Mein (fast) ideales Jahr

Sehr oft geht es auf Blogs und anderen digitalen Kanälen um Lifestyle-Design. Auch auf meinem Blog ist es genau genommen sogar ein Kernthema. Denn die Themen Minimalismus, Nachhaltigkeit und Nomadentum teilen zwei Gemeinsamkeiten. Sie eint, dass sie in unserer Gesellschaft anormale Lebensweisen behandeln und sind allesamt Ideale, nach denen man streben kann, wenn man sich fragt: Was macht für mich ein gutes Leben aus?

In diesem Zusammenhang hatte ich bereits darüber geschrieben, wie meine (fast) ideale Woche aussieht. Natürlich unterliegen Ideale stets ein wenig Fluktuation aufgrund der aktuellen Lebensumstände. Ungeachtet dessen, gibt es noch ein anderes Ideal, das ich langfristig anstrebe: Ein Jahr ganz nach meinen Vorstellungen. In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, was genau diese Vorstellungen sind und wie ich sie – womöglich – umsetzen kann.

Die Wurzel all meinen Übels

Es ist kein Geheimnis, dass ich ein chronisches Zeiproblem habe. Seltenst schaffe ich alles, was ich gern tun würde, und dabei beziehe ich mich nicht nur auf produktive Leistung, sondern auch alle anderen Bereiche in meinem Leben. In Anbetracht der Endlichkeit meines Lebens stellt mich das vor ein Problem: Irgendwann ist Zapfenstreich.

Nun gib es zwei Perspektiven, mit denen man an diesen Problem herangehen kann:

  1. Offensichtlich muss ich stärker priorisieren, was mir wirklich wichtig ist. Denn meine Zeit ist nun mal endlich.
  2. Wenn ich nicht ausreichend Zeit für die Dinge habe, die mir wichtig sind, muss ich eben weniger Zeit mit anderen Dingen verbringen und so Zeit freisetzen.

In meinen Augen stehen diese beiden Perspektiven nicht im Widerspruch, sondern können beide sinnvolle Lösungsansätze liefern.

Umso wichtiger finde ich es, einerseits meine Lebenszeit nicht mit unnötigen, wertbefreiten Tätigkeiten zu vergeuden – Grüße an (A)Social Media gehen raus! Andererseits möchte ich möglichst viel Zeit mit den Menschen und Aktivitäten verbringen, die meine Lebensfreude steigern. Dem stehen jedoch häufig all die unvermeidbaren Verpflichtungen im Weg: Lebensunterhalt verdienen, Haushalt und zahlreiche von außen auferlegte Zwänge, die oft dazu führen, dass man als erwachsene Person feststellt: Ich brauche mehr Urlaub!

Die schönste Zeit

Als Kind war das nicht so. Deshalb hat man damals stets von Erwachsenen gesagt bekommen, dass man die Zeit genießen solle, denn so schön würde es nie wieder werden. Das mag auf den Aspekt Freizeit auf jeden Fall zutreffen, denn im Vergleich zu Erwachsenen lebt man außerhalb der Schule angenehm verantwortungslos. Damit einher geht jedoch auch eine Schattenseite der Kindheit: Mangelnde Autonomie und Selbstbestimmung. Zu Studienzeiten wird es mit der Selbstbestimmung schon wesentlich besser und man genießt immer noch sehr viel Freizeit – insofern man nicht auf Geld angewiesen ist oder weiß, mit wenig Geld sehr effizient umzugehen.

Doch zurück zur Schule: Selbstverständlich liebäugelte man schon damals damit, einfach immer Ferien zu haben. Aber nach sechs Wochen Sommerferien war auch eine Art von Vorfreude auf all die neuen Dinge, die man lernen durfte (Bin ich womöglich doch ein Nerd?), und die geteilten Erlebnisse der Klassenkamerad*innen – zumindest derer, die man mochte.

Doch zu Schulzeiten gab es ja nicht nur Sommer-, sondern auch noch jede Menge andere Ferien, schulfreie Tage, Projektwochen, Klassenfahrten, Exkursionen und Wandertage. Wenn man das zusammenzählt, kommt man ungefähr auf 13 Wochen.

Mit diesen 13 Wochen kam man super zurecht: Freilich gab es auch mal arbeitslastigere und stressigere Zeiten mit mehr Hausaufgaben, Abgabeterminen, Leistungskontrollen, Präsentationen und Klausuren. Aber nach den Ferien war man stets gut erholt. In meinem Umfeld gab es damals zumindest niemanden, der die Schule mit Burnout-Syndrom verlassen hat. Im beruflichen Kontext sieht das ganz anders aus.

Daher wage ich es, die sich förmlich aufdrängende Frage zu stellen: Was lässt uns glauben, dass Erwachsene weniger Urlaub als Kinder und Jugendliche benötigen?

Wenn ich mich in unserer Welt umschaue, behaupte ich, dass es keinen Grund zu dieser Annahme gibt. Obwohl ich schon jetzt die Aufschreie hören kann, dass das doch überhaupt nicht gut für unsere Wirtschaft sei, möchte ich kurz meine Perspektive auf das Thema in drei Punkten zusammenfassen:

  1. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
  2. Wer entspannter und erholter ist, ist während der Arbeitszeit produktiver und wird auch seltener krank, da chronischer Stress überhaupt nicht gut für unser Immunsystem ist. Freilich ist das kein Freibrief für Arbeitsverhältnisse ohne Krankheitstage, aber sie werden zumindest weniger.
  3. Für alles, was wir in unserem Leben tun möchten, benötigen wir Zeit. Wenn wir mit diesen Vorhaben warten, bis wir in Ruhestand gehen (sofern es diesen in der Zukunft überhaupt noch geben wird), steigt das Risiko, dass wir zu genau diesen Vorhaben nicht mehr in der Lage sein werden.

Abgesehen davon wäre es für ein längeres Berufsleben ein super Deal für beide Seiten, im Gegenzug mehr jährlichen Urlaub anzubieten.

13 Wochen Urlaub

Nun liegt die Frage nahe, was ich überhaupt mit 13 Wochen Urlaub anstellen würde. Für mich persönlich, könnte ich diese Frage sehr einfach beantworten und zwar wie folgt:

(Im Titelbild dieses Beitrags steht übrigens jedes Fragment für einen der nachfolgenden Urlaube. Es darf geraten werden, welcher wofür steht. 😋)

  • 1 Woche Skiurlaub
  • 1 Woche Paddelurlaub
  • 1 Woche Wanderurlaub in den Alpen
  • 1 Woche Tauchurlaub
  • 1 Woche Erholungsurlaub in Italien
  • 1 Woche Familienbesuch in Israel
  • 1 Woche Kultururlaub in Großbritannien
  • 4 Wochen Entdeckungsurlaub an mir noch unbekannten Orten
  • 2 Wochen Feiertage am Ende des Jahres

= 13 Wochen Urlaub

Bevor mir nun an den Kopf geworfen wird, dass ich mit meinen Vorstellungen dem Größenwahn erlegen sei, mag ich es kurz erklären, wieso ich ausgerechnet diese Urlaube anstrebe:

Skiurlaub

Der Winter ist für mich erfahrungsgemäß eine richtig schwierige Zeit, die es gilt, so angenehm wie möglich zu gestalten. (Freilich sollte man sich das für sein Leben insgesamt vornehmen, aber im Winter wird es mir immer besonders deutlich.) Ein sehr gutes Mittel gegen depressive Phasen im Winter besteht für mich aus Bewegung an der frischen Luft. Und da ich in den Bergen gleich immer noch mal auf eine ganz andere Art erhole, bietet sich Skiurlaub natürlich an. Idealer Weise fährt man schon allein deshalb einmal im Jahr, damit man nicht komplett aus der Übung kommt und sich auch tatsächlich verbessern kann. Anstatt mehrfach für zwei Tage zu fahren, bietet es sich an, nur einmal länger am Stück zu verreisen. Und schon ist man bei einer Woche.

Paddelurlaub

Wer mich kennt, weiß, dass ich gern langsam reise, beispielsweise mit dem Kajak. Doch so gern ich auch mit dem Kajak unterwegs bin, gibt es einen Aspekt, der mir richtig auf die Nerven geht: Der Abbau und die Reinigung meines Faltboots nach Nutzung. Der Aufwand dafür ist jedoch derselbe, egal ob ich zwei Stunden, einen Tag oder eine Woche unterwegs bin. Entsprechend dürfte es nicht verwundern, dass ich zu Letzterem tendiere, oder?

Wanderurlaub in den Alpen

Nichts erdet mich derart wie das Wandern in den Alpen – idealerweise bei einer Hüttenwanderung. Ja, die Landschaften sind zauberhaft und man bewegt sich an der frischen Luft. Nichts zu unterschätzen ist aber auch der Aspekt der Transzendenz: In den Bergen spürt man am eigenen Leib, wie klein man in diesem Universum eigentlich ist.

Tauchurlaub

Viele Menschen empfinden das Tauchen mit Flasche als extreme Gefahrensituation. Das kann sie tatsächlich auch werden. Deshalb ist es wichtig, sich an einige Sicherheitsvorkehrungen zu halten, um Risiken zu minimieren. Mit dem nötigen Training, Respekt und einer gesunden Vorsicht kann Tauchen abseits allem Unterwasserspektakels vor allem aber auch eines sein: Meditation pur. Aus Übungsgründen sollte man eigentlich mindestens zwei bis drei Mal im Jahr tauchen gehen. Aus Gründen der Praktikabilität würde es mir schon genüg, wenn ich wenigstens einmal im Jahr Tauchurlaub mit vorangehender Auffrischung machen könnte.

