Analoge Freuden – Mein Motto für 2026

Vergangenes Jahr wählte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Jahresmotto. Da ich das in vielfältiger Hinsicht für gut befunden habe und mir schon Mitte des letzten Jahres ein neues Motto in den Sinn kam, liegt es nahe, dass ich es als leitendes Thema für 2026 auserkiese: Analoge Freuden.

Freude beschäftigt mich schon eine Weile. Bereits als Kind liebte ich es, in die irdischen Freuden der Welt einzutauchen. Davon habe ich auch als Erwachsener nichts verloren; im Gegenteil: Ich suche überall danach und versuche stets, eine Atmosphäre der Freude zu kultuvieren, weil ich davon überzeugt bin, dass sie das Leben aller bereichert.

Analoges erfreut mich seit jeher, obwohl in meinem Herzen zwei Seelen schlagen: In ihm wohnt einerseits der Retroliebhaber, der sich für analoge Technologien begeistert. Andererseits ist da aber auch der digitale Nomade, der die Vorzüge von Digitalem zu schätzen weiß. Über den Kampf zwischen Analogem und Digitalem habe ich bereits vor fast zehn Jahren geschrieben. Der Kampf hält weiterhin an, allerdings gewinne ich den Eindruck, dass wir uns derart stark in virtuelle Welten begeben, dass wir den Sinn für die Bedeutung von Analogem viel zu oft vergessen.

Deshalb widme ich dieses Jahr all den kleinen und großen analogen Dingen, Aktivitäten und multisensorischen Erfahrungen, die mir Freude bereiten.

Obwohl es zunächst widersprüchlich erscheint, werde ich hier auf meinem Blog digital darüber berichten, welche es mir besonders angetan haben. In meiner Vorstellung werde ich am Jahresende entsprechend eine schöne, kleine Sammlung von analogen Freuden als Inspiration für dunkle, digitale Zeiten kuratiert haben. Doch damit nicht genug, denn freilich soll mein Motto sich auch auf mein Verhalten auswirken.

Es gibt hin und wieder Momente, in denen ich den Austausch im Internet sehr schätze. Allerdings werden diese Momente leider immer seltener. Stattdessen verspüre ich oft Reue über augenscheinlich vergeudete Zeit im Internet und am Handy. Das liegt vor allem daran, dass mittlerweile alles kommerziell derart ausgeschlachtet wird, dass es mir keinen Spaß mehr macht. Heutzutage entsteht nur noch selten Flow, weil mir überall Banner ins Gesicht springen, die mir etwas verkaufen wollen, Videos alle zwei Minuten unterbrochen werden, um mir Werbung anzuzeigen, und selbst Content oft nichts anderes als Werbung ist. Kurzum: Es bereitet mir bei Weitem nicht so viel Freude wie zu Anfangszeiten, als im Internet noch alles neu und aufregend war und sich frei angefühlt hat. Die Blogs, denen das noch gelingt, kann ich an zwei Händen abzählen.

Allerdings ziehe ich analogen Austausch vor. Deshalb möchte ich heuer meine Zeit in der Virtualität deutlich reduzieren. Arbeitsbedingt verbringe ich bereits sehr viel Zeit vorm Rechner. Meine Arbeit macht mir ungeheuren Spaß (allem voran der Teil, bei dem ich mir mit anderen Menschen zusammen großartige Geschichten ausdenke), doch warum abseits davon noch länger vorm Bildschirm hocken, anstatt Zeit mit den Menschen, Aktivitäten und Dingen verbringen, die mir im Leben am wichtigsten sind?

Freilich wird es hier auf dem Blog weiter gehen. Allerdings werde ich meine Beiträge ebenso wie meine übrigen Online-Aktivitäten in Häufigkeit und Länge beschränken. Denn kürzere und weniger Beiträge bedeuten nicht nur mehr Zeit für anderes für mich, sondern auch für euch, geschätzte Mitlesende! Über Austausch freue ich mich natürlich dennoch nach wie vor – in den Kommentaren, aber am liebsten analog.

In diesem Sinne: Auf bald in der analogen Welt!

Alles Liebe
Philipp

Kann Digital Detox noch funktionieren?

Diese Woche fanden zwei – für mich – stimmungsaufhellende Ereignisse statt: Einerseits war meteorologischer Frühlingsanfang am 01. März. Bis zum kalendarischen und zugleich astronomischen Frühlingsanfang am 20. März fließt zwar noch einiges Wasser die Isar runter, aber die länger (und heller) werdenden Tage merkt man schon recht deutlich und mit Mantel, Schal, Handschuhen und Wollmütze ist es schon das eine oder andere Mal deutlich zu warm, wenn die Sonne sich zeigt. Und auch die ersten grünen Blätter und Blüten vertreiben die graue Tristesse des Winters in der Großstadt. Außerdem fand vom 01. auf den 02. März der Global Day of Unplugging statt. Die Idee dahinter: Von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang einfach mal allem Digitalen den Stecker ziehen und sich auf menschliche Kontakte im echten Leben fokussieren, um die durch unseren Fokus auf digitale Unterhaltung entstandene Einsamkeit etwas entgegenzusetzen.

Tolle Idee! Allerdings befand ich mich am Freitag nach Sonnenuntergang gerade mit der Bahn auf dem Weg von Lüneburg nach Berlin und ärgerte mich kurz, dass ich das akut nicht umsetzen konnte.

Weiterlesen

Online-Pride – Nützt das was?

Corona wegen fallen heuer wohl sämtliche Großveranstaltungen aus – CSD inklusive. Stattdessen werden digitale Alternativen geschaffen. Im Vergleich zum sonst betriebenen Aufwand wirkt das regelrecht effizient: Weniger Organisation bei mehr Reichweite über die unendlichen Weiten des Internets. Ob es hingegen effektiv ist, wage ich zu bezweifeln.

Weiterlesen

Eine Ode an die Handschrift

Alle paar Jahre ändere ich meine Handschrift ein wenig, denn auch wenn der Großteil dessen, was wir heutzutage schreiben, nur noch getippt wird, hat Handschriftliches einige Vorzüge, die ich nicht missen möchte. Da ich ja für mein Leben gern optimiere, hier also die fünf Gründe, weshalb ich nach wie vor viel mit der Hand schreibe.

Weiterlesen

Die Blase muss platzen!

Jerusalem ist unbestritten eine der religiösesten Städte der Welt. Mich als Atheisten hat das lange Zeit nicht davon abgehalten, diese Perle trotzdem zu lieben. Doch dann lernte ich bei meiner jüngsten Exkursion dorthin, meine einst geliebte Stadt zu hassen, und wollte nur noch weg.

Weiterlesen

Der andauernde Kampf zwischen Analog und Digital

Immer mehr physische Dinge werden digitalisiert. Das spart auf den ersten Blick Ressourcen und Platz. Doch was ist mit den Vorteilen von analogen Dingen? Ein Plädoyer für mehr Ausgewogenheit.

Weiterlesen