Die Leute sind gut drauf, bunt durcheinander gemischt, all die freudigen Farben verbreiten ein durch und durch positives Gefühl und Glitzer ist überall – ich finde heute noch welchen an meinen Sachen.

Ja, das ist CSD! Und das diesjährige Motto des Münchners hat mir besonders gefallen: Denn Familie ist, was wir draus machen. Ein Résumé.

Dabei fand ich die Paraden zum CSD jahrelang eher etwas befremdlich. Party, Party, laut und schrill – wie soll man als Gemeinschaft, die für Gleichberechtigung auf die Straße geht, denn so ernst genommen werden?

Foto Freudige Vielfalt

Da liegt natürlich der Verdacht nahe, dass der Christopher Street Day eine einzige öffentliche Party sei, während der sich die bunte Szene selbst feiert. Doch da steckt viel mehr dahinter, wie ein etwas näherer Blick offenbart.

Jeder Schritt zählt

Foto Neue AmpelschilderIn München wurden beispielsweise die ersten Ampelmännchen durch lesbische, schwule und Hetero-Pärchen ersetzt. Natürlich gab es auch schon erste Diskussionen darum, warum denn die Frauen schwarze Herzen haben und nur stehen, während die Männer grün und aktiv sind (, denn sie gehen). Doch das sei jetzt mal hintenangestellt.

Immerhin ist auch das ein Schritt Richtung Gleichberechtigung und Vielfalt. Und der nächste ist auch schon getan, denn die Pärchen sollen bleiben. Wäre ja auch Schwachsinn, Geld dafür zu bezahlen, zum Ampel-Patriarchismus  zurückzukehren. ;) Mehr davon, bitte!

Vielfalt im Familienleben

Apropos: Wie schaut es denn eigentlich in puncto Vielfältigkeit in unseren Familien aus?

Ich weiß nicht, weshalb, doch die Natur wird häufig als Argument gegen Homosexualität missbraucht. Dabei zeigt uns gerade ebendiese, wie wichtig Buntheit ist: Denn je mehr Arten in einem Ökosystem, desto gesünder ist es. Genauso verhält es sich mit unserer Kultur! Je mehr unterschiedliche Lebensweisen und Perspektiven wir in unserer Gesellschaft haben, desto reicher ist sie!

Wie leicht ließe sich wohl eine gesellschaftsfähige Lösung für so manches Problem finden, wenn man breiter um Rat fragen würde, und zwar bei denen, die a) persönliche Erfahrung mit dem Problem haben oder b) tatsächlich davon betroffen sind?

Und ließe sich das nicht auch auf Familien anwenden?

„Man kann sich seine Familie nicht heraussuchen“

…, habe ich schon oft zu hören zu bekommen. Dabei tun wir genau das die ganze Zeit.

Angefangen in unseren Jugendjahren, wenn wir uns Freunde als Ersatzfamilie suchen, bis hin zur Suche nach dem Menschen für’s Leben. Und auch bei unseren Blutsverwandten haben wir es selbst in der Hand, ob wir weiterhin Zeit mit ihnen verbringen wollen, oder nicht.

Wir sind also ganz frei, sollte man meinen. Das trifft den Nagel allerdings nicht ganz auf den Kopf. Denn obwohl laut Paragraph 3 Satz 1 im Grundgesetz vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind, schaut die Realität nach wie vor anders aus. Es wird unterschieden zwischen heterosexueller Ehe und gleichgeschlechtlicher, eingetragener Partnerschaft, ebenso wie gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam keine Kinder adoptieren können. Einzeln schon.

Deshalb gibt es auch schon paar Regenbogenfamilien in Deutschland. Und dass die genauso glücklich und einander fürsorglich sind, wie alle anderen Familien auch, zeigt dieses Foto ganz gut, wie ich finde.

Foto Unkonventionelle Familien

Bei Patchworkfamilien hat es auch eine Weile gedauert, bis sie öffentlich als „normal“ wahrgenommen wurden, und auch hier stand Konservativismus im Weg. Doch Liebe funktioniert überall. Und deshalb bin ich auch überzeugt, dass eines Tages Familien in all ihrer Vielfalt Alltag werden. Vielleicht gibt es ja eines Tages sogar Familien mit drei oder mehr Eltern?

Mich interessiert: Welche Erfahrungen hast du mit Familien abseits der Konvention gemacht? Kennst du welche? Und in welcher Konstellation?

Alles Liebe,

Philipp