Erholungsurlaub in Italien

Dieser Urlaub ist durch eine sehr gute Freundin inspiriert, die mir einst sagte: Sie braucht nicht viel im Leben, allem voran keine Abenteuerreisen. Aber es gibt zwei Orte, an die sie immer wieder für Urlaube hinfährt, weil sie dort ganz entspannt abschalten und nichts tun kann, außer in den Tag hinein zu leben. Sie sprach von einem Weingut in der Toskana. Als ich selbst in dessen Genuss kommen durfte, verstand ich genau, was sie meinte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, woher es kommt, aber es gibt ausreichend Aspekte, die mir an der italienischen Kultur gefallen, sodass auch ich alljährlich in Italien abschalten mag.

Familienbesuch in Israel

Dazu brauche ich wahrscheinlich nicht viel zu sagen: Natürlich möchte ich regelmäßig Kontakt zur Quasi-Schwiegerfamilie – auch außerhalb von digitaler Kommunikation. Und ganz nebenbei hilft es, mein Hebräisch regelmäßig etwas zu fordern.

Kultururlaub in Großbritannien

Großbritannien war das erste Land, nach dem ich mich als Jugendlicher sehnte – ohne jemals dort gewesen zu sein. Das hat mich auch über meine Liebe für die englische Sprache hinaus nachhaltig geprägt. Auch wenn ich Großbritannien heute wesentlich weniger romantisiert und dafür umso differenzierter betrachte, übt es nach wie vor eine große Anziehung auf mich aus. Und auch für die Englischkenntnisse ist es hilfreich, regelmäßig mit Mutterspracher*innen zu sprechen.

Entdeckungsurlaub an mir noch unbekannten Orten

Abseits vom Paddelurlaub bestanden bisher alle voran genannten Urlaube aus Reisen an mir bekannte Orte. Allerdings möchte ich ja auch neue Orte entdecken. Da ich bevorzugt auf dem Landwege reise, braucht solch ein Entdeckungsurlaub Zeit. Vier Wochen beziehungsweise ein Monat haben sich in der Vergangenheit als idealer Reisedauer für mir bis dato unbekannte Orte erwiesen. Das gilt für Reisen mit Interrail gleichermaßen für Fernreisen auf andere Kontinente  – immerhin soll sich die lange Anreise schon lohnen.

Feiertage am Ende des Jahres

Und schon sind wir wieder in der schwierigen Zeit des Winters. Zugegeben: Die Feiertagssaison ist der angenehmere Teil des Winters. An den kürzesten Tagen des Jahres finde ich es überhaupt nicht verwerflich, insgesamt etwas kürzer zu treten. Wann sonst erhält man die Möglichkeit, so viel Zeit mit den Liebsten zu verbringen?

Es geht noch weiter…

Spätestens hier dürften alle denken, ich hätte komplett den Verstand verloren: Nach 13 Wochen Urlaub noch weitere Wunschvorstellungen? Wie vermessen kann ein Mensch sein? Entgegen der preußisch-protestantischen Arbeitsmoral und Bescheidenheit, die in mir angelegt wurden und von denen ich mich immer wieder freisprechen muss, halte ich nicht hinterm Baum!

Bisher habe ich nur über Urlaub gesprochen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich dabei aber zwei Punkte komplett außen vor gelassen:

  1. Bildungsurlaub
  2. Workation

Persönlich wie professionell empfinde ich es als wichtig, lebenslang zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Das geschieht freilich auch über Arbeitserfahrung. Gelegentlich braucht es jedoch komplett neue Denkanstöße. Das Konzept von Bildungsurlaub empfinde ich als perfekt dafür!

Workation (= Kofferwort aus work [engl. Arbeit] und vacation [engl. Urlaub]) ist ein wunderbar neudeutscher Begriff, der nichts anderes meint als eine mit Urlaub kombinierte ortsunabhängige Erwerbsarbeit. Selbstredend profitieren hier vor allem Menschen, die überhaupt ortsunabhängig arbeiten können. Prinzipiell kann ich das als Drehbuchautor.

Dafür habe ich konkret zwei Zeiträume im Sinn: Einerseits die leidigen Wintermonate, die ich bereits angesprochen hatte. Wie schön wäre es doch, wenn man einfach an einem etwas weniger tristen Ort arbeiten könnte, als so ziemlich jede deutsche Stadt im Winter? Andererseits leide ich im Sommer regelmäßig unter den zunehmend steigenden Temperaturen. Da zeigt sich ein seltener Nachteil meines niedrigen Blutdrucks: Ab 25°C schaltet mein Körper einfach ab und ich laufe Gefahr, an Ort und Stelle einzuschlafen – trotz ausreichend Schlaf in der Nacht.

Deshalb bin ich großer Freund des Konzepts der Sommerfrische. Die Idee dahinter ist wirklich überhaupt nicht neu, aber genial: Während der heißen Sommermonate, wenn es in Großstädten unausstehlich wird, weicht man einfach auf die kühleren ländlichen Gegenden aus. Historisch war das sogar einst notwendig, weil auf dem Land die Ernte eingefahren wurde.

Hürden

Selbstredend handelt es ich bei meinen Ausführungen bisher komplett um Wunschdenken. In der Umsetzung gibt es einige Herausforderungen, die es zu meistern gilt:

  1. Finanzen
  2. Sozialleben
  3. Organisation
  4. Umweltverträglichkeit
  5. Was, wenn das alle machen würden?

Nun wäre ich nicht ich, wenn ich nicht auch ein paar Ideen zum Überwinden dieser Hürden anbieten würde. Keine davon ist wissenschaftlich erwiesen und ich lerne selbst noch stetig dazu, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Lösungsansätze

Finanzen

Beginnen wir bei der offensichtlichsten Hürde: Wie soll das finanziert werden? Für meine persönlichen Vorstellungen habe ich die Kosten für Urlaube und Workation mal grob überschlagen. Stand 2025 belaufen sie sich auf etwa 15.000€. Das ist eine Menge Geld, die viele Menschen nicht mal eben so beiseite legen können – mich eingeschlossen.

Aber ich halte es nicht für unmöglich. Als Minimalist hinterfrage ich meine Konsumgewohnheiten regelmäßig. Dabei fallen mir auch immer wieder Bereiche auf, in denen ich Geld für Dinge ausgebe, die mir eigentlich gar nicht wichtig sind. In anderen Bereichen gebe ich dafür wesentlich weniger aus, als andere Menschen, beispielsweise weil ich kein Auto besitze.

Ist das eine privilegierte Perspektive? Definitiv! Wer am Existenzminimum nagt, macht sich darüber keine Gedanken. Viele Menschen leiden an den Preissteigerungen der letzten Jahre und wissen nicht, woran sie noch sparen sollen, um wenigstens ein bisschen Geld zur Seite zu legen. Aber es handelt sich hier um ein Gedankenexperiment und träumen ist jederzeit erlaubt und kostenfrei!

Sozialleben

Wenn man 13+ Wochen abwesend ist, kann es schwierig werden, ein intaktes Sozialleben mit den Menschen zu führen, die einem wichtig sind. Aber unmöglich ist es nicht. Im Gegenteil: 13 Wochen Urlaub erlauben sogar mehr soziale Interaktion als das viele Menschen aktuell im Alltag leben.

Freilich kommt es hier auf die Ausgestaltung an. Aber wenn ich unsere Nutzung von (a)sozialen Medien und Kommunikation im Alltag beobachte, sehe ich viel Raum für Verbesserung. Bei 13 Wochen Urlaub im Jahr gibt es auf jeden Fall keine Entschuldigung mehr, warum man sich so selten sieht.

Außerdem kann man Urlaube nicht nur allein, sondern auch gemeinsam unternehmen. In vielen Fällen macht sie das sogar erinnerungswürdiger.

Organisation

Du weißt nicht, wie du 13 Wochen Urlaub im Jahr überhaupt unterbringen sollst? Das kann ich sehr gut nachvollziehen, weil ich mich selbst immer wieder damit schwer tue, Routinen in meinem Leben zu etablieren und beizubehalten. Oft liegt das an den sich ändernden Lebensumständen Aufenthaltsorts, Arbeits- und Jahreszeiten sowie Zeitumstellung.

Mir hilft dabei oft, längere Blöcke am Stück den gleichen Ablauf zu haben. Rein rechnerisch hat man bei 13 Wochen Urlaub jede vierte Woche frei. Wenn man stets nur drei Wochen zur Eingewöhnung hat, verwundert es nicht, dass es schwer fällt, vernünftige Routinen zu erarbeiten. Aber niemand hat gesagt, dass man sie so regelmäßig über das Jahr verteilen muss. Einfacher tut man sich wahrscheinlich, wenn man den Urlaub auf zwei bis drei längere Blöcke verteilt.

Wer nicht allein lebt, ärgert sich womöglich darüber, nicht alle 13 Wochen mit den Liebsten verbringen zu können. Dazu kann ich nur sagen: Ja, zusammen ist es oft schöner. Aber auch Zeit allein sollte man nicht unterschätzen und mal ausprobieren.

Umweltverträglichkeit

Mobilität erzeugt prinzipiell eine Belastung für unsere Umwelt, sobald es über die eigene Muskelkraft hinausgeht. Dennoch gibt es auch hier Unterschiede. Verschiedene Verkehrsmittel kommen mit unterschiedlichen Fußabdrücken einher. Urlaub muss nicht bedeuten, auf großem Fuß(abdruck) zu leben.

Was, wenn das alle machen würden?

Davon sind wir meines Erachtens sehr weit entfernt. Andererseits: Laut Statistischem Bundesamt gibt es in diesem Schuljahr bundesweit 11,4 Millionen Schüler*innen, die bereits in den Genuss von 13 Wochen Urlaub kommen. Das entspricht bei einer Annahme von rund 83,5 Millionen Menschen in Deutschland im Jahr 2024 in etwa 13,65% der Bevölkerung.

Da sind Renter*innen noch nicht mit eingerechnet. Das möchte ich aber auch gar nicht, denn wie oben schon ausgeführt, wissen wir nicht, ob wir das Alter für den Ruhestand und die erforderliche Gesundheit für etwaige Vorhaben in der fernen Zukunft jemals erreichen werden.

Wenn nun aber doch alle Menschen plötzlich 13 Wochen Urlaub im Jahr umsetzen würden, müsste man freilich koordinieren, dass dies nicht alle Menschen gleichzeitig tun. Auch hier möchte noch einmal auf das Motto Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg verweisen.

Schließlich gibt es noch einen Aspekt, den ich besonders hervorheben möchte: Wenn tatsächlich alle 13 Wochen Urlaub bekämen, wäre das eine sehr großer Schritt Richtung mehr Gleichberechtigung. Feiertage sind in Deutschland Ländersache und höchst ungerecht. Urlaubstage sind Verhandlungssache und höchst individuell. Was spricht dagegen, zumindest bundes-, wenn nicht sogar europaweit, allen Menschen den gleichen Urlaubsanspruch zu gewähren?

In jedem Fall glaube ich daran, dass mehr Urlaub dazu führen würde, dass wir Menschen ein besseres Leben führen würden. Nicht nur, weil wir erholter wären, sondern weil wir bessere Entscheidungen treffen würden. So oft treffen wir zwar subjektive nachvollziehbare, aber objektive dumme Entscheidungen aus Zeitgründen. Mit mehr Urlaub hätten wir mehr Zeit für die wichtigen und richtigen Dinge. Welche das für dich sind, entscheidest du bitte selbst.

Eine praktikable Herangehensweise

Zum Abschluss möchte ich einmal weg vom utopischen Wunschdenken. 13 Wochen Urlaub sind ein Idealzustand, den ich anstrebe, wie andere Menschen einer Religion folgen, um womöglich eines Tages im einem verheißenen Paradies auf immer und ewig leben zu können. Allen das ihrige.

Von 13 Wochen Urlaub bin ich aktuell noch sehr weit entfernt – mit beginnender Selbstständigkeit erst recht. Das ist auch in Ordnung, denn diese Entscheidung habe ich aus freien Stücken getroffen. Tatsächlich betrachte ich die Selbstständigkeit aber auch als einzige Möglichkeit, dieses Ideal überhaupt jemals erreichen zu können. Doch was ist bis dahin?

Bis ich meine Ideal erreiche, halte ich mich an mein Jahresmotto. Ja, ich strebe dieses Ideal an, aber ich brauche es nicht zu erreichen, um ein erfülltes Leben zu führen.

Dennoch hege ich den Wunsch, die genannten Arten von Urlaub regelmäßig zu erleben. Bis ich also in der Lage sein werde, 13 Wochen Urlaub im Jahr in vollen Zügen zu genießen, werde ich mir jedes Jahr welche raussuchen, auf die ich den Fokus lege. Im Grunde kann man sie (in meinem Fall) drei verschiedenen Arealen zuordnen, die sich teilweise überlappen:

  • Aktivurlaube (Skifahren, paddeln, tauchen, wandern)
  • Entdeckungsurlaub (mir bisher unbekannte Orte)
  • Rückkehr an mir Sehnsuchtsorte (Erstheimat, Großbritannien, Italien, Israel, Osttirol)

Jedes dieser Areale deckt ein unterschiedliches Bedürfnis in mir ab. In erster Instanz geht es um die Erfüllung der Bedürfnisse. Alles andere ist ein Bonus.

Außerdem lassen sich manche Urlaube geschickt miteinander verknüpfen. Zum Beispiel:

  • Wer sagt, dass man nicht auch mit den Liebsten über die Feiertage verreisen kann?
  • Wenn man die Quasi-Schwiegerfamilie in Israel besucht, kann man auch gut tauchen gehen.
  • Auf dem Weg von Deutschland nach Italien kann man sehr gut in Österreich verweilen.

Und schließlich ist meine Art, ein ideales Jahr zu definieren, auch nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten!

Nun interessiert mich, wie du dein ideales Jahr gestalten würdest? Und wie viel Urlaub empfindest du als ideal? Teile es gern in den Kommentaren!

Alles Liebe
Philipp

Handverlesen in 2024

Huch, schon wieder ein Jahr um! In gewohnter Manier gibt es meinen persönlichen Jahresrückblick erst, wenn das Jahr auch wirklich vorbei ist. In diesem Sinne: Jetzt ist die Zeit dafür!

Januar

Wie unpraktisch, dass das neue Jahr stets im Winter beginnt, oder? Mir fällt es zumindest schwer, nach all dem Glanz der Feiertage mit den dunklen und tristen Wintermonaten klarzukommen. Umso wichtiger finde ich es, sich die Zeit selbst etwas schön zu machen. Gesagt, getan; deshalb stand im Januar ein Brettspielwochenende in Erfurt an. Denn, wenn der Winter einen Vorteil hat, dann doch wohl der, dass man sich ganz ohne schlechtes Gewissen ein Wochenende lang einschließen kann, um rund um die Uhr gemeinsam Gesellschaftsspiele zu spielen, oder? 🎲

Noch so eine Aktivität, den Winter erträglicher macht, ist Urlaub in Kombination mit Wintersport. Denn der ermöglicht es, sich den ganzen Tag an der frischen Bergluft zu bewegen und Tageslicht zu tanken, um dann abends bei gemütlicher Hüttenstimmung mit gut gefülltem Magen wegzudämmern. Für mich hieß das nun konkret, mich in der Zweitheimat Osttirol das erste Mal an Abfahrt zu wagen. Und was soll ich sagen? Oida, war des a Gaudi! ⛷

Februar

Das sollte der Monat der neuen Erfahrungen für mich werden: Zunächst wäre da mein erstes (und bis dato einziges) Techno-Konzert. Für Brutalismus 3000 hatte ich meinem Liebsten geschenkt und ergab mich meinem Schicksal, auch wenn ich da einige Vorbehalte hatte. Also wurde ich in Schale geworfen und habe geraved, was das Zeug hält – zumindest solang das Konzert dauerte. Irritiert war ich davon, wie wenig Bewusstsein einige Menschen für ihre Umgebung haben, und vom Alter der übrigen Anwesenden (Erklärung meines Techno-Profis: In die Clubs kommen sie eben noch nicht rein.) Ja, wir haben gegebenenfalls zu den ältesten fünf Prozent gehört. Aber ein spaßiger Abend war es allemal! 😎

Außerdem stand mein Umzug nach Lüneburg an. Für meinen ersten richtigen Job als Drehbuchautor durfte ich bei der Telenovela Rote Rosen anheuern und hatte dort eine richtig gute Zeit! Ehrlich gesagt würde ich sogar so weit gehen, zu behaupten, dass es der beste Job war, den ich je hatte! Zugegeben: Es war schon etwas gewöhnungsbedürftig, dass ich jede Woche mit einem wechselnden Kollegium arbeitete. Aber ich durfte so viel lernen und hatte so viel Spaß bei der Arbeit, dass mich auch das Pensum nicht gestört hat. So darf es gern weitergehen… 🌹

März

Spätestens seit dem Abschnitt Januar in diesem Beitrag dürfte nunmehr bekannt sein, wie gern ich meine Zeit mit Gesellschaftsspielen verbringe. Die bereiten mir wirklich Spaß! Echten Spaß! Und seit der Lektüre von The Power of Fun von Catherine Price durch Frau Dingdongs Buchklub war ich regelrecht auf der Suche nach Erfahrungen, die mir ebenso große Freude bereiten würden. Nichtsahnend stieß ich bei einer ziellosen Recherche auf die Möglichkeit, das Spiel Scotland Yard im echten Leben mit echten Öffis zu spielen. Nur stammten sämtliche Verweise im Internet darauf aus den vergangenen Jahrzehnten. Und da ward eine Idee geboren: Warum nicht einfach mal selbst machen? Dank der heutigen Technik ist es sogar noch einfacher als vor 10 oder 20 Jahren. Also startete ich mit Frau Dingdong einen Test in Hamburg. Und wir hatten den Spaß unseres Lebens – was auch bei den übrigen Fahrgäst*innen nicht unbemerkt geblieben sein dürfte. 🕵🏾

April

Mit steigenden Temperaturen stieg auch meine Unternehmungslust. Entsprechend reich an Unternehmungen gestaltete sich der April: Zunächst gab es noch zwei Ausgaben von Scotland Yard Live – einmal in Berlin und einmal in Hamburg. Das mag ich dieses Jahr mit noch mehr Menschen probieren! 🚇

Außerdem stand ein Heimaturlaub an. Direkt zur Eröffnung der Saison ging es mit einem engen Schulfreund deshalb in unserer Erstheimat in den Freizeitpark Plohn. Achterbahnfahrten gehören auf jeden Fall auch zu den Aktivitäten, bei denen ich echten Spaß empfinde! 🎢

Dann gab es noch eine kleine Reunion: Meine frühere WG aus Darmstadt hat sich auch in 2024 wieder getroffen – dieses Mal in Leipzig. Das war wieder einmal sehr schön herzlich und dann auch noch mit einer richtig niedlichen Hundedame! 🐶

Schließlich gab es noch eine Wanderung in der berühmten Lüneburger Heide mit meinem einzigen Freund in Lüneburg. Ehrlich gesagt war ich etwas enttäuscht. Ja, es war außerhalb der Saison und ganz nett unterwegs. Aber große Teile der Landschaft sehen dann doch recht trostlos aus, wenn die Heide gerade nicht blüht. Also musste ich unbedingt noch einmal zurückkehren! 🥾

Mai

Im Mai empfing ich Besuch in Lüneburg. Kennt ihr das, wenn man stets derjenige ist, der bei Museumsbesuchen am längsten braucht, weil man sich alles in Ruhe durchlesen möchte. Und dann stell dir vor, jemand geht mit dir ins Museum, der noch länger braucht! Was soll ich sagen? It’s a match! 🏛

Außerdem flogen wir nach Israel, weil meine Quasi-Schwiegermutter ihren 60. Geburtstag hatte. Allen Umständen zum Trotz war es eine schöne Feier. Eine Lehre, die ich daraus gezogen habe: Man muss Feste so feiern, wie sie fallen! Wer weiß, wann man sonst dazu kommt? 🇮🇱

Juni

Da ich meinen Geburtstag nicht am Flughafen verbringen wollte, blieben wir eben doch etwas länger in Israel. Und so durfte ich seit neun Jahren meinen Geburtstag mal wieder in Israel begehen. Eine Sache, die ich an den israelischen Gepflogenheiten sehr mag, ist, dass Geburtstagskindern eine Kopfschmuck mit Blumen aufgesetzt wird. Das macht so eine Feierlichkeit gleich zu etwas Besonderem! 🌸

Zurück in Deutschland habe ich mich mit meinem Fun-Partner in crime Frau Dingdong außerdem auf Sofortbildfototour begeben. Analoge Sofortbildfotografie hat mich letztes Jahr in ihren Bann gezogen. Also erwarb ich gebrauchte Polaroid-Kameras sowie passende Filme und wir machten Lüneburgs Altstadt unsicher, um uns an diesem nahezu magischen Medium zu probieren. Und apropos probieren: Wir probierten ganz nebenbei auch noch die eine oder andere Eisdiele in Lüneburg. Was für eine Freude! 📸

Juli

Schon wieder Urlaub: Dieses Mal ging es mit besagtem engem Schulfreund und dessen Familie nach Wien. Man sollte meinen, dass man sich richtig gut Zeit lassen kann, wenn man sich eine Woche nur in einer Stadt aufhält. Aber auch Wien hat so viel zu bieten, dass man immer wieder für einen Besuch vorbeikommen kann! Ungeachtet dessen, haben wir es möglichst entspannt angehen und es uns auch kulinarisch gut gehen lassen. Und es war sogar noch genug Zeit, um eine Freundin aus Jugendtagen inklusive Nachwuchs sowie eine Kollegin zu treffen. Ein wenig habe ich mich schon gefragt, ob Wien nicht der bessere Wohnort für mich wäre: Bessere Küche, Achterbahnen direkt in der Stadt und näher an den Alpen – Wien wurde nicht grundlos mehrfach zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt! 🎡

Kaum zurück gab es für mich noch eine neue Erfahrung: Futures. Dabei handelt es sich bei einer täglichen Serie um ein riesiges Brainstorming, was in den nächsten x Wochen (x = Zahl, die variiert) handlungstechnisch passieren soll. Man fühlt sich ein wenig wie in einem Film, wenn man Teil einer Gruppe von Autor*innen ist, die sich in einem Hotel fernab vom Schuss verschanzen, um sich voll und ganz nur auf diese Geschichten zu konzentrieren, wenn man von der Verköstigung alle paar Stunden absieht. Es könnte aber auch die Einleitung für einen Horrorfilm sein. Spaß beiseite, das war toll und wir sind alle lebend wieder in der Zivilisation angekommen! 🎬

August

Mein Blog wurde 10 Jahre alt! Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist! Allerdings frage ich mich beim Tempo der technischen Entwicklung schon, ob es in zehn Jahren überhaupt noch so etwas wie Blogs geben wird. Jedenfalls mache ich erstmal weiter, denn das ursprüngliche Konzept eines Blogs besteht ja darin, ein Leben zu dokumentieren. Sehen wir, was die Zukunft bringt! 🎂

Ein Bekannter hat sich aus Berlin verabschiedet, weil es ihn nach Barcelona zieht. Wenn andere Menschen auswandern, werde ich ja stets etwas wehmütig. Soll es das jetzt schon gewesen sein mit dem Nomadentum? Wollte ich nicht selbst noch die ganze Welt erkunden? Für einen kurzen Moment vergesse ich dann, dass es ja durchaus gute Gründe gibt, warum ich aktuell genau da bin, wo ich mich befinde. Aber zum Reflektieren ist es immer gut. 👀

Im August war ich sogar zwei Mal in der Lüneburger Heide wandern – dieses Mal mit zauberhafter Blüte. Da sieht das Ganze schon wesentlich schöner aus und man versteht, warum die Menschen davon so schwärmen. Und die Heidschnucken sind vielleicht erst süß! Wie die jemand essen mag, kann ich wirklich nicht nachvollziehen… 🐏

Außerdem empfing ich noch eine Freundin aus Berlin zu Besuch in Lüneburg. Wenn Besuch da ist, kann man ganz entspannt das touristische Angebot des eigenen Wohnorts wahrnehmen, zu dem man sonst nie kommt. Bei einer Stadtführung lernt man dann doch noch ein paar interessante Hintergründe, über die man sonst womöglich nie nachgedacht hätte – beispielsweise den weltweit ersten belegten Drive-in. ⛲️

September

Im September gab es direkt noch einmal Besuch vom Liebsten und meinen Eltern – und es ging noch einmal in die Heide. Doch die Blüte hatte schon deutlich nachgelassen. Erstaunlich, was ein paar Wochen Unterschied da ausmachen können. Erstaunlich finde ich auch, dass Kutschfahrten in der Lüneburger Heide so beliebt sind. Erschließt sich mir überhaupt nicht, zumal mir die Pferde sehr leid tun… 🐴

Dann stand auch schon die Wohnungsauflösung in Lüneburg an. Ehrlich gesagt war ich doch etwas überwältigt von der Menge an Dingen, die sich binnen weniger Monate in einem zweiten Haushalt ansammeln. Ins Mietauto hat zwar trotzdem alles gepasst, aber das war dann auch bis unter die Decke voll. Die Fahrt war überraschender Weise entspannter, als ich erwartet hatte – vor allem auf den Landstraßen. Autobahnen langweilen mich ganz fürchterlich. Großstadtverkehr macht überhaupt keinen Spaß. Am Ende des Tages empfand ich es dann doch als sehr befreiend, das Mietauto wieder los zu sein. 🚛

Das letzte Wochenende des Monats stand schließlich noch ganz im Zeichen des Berliner Marathons, für den mein Papa und ich uns als Team angemeldet hatten. Aus gesundheitlichen Gründen war bis zum Schluss nicht klar, ob wir beide überhaupt antreten werden, sind wir dann aber doch und haben es durchgezogen. Bei mir war es leider sehr schmerzhaft dieses Mal. Da wollte ich wohl zu viel… Alles in allem aber dennoch geschafft – bis zum nächsten Mal! 🏃

Oktober

Auch ohne Wohnung verweilte ich noch zwei Wochen in Lüneburg, bevor es dann auch hier Abschied nehmen hieß – oder sollte ich eher „Auf Wiedersehen“ sagen? In jedem Fall war es ebenso herzlich wie das Willkommen in Berlin. 😘

Dort nahm ich dann auch just an einer Kneipentour mit ehemaligen Kolleg*innen teil. Meinem unalkoholischen Lebensstil entsprechend gehört das für gewöhnlich nicht zu meinen Freizeitaktivitäten. Nach der Kneipentour weiß ich auch wieso. Spaßig war es aber trotzdem. 🍻

Anlässlich der Geburtstage eines sehr guten Schulfreundes und seiner Tochter verschlug es mich außerdem nach Dresden. Da durfte eine Bilderbuchwanderung in der vom Laub bunt gefärbten Sächsischen Schweiz natürlich nicht fehlen! Meine erste selbst erstellte Schnitzeljagd erwies sich zwar in der Ausführung als etwas stressig, aber als Erfolg, denn sie hat nicht nur den Kindern, sondern auch mir Spaß gemacht. So etwas sollte man viel häufiger machen! 🗺️

Mit Halloween wagte ich mich außerdem wieder an das Backen von Plätzchen. Die Fledermauskekse waren mir zwar noch etwas zu fad, aber die Kürbisplätzchen waren der Knaller! Zum Glück habe ich noch ein paar Monate, um mir ein paar Gedanken zu machen, was ich dieses Jahr zaubern werde. 🎃

November

Spätestens im November spürte ich, dass die Luft für das Jahr irgendwie raus war. Ein paar Höhepunkte gab es aber dennoch: Einmal mehr stand die jährliche Reunion mit den Herzensmenschen aus der Ersteheimat an. Dieses Jahr trafen wir uns in Halle und was soll ich sagen? Diese Stadt wird komplett unterschätzt! Abgesehen von Kulinarik haben wir zwar nicht wirklich etwas des städtischen Angebots in Anspruch genommen, aber so oder so ist es immer eine Reise wert. ♥️

Am Ende des Monats wartete außerdem noch ein kleines Projekt: Zum Geburtstag hatte ich meinem Partner einen Nähkurs geschenkt, den wir zusammen besuchten. Ambitioniert wie eh und je wollte ich aus einer alten Jacke einen Reiserucksack nach meinen eigenen Vorstellungen nähen. Das gestaltete sich jedoch als etwas zu ambitioniert. Deshalb habe ich stattdessen meine kaum getragene, zu große Wollfilzjacke auf meine Körperform angepasst. Jetzt sitzt sie wie gegossen und ich trage sie direkt viel häufiger! Und der Nähkurs war auch super. Den Rucksack gehe ich dann eben dieses Jahr an. 🧵

Dezember

Für gewöhnlich schätze ich den Dezember ja so sehr, weil man so viel Zeit zu Hause verbringt und eigentlich eine besinnliche Zeit haben möchte. Nun ja, zu Hause waren wir im Dezember kaum. Im Grunde fühlte sich der gesamte Monat wie ein einziger riesiger Urlaub an. Und das war auf seine eigene Weise ganz toll! Zuerst waren wir in Prag. Das war ein Geschenk meiner Eltern für unseren Geburtstag. So begaben wir uns für ein verlängertes Wochenende auf die Suche nach dem tollsten Weihnachtsmarkt in Prag und haben geschlemmt, genossen und jede Menge über tschechische Weihnachtsbräuche kennengelernt. Außerdem ich hatte endlich mal Gelegenheit, auch andere Seiten Prags kennenzulernen. Das lange Wochenende mit den Liebsten tat sehr gut – zumal wir dieses Jahr sonst nicht so viele Wochenenden zusammen verbringen konnten. 🇨🇿

Nach nur einem Tag Aufenthalt in Berlin ging es sodann direkt weiter nach London – zu einer Geburtstagsüberraschung für die Quasi-Schwiegervater. Auch dort wurde weitergeschlemmt! Ich habe wohl noch nie so gut Indisch gegessen und auch so war das gastronomische Angebot auf einem anderen Niveau – nicht nur preislich. Das gilt auch kulturell. Deshalb habe ich direkt auch noch die Chance genutzt, Phantom of the Opera und Waiting for Godot anzuschauen. London ist in der Weihnachtszeit noch einmal auf ganz wunderbare Weise anders, aber auch sehr kapitalistisch. Insgesamt hat sich Energie der Stadt auf mich übertragen, was mir in meinem Wintertief echt gut getan hat. 🇬🇧

Many happy meetings mit der erweiterten Quasi-Schwiegefamilie später ging es zurück nach Berlin – mit Quasi-Schwiegereltern und -Schwägerin. Bevor letztere dann über die Feiertage auch noch mit in die Erstheimat zu meinen Liebsten kam, gab es für mich aber noch einiges an Plätzchen und Lebkuchen zu backen. Und dort durfte das Jahr dann mit weiteren Köstlichkeiten und viel Zeit mit all meinen Herzensmenschen ausklingen – ganz entspannt. 🎄

In 2024 ist dann doch einiges passiert! Das mag ich an solchen persönlichen Rückblicken. Denn sie führen mir vor Augen, wie toll das Jahr dann doch war – viel positiver, als man es sonst womöglich angenommen hätte.

Was war dein Highlight im letzten Jahr? Teile es gern in den Kommentaren!

Alles Liebe
Philipp


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Handverlesen.

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Heute vor einem Jahr hat das brutalste antisemitische Verbrechen seit dem Holocaust stattgefunden. Seitdem steht der Nahe Osten nahezu täglich im Fokus der Nachrichten – und ein Ende ist nicht in Sicht.

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Gegen das Vergessen

Den Titel dieses Beitrags hast du wohl schon hunderte Male irgendwo gehört, gelesen oder anderweitig aufgeschnappt – sehr wahrscheinlich im Kontext des Holocaust. Letzte Woche ist mir jedoch bei einem entspannten Mittagspausengespräch ein bei Weitem nicht so entspannender Gedanke gekommen: Wir (Menschen) vergessen ständig das Leid anderer – völlig unbeabsichtigt. Doch was lässt sich dagegen tun? Mit bloßer Dokumentation ist es meiner Meinung nach nicht getan.

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Sehnsuchtsorte

Wenn ich anderen erzähle, dass ich prinzipiell keine Menschen vermisse, mich aber durchaus auf ein Wiedersehen mit ihnen freue, werde ich oft für sonderbar gehalten. Nach bestimmten Orten sehne ich mich hingegen sehr. Und im Laufe meines Lebens wurden das immer mehr – mehr als ich regelmäßig besuchen kann.

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Handverlesen in 2023

Im Grunde konnte es nach 2022 nur besser werden. Und siehe da: 2023 erwies sich – zumindest für mich persönlich – als hervorragendes Jahr. Hier kommen sie also: Meine emotionalen Höhe- und Tiefpunkte des letzten Jahres!

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Realer Horror

Aktuell ist Gruselsaison schlechthin. Doch seit einem Monat halten mich ganz andere Horrorgeschichten wach. Seit dem Terroranschlag in Israel am 07.10.2023 jagt eine Schreckensnachricht die nächste. Und als wären die brutalen, menschenverachtenden Anschläge und die daraus resultierende Gewaltspirale nicht genug, erlebe ich sowohl online als auch offline Reaktionen, die mich am Guten im Menschen zweifeln lassen. Oft genug dürfte es sich um Überforderung oder Unwissenheit handeln. Deshalb schreibe ich diesen Beitrag, um einen greifbareren Zugang zum Nahostkonflikt zu vermitteln.

Warum sollte man sich überhaupt mit dem Konflikt beschäftigen?

Die Terrorwelle aus dem Gazastreifen kam für viele Menschen, mich eingeschlossen, sehr überraschend. Während mich die aktuellen Nachrichten emotional sehr stark aufwühlen, musste ich feststellen, dass dies bei Weitem nicht allen Menschen so geht. Und ehrlich gesagt kann ich das sehr gut nachvollziehen.

Mittlerweile überrollen uns so oft Nachrichten von Naturkatastrophen, Terroranschlägen und Kriegen, dass viele Menschen abschalten. Sicherlich gehört hier auch ein gewisser Selbstschutz dazu, denn je stärker man sich mit den Nachrichten und ihrer Bedeutung auseinandersetzt, desto mehr belasten sie die eigene Psyche. Dieses Mal kann ich aber nicht abschalten.

Von anderen Kriegen und Krisen weiß ich selbst, wie weit weg es sich anfühlen mag, wenn man keine Betroffenen persönlich kennt. Das verhält sich hier anders, denn unsere Freunde und Familie sind betroffen. Neben der Sorge davor, dass sie Opfer eines Raketenangriffs werden oder sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten, kommt nun noch die Sorge vor dem Krieg. Mein Schwager wurde direkt als Reservist eingezogen.

Umso verstörender wirkt es auf mich, wie viele Menschen scheinbar überhaupt nicht mitbekommen, was in Israel gerade vor sich geht und ihr Leben einfach weiter leben, als sei nichts geschehen. Versteht mich nicht falsch: Ich möchte niemandem die Stimmung verderben, sondern ein Bewusstsein schaffen.

Ehrlich gesagt wäre es mir manchmal sogar lieber, die Menschen würden einfach mal ihren Mund halten. Denn in den letzten Wochen durfte ich lernen, dass viele Menschen gar nicht wissen, was es mit dem Nahostkonflikt auf sich hat. Ehrlich gesagt ging mir das vor meinem Austausch nicht anders. Ein Grund, weshalb ich mich damals für den Austausch nach Israel entschied, bestand darin, dass ich dringend mehr über Kultur und Geschichte des Landes lernen wollte. Meines Erachtens sollten das alle Menschen in Europa, denn die Geschichte des Nahen Ostens ist mehr mit der Europas verbunden, als es zunächst scheint.

Komplett zu schweigen, halte ich aber ebenso wenig für angebracht. Denn wenn wir uns auf eines einigen können, dann dürfte es doch wohl der Appell an Menschlichkeit sein, oder? Doch genau die vermisse ich bei allen Kommentaren und Diskussionen, die mich in letzter Zeit erreichen.

Grundlagen

Zunächst möchte ich jedoch eine Wertegrundlage dafür schaffen, auf derer Basis wir uns mit dem Thema beschäftigen:

  1. Bevölkerung ≠ Regierung (Das gilt für israelische ebenso wie für palästinensische, libanesische, syrische und auch iranische Menschen. Sie können ebenso wenig dafür, wo sie geboren wurden und in welcher Kultur sie sozialisiert wurden, wie du und ich. Auch wenn eine Regierung gewählt wurde, heißt das nicht, dass sie immer noch demokratische Legitimation besitzt, geschweige denn jedes Individuum repräsentiert.)
  2. Palästinenser ≠ Hamas
  3. Hamas = Terrororganisation, die den Friedensprozess im Nahen Osten blockiert und Israel vernichten möchte
  4. Siedlungen außerhalb des eigenen Territoriums = völkerrechtlich unrechtmäßige Siedlungen, die den Friedensprozess im Nahen Osten ebenfalls blockieren
  5. Glaube ≠ Terrorismus. Religiöse Texte lassen sich pazifistisch oder fanatisch wortgetreu ausleben. Davon, dass das für alle, auch abrahamistische, Religionen (allen voran Judentum, Christentum und Islam) gilt, zeugen Steinigungen im Alten Testament, die Kreuzzüge des Mittelalters und islamistische Terroranschläge. Deshalb hüte ich mich davor, eine Religion über eine andere zu stellen.

Nein, ich bin kein Historiker und habe auch nie Politikwissenschaft oder dergleichen studiert. Aber ich habe schon mehr als zwei Jahre meines Lebens in Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten verbracht, in Jerusalem und Tel Aviv gelebt, in Jerusalem studiert, mich sehr viel mit der Geschichte der Region und Jerusalems im Speziellen auseinandergesetzt und sowohl im Rahmen meines Studiums vor Ort, als auch meiner Bachelor- und Master-Arbeit schriftlich befasst.

Obgleich ich mich um Neutralität bemühe und sowohl israelische als auch palästinensische Kontakte habe, habe auch ich eine Meinung und kann allein aufgrund meiner politischen Einstellung und meiner persönlichen Beziehungen nicht komplett objektiv sein. Deshalb rate ich, nach dem Lesen meines Textes noch weitere Quellen hinzuzuziehen und diese abzugleichen.

Generell bin ich verwundert darüber, mit welcher Doppelmoral hier agiert wird. Es gibt an einem Krieg nichts schönzureden; es wird unschuldige Opfer geben – auf allen Seiten. Gleichermaßen bin ich erstaunt, dass nun ausgerechnet im Falle Israels und Gazas ständig mit dem Finger auf andere gezeigt wird, während bei anderen Konflikten in der Welt scheinbar mit den Schultern gezuckt wird.

Ist der Nahostkonflikt nicht etwas kompliziert für einen Blogbeitrag?

Ehrlich gesagt finde den Nahostkonflikt nicht kompliziert. Er ist zwar defintiv nicht einfach zu lösen, andernfalls wäre es bereits zu einer praktikablen Lösung gekommen. Kompliziert zu verstehen, ist er jedoch nicht.

Ein Konflikt entsteht immer dann, wenn Subjekt A ein Ziel hat, Subjekt B aber nicht möchte, dass Subjekt A es erreicht. In diesem Fall erheben zwei Menschengruppen Anspruch auf dasselbe Territorium.

So simpel kann es sein. Allerdings sind im Nahostkonflikt mittlerweile sehr viele Parteien involviert, was ihn sehr komplex macht. Zwar ist mir bewusst, dass ich wahrscheinlich nicht allen Seiten in gleichem Maße gerecht werden kann. Allerdings sind mir fünf Punkte wichtig:

  1. Es gibt bei Kriegen keine wahren Gewinner, denn sie verursachen immer Leid Unschuldiger auf allen Seiten. Und für diese Leidtragenden wünsche ich mir mehr Mitgefühl statt völlig unproduktiver und einseitiger Schuldzuweisungen.
  2. Auch wenn ich Gewalt verabscheue, kann ich nicht von Israel erwarten, dass sie sich mit Raketen bombardieren lassen, ohne zur Gegenwehr auszuholen. Das bedeutet, mit allen legitimen Mitteln dafür zu sorgen, dass solch ein Angriff nicht noch einmal stattfinden wird.
  3. Von Terroristen, die Unschuldige entführen, vergewaltigen, foltern und töten, kann ich nicht bei gesundem Menschenverstand erwarten, dass sie sich an Vereinbarungen halten. Deshalb sehe ich auch keinen Grund, mit ihnen zu verhandeln.
  4. Die Hamas wäre durchaus in der Lage, das Elend im Gazastreifen zu beenden, indem sie sich ergeben und alle Geiseln unbeschadet gehen lassen. Stattdessen nehmen sie aber in Kauf, dass Gazas Zivilbevölkerung erneut alles verliert, und missbrauchen sie als Schutzschild. Selbstredend werden sie in ihrer Propaganda Israel und den Westen dafür verantwortlich machen.
  5. Auch wenn ich die extremistischen Strömungen und die Siedlungspolitik in Israel nicht gutheiße, schätze ich als Angehöriger der queeren Community, dass ich in Israel als einziges Land im Nahen Osten selbstbestimmt leben kann. In allen anderen Ländern müsste ich um meine Freiheit und/oder mein Leben fürchten.

So viel zu meinem persönlichen Standpunkt. Kommen wir nun zu ein paar wichtigen Begrifflichkeiten und Konzepten.

Ideal vs. Realität

Im Rahmen dieses Beitrag tauchen zwei Konzepte auf, mit denen ich mich nur schwerlich identifizieren kann: Grundbesitz und Nationalität.

Ehrlich gesagt finde ich es absurd, dass wir Menschen auf die Idee kommen, ein Stück der Erde könne jemandem gehören. Sollten wir es nicht mit allen teilen, so wie wir die Welt um uns herum auch mit unvorstellbar vielen Bakterien teilen? Die Realität ist jedoch eine andere und aus der kommen wir global nur schwierig wieder heraus.

Ähnlich verhält es sich mit Nationalität. In einer idealen Welt, verstünden wir uns alle als Erdenbürger*innen. Praktisch identifizieren sich jedoch die meisten Menschen mit der Nationalität, die in ihrem Reisepass steht.

Doch worauf fußen diese Konzepte denn? Wer entscheidet, welches Stück Erde zu welchem Land und welcher Person gehört? Wieso besitzen manche Menschen die libanesische und andere die syrische Staatsbürgerschaft, obwohl ihre Sprache und ihre Kultur so viele Gemeinsamkeiten aufweisen, während Menschen der kanadischen West- und Ostküste trotz massiver kultureller Unterschiede und verschiedener Sprachen die gleiche Staatsbürgerschaft besitzen. Einerseits Zufall, andererseits das Ergebnis von Jahrtausende alten Kausalitätsketten namens Geschichte.

Wann ist ein Staat ein Staat?

Hierfür gibt es zwei Ansätze. Zunächst einmal ist ein Staat ein solcher, wenn er folgende Bedingungen erfüllt:

  • Der Staat verfügt über ein Staatsvolk (alias die Bevölkerung).
  • Der Staat verfügt über ein Staatsgebiet (und damit verbunden feste Grenzen sowie die Kontrolle innerhalb derer).
  • Der Staat verfügt über eine Staatsgewalt (also eine Regierung).

Rein theoretisch genügt es, wenn ein Staat sich als solcher bezeichnet, um als Staat zu gelten. Praktisch existiert er jedoch nicht im Vakuum, sondern im Gefüge mit anderen Staaten. Deshalb ist die Anerkennung durch andere Staaten essentiell, um im internationalen Gefüge zu bestehen und diplomatische Beziehungen pflegen zu können.

Im internationalen Kontext sind dafür die Vereinten Nationen maßgeblich. In dieser Organisation befinden sich aktuell 193 Staaten. Stand heute (02.11.2023) erkennen davon 165 Israel und 138 Palästina als Staat an. Deutschland erkennt Palästina aktuell nicht an, weil es zur Bedingung macht, dass zwischen Israel und Palästina Frieden herrscht. Dies ist leider noch nicht der Fall.

Grenzverläufe und Begriffe

Beginnt man, sich mit der Geschichte des Nahen Ostens auseinanderzusetzen, stößt man wiederkehrend auf dieselben Begriffe, die nicht immer dasselbe bedeuten. Besonders deutlich wird dies bei den Grenzverläufen, die sich im Lauf der Geschichte häufiger änderten. Entsprechend ist es wichtig, zwischen beispielsweise biblischen und geopolitischen Begriffen zu unterscheiden. Hierbei verzichte ich bewusst auf eigene Grafiken, empfehle aber, sich das Kartenmaterial, das man unter den Links findet, zum besseren Verständnis anzuschauen.

Ist vom biblischen Israel die Rede, geht es meist um das Land Kanaan, wo sich laut Tora die Israeliten niederließen und neben anderen biblischen Völkern lebten. Dieses war zwar kleiner als das heutige Staatsgebiet Israels, beinhaltete dafür aber auch Teile der heutigen palästinensischen Autonomiegebiete.

Nicht zu verwechseln ist dies mit Großisrael, welches laut biblischer Überlieferung dem “gelobten Land” entspricht, also dem Stück Land, welches laut Tora den Israeliten versprochen wurde. Auch für dessen Grenzverläufe gibt es verschiedene Interpretationen. Eine davon wird als Grundlage für Verschwörungstheorien verwendet, die besagen, Israel würde danach streben, das Staatsgebiet vom Nil bis zum Euphrat ausweiten zu wollen.

Wenn es um die tatsächlichen Grenzen des modernen Staates Israel geht, muss zwischen den international anerkannten und den de facto gebauten Grenzen unterschieden werden. Es gibt Gebiete, die seitens Israel besetzt und teilweise annektiert wurden, ohne dass dies durch die Vereinten Nationen anerkannt wurde.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Palästina. Hiermit kann gemeint sein:

Aktuell oft im Gespräch: “From the river to the sea – Palestine will be free!” Dieser Ausspruch bezieht sich auf den Jordan (Fluss) und das Mittelmeer östliche beziehungsweise westliche Grenze eines palästinensischen Staates, der somit Israel das Existenzrecht aberkennt.

Bei Geschichte gibt es immer mehr als eine Perspektive. Oft gibt es darüber hinaus auch Verschwörungstheorien, bei denen historische Fakten umgedeutet oder verfälscht werden. Obacht ist also angebracht – aktuell insbesondere in den sozialen Medien.

Wo fangen wir an?

In der Geschichte gibt es selten eine fixe Ausgangssituation, weil stets ein Ereignis auf das nächste folgt und durch diese eine Kausalität entsteht. Im Fall des Nahen Osten lassen sich jedoch einige Schlüsselereignisse ausmachen, die man als Grundlage für die Betrachtungen des Nahostkonflikts verwenden kann. Wer auf der Suche nach einer kompletten historischen Abhandlung ist, kann sich sehr gut umfassend über diesen Wikipedia-Artikel und die darin enthaltenen Links informieren. Doch sei gewarnt: Es handelt sich um einen Kaninchenbau!

Entscheidend für die aktuelle Situation ist die Tatsache, dass sich beide Seiten als Opfer begreifen.

Im Falle Israels fußt dies auf der inhärenten Identität des Judentums, welches seit dem Altertum wiederkehrend ins Exil gezwungen wurde. Egal, wo in der Welt sich jüdische Menschen niederließen, wurden sie immer wieder vertrieben und ausgegrenzt – unter anderem auch in Europa. Deshalb hat Europa auch abseits von Deutschland eine besondere Verantwortung für das Existenzrecht Israels und den Kampf gegen Antisemitismus. Ein Staat, in dem die Mehrheit der Bevölkerung jüdisch ist, scheint die einzige Möglichkeit zu sein, jüdisches Leben in Sicherheit zu gewährleisten. Alle anderen Konzepte sind zuvor gescheitert.

