Weißes Gold

Woran denkst du, wenn du an Winter denkst? Frostige Temperaturen, Glühwein und Schnee? Es würde mich nicht wundern, denn neben all dem Unbehagen des Winters (wenig Tageslicht, triste Straßenzüge, Winterdepression) gibt es ja doch einige positive Assoziationen, die man mit ihm verknüpfen kann – wenn auch etwas romantisch verklärt.

Leider drohen all die schönen Dinge am Winter, für immer verloren zu gehen. Denn mit dem Klimawandel und milderen Wintern, wird es solche frostigen Temperaturen auf lange Sicht immer seltener geben. Wenn es nicht so kalt wird, bleibt wohl auch die Lust auf den Glühwein aus. Und ohne Kälte gibt es auch keinen Schnee. Damit bleiben vor allem die negativen Aspekte des Winters übrig.

Wege aus dem Winter-Blues

Nun gibt es mehrere Szenarien, wie man sich den Winter schöner gestalten kann:

  1. Trotzdem viel Zeit draußen verbringen, indem man sich in den Wintersport stürzt – solang es noch geht.
  2. In wärmere Gefilde reisen, um der Tristesse des Winters zu entgehen.
  3. Sich nach drinnen verkriechen und auf Indoor-Aktivitäten konzentrieren, an denen man sich erfreut, die man in den wärmeren Jahreszeiten aufgrund des tollen Wetters jedoch verpönt.

In den letzten beiden Jahren kam ich selbst in den Genuss, mich in den Wintersport zu stürzen. Dabei hatte ich so richtig Gaudi! Allerdings hat es stets auch einen faden Beigeschmack: Die Ökobilanz.

In einer idealen Welt wäre Skiurlaub so gar kein Problem. Es würde ausreichend schneien und man könnte entsprechend Skifahren oder Skilaufen. In unserer (realen) Welt stellt sich das schon etwas anders dar: Es schneit nicht ausreichend und ist warm, weshalb Pisten künstlich beschneit werden und die ganze Nacht über mit Planierraupen wieder präpariert werden. Das verbraucht alles viel Ressourcen, vor allem in Hinblick auf Energie und Wasser, das dann an anderer Stelle fehlt. Und dabei ist die Anreise noch gar nicht dabei.

Die Suche nach dem geringeren Übel

Nun könnte man sagen: Kein Problem. Dann weicht man eben den intensiv genutzten Pisten aus, indem man Langlauf oder Skitouren macht. Aber auch Loipen werden inzwischen künstlich beschneit oder mit “geerntetem” Schnee aus der Umgebung beliefert. Bei Skitouren dringt man in sonst unberührte Gegenden vor, was sehr romantisch wirkt, aber auch bedeutet, dass Tieren, die Winterruhe halten, auch noch diese letzten Refugien genommen werden. Das klingt also auch nicht so gut.

Ehrlich gesagt vermag ich selbst nicht zu sagen, was denn nun die am wenigsten schlimmste Option darstellt. In jedem Fall stellt sich ein Paradoxon heraus: Je mehr Menschen im Winter in den Skiurlaub fahren, desto kürzer wird uns dieses Vergnügen für kommende Generationen überhaupt noch möglich sein.

Im Winter in wärmere Gefilde zu reisen, wird den Prozess ebenso beschleunigen. Aber wie so oft wird in unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft auch hier alles möglich gemacht, solang es Geld abwirft. Im Umkehrschluss bedeutet das: Solang die Menschen bereit sind, (mehr und mehr) Geld dafür zu bezahlen, wird es auch weiterhin angeboten werden. Das zeigt sich bei den jährlich steil anziehenden Skipässen ganz besonders.

Aber ich möchte an dieser Stelle Ski- oder Winterurlaube auf keinen Fall verteufeln, denn sie bringen offensichtlich einen sehr deutlichen Vorteil, den meine dritte Option so nicht erreicht: Eine florierende Wirtschaft in den touristisch gefragten Gebieten (Manche munkeln, die Skisaison sei mittlerweile gefragter als die Sommer – früher war es andersherum.) und noch viel wichtiger: Mentale Gesundheit. Bewegung an der frischen Luft mit viel Tageslicht trägt ungemein zum Wohlbefinden und beugt Winterdepressionen vor. (Letztere empfand ich heuer besonders hart.)

Rechtfertigt das, unsere Berggebiete auszubeuten und an die Wand zu fahren? Mitnichten. Aber womöglich eröffnet es uns eine neue Perspektive:

Sollten wir Schnee nicht tatsächlich als so wertvoll wie Gold behandeln?

Ja, es ist im Grunde nur gefrorenes Wasser. Doch gerade der Skitourismus verdeutlicht, welcher finanzielle Wert tatsächlich dahintersteht. Und da sind solche unbezahlbaren Sensationen wir das Knirscheln des Schnees unter den Stiefeln, Rodeln auf einem Hügel, das Bauen einer Schneemenschenfamilie oder die Freude bei einer Schneeballschlacht noch lange nicht mit eingerechnet!

Schnee ist rar geworden und unglaublich flüchtig. Jedes Mal, wenn es schneit, freue ich mich wie ein kleines Kind, weil es den Winter hierzulande so viel erträglicher macht. Deshalb finde ich, hat Schnee den Titel Weißes Gold definitiv verdient, und rufe dazu auf, ihn als ein unbezahlbares Luxusgut zu behandeln. Und wenn uns das bei Schnee gelungen sein wird, gelingt es uns womöglich auch bei anderen kleinen Dingen des Alltags wieder.

Alles Liebe
Philipp

PS: Diese Saison habe ich das Schlittschuhlaufen für mich entdeckt. Das habe ich bereits als Jugendlicher erlernt und war jedes Jahr ungefähr ein Mal auf dem Eis. Doch heuer bin ich es angegangen, mir ein Mehrfachticket für die Eisfläche zu holen. So kann ich Tageslicht und Bewegung an der frischen Luft zumindest mit etwas klimafreundlicher kombinieren. Und mit dem Bremsen klappt es auch schon ein wenig besser. :)

Ein Motto für das neue Jahr

Nachdem ich das nun bei zahlreichen anderen Menschen fasziniert beobachten durfte, möchte ich es heuer mal selbst ausprobieren und habe mir ein persönliches Motto für das neue Jahr überlegt: Ein Leben in Hülle und Fülle

Inspiration & Ausrichtung

Stein des Anstoßes war die wundervolle Frau Dingdong, die letztes Jahr mit ihrem Jahresmotto La Bella Figura inklusive Dokumentation dafür Sorge getragen hatte, dass mich die Idee mit dem Motto gar nicht mehr losließ. Eine andere Freundin wählt jährlich zwei Adjektive, auf die im neuen Jahr der Fokus gerichtet werden soll (beispielsweise abenteuerlustig und ausgeschlafen). Doch als sie mir davon erzählte, hatte ich mein Motto insgeheim bereits gewählt.

Wer nun denkt, dass ich dem Minimalismus den Rücken kehre und mein Motto ein Leben in Saus und Braus einläuten soll, dürfte enttäuscht werden. Denn die Redewendung ist nicht, was es zunächst scheint. Ursprünglich bezog sich Hülle auf Kleidung und Fülle auf den Magen, sollte also nichts anderes sagen als, dass man mit dem Notwendigsten versorgt ist. Erst später hat sich die Redewendung umgekehrt und drückt seitdem vor allem Überfluss aus.

Persönlich möchte ich mich auf beide Bedeutungen beziehen. Ursprünglich hatte ich als Motto Genügsamkeit im Sinn. Doch das klang mir ein wenig zu bieder und traf es auch nicht so ganz. Denn mir geht es nicht nur um Genügsamkeit auf materieller Ebene, sondern auch um Suffizienz und Zufriedenheit.

Die geteilte Seele

Minimalismus begleitet mich nun schon weit mehr als zehn Jahre. Gleichermaßen merke ich immer mal wieder, dass auch mir regelmäßig eine Rückbesinnung auf die Kernwerte gut täte, wenn ich einen Blick in unsere Wohnung und meinen Lebensstil werfe. Dabei stehen mir oft meine breit gefächerten Interessen im Weg: Ich möchte zu viel(e Dinge tun). Und so enden immer mehr Objekte in unserer Wohnung, die ich für bestimmte Aktivitäten zu brauchen meine. Doch meine Zeit, um sie alle zu verwenden, reicht bei Weitem nicht. Das finde ich schade, denn ich möchte Ressourcen möglichst gut nutzen. Dinge, die ungenutzt herumliegen und verstauben, stellen das genaue Gegenteil dar.

In mir schlagen zwei Herzen: Das eine ist das eines Minimalisten. Das andere ist das eines hoffnungslosen Romantikers, der dem Charme von Retro-Nostalgie und den schönen Dingen des Lebens zugewandt ist. Die letzten Jahre haben mir einen gewissen materiellen Wohlstand gebracht, der mit Zeitknappheit einherging. Den materiellen Spielraum habe ich zwar bei Weitem nie so weit ausgereizt, wie ich hätte können, aber für mein minimalistisches Herz eben doch einen Schritt zu weit.

Motivation

Letztlich geht es mir beim Jahresmotto auch darum, Zeit freizuschaufeln, um möglichst viel von dem zu tun, was mir Freude bereitet, und möglichst wenig von dem, was ich als Belastung empfinde. Im Zentrum steht dabei die Frage, was mir im Leben wichtig ist und was, wen und wie viel ich in meinem Leben brauche, um zufrieden zu sein.

Außerdem hat mein Motto noch einen ganz praktischen Nutzen, denn dieses Jahr möchte ich hauptberuflich in die Selbstständigkeit starten. Dabei gibt es natürlich ein finanzielles Restrisiko. Insofern tue ich auch hier gut daran, Geld zusammenzuhalten, finanzielle Verpflichtungen zu vermeiden und möglichst auf das zurückzugreifen, was ich bereits habe. Sprich: Ich wage ein Experiment, in dem ich möglichst nur Geld für die notwendigen Dinge im Leben aufwenden möchte.

Vorhaben

Deshalb bringt das Jahresmotto gleich noch ein paar befreundete Vorhaben mit:

Nix Neues

Ich möchte einmal schauen, wie lang ich auskommen kann, ohne mir etwas Neues ins Haus zu holen. Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter sind davon ebenso ausgenommen wie Geschenke. Generell möchte ich einen Fokus darauf legen, beschädigte Dinge zu reparieren, bevor ich sie ersetze. Wenn doch mal etwas Neues ins Haus kommt, sollten dafür zwei andere Dinge gehen.

So weit die Theorie. Aus meiner Erfahrung heraus setze ich erstmal einen Monat, anstatt das gesamte Jahr. Und wenn es gut klappt hänge ich noch einen Monat ran. Das hat beim Verzicht auf Zucker erstaunlich lang gut funktioniert.

Aufbrauchen

Apropos Zucker: Aktuell haben wir noch große Mengen an Plätzchen, Süßigkeiten und anderen Naschereien von den Feiertagen zu Hause. Außerdem ist das Gefrierfach gut gefüllt und soll im Januar abgetaut werden. Darüber hinaus verbirgt sich im Lebensmittelschrank sicher noch das eine oder andere Relikt aus letztem Jahr (oder gar früher? 😱); höchste Zeit also, einmal alle Lebensmittel aufzubrauchen!

Auswärtsessen beschränken

Das dürfte schwierig werden. Da ich recht viel unterwegs bin, esse ich in der Folge oft auswärts – entweder bei Verabredungen oder weil es schnell gehen muss und dafür nichts Passendes in den Lebensmittelvorräten dabei ist. (Aufmerksam Lesende erkennen hier einen Zusammenhang zum Punkt Aufbrauchen.)

Außerhalb des Urlaubs möchte ich Auswärtsessen künftig auf drei Mal monatlich beschränken. Die fertig belegte Semmel gehört hier ebenso dazu wie Eis und Drei-Gänge-Menüs, denn mir geht es ums Prinzip. Hotelfrühstück geht in Ordnung, Kantinenessen nur, wenn der Auftraggeber zahlt. Insgeheim würde ich gern Meal-Prepper werden, bin mir aber noch nicht sicher, wie ich das unterbekomme. Anderereseits sehe ich nicht, wie ich ohne Meal-Prep mein Auswärtsessen beschränken möchte.

Reisen reduzieren

Wo wir schon beim Thema unterwegs sind: Ich bin für mein Leben gern unterwegs. So gern, dass ich damit einen großen Teil meiner Freizeit verbringe und dafür einen Großteil des mir zur Verfügung stehenden Geldes ausgebe. Das werde ich dieses Jahr natürlich nicht komplett streichen, aber zumindest verringern.

Selbstständige beteuern oft, dass sie trotz freier Zeiteinteilung weniger Urlaub nehmen als die meisten Festangestellten. So oder so muss ich erstmal ausloten, was ich mir sowohl zeitlich als auch finanziell leisten können werde. Wie gut, dass ich noch von den letzten fantastischen Jahren voller Reisen zehren kann. 😌 Schwer wird es mir dennoch fallen. 😔 Andererseits habe ich damit hoffentlich mehr Kapazitäten für anderes. 😅

Aktivität statt Konsum

Bevor der Eindruck entsteht, ich würde mich durch mein Jahresmotto zwölf Monate lang knechten und geißeln, möchte ich an dieser Stelle klarstellen, dass das Gegenteil mein Ziel ist. Tatsächlich möchte ich meinen Fokus nur noch einmal für Aktivitäten schärfen, denen ich nachgehen möchte, anstatt mich mit Konsum zu zerstreuen.

Das lässt sich an meiner Leidenschaft für Gesellschaftsspiele gut verdeutlichen: Ich möchte mehr Zeit damit verbringen, Spiele zu spielen (und zu entwickeln). Dafür brauche ich aktuell allerdings nicht noch mehr Spiele, auch wenn es mir bei so manchem in den Fingern juckt.

Auf den Punkt

Die beiden Interpretationen meines Jahresmottos würde ich entsprechend wie folgt zusammenfassen: Das nötige Minimum an Konsum bei einem Überfluss an Aktivität.

Zwar schränke ich mich im Konsum ein, allerdings geschieht dies zweckgebunden, um mein Leben meiner Priorität nach gestalten zu können. Denn freiwilliger Verzicht auf der einen bedeutet Freiheit auf der anderen Seite. Alles, was ich besitze, muss finanziert und gepflegt werden. Um je weniger ich mich kümmern muss, desto mehr Zeit bleibt mir für Anderes.

Welche Aktivitäten ich genau im Sinn habe, werde ich in meinem nächsten Zielrapport erläutern. Wie ich mit Dingen umgehe, die ich für besagte Aktivitäten brauche, überlege ich mir, wenn es so weit ist.

Nun interessiert mich, wie es sich bei mit dem Jahresmotto verhält? Hast du eins? Wenn ja, welches? Wenn nein, wieso nicht? Teile deine Meinung gern in den Kommentaren!

Alles Liebe
Philipp

Zwischen Retro und Zukunft

Heute unternehmen wir einen kleinen Ausflug in die Welt des Designs. Zur Zeit übertreffen sich diverse Tech-Unternehmen nämlich wieder gegenseitig in ihren Produktpräsentation, um die treue Kundschaft für das anstehende Feiertagsgeschäft bei der Stange zu halten. Da ich mich sowohl für Design als auch für neue Technologien interessiere, verfolge ich solche Events seit geraumer Zeit. Dabei hege ich stets die Hoffnung auf Ankündigungen von Geräten oder neuen Funktionen, die ich seit Jahren herbeisehne. Doch – leider nicht zum ersten Mal – bekomme ich den Eindruck, dass alte Klassiker wiederaufgewärmt werden.

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