Analoge Freuden im Sommer

Das bunte Laub an den Bäumen und die zunehmend kürzeren und dunkleren Tage sprechen ein eindeutige Sprache: Es ist Herbst! Grund genug also, sich die analogen Freuden des Sommers noch einmal vor Augen zu führen:

  1. Ausflüge mit Freund_innen 🏕️
    Der Sommer ging los – nämlich mit einem Wochenendausflug innerhalb meines Freundeskreises in die Böhmische und Sächsische Schweiz sowie nach Görlitz. Mag ich ja alles sehr gern. Doch damit nicht genug: Mit anderen Freunden gab es noch weitere Ausflüge. Quality Time wie sie im Buche steht – auch wenn wir (dieses Mal) nicht zelten waren.
  2. Paddeln 🛶
    Zu zwei Anlässen waren wir außerdem Paddeln – einmal die Elbe entlang und einmal in Form eines neuen potentiