FAQ – Fragen, die mir zu den Ohren raushängen

Neuer Ort, neue Leute, neue Fragen? Weit gefehlt. Beim Smalltalk zum Kennenlernen schleichen sich oft die immerzu gleichen Fragen ein. Für ebendiese gibt es nun diese Seite mit den Antworten dazu.

(Trotz regelmäßiger Aktualisierung ohne Gewähr auf Vollständigkeit.)

  1. Woher kommst du?
    Ja, ich weiß, diese Frage scheint wie ein wunderbarer Einstieg, um ein Gespräch zu beginnen. Ein Eisbrecher quasi. Ich weiß nur nie, wie ich darauf antworten soll. Antworte ich mit „Deutschland“ folgt die Frage nach einem spezifischen Ort. Nun zwängt sich mir schon die alles verkomplizierende Gegenfrage „Gebürtig oder … ?“ auf. Antworte ich also mit dem Namen eines kleinen Städtchens, das kaum jemand kennt, oder mit dem Ort, in welchem ich zuletzt gewohnt habe? Oder gar mit der Lokalität, die ich zuletzt aufgesucht habe? Dabei will mein Gegenüber doch nur eine simple Antwort auf seine offensichtlich doch nicht so triviale Frage. Ich frage mich unterdessen, welchen aufschlussreichen Informationsgewinn man sich davon eigentlich erhofft. Reaktionen wie „Ah! Das erklärt so einiges, was ich in den letzten 20 Sekunden an dir beobachtet habe!“ hatte ich jedenfalls noch Zeit meines Lebens noch nie. Letztlich gilt meiner Meinung nach:

    Es ist nicht wichtig, woher du kommst, es ist wichtig, wohin du gehst.
    – Ella Fitzgerald

