teilen im Verdienst meines Partners. Der hat nämlich gelegentlich tabula rasa gemacht und einfach nach und nach sämtliche Lebensmittel aufgebraucht, die ich für etwaige besondere Anlässe aufgehoben habe. Meine Erkenntnis: Lebensmittel für besondere Anlässe aufzuheben, lohnt sich in der Regel nicht, weil man im Zweifel sogar riskiert, dass sie verderben. Mittlerweile ist sogar das Tiefkühlfach dermaßen leer, dass wir dieser Tage getrost abtauen können. Nur ein paar Überbleibsel aus der Weihnachtsbäckerei haben unsere Vorräte ungeplant etwas aufgestockt. Im Bad verbrauche ich weiter fleißig angesammelte Cremes auf. Was meine Kleidung anbelangt, ist es bei einigen Stücken nun wirklich an der Zeit, sie ist das Textilrecycling zu geben und sie zu ersetzen. Gleichzeitig habe ich von meinem Partner ein paar gut erhaltene Stücke vererbt bekommen, da er sie nicht mehr trägt und wir praktischerweise ähnliche Größen tragen.

Auswärtsessen beschränken – Diese Maxime habe ich recht rasch aufgegeben, weil einerseits meine Lebensumstände nicht dazu passen und ich andererseits einen Perspektivwechsel vollzogen habe: Mit der Kenntnis darüber, wie viel meine Zeit wert ist, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es für mich oft die bessere Investition darstellt, Zeit zu sparen, anstatt für mich allein zu kochen. Anderes verhält sich das, wenn es darum geht, etwas Besonderes zuzubereiten oder mit anderen Menschen zu kochen.

Reisen reduzierenObwohl ich bei weitem privat nicht so viel verreist bin, wie ich gern wäre, hat sich bei mir insbesondere am Ende des Jahres eine gewisse Art von Reisemüdigkeit eingestellt. Das hing vor allem damit zusammen, dass ich über das Jahr betrachtet kaum in Berlin war und sich gleichzeitig bei mir das Gefühl einstellte, dass ich nicht ausreichend Projekte fertig bekommen würde. Daraus nehme ich zwei Fragen mit für das neue Jahr: Erstens, wie ich meinen kreativen Ertrag auf Reisen erhöhen kann, und zweitens, wie sich mein ideales Jahr real abbilden lässt.

Aktivität statt Konsum – An Aktivität hat es mir eigentlich nicht gemangelt. Davon zeugen zumindest verwunderte Aussagen aus meinem näheren Umfeld, wie ich all meine Projekte unter einen Hut bekomme. Dennoch ist meinem persönlichen Empfinden nach mein Verhältnis von kreativem Ertrag und – allem voran digitalen – Konsum noch nicht ausgewogen. Die Krux hierbei liegt darin, dass meine Arbeit letztlich stets in digitaler Form abgegeben wird. Dieses Thema nehme ich also auch mit ins neue Jahr.

Januar

Dafür, dass ich den Jahresbeginn ruhig anlaufen lassen wollte, war der Januar bereits gut gefüllt: Viele Verabredungen, viele Filme zu Hause und im Kino geschaut, viele Abende mit Gesellschaftsspielen – diese Seite mag ich an Winter. 🥰

Da Skiurlaub in den Bergen leider nicht drin war, suchte ich mir einen alternativen Wintersport: Schlittschuhlauf. Praktischerweise gibt es in Berlin einige Eisbahnen, derer Eintritt wesentlich günstiger als ein Skipass ist. Denselben Effekt hat es freilich nicht, aber ich empfinde es zumindest als guten Ausgleich zum mangelnden Lauftraining im Winter. ⛸

Außerdem waren meine Eltern zu Besuch in Berlin. Gemeinsam schlemmten wir uns durch die Grüne Woche in Berlin und erkundeten den Tempelhofer Flughafen im Rahmen einer geführten Tour. 🗼

Februar

Um mein Multi-Ticket für die Eisbahn vollends auszunutzen, ging ich recht regelmäßig zum Schlittschuhlaufen. Und siehe da: Mit regelmäßigem Training klappte es allmählich sogar mit dem Bremsen auf Eis. 🚨

