Der Frühling ist in vollem Gange und ein Feiertag reiht sich an den nächsten. Deshalb denke ich an diesen Tagen nicht nur besonders gern an meine Kajaktour von Halle auf der Saale zurück, sondern auch an all die Bollerwagentouren aus meiner Jugendzeit.
Wer Letzteres nicht kennt: In meiner Heimat ist es an Himmelfahrt üblich, dass man mit Freunden sowie einem voll beladenem Bollerwagen loszieht und von Dorf zu wandert, um dort jeweils einkehren zu gehen. Lange Zeit war das Männern vorbehalten, aber inzwischen ist das zum Glück nicht mehr so eng.
Schon während meiner Jugendzeit schätzte ich sehr, dass man den ganzen Tag mit Bewegung an der frischen Luft verbrachte und ein Mini-Abenteuer mit Freunden erlebte. Freilich waren nicht alle Erlebnisse positiv und mit einigen Aspekten dieses Brauchtums kann ich heute freilich nichts mehr anfangen; sei es der weit verbreitete exzessive Alkoholkonsum oder die religiöse Konnotation. Und auch damals schon störte mich, wie sorglos viele Himmelfahrtspilger unsere Umwelt vermüllen.
Eine Sache habe ich mir jedoch bewahrt: An ausgedehnten Wanderungen in ländlicher Umgebung erfreue ich mich immer noch – sei es zu Fuß oder Wasser. Entsprechend begab ich mich um Himmelfahrt 2022 auf eine idyllische mehrtägige Flusswanderung von Halle über die Saale und Elbe nach Magdeburg.
Aufmerksam Lese dürften bereits bemerkt haben, dass ich “Magdeburg” im Titel durchgestrichen habe. Zu den Gründen dafür kommen wir später. Beginnen wir am Anfang der Reise:
Etappe 0: Anreise nach Halle
Zwei Tage vor Himmelfahrt reiste ich per Zug mit meinem Kajak im Gepäck nach Halle. Dank meines zusammenklappbaren Bootswagens stellt das kein Problem dar. Bei meinen Paddeltouren geschieht vieles spontan, denn oft weiß ich am Morgen noch gar nicht, wie weit ich kommen werde. Aus anderen Gründen (Arbeit, Arbeit, Arbeit, …) habe auch erst während der Zugfahrt meine Unterkunft in Halle für eine Nacht gebucht.
Moderne Technik macht es möglich, dass man komplett ohne menschliche Interaktion buchen, ein- und auch wieder auschecken kann. Etwas befremdlich ist mir das sehr wohl, allerdings stört mich das bei einer Nacht gar nicht so sehr. Zum Glück sollte ich im Rahmen dieser Paddeltour noch die eine oder andere zwischenmenschliche Begegnung erleben.
Halle ist in meinen Augen eine unterschätzte Großstadt: Bei meinem kurzen Stadtbesichtigung zu Fuß stieß ich nicht nur auf wunderschöne Villen und imposante Bauwerke entlang der Saale, sondern schätzte die angenehme Mischung aus urbanem Flair und Naturnähe, was sicherlich auch an der moderaten Bevölkerungszahl liegt. Bei meiner Erkundung entlang der Saale hielt ich nebenbei gleich noch nach einer günstigen Einsatzstelle für mein Kajak Ausschau und entdeckte ein süßes Café, wo ich mich mit Apfelstrudel eindeckte.

Etappe 1: Halle – Kloschwitz
Am nächsten “Morgen” startete ich dann wesentlich später als geplant – nicht nur, weil ich verschlafen hatte, sondern auch weil die Feuerwehr zunächst noch meine erspähte Einsatzstelle blockierte. Kurz nach 12 konnte es dann endlich losgehen.
Bereits nach wenigen hundert Metern erreichte ich die erste Schleuse. Der Schleusenwart dort erwies sich als äußerst gesprächig. Aber das stört mich nicht – im Gegenteil: So eine kleine Plauderei zwischendurch ist immer ganz angenehm.
Vorab las ich im Internet über das Meer der roten Felsen. Das klingt erstmal sehr spannend. In meiner Vorstellung würde ich vorsichtig durch aus der Saale ragende rote Felsen navigieren müssen, um mein Boot nicht zu beschädigen. Insofern war ich etwas ernüchtert von der Größe des vermeintlichen landschaftlichen Wahrzeichens. Doch insgesamt erwies sich die Saale als landschaftlich sehr lieblich. Außerdem genoss ich sehr, wie wenig Bootsverkehr unterwegs war – auch wenn das wahrscheinlich nicht repräsentativ ist.
In Wettin genoss ich mit Ausblick auf die Wettiner Burg eine noch im Betrieb befindliche Hochseilfähre. Außerdem gab es auch hier wieder eine Schleuse zu durchqueren, die jedoch ferngesteuert betrieben wurde. Den gesamten Tag über begleiteten mich Kuckucksrufe, was ich als sehr idyllisch wahrnahm.
In Kloschwitz schlug ich schließlich auf einem kleinen Zeltplatz mein Zelt auf und gönnte mir zur Feier des Tages erstmal mein erstes Stück Erdbeertorte des Jahres. Außerdem lernte ich ein verrentetes Ehepaar samt Hund kennen, die ihren Ruhestand zwischen ihrem sesshaften Leben in Meißen und ihrem Boot aufteilen. Natürlich war ich sofort angetan vom Leben auf dem Boot! Einzig die Kosten und regelmäßigen Arbeiten sollte man nicht unterschätzen.