Aus palästinensischer Perspektive wurde den ansässigen Arabern bei Israels Staatsgründung Grund und Boden gestohlen, denn sie hatten dem Teilungsplan der UN dato nicht zugestimmt. Im Anschluss sind viele Menschen palästinensischer Abstammung zu Geflüchteten geworden. In den arabischen Nachbarländern, wurden sie jedoch ebenfalls nicht akzeptiert. Lediglich Jordanien nahm einen Großteil der Geflüchteten auf, wobei auch dort viele über keine Staatsbürgerschaft verfügen, denn der palästinensische Staat wurde erst 1988 aus dem Exil ausgerufen. Dieses langanhaltende Leid und Gefühl der Ungerechtigkeit ermöglichte eine deutliche Radikalisierung auf palästinensischer Seite.

– Status von Geflüchteten –

In Folge des UN-Teilungsplans von 1947 wurden ebenso viele jüdischen Menschen aus den arabischen Ländern vertrieben. Hier stellt sich die Frage, was zu erst war: Das Huhn oder das Ei. Auf beiden Seiten geht man von über 700.000 Menschen aus, die vertrieben wurden oder geflüchtet sind.

Leider ergibt sich hier ein Ungleichgewicht. Denn während der jüdische Staat den Großteil der jüdischen Geflüchteten und Vertriebenen aufnahm und allen das Anrecht auf eine Staatsbürgerschaft bot, galt das nicht für arabische Menschen, die den Staat Israel nicht anerkannten. Gleichermaßen erhielten diese weder eine Staatsbürgerschaft in einem der arabischen Nachbarländer, noch die palästinensische, denn einen Staat Palästina gab es noch 1948 noch nicht, da dieser erst 40 Jahre später aus dem Exil ausgerufen wurde.

In der Folge gibt es heute nach UN-Definition über 5 Millionen palästinensische Geflüchtete, da laut Definition auch die Nachfahren eines männlichen Palästinensers den Status eines Geflüchteten erhält, wenn der Vater ihn bereits inne hat – auch wenn sie anderswo geboren werden.

Nun kann man sich die Geschichte anschauen und verstehen, warum wir uns heute dort befinden, wo wir uns befinden. Dabei stellen wir fest, dass alle Seiten Fehler begangen haben: Die Europäer und Araber haben jüdische Menschen immer wieder ausgegrenzt, angegriffen und vertrieben – sowohl in Europa als auch in Nordafrika und Westasien. Großbritannien hat sowohl der arabischen Bevölkerung in seinem Mandatsgebiet als auch der zionistischen Bewegung Versprechen geleistet, die sich nicht vereinbaren ließen. Die Vereinten Nationen schlossen einen Teilungsplan, der von arabischer Seite von vornherein abgelehnt wurde. In der Folge wurde lediglich der jüdische Staat ausgerufen, welchem von allen arabischen Nachbarn noch am selben Tag der Krieg erklärt wurde. Überraschender Weise gewann Israel nicht nur diesen, sondern auch die zwei folgenden Kriege und gewann so Kontrolle über zusätzliche Territorien. Über Jahrzehnte hinweg hat Israel jedoch auch wiederkehrend den Siedlungsbau außerhalb des eigenen international anerkannten Staatsgebiets vorangetrieben und so den Friedensprozess blockiert. Sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite sind Extremisten an der Macht und Korruption an der Tagesordnung. Zu tragen hat dieses Leid in beiden Fällen die Bevölkerung.

Lösungsansätze

Wenn man nun immer wieder auf den Fehlern der Vergangenheit herumreitet, wird es keine Lösung geben. Es wird, so schmerzlich es auch sein mag, einer Amnestie bedürfen. Gleichermaßen werden beide Seiten Zugeständnisse machen müssen, um einen Frieden zu ermöglichen. Der Siedlungsbau von jüdischen Extremisten wird ebenso enden müssen, wie gegenseitige An- und Übergriffe. Entscheidend ist in jedem Fall der Blick in die Zukunft: Wie kann man künftig Konflikte vermeiden? Wie lässt sich die Region langfristig stabilisieren?

Dafür gibt es mehre Lösungsansätze, auf die ich im Folgenden kurz eingehen möchte:

Die Zweistaatenlösung ist die international am breitesten anerkannte Lösung. Sie sieht vor, dass zwei von einander unabhängige Staaten Israel und Palästina anhand der vereinbarten Grenzen (je nach Standpunkt verschiedene) friedlich koexistieren. Bisher hat die Zweistaatenlösungen jedoch nicht zum Erfolg geführt, weil sich beide Seiten nicht auf Grenzen einigen konnten. Zunächst wurde der Teilungsplan von arabischer Seite komplett abgelehnt. In den 1990er-Jahren näherte man sich schließlich an, es kam jedoch nie zur kompletten Umsetzung. Knackpunkte, die nach wie vor eine Einigung verhindern sind:

  • der exakte Grenzverlauf, da Israel aktuell die Kontrolle über Gebiete ausübt, die laut UN-Teilungsplan zum palästinensischen Staat gehören sollen
  • die militärische und wirtschaftliche Kontrolle über das Westjordanland und den Gazastreifen seitens Israel, welches diese aus Sicherheitsgründen nicht aufgeben möchte
  • die Kontrolle über die Stadt Jerusalem, welche beide Seiten als ihre Hauptstadt beanspruchen

Es gab seitens Israel etliche einseitige Vorschläge, die jedoch von palästinensischer Seite abgelehnt wurden, weil sie nicht bei der Erstellung der Vorschläge involviert waren. Doch es gibt noch weitere Alternativen zur Zweistaatenlösung.

Die Ein-Staat-Lösung sieht vor, das Israel und Palästina als ein föderaler Staat aufgefasst werden, in denen es zwei Bundesstaaten gibt, nämlich einen jüdischen und einen palästinensischen. Das hätte man vor hundert Jahren womöglich noch umsetzen können, aber bereits damals kam es zu Konflikten zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung, weshalb die Peel-Kommission 1936 zum Entschluss kam, dass eine Teilung erfolgen muss. Heute wäre diese Lösung noch unwahrscheinlicher, weil sie die Mehrheitsverhältnisse im Parlament zu Ungunsten der jüdischen Bevölkerung ändern würde. Das wäre jedoch nicht im Sinne eines Staates, der sich explizit als jüdischer verstehen möchte und allen jüdischen Menschen ein Zuhause gewähren soll. Deshalb ist diese Variante ebenfalls nicht realistisch.

Schließlich gibt es noch die Dreistaatenlösung in verschiedener Auslegung:

  • Variante 1: Es gibt Israel und Palästina als einzelne Staaten und Jerusalem steht unter international Verwaltung, gehört also zu keinem der beiden. Dann würde Tel Aviv auch innerhalb Israels die Hauptstadt und Ramallah würde es wohl für Palästina. Diese Variante scheitert bis dato jedoch daran, dass beide Seiten darauf beharren, dass Jerusalem die Hauptstadt sei. Vornehmlich hat dies tatsächlich religiöse Gründe, weil in Jerusalem die heiligsten Städte des Judentums und die drittheiligste Stätte des Islams stehen. Davon kann man halten, was man möchte.
  • Variante 2: Einen Staat Israel, einen Staat Palästina und einen Staat Gaza. Aktuell befinden sich das Westjordanland und der Gazastreifen nicht unter einheitlicher Kontrolle. Außerdem werden beide Territorien durch das Staatsgebiet Israels geteilt. Warum also nicht von vornherein drei Staaten? Problem hierbei: Die PLO wird nicht auf Gaza verzichten wollen, weil dies ein wirtschaftlich relevanter Zugang zum Mittelmeer ist. Die Hamas wird nach wie vor Israel auslöschen und Kontrolle über das gesamte Westjordanland beanspruchen. Und der Status Jerusalems ist ebenfalls noch ungelöst.

Bei keinem bisherigen Lösungsansatz sind also alle Seiten zufriedengestellt. Entsprechend wird es Zugeständnisse und Kompromisse auf beiden Seiten geben müssen.

Dazu möchte ich noch anmerken, dass es durchaus einige Israelis gibt, die die Ansprüche der Regierung in Frage stellen. Bei meinen Aufenthalten durfte ich Menschen mit den verschiedensten Hintergründen kennenlernen. Einerseits gibt es einige Israelis, die sich fragen, ob es es wert ist, einen jüdischen Staat zu unterhalten, wenn er immer wieder so viele Menschenleben kostet. Andererseits leben viele säkular. Deshalb ist ihnen Jerusalem als Hauptstadt gar nicht wichtig, weil sie mit all den ultraorthodox-religiösen Menschen dort ohnehin kaum Gemeinsamkeiten geschweige denn eine Meinung teilen. Deshalb bieten sie an, dass Palästina doch Jerusalem ruhig bekommen möge, dann aber gleich mit den Menschen dazu. Darauf lässt sich die rechtsextreme Koalition Israels natürlich nicht ein. Und auch, wenn dies mit einem zwinkernden Auge zu lesen ist, verdeutlich es, wie stark gespalten die israelische Gesellschaft ist. Obwohl sehr viele Israelis mehr als eine Staatsbürgerschaft innehalten, gibt es für die meisten nach wie vor kein anderes Land, in dem sie in Frieden und Sicherheit leben können. Deshalb geben sie ihre Heimat definitiv nicht auf.

Narrative entlarven

Diese angesprochene Spaltung machen sich leider auf beiden Seiten korrupte Politiker zunutze. So ist es doch schon sehr auffällig, dass der Terroranschlag ausgerechnet in einer Zeit kommt, in der es für Netanyahu politisch brenzlig wurde, ein Bürgerkrieg drohte und Netanyahu eigentlich vor Gericht stehen sollte. Durch einen gemeinsamen Feind ist die israelische Bevölkerung sofort wieder vereint. Zufall? Mag sein. Aber die Tatsache, dass die umstrittene Justizreform aktuell kein Thema mehr ist, kommt für ihn sehr gelegen. Natürlich stellt sich die Frage, warum so viele Soldaten aus der Region um den Gazastreifen zuvor ins Westjordanland versetzt wurden, um dort jüdische Siedler vor palästinensischen Angriffen zu schützen, wenn die eigentliche Gefahr doch aus Gaza kommt.

Auch wenn Abbas bei Weitem nicht so extrem ist wie die Hamas: Eine demokratische Legitimation liegt bei ihm ebenso wenig vor. Dafür fällt er wiederholt wegen antisemitischer Äußerungen und Veruntreuung von Geldern auf.

Ebenso auffällig ist, dass Israel exakt so reagiert, wie man es bei einem Angriff auf das Land hätte vorhersagen können, denn Israel muss die eigene Bevölkerung verteidigen. Der Hamas ist das Leid der Bevölkerung Gazas freilich egal, denn es unterstützt ihre Narrative: “Seht her! Israel macht unser Land dem Erdboden gleich und attackiert unschuldige Zivilisten!” Dass die Hamas ihre Terroristen und Waffen bewusst hinter ziviler Infrastruktur versteckt und so unschuldige Menschen als Schutzschilde missbraucht, ist schon schlimm genug. Doch langfristig drehen sie die Gewaltspirale und heizen die Gemüter der Betroffenen noch weiter auf. Wer wäre nicht außer sich, wenn man die Liebsten bei einem Luftangriff verliert? Somit ist wieder eine weitere Generation traumatisiert – auf beiden Seiten.

Im internationalen Kontext wird deutlich, auf wie vielen Ebenen dieser Konflikt ausgetragen wird. Denn wer profitiert hier? Hizbollah und Iran können sich in der Arabischen Liga gegen Israel positionieren – exakt in dem Moment, in dem Israel und einige arabische Länder ihre diplomatischen Beziehungen verbessern. Anstatt also zuzulassen, dass eine Handelsallianz entsteht, die den Frieden in der Region stärkt, destabilisieren sie, um ihre eigene Position zu stärken.

Darüber hinaus werden wir jedoch auch im Alltag oft genug mit Narrativen konfrontiert, die antisemitisch oder islamfeindlich sind. Im letzten Monat wurde ich mit derart vielen antisemitischen Narrativen und geschickt getarnter Propaganda auf beiden Seite konfrontiert, dass ich exemplarisch anhand von ein paar Mythen aufzeigen möchte, wie leicht es sein kann, diese als Fiktion zu entlarven, wenn man sich gründlich informiert und vor allem stets fragt: Wem dient dieses Narrativ? Die folgenden drei sind nur exemplarische Beispiele, die mir in den letzten Wochen häufiger über den Weg gelaufen sind:

  • “Es ist doch schon auffällig, dass es immer dort kracht, wo die Juden sind, oder?”
    >> Diese Aussage betreibt Täter-Opfer-Umkehr und bedient antisemitische Narrative: Jüdische Menschen wurden seit dem Altertum wiederkehrend als Sündenböcke missbraucht, vertrieben und ausgegrenzt. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie Opfer wurden.
  • “Daran sind die Israelis selbst Schuld! Warum besetzen sie die Palästinensischen Gebiete auch über Jahrzehnte hinweg?!”
    >> Auch hier erfolgt eine Schuldumkehr. Für die terroristischen Angriffe sind die Täter selbst, also die Terroristen der Hamas verantwortlich, nicht die Israelis. Gleichermaßen sind jüdische Siedler im Westjordanland (= Extremisten) ebenso wenig mit allen anderen Israelis gleichzusetzen wie die Hamas mit der Palästinensischen Bevölkerung. Unabhängig davon stehen hier stets die palästinensischen Autonomiebestrebungen im Widerspruch zu israelischen Sicherheitsinteressen. Israel und die PLO haben sich unter anderem 1995 darauf verständigt, dass Israel in den C-Zonen des Westjordanlandes weiterhin militärische Kontrolle ausübt, um die Sicherheit der Region zu gewährleisten. Dieses Abkommen wurden seitens Mahmud Abbas jedoch mehrfach einseitig aufgekündigt. Selbstredend möchte Israel seine Sicherheit deshalb nicht aufgeben. Israel hat den Gazastreifen übrigens 2005 verlassen. In letzter Folge riss die Terrororganisation Hamas dort die Macht an sich. Wenn der Gazastreifen also unter Besetzung leidet, dann durch die Diktatur der Hamas.
  • “Mit dem Islam kann etwas nicht stimmen, wenn er so viele Terroristen hervorbringt!”
    >> Es gibt durchaus auch andere religiöse Fanatiker, die zu Terroristen werden. Die Frage ist, wie viel über diese berichtet wird. Ein prominentes Beispiel für einen jüdischen Terroristen ist Baruch Goldstein. Aber auch christliche Terrorristen gibt es zur Genüge. Man denke nur an an den Sturm auf das Kapitol in Washington 2021. Die Weltanschauung allein hat damit nichts zu tun.

Deshalb rate ich stets die Frage, wer von diesem Narrativ profitiert, im Hinterkopf zu behalten. Außerdem empfehle ich diesen Leitfaden von der Tagesschau, um Falschmeldungen zu enttarnen.

Was können wir tun?

Ja, die Situation scheint hoffnungslos. Und bei aller Komplexität und zahlreichen erfolglosen Versuchen, beim Stammtisch eine Lösung für den Nahostkonflikt zu finden, die auf einen Bierdeckel passt, drängt sich der Eindruck auf, als könne man hierzulande gar nichts unternehmen. Doch das stimmt nicht, denn drei Dinge sind immer möglich und das sogar ganz ohne Geld:

  1. Zeig Empathie für Betroffene!
  2. Informier dich bei mehreren Quellen!
  3. Bleib skeptisch!

Und zu guter Letzt: Bitte bleib zuversichtlich und bewahre deine Menschlichkeit!

Alles Liebe
Philipp

Handverlesen in 2022

Ehrlich gesagt verstehe ich immer diese Jahresrückblicke nicht, die vor Ablauf eines Jahres präsentiert werden. Denn theoretisch können ja bis zum ersten Glockenschlag des neues Jahres noch bedeutsame Ereignisse geschehen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, das alte Jahr wirklich komplett verstreichen zu lassen, bevor ich es einmal Revue passieren lasse und mir in Retrospektive anschaue, welche Momente die für mich prägendsten waren. Gleichzeitig gebe ich damit meiner Reihe Handverlesen ein neues Format: Mein Jahresrückblick in 12 Teilen.

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Wo stehe ich? – Tertial 2022.II

Das zweite Tertial des Jahres verging rasend schnell! Womöglich lag es daran, dass meine Erlebnisdichte, derart hoch war. Der Sommer war voll mit Unternehmungen, Veranstaltungen und Wochenendausflügen, sodass bereits zu Beginn des Sommers alle Wochenenden durchgeplant waren. Doch darum soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen, sondern vielmehr um ein Status-Update zu meinen Zielen für das Jahr. Los geht’s!

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Blogpause – Sommerferien reloaded

Dass ich letztes Jahr beschloss, den Sommer über auf meinem Blog eine Pause einzulegen, sollte ich nicht bereuen. Deshalb entschied ich schon damals, das fortan weiterzuführen. Entsprechend gibt es auch heuer wieder digitale Ferien für mich.

Ehrlich gesagt habe ich mit der Entscheidung ein wenig gehadert, da ich dieses Jahr noch nicht mal ansatzweise so viel gebloggt habe, wie ich eigentlich wollte. So viele Beiträge liegen in der virtuellen Schublade und warten darauf, fertig geschrieben oder mit einem Foto versehen zu werden. Und dann gibt es noch ein paar Überarbeitungen und Erweiterungen, die ich umsetzen wollte. Insofern erinnert mich mein Blog ein wenig an ein Haus: Es gibt immer etwas daran zu tun.

Andererseits habe ich mir heuer bewusst keine Ziele für meinen Blog gesetzt, um mich auf andere zu fokussieren. In den letzten Wochen kam ich hier kaum zu etwas und die Sommermonate sind bereits ziemlich voll ausgeplant. Auch für die wenigen Wochenenden, an denen ich noch keine konkreten Pläne habe, gibt es schon Ideen. Unter anderem erwarten mich:

  • unzählige Geburtstagsfeiern, darunter auch meine eigene wenngleich verspätete
  • Wiedersehen mit meinen früheren WGs aus Studienzeiten und andern mir am Herzen liegenden Menschen
  • eine jüdische Hochzeit in Israel
  • damit verbunden das Wiederentdecken von Orten, die ich seit über drei Jahren nicht mehr gesehen habe (Berichten zu Folge ist es nicht mehr dasselbe Land)
  • hoffentlich ein paar Tauchausflüge
  • das ausgiebige Nutzen des 9€-Tickets, um ein paar für mich neue Ecken in Deutschland zu erkunden
  • und idealerweise etwas Erholung in all dem Trubel

Tatsächlich waren schon die letzten Wochen so prall gefüllt, dass ich mehrfach daran dachte, die Sommerferien sogar noch früher einzuleiten. Notiz an mich selbst: Nächstes Jahr sind schon ab 01.06. Ferien.

Dass ich die heurigen Sommerferien am 21.06. einläute ist natürlich auch kein Zufall, denn heute ist Sommersonnenwende, also der längste Tag des Jahres. Um dies gebührend zu feiern, geht es heute Abend zur Fête de la Musique. Vielleicht gibt es in deiner Umgebung ja auch ein Konzert?

Weiter wird es hier im September gehen.

Bis dahin alles Liebe und einen traumhaften Sommer

Philipp