Im Februar lief außerdem mein Arbeitsjahr an. Den Anfang machte die Berlinale. Von wahllosen Besuchen bei überfüllten Branchenveranstaltungen halte ich ehrlich gesagt nichts. Eine erwähnenswerte Ausnahme hiervon stellt die Screenwriters’ Lounge dar. Da kommen unzählige Drehbuchautor*innen zusammen, um sich auszutauschen. Neben interessanten Panels gibt es dort auch zahlreiche Möglichkeiten, um alte Bekannte zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen. Und tatsächlich hat sich daraus sogar die eine oder andere Kollaboration ergeben. 🎞

Darüber hinaus rief mich Lüneburg zurück. Was soll ich sagen: Die Stadt ist so pittoresk wie eh und je. Die Arbeit an Staffel 24 von Rote Rosen hat unglaublich viel Spaß gemacht und das Ergebnis kann sich auch sehen lassen! (Werbung in eigener Sache: montags bis freitags um 14:10 im Ersten oder zeitunabhängig in der Mediathek) 📺

März

Trotz weiterhin kühler Temperaturen begab ich mich mit meiner Fun-Partnerin in crime Cloudy erst auf eine Bootstour durch den Hamburger Hafen und anschließend in das Miniaturwunderland. Mit meiner Schwäche für Modellbahnen war ich natürlich hin und weg! Gleichzeitig war ich auch etwas überwältigt von all den Details. Natürlich hat die Zeit bei weitem nicht genügt und es braucht noch mindestens einen weiteren Besuch. Abgesehen davon hätte ich mir aber durchaus mehr Züge gewünscht. 🚞

Darüber hinaus gehörten eine Buchbesprechung mit Cloudy (leider auch die einzige letztes Jahr 😅), eine Familienfeier, das erste Eis der Saison und die Sichtung einer unglaublich süßen Wildschweinfamilie zu meinen Höhepunkten im März. Ach ja, und zum ersten Mal seit Jahren habe ich ein Bad in einer Badewanne genommen. Für gewöhnlich gehöre ich ja eher zur Duschfraktion. Aber das Entspannungsbad auf dem Wannenrand der Produktionswohnung konnte ich einfach nicht länger ignorieren. 🛀

April

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich gern in Bibliotheken arbeite. Da versteht es sich von selbst, dass mich die Nacht der Bibliotheken anspricht. Arbeitsbedingt habe ich es nur zu zwei Veranstaltungen geschafft, aber das hat sich auch schon gelohnt: Erst nahm ich an einer Tour zur Architektur des Grimm-Zentrums in Berlin teil. Die Gestaltung fand ich schon immer faszinierend, doch mit Einblicken eines Architekten erhält man noch mal einen ganz anderen Blick darauf. Im Anschluss ging es hinter die Kulissen der Bibliothek. Da hätte ich gern noch mehr erfahren, aber der spannendste Teil bestand im Grunde im Besuch des Archivs, weil man Bücher zu sehen bekommt, die dem Krieg zum Opfer gefallen und deshalb anderweitig nicht mehr verfügbar sind. 📚

Außerdem nahm ich an einer Fortbildung zum Dialogformat Sprechen & Zuhören des Vereins Mehr Demokratie e.V. teil. Der Name ist hier Programm. Manche kennen die Prinzipien womöglich aus therapeutischen Formaten. Der Verein nutzt das Format hingegen, um Dialog zwischen politisch verhärteten Fronten anzuregen. Äußerst erhellend und empfehlenswert! 🗣

Zudem gab es neben vielen Wanderungen und Eierwürfen an Ostern auch zum ersten Mal selbst gemachten alkoholfreien Eierlikör. Wer sich fragt, was der Sinn dahinter ist: Zwar trinke ich keinen Alkohol, allerdings liebe ich Eierlikörkuchen. Deshalb hatte ich nach einem Weg gesucht, wie sich der ohne Alkohol herstellen lässt. Wie so oft hieß es auch hier: Was richtig werden soll, macht man am besten selbst. 🐰

Mai

Den Monat startete ich mit einer Retrospektive zum gesammelten Werk Wes Andersons, die in einem Berliner Kino angeboten wurde. Als bekennender Fan seiner Arbeit kam ich nicht umhin, mir sämtliche Werke noch einmal zu Gemüte zu führen. Bis auf einen ist mit das tatsächlich auch gelungen und ich durfte feststellen: In seinen Filmen fühle ich mich einfach zu Haus. 🍿

Weiterhin gab es einige unerwartete Wiedersehen in der Heimat bei der mittlerweile alljährlich stattfindenden Kulturnacht, bei der ich meine Erstheimatstadt aus einer für mich völlig neuen Perspektive betrachten konnte: Vom höchsten Punkt der Stadt aus. Spektakulär! 🤩

Juni

Im Juni kam ich endlich dazu, die ersten Erdbeeren des Jahres zu genießen. Sie gehören schon seit Kindertagen zu meinen absoluten Lieblingsnüssen! Entsprechend zelebriere ich den Verzehr – am liebsten in Reinform oder als Erdbeertorte. 🍓

Mein Partner und ich teilen uns den Juni als Geburtstagsmonat und gingen in beiden Fällen köstlichst miteinander dinieren. Sonst empfand ich den Tag meines Geburtstags selbst als äußerst unaufgeregt. Da ich den ganzen Tag arbeitete, blieb nur der Abend für all die Telefonate, die ich tagsüber nicht wahrnehmen konnte. Und wie könnte man die schöner verbringen, als bei einem kühlen Getränk in einem Park wie aus dem Bilderbuch, während man ein schwules Erpelpärchen beim abendlichen Sonnenuntergangsspaziergang beobachtet? 🌅

Juli

Im Juli durfte ich mit zum Futuren. Dabei schließen sich mehreren Autor*innen in einem entlegenen Hotel ein, um über die Zukunft (konkret: die nächsten 10 – 15 Wochen) der Serie zu fantasieren. Was wird all unseren geliebten Figuren widerfahren? Wie werden sie sich verhalten? Wann verlässt X die Serie und wieso? Die Arbeit im Klausurmodus macht äußerst viel Spaß! Und als wäre das nicht genug, fühlen sich die gemeinschaftlichen Abende auch noch wie Klassenfahrt an. Diesen konzentrierten Klausurmodus würde ich mich für meinen Arbeitsalltag häufiger wünschen. Dafür mag ich mir im neuen Jahr ein paar Kniffe überlegen. 🗝

Außerdem fuhr ich mit lieben Freunden in die Stadt der Liebe. Zugegeben, diesen Titel beansprucht mehr als eine Stadt. Wir waren also in Paris. 17 Jahre lang war ich nicht mehr dort gewesen. Es hat sich einiges getan und es gibt auch einiges Liebenswertes an der Stadt: Bei Sonnenuntergang auf dem Tour Montparnasse zu stehen, lässt einen die Stadt im besten Licht beobachten. Dabei erlebten wir sogar einen exorbitant großen Blutmond. Sagenhaft! Begeistert war ich auch von einem spontanen Tag mit einem Freund, der in Paris lebt. Eigentlich waren wir nur zum Mittagessen verabredet. Am Ende verbrachten wir aber den restlichen Tag zusammen und hatten eine richtig gute Zeit in dem Gesangslokal der Stadt schlechthin! Außerdem war ich mit einem meiner Reisegenossen in der Seine schwimmen, worauf ich schon den gesamten Urlaub hinfieberte. Davon können sich deutsche Städte gern eine Scheibe abschneiden. 🥐

Der Juli hatte aber noch mehr parat: In Berlin war CSD, bei dem ich dieses Jahr – perfekt vorbereitet – erstaunlich lang durchhielt. Und einen äußerst schönen Brettspieltag in Erfurt gab es auch noch. Solche Brettspieltage darf es gern mehr geben. 🎲

August

Im August war ich – mal wieder – auf Heimaturlaub. Dafür gab es gleich mehrere Anlässe: Eines meiner Patenkinder hatte Schuleinführung. Sie werden ja so schnell groß! 🥲

Außerdem feierte meine Erstheimatstadt 700-jährige Ersterwähnung, weshalb heuer besonders groß aufgefahren wurde. Entsprechend gab es neben vielen glücklichen Wiedersehen mit Menschen aus vergangenen Zeiten auch hochkarätige Konzerte: Sowohl die Spider Murphy Gang (“Skandal im Sperrbezirk”) als auch Cora (“Amsterdam”) traten auf. Beide Konzerte haben mich auf unterschiedliche Art fasziniert. In jedem Fall hatte ich Spaß! 🕺