Etappe 2: Kloschwitz – Bernburg
Am Himmelfahrtstag selbst begab ich mich etwas früher auf Tour. Natürlich wollte ich am Feiertag ganz besonders in den Genuss eines Kuchens kommen. Doch das sollte sich als schwieriger erweisen als zunächst gedacht.
Zunächst einmal sei gesagt, dass die Saale an Himmelfahrt alles andere als ruhig ist. Das liegt jedoch weniger am Schiffsverkehr, als an den ganzen Betrunkenen an den Ufern des Flusses, die naturnah Party machen wollen und dies entsprechend lautstark mit Musik untermalen. Mir wurden unterwegs einige Biere angeboten, aber leider standen keine alkoholfreien zur Auswahl.
An jedem noch so kleinen Ort, den ich passierte, legte ich in der Hoffnung an, auf ein Volksfest zu stoßen, wo ich Kuchen erwerben könnte. Doch viele Orte waren komplett verwaist. Von feiernder Dorfgemeinschaft, wie ich es aus meiner Heimat im Vogtland kenne, keine Spur. Fast wollte ich schon aufgeben – bis ich in Großwirschleben in Ufernnähe fündig wurde. Beim dortigen Volksfest konnte ich fünf Stücken gemischten Kuchen erwerben, wurde dafür jedoch auch mein letztes Bargeld los. Aber egal, Hauptsache Kuchen!
Woran ich in diesem Moment nicht gedacht hatte, war, dass ich im weiteren Verlauf der Reise durchaus noch mehr Bargeld benötigen könnte. Aber zumindest auf dem Zeltplatz in Bernburg konnte ich per Rechnung bezahlen. Anlässlich Himmelfahrt gab es als Abendunterhaltung eine “Männertagssause” mit “!!! DREI BIERWAGEN !!!”. Es erklärt sich von selbst, dass das nicht meinem bevorzugtem Abendprogramm entsprach. Stattdessen zog es mich weg vom Zeltplatz zur namensgebenden Burg Bernburgs, die bei Abenddämmerung viele schöne Aussichten bietet. Insgesamt erwies sich Bernburg mir äußerst pittoresk.

Etappe 3: Bernburg – Barby
Am nächsten Morgen ließ ich den von den Feiernden mit deutlichen Spuren versehen Zeltplatz zurück. Die einzige größere Ortschaft während der gesamten Tagesetappe unterwegs war Calbe.
Den ganzen Tag über begleitete mich starker Wind. Der äußerte sich auf eine von zwei Arten:
- Entweder gab er mir ordentlich Rückenwind. Das gefiel mir freilich.
- Oder er sorgte dafür, dass ich andauernd gegen Gegenwind und Wellen steuern musste. Das war den Großteil des Tages der Fall und äußerst anstrengend.
Bei all dem Wind hatte ich ehrlich gehofft, dass es ab der Mündung der Saale in die Elbe besser werden würde. Doch das Gegenteil trat ein: Dort wurde der Wellengang so stark, dass ich Sorge hatte, zu kentern. Andere Flusswandernde, die aus Dresden kamen, bestätigten mir mit ihren Erfahrungen, dass auf der Elbe vorerst kein Weiterkommen sein würde.
Also entschied ich mit dazu, in einem Hotel Garni in Barby für die Nacht unterzukommen und am folgenden Tag die Lage erneut zu beurteilen.

Fußbus-Etappe: Barby – Gnadau
Am nächsten Morgen ward es jedoch eher schlimmer als besser. Ein regelrechter Sturm zog auf. Entsprechend entschloss ich mich dazu, meine Paddeltour an dieser Stelle abzubrechen. Sicherheit geht schließlich vor. Entsprechend ließ ich die restliche Strecke bis Magdeburg sausen.
Praktischerweise konnte ich das Hotel in Barby mit Karte bezahlen. Das galt jedoch nicht für den Bus. Und so sah ich mich mangels Bargeldautomat gezwungen, mein Kajak bis zum nächsten Bahnhof zu Fuß zu transportieren. Ganze acht Kilometer schob und zog ich meinen Bootswagen mitsamt all meiner Ausrüstung also bis nach Gnadau zum Bahnhof, bevor ich von dort aus zwei Stunden später per Zug via Magedeburg die Heimreise nach Berlin antrat.
Sehnsucht nach Paddeln
So schön ich es auch empfinde, mich an diese Tour zu erinnern – sie ist schon vier Jahre her. Im Allgemeinen hatte ich schon mehrere Jahr nicht die Möglichkeit, am nationalen Bollerwagentag alias Himmelfahrt selbst auf Tour zu gehen – auch wenn es sich wie gestern anfühlt, dass ich diese Tour unternahm.
Während ich also diese Zeilen schreibe, spüre ich, wie sehr es mich schon wieder auf das Wasser zieht – auch wenn ich auch dieses Jahr an den Frühlingsfeiertagen nicht dazu komme, weil ich beruflich gebucht bin. Doch mir bleibt noch die Hoffnung auf den Sommer und den Herbst.
Wie hast du die Maifeiertage heuer verbracht? Bist du Typ Bollerwagen, Fahrrad oder Kajak? Und welche Traditionen gibt es in deiner Region am 01. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten? Teile sie gern in den Kommentaren.
Alles Liebe
Philipp
Berlin