Diesen Monat wird viel den Toten gedacht: Im Protestantismus am sogenannten Totensonntag, im Katholizismus an Allerseelen, in Mexiko im Rahmen des Dia de los Muertos. Einigen keltischen Mythen zufolge, stehen an Samhain die Portale zur Anderswelt offen. Daraus haben sich wahrscheinlich einige moderne Bräuche zu Halloween entwickelt. Doch was bedeuten all diese Feste für uns, die Lebenden?
Zwar bin ich nicht religiös, kann gewissen Traditionen aber dennoch etwas abgewinnen. Für mich betrachte ich diese Feste als kleine Erinnerung daran, dass wir alle eines Tages sterben werden. Das mag sich zunächst traurig anhören. Doch ich empfinde sie eher als lebensbejahende Rituale getreu dem Motto: Auch deine Zeit ist endlich. Mach das Beste daraus!
Leider verstricken wir uns viel zu oft in unbedeutsamen Kleinigkeiten, die schließlich in Summe einen großen Teil unseres Lebens blockieren. Denken wir nur an die unzähligen Stunden, die wir in unserem Leben mit dem Betrachten von Werbeanzeigen verbracht haben. (Ehrlicherweise gehöre ich zu der kleinen Gruppe von Menschen, die gut gemachte Werbung durchaus gern konsumiert und honoriert. Doch das ist und bleibt die Ausnahme. Die meiste Werbung ist absoluter Müll.) Erinnern wir uns an all die kleinen und großen Streits, deren Unnötigkeit wir erst im Nachhinein erkennen. Machen wir uns einmal bewusst, wie oft unsere Augen stundenlang an Bildschirme gefesselt sind, obwohl wir doch eigentlich nur kurz etwas nachsehen wollten.
Keine Sorge, das wird kein Wir-sollten-alle-ein-schlechtes-Gewissen-haben-Text. Stichwort lebensbejahend: Hilft es womöglich, einfach mal einen Tag strikt mit Händen in den Hosentaschen zu leben, damit man nicht bei jedem kleinen Anlass impulsiv das Handy zückt? Oder sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, was wir eigentlich im Leben wollen? Oder sich einmal auf die Träume der eigenen Kindheit zurückzubesinnen? Bei Letzterem dürfte wohl niemand von uns davon geträumt haben, jeden Tag stundenlang auf einen Bildschirm zu starren.
Vieles kann ein ein Memento mori sein. Darunter versteht man ein Symbol, das an die eigene Vergänglichkeit erinnert. Der Begriff selbst stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß: Erinnere dich daran, dass du (früher oder später) stirbst. Diese Symbole wurden in der Vergangenheit oft in Gemälden in Form von Totenschädeln oder als mahnende Worte auf Grabsteinen angebracht. Sie können aber auch andere Formen annehmen: Schmuckstücke, der Bildschirmhintergrund deines Handys oder ein Lied. Sogar dieser Text ist ein Memento mori.
Frage an dich: Was ist dein tägliches Memento mori und was magst du eigentlich im Leben machen?
Alles Liebe
Philipp
Berlin