Auch das Schwimmen in Gewässern wurde für mich zum wiederkehrenden Thema. Denn neben der Seine im Juli gelang es mir im August noch, in der heimatlichen Talsperre sowie in der Ilmenau in Lüneburg schwimmen zu gehen. Das rundete den Sommer für mich ab! Jahrelang war ich im Sommer gar nicht mehr draußen schwimmen und das fand ich stets schade. 🏊‍♂️

September

Eine Sache brachte ich im Sommer aufgrund meiner hohen Reisefrequenz dann doch nicht mehr unter: Eine Kajaktour. Deshalb schwang ich mich im September nach Königswusterhausen, um zumindest eine Tagestour im Jahr zu haben. Wie das ausging, kann man hier nachlesen. Trotz horrend steigender Mieten haben Berlin und Umgebung nach wie vor zahlreiche kostenfreie Angebote für Ausflüge in petto – manchmal dauern Dinge nur etwas länger. Ein Beispiel dafür ist das Bauhaus-Archiv, das im August seine Pforten öffnete, um über den aktuellen Stand zu informieren. Denn wie so oft dauern die Bauarbeiten auch hier mal wieder länger als zunächst veranschlagt. Wer es eher traditionell mag, wird in Potsdam fündig: Der Stadtteil Babelsberg begeistert nicht nur mit seiner lang zurückreichenden Filmgeschichte, sondern auch mit seinen wunderschönen Schlössern und Villen. 🏰

Ein weiterer Höhepunkt war für mich ein Kurzurlaub in Kopenhagen. In dieser Stadt wird aktuell vieles richtig gemacht, um das Leben für die Menschen angenehmer zu machen. Auch hier dürfen sich deutsche Städte gern das eine oder andere abschauen. Und auch hier wagte ich noch einmal den Sprung ins kühle Nass – obwohl die Temperaturen es schon sehr herausfordernd machten. Ja, es tat weh. Aber es hat sich gelohnt! 🥶

Relativ kurzfristig meldete ich mich außerdem für Seriesly Berlin, einer Branchenveranstaltung für Fernsehserien, an. Das war eine vollgepackte Woche mit Screenings neuer Serien, Paneldiskussionen rund um Produktionsbedingungen und Workshops. Obwohl ich anfangs damit haderte, ob ich mich anmelden soll, bin ich froh, es getan zu haben. Denn ich schätze familiäre Veranstaltungen, bei denen man nicht nur Bekannte trifft, sondern auch einfach Zugang zu neuen Kontakten hat. 🤝

Zu guter letzt unternahm ich noch einen Kurzausflug nach Bamberg. Schon länger hatte ich mir vorgenommen, meinen Cousin und meine Cousine an ihren jeweiligen Studienorten zu besuchen. Spontan übernachtete ich dann gleich noch da. Was soll ich sagen? Bamberg ist bildhaft schön und die Reise inspiriert mich direkt zu ein paar weiteren Kajaktouren für das neue Jahr! 🛶

Oktober

Wer dachte, ich sei bis jetzt viel unterwegs gewesen, hat den Oktober noch nicht gelesen. 🙈

Direkt vor Semesterbeginn besuchte ich direkt noch meine Cousine in Jena. Die Stadt ist gar nicht so groß, hat aber dank der bergigen Lage einige Schmankerl zu bieten. Und wieder gibt es eine neue Anregung für Kajaktouren! ⛰

Mit einem Schulfreund stattete ich außerdem der Hobbymesse in Leipzig einen Besuch ab. Nach zwei Messen binnen eines Jahres halte ich für mich fest, dass ich sie vor allem als äußerst stressige Verkaufsveranstaltungen empfinde. Ja, man entdeckt gegebenenfalls ein paar tolle Dinge, aber als entspannt empfinde ich das nicht. Ob das auf anderen Messen anders läuft? Bei der Hobbymesse haben mich naturgemäß die ausgestellten Modellbahnanlagen am meisten interessiert. 🚂

An einem Wochenende in Lüneburg brachte mich Cloudy Geocaching näher. Was für ein Spaß! Das probierte ich dann direkt noch einmal selbst in Bremen und Lübeck aus. Damit war ich nun nach 34 Jahren in allen sechzehn Bundesländern Deutschlands. Bremen und Lübeck haben beide ihren Charme. In beiden Fällen war ich mit Freund*innen unterwegs und konnte mich den hiesigen Leckereien nicht verwehren. ☕️

