Im März wendete ich mich bei meinen gesunden Gewohnheiten einer Baustelle zu, die mich schon länger beschäftigt: dem Lesen von Büchern. Im Gegensatz zu meiner Kindheit und Jugend lese ich viel weniger Bücher und das stört mich massiv. Grund genug also, das einmal anzugehen!
Nun könnte man meinen, dass Bücher als Medium ausgedient hätten, wo heutzutage andere Medien doch viel häufiger konsumiert werden, beispielsweise Podcasts, Hörbücher, Videos, Filme, Fernsehserien, Videospiele und Lern-Apps. Gerade ich als jemand, der in der Film- und Fernsehbranche arbeitet, müsste “neuen” Medien doch aufgeschlossener sein. Prinzipiell bin ich das auch. Gleichzeitig sehe ich darin aber ein Problem für mich persönlich, denn offensichtlich müssen sich Bücher meine verfügbare Zeit mit allen anderen Medien teilen. Schon häufiger ist mir aufgefallen, dass Bücher in der Folge oft den Kürzeren ziehen und hinten runter fallen.
Auf der anderen Seite sehe ich jedoch eine Vielzahl von positiven Effekten im Lesen von Büchern, die ich beim Konsum anderer Medien nicht so empfinde:
- Entspannung – Beim Lesen von Büchern lässt sich wunderbar abschalten, weil es im Gegensatz zum Lesen im Internet keine aufwändigen Effekte oder blinkenden Banner gibt, die ablenken und um meine Aufmerksamkeit buhlen.
- Anregung von Kreativität – Im Gegensatz zu audiovisuellen Medien, die einen bild- und tongewaltig beschallen, regen Texte dazu an, dass ich meine eigene Vorstellung nutze, um das Gelesene zusammenzubauen, sei es in Form von Argumentationsweisen, Figurenbeschreibungen oder fiktiven Welten, die in meinem Kopf entstehen.
- Eintauchen in fremde Gedanken – Für mich gibt es keine direktere und immersivere Art, in die Perspektiven anderer Menschen einzutauchen, als das geschriebene Wort. Im Gegensatz zu digitalen Texten kostet bei Gedrucktem jedes unnötige Wort, weshalb noch einmal genauer darauf geachtet wird, auf den Punkt zu kommen.
- Sprachbildung – Durch das Lesen baue ich quasi ganz nebenbei meine Sprachkenntnisse aus, weil ich mit neuen Wörtern und Ausdrucksweisen in Kontakt komme.
- Trainieren von Empathie – Im Gegensatz zu Filmen und Fernsehserien haben Bücher die einzigartige Möglichkeit, mir alle Gedanken und Gefühle einer Figur offenzulegen. Das wiederum erweitert meinen persönlichen Erfahrungshorizont und schult mein Einfühlungsvermögen.
Genügend Gründe also, um dem Lesen von Büchern mal einen Monat mehr Aufmerksamkeit zu schenken!
Deshalb habe ich mir im März zum Ziel genommen, an 80% der Tage, also 25 Tagen zumindest eine Seite in einem Buch zu lesen. Formal habe ich dieses Ziel auch exakt erreicht. Dennoch bin ich mit dem Ergebnis nur bedingt glücklich. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Im Rahmen der gesunden Gewohnheit habe ich zwar tatsächlich ein Buch beendet, allerdings waren davon auch nicht mehr so viele Seiten übrig.
- Da ich meist vor dem Schlafengehen noch ein paar Seiten las, wurde ich rasch so müde, dass ich das Buch wieder bis zum nächsten Tag beiseite legte, um zu schlafen, was dann auch binnen weniger Minuten erfolgte. Insofern ein positives Ergebnis, wenn auch nicht das ursprünglich angestrebte.
- Eine wirkliche Leseroutine hat sich damit noch nicht ergeben. Einerseits, weil ich quasi immer nur eine Handvoll Seiten las, anstatt die vollen geblockten 45 Minuten durchzuziehen. Andererseits, weil der eine Monat leider nicht ausgereicht hat, um aus der Routine eine Gewohnheit zu formen.
Im April habe ich mich dann auch direkt einer neuen Gewohnheit zugewandt, die ich als wesentlich dringlicher betrachtete. Dennoch habe ich ein paar Erkenntnisse gewonnen, die ich in Zukunft integrieren möchte:
Lesen als Teil meiner Nachtroutine
Um meinen Kopf binnen kürzester Zeit in den Ruhemodus zu versetzen, ist das Lesen in einem Buch vor dem Schlafen gehen perfekt. Das darf und soll entsprechend gern bleiben, auch wenn ich im April bisher damit strauchelte, weil der Monat bisher so voll gewesen ist.
Lesetage
Mir ist bewusst geworden, wie sehr ich es aus Jugendtagen vermisse, einen Tag einfach nur damit zu verbringen, zu lesen. Das mag ich wieder häufiger machen, allerdings scheitert es bisher an der Umsetzung. Hier brauche ich noch etwas mehr Konsequenz.
Buch statt Handy
Eine meiner ungesunden Gewohnheiten besteht darin, in Momenten einer drohenden Standby-Situation (Fahren mit den Öffis, Warten in der Praxis, kurze Pausen im Alltag) unvermittelt und vor allem unbedacht zum Handy zu greifen. Meist ist das völlig unnötig. Nun stelle man sich vor, wie viel ich stattdessen in Büchern lesen könnte, wenn das Buch präsenter und leichter zu erreichen wäre als das Handy in der Jackentasche.
Ganz im Sinne von “Problem erkannt und gebannt” ist meine wichtigste Erkenntnis also, im Alltag mehr Möglichkeiten zu schaffen, in denen ich automatisch zum Buch greife. Wie es damit läuft, werde ich zu gegebener Zeit noch einmal evaluieren und entsprechend anpassen.
Bis dahin interessiert mich, wie es um deine Leseroutine bestellt ist – falls du überhaupt eine hast. Teile deine Erfahrungen gern in den Kommentaren.
Alles Liebe
Philipp
Berlin