  2. Bist du des Umziehens nicht müde?
    Ich bin bisher nicht nur selbst oft umgezogen, sondern habe als Helfer auch bereits bei unzähligen anderen Umzügen beigewohnt. Und wenn ich mir den durchschnittlichen Umzug so anschaue, wird mir schnell klar, weshalb diese Frage überhaupt aufkommt. Viel zielführender wäre allerdings die Frage: Was ist an Umzügen eigentlich so ermüdend? Maßgeblich drei Punkte: Die gesamte Wohnung in Kisten zu verpacken, ebendiese Kisten mitsamt der Möbel zu schleppen und das Ummelden. Und all diese Punkte lassen sich umgehen. Ich habe unlängst beschlossen, nur noch aus dem Rucksack zu leben. Wenn ich umziehe, packe ich daher nur meinen Rucksack. Ich habe meine Möbel verkauft und ziehe bevorzugte in möblierte Unterkünfte zur Zwischenmiete. Was das Ummelden anbelangt, bin ich noch nicht beim Non-Plus-Ultra angelangt, aber ich arbeite daran. Das Ziel: Ins Ausland abmelden, sobald ich nicht mehr studienbegingt länger als drei Monate am Stück in Deutschland verweilen werde. Dann hat auch das endlich ein Ende. In der Frage verborgen liegt darüber hinaus noch ein ganz anderer Aspekt, den viele Menschen scheinbar ignorieren: Sind sie es denn nicht müde, über Jahre am gleichen Ort zu leben? Ich bin es jedenfalls sehr schnell.
  3. Vermisst du deine Familie und Freunde gar nicht?
    Ich verrate dir nun ein offenes Geheimnis: Ich vermisse Menschen nicht. Das stellt mich regelmäßig vor ein Problem, wenn mir andere verkünden, sie vermissten mich. Die Erwartungshaltung ist klar: Es wird ein ‘Ich vermisse dich auch’ erhofft. Ich möchte aber weder lügen, noch verletzen. Nun denken viele, dass ich gefühlskalt sei beziehungsweise überhaupt keine Gefühle habe. Dabei ist das Gegenteil der Fall! Ich freue mich ungemein, Menschen, die ich liebe, zu sehen. Nur gerät mein Leben nicht gleich aus den Fugen, wenn ich sie nicht sehe. Das hat sich bereits im Kindesalter bemerkbar gemacht. Während andere Kinder bei Abschieden über mehrere Tage hinweg ihren Eltern hinterher weinten, war ich stets froh darüber, mal etwas Neues um mich herum zu haben. Entsprechend suspekt fand ich Heimweh und konnte nie so wirklich nachvollziehen, was das eigentlich ist. Und seien wir mal ehrlich: Was werden diese Worte überstrapaziert… Wie inflationär gebrauchen Menschen diesen Satz, ohne ihn tatsächlich zu empfinden? Wenn man sich nämlich der genauen Bedeutung bewusst wird, dürfte recht schnell ersichtlich sein, dass er von den meisten Leuten missverstanden wird. Wie oft fühlen wir denn wirklich, dass unser Leben unvollständig ist, weil wir gerade eine bestimmte Person nicht um uns herum haben? Ich kann nur für mich selbst sprechen, wenn ich sage, dass ich das tatsächlich nicht kenne. Es mag durchaus eine Frage der Einstellung sein. Der Kern ist dabei doch: Machen wir unser Glück von anderen abhängig oder nehmen wir es selbst in die Hand? Ich halte letzteres für die gesündere Haltung und meine, dass Freundschaft und Liebe Luxus sind, den wir uns möglichst oft gönnen sollten, ohne ihnen zu verfallen oder sich an sie zu klammern.
  4. Was machst du so?
    Ich studiere (sowohl an einer Hochschule, als auch abseits vom öffentlichen Studium, Sprachen beispielsweise), mache Filme und Sport, schreibe, erledige Aufträge, rette Lebensmittel, führe gelegentlich in einem studentischen Kino vor oder helfe anderweitig aus, dichte ab und an und erwerbe Kenntnisse und Fähigkeiten von Dingen, die mich interessieren. Natürlich sind meine Tage dafür viel zu kurz, weshalb es wie ein andauernder Balanceakt für mich ist, alles unter einen Hut zu bringen. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  5. Woher nimmst du das ganze Geld für all die Reisen?
    Steuerhinterziehung lautet das Wort der Stunde natürlich nicht. Ich habe verschiedene Bezugsquellen von Geld. Die wohl signifikanteste ergibt sich aus all den Dingen, die ich nicht habe/kaufe/unterhalte: Kein fester Wohnsitz, kein Auto, keine unnötigen Versicherungen, keine Haustiere, keine Feiertagsdekoration, keine monatlichen Shopping- oder wöchentlichen Sauftouren und keine ungenutzten Mitgliedschaften beziehungsweise Abonnements. Denn all das summiert sich schleichend. Natürlich steht hier eine Frage vorn an: Was ist mir wichtig im Leben? Entsprechend setze ich meine Ressourcen ein.
  6. Lässt du deine Kinder später auch ständig umziehen?
    Aus mir unerklärlichen Gründen, wird in unserer Gesellschaft immer noch davon ausgegangen, dass ich Kinder haben werde. Dabei wäre die richtige Frage meines Erachtens: Möchte ich überhaupt Kinder? Das fragt mich aber niemand, obwohl es doch wohl immer noch meine Entscheidung ist, ob ich welche zeuge und/oder adoptiere oder nicht. Kinder sind wunderbar und unsere Zukunft. Und da ist auch schon mein Stichwort: Wenn ich in meine eigene schaue, sehe ich da so einige Vorhaben, die ich umsetzen möchte. Wenn schon Kinder, dann richtig. Ich will kein Vater sein, der seine Kinder nur alle paar Wochen sieht, weil er von einem Projekt zum nächsten hechtet. Meine Arbeit erfordert eine gewisse Flexibilität. Und was für eine Kindheit ist das bitte, wenn man die Eltern nie zu Gesicht bekommt? Das möchte ich keinem Kind antun. Wie sich das vereinbaren lässt, wird sich zeigen, wenn es so weit ist.

2 Kommentare

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  1. Hallo Philipp,

    was ist mit „Was machst du eigentlich beruflich?“ Wahrscheinlich häufig gefolgt von: „Kann man davon denn leben?“ ;)

    Viele Grüße
    Sven

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