Bei dem Ausflug in Lübeck besuchten wir außerdem eine inoffizielle, aber deshalb nicht weniger eindrucksvolle Star-Wars-Ausstellung. Und apropos abgespacet: Das Konzert von HVOB in Leipzig war der Hammer! Einen Eindruck kann man hier gewinnen. Live sind Sonnenbrillen wärmstens empfohlen. 😎

Halloween war auch noch. Zuletzt nahm ich als Kind an den damit verbundenen Feierlichkeiten teil. Aber nachdem meine Kolleginnen selbst so viel Spaß daran haben, unter höchstem Einsatz von Deko für die gesamte Produktion eine Halloween-Party auf die Beine zu stellen, bin ich nun mit dem Virus infiziert und habe große Lust, noch mehr eigene Kostüme herzustellen. 🎃

November

Der Reisen wurde es auch im November nicht weniger. Meine Arbeit in Lüneburg war zwar abgeschlossen, aber privat gab es dafür umso mehr: Den Anfang machten sechs Geburtstage. Praktischerweise wurden einige davon gebündelt. 🎉

Weiter ging es nach Israel. Aufgrund eines Krankheitsfalls in der Familie meines Partners wollten wir mit dem Besuch nicht warten. Es war in diesem Sinne keine klassische Urlaubsreise, sondern eher ein reiner Familienbesuch. Man sieht sich definitiv zu wenig. Zum Glück gibt es eine hoffnungsvoll stimmende Prognose. 🙏

Zurück in Deutschland ging es direkt an die Vorbereitung der Feiertage. Heuer war ich in besonders ausgeprägter Weihnachtsstimmung. Womöglich habe ich mir auch deshalb etwas mehr als realistisch umsetzbar vorgenommen – oder ist es einfach mein Naturell? Zumindest kann sich unser Tannenbaum sehen lassen, auch wenn er erst im Dezember fertig wurde. Leider reicht die Zeit trotzdem wirklich niemals aus, obwohl ich mir jedes Jahr vornehme, früher zu beginnen. Womöglich halte ich mich ja in 2026 daran und fange bereits Anfang November mit Plätzchen backen an? 🍪

Dezember

Entsprechend war auch der letzte Monat des Jahres noch gut gefüllt. Den Anfang machte die Televisionale in Weimar, was eine Premiere darstellte. Bisher war sie in Baden Baden zu Hause. Als gebürtiger Thüringer freue ich mich aber sehr darüber, dass es nun auch in meiner Heimat eine solch wichtige und große Branchenveranstaltung gibt. Generell ist Weimar solch eine schmucke Stadt, aber angenehm in Hinblick auf die Größe, weil alles fußläufig erreichbar ist. Trotz der Größe der Veranstaltung hatte ich den Eindruck, dass alle Anwesenden sehr nahbar waren – wenn man von Bernd dem Brot absieht. 🍞

Weiterhin gab es noch zwei Familienfeiern. Abgesehen davon war ich froh darüber, auf das Ende des Jahres hin zumindest noch zwei Wochen am Stück in Berlin zu sein. Zu tun gab es noch mehr als genug: Plätzchen und Lebkuchen backen und versenden, Geschenke besorgen und verpacken, Weihnachtslieder auf dem Harmonium einstudieren, … Ganz im Sinne von “Klasse statt Masse” hatte ich vor den Feiertagen nur eine Weihnachtsfeier, die meiner Brettspielgruppe. 🎄

Die Feiertage an sich entpuppten sich als eine Mischung aus gediegen und proppevoll – auch abseits meines Magens. Jeden Tag stand ein anderer Termin auf dem Programm. Da dies jedoch alles Termine mit mir sehr wichtigen Menschen waren und ich mir keine schönere Art, die Feiertage zu verbringen, vorstellen kann, habe ich das sehr genossen. Höhepunkt des Ganzen war schließlich die Neujahrsfeier mit jahrzehntelangen Freunden in einer entlegenen Mühle, wo ich – sehr zur Freude meiner Misophonie – nicht einen einzigen Böller hören konnte. ✨

Rückblickend komme ich nur zu einem Schluss: Das Jahr 2025 war für mich vor allem ein Jahr der Fülle und das habe ich sehr genossen!

Was ist dir aus dem letzten Jahr besonders im Gedächtnis geblieben? Teile es gern in den Kommentaren!

Alles Liebe
Philipp


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Handverlesen.

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