Als Filmemacher bin ich hin und wieder auch auf Filmfestivals anzutreffen. Neben Berühmtheiten kommt hier in regelmäßigem Zyklus, zumeist jährlich, die Filmbranche zusammen und zelebriert die neusten Meisterwerke. Hinter den Kulissen passiert aber einiges mehr.

Zugegeben: Aus Sicht der Branche bin ich Nachwuchs und damit selbst ein Frischling. Mittlerweile war ich jedoch schon auf dem ein oder anderen Festival mehrmals zu Besuch und konnte ein paar Einblicke und Erfahrungen sammeln.

Der Grund für Festivalbesuche

Einen einzigen Grund gibt es gar nicht. Mir hilft es allerdings, mir vor der Anreise vor Augen zu führen, weshalb ich auf dem Festival bin: Läuft ein Film von mir? Möchte ich vor Ort Geschäfte machen? Sichte ich Filme und bewerte sie anschließend? Oder schaue ich sie zum Privatvergnügen?

Die Motivation ist für jeden Besucher sicherlich eine ganz andere. Man könnte meinen, dass es zwei Lager auf Filmfestivals gibt: Besucher und Stars. Da läuft aber noch viel mehr. Die Filmindustrie hat zahlreiche Zweige. Entsprechend viele Vertreter sind anzutreffen, die vor allem ein Ziel haben: Das Geschäft am Laufen halten.

Denn ein Filmfestival bietet weitaus mehr als eine Schaubühne: Es ist wie eine Messe für Film. Und auf ebensolcher wird nicht nur präsentiert, sondern allem voran Handel getrieben. So auch hier. Kein produzierter Film nützt etwas, wenn er nicht gesehen wird. Also kaufen Filmvertriebe internationale Filme für die lokale Auswertung. Und wo geht das besser als an einem Ort, an welchem innerhalb weniger Tage Hunderte neue Filme gezeigt werden?

Da Festivals so viele Menschen aus der Branche anziehen, sind sie eine hervorragende Gelegenheit um Kontakte zu netzwerken. Heuer auf der Berlinale hatte ich beispielsweise keine Gelegenheit, einen einzigen Film zu sehen, weil ich bei anderweitigen Veranstaltungen war, bei welchen wir unsere Projekte gepitcht und Kontakte geknüpft haben.

Glanz & Glamour

Und ja, die Prominenz darf natürlich auch nicht fehlen. Und wo die ist, ist natürlich auch Presse. Hier findet eine Wechselwirkung statt, denn Berühmtheiten haben die mir unerklärliche Gewohnheit, auf große Menschenmengen wie ein Magnet zu wirken. Das zeigt sich entsprechend an Besucherzahlen. Andersherum ist es Prestige für Filmemacher wie Schauspieler, auf einem renommierten Festival zu laufen und dort im Gespräch zu sein.

Damit einher geht ein gewisser Luxus: Fahrservice, Feiern über Feiern, feinster Champagner und – ganz wichtig – freie Verköstigung! Das Bild vom Luxusleben an Filmsets und auf dem roten Teppich kommt nicht von ungefähr. Darauf gehe ich jedoch ein anderes Mal ein, denn dieses zweifelhafte Glück ist auch nicht jedem vergönnt: Erstes sind viel Arbeit und glückliche Zufälle von Nöten, damit man an ebensolchen Punkt gelangt. Davon zeugt die „priviligierte“ Minderheit. Zweitens sind nicht alle Filmfestivals gleich.

Es gibt eine Fülle an größeren, vor allem aber auch kleineren Filmfestivals. Wikipedia führt ganze Listen darüber. Und so zahlreich sie sind, so individuell sind sie auch. Es muss nicht immer das große A-Festival sein. Manchmal ergibt, sowohl aus Zuschauersicht, als auch aus der eines Filmemachers, ein familiäres Festival viel mehr Sinn. Persönlich empfinde ich das Filmfest München als viel angenehmer als die Berlinale. Denn große Festivals sind vor allem eins: unentspannt.

3 Tipps für ’s erste Mal

Beim meinen ersten Besuch eines Filmfestivals (dem Filmfest Dresden), hatte ich keine rechte Ahnung, was mich erwartet. Das Programm hat mich ein wenig überfordert, weil es für meine damaligen Verhältnisse sehr umfangreich war. Und dann klingt der Begriff Filmfestival auch noch so exklusiv, dass man gar nicht so recht weiß, ob man tatsächlich auch reinkommt.

Kommt man natürlich, denn zu den meisten Veranstaltungen bedarf es nur eines Tickets, das man käuflich erwerben kann – wenn man denn früh genug ist. Für einen entspannten ersten Besuch (und auch alle folgenden) habe ich deshalb abschließend ein paar Tipps:

  1. Nimm, was verfügbar ist
    Ich habe mehrere Stunden damit zugebracht, Festivalkataloge durchzublättern, mir mühsam mich ansprechende Filme herauszusuchen, nur um dann am Schalter zu erfahren, dass es keine Karten mehr gibt. Kann man sich alles sparen, wenn man einfach spontan am Schalter schaut, was es denn noch gibt und danach entscheidet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Verringert den Frust ungemein. ;)
  2. Meide Mainstream
    Besonders bei größeren Festivals werden hin und wieder Blockbuster gezeigt. Natürlich ist es verlockend, einen solchen Film, noch bevor er ins Kino kommt, zu sehen. Loht das? Eher selten. Denn Filme bekannter Filmemacher sind ruck-zuck ausverkauft und kommen mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Kino. Die meisten anderen Filme auf Filmfestivals hingegen sind unter Umständen nach dem Festival nur schwer zu bekommen oder gar nicht mehr zu sehen. Deshalb schaue ich mir auf Festivals lieber Filme an, die ich sonst nicht bekomme. Das erweitert so ganz nebenbei auch den Horizont. :)
  3. Plane Pausen ein
    Es gibt tatsächlich Menschen, die sich jeden Festivaltag mindestens sechs Langfilme zuführen. Mindestens! Ich verstehe, wenn sich Menschen das aus beruflichen Gründen antun. Mit entspanntem Genuss hat das aber nichts mehr zu tun. So viel sei gesagt: Selbst wenn  man sich die Festivalwoche noch so voll knallt, schafft man es nicht, alles zu sehen, denn die Veranstaltungen finden parallel statt. Und das muss man auch gar nicht. (Stichwort: FOMO) Auch auf Festivals treffen Filme unterschiedliche Geschmäcker und sind von unterschiedlicher Qualität. Außerdem verteilen sich die Kinos bei Festivals zumeist über die Stadt. Man sollte also auch den Weg einberechnen. Wenn man sich diesem Wahnsinn jedoch hingibt, verpasst man mit Sicherheit das Gespräch mit den Filmemachern im Anschluss, was gelegentlich viel interessanter als so mancher Film ist. Das heißt, falls man den Film überhaupt zu Ende sehen kann. Und mein eigenes Gehirn benötigt auch noch etwas Zeit, um das Gesehene zu verarbeiten. Aber das ist wohl eine individuelle Präferenz heutzutage.

So weit von meinen Einblicken in Filmfestivals bisher. Wie sind deine Erfahrungen? Hast du schon mal ein Filmfestival besucht? Hast du selbst noch Tipps?

Alles Liebe,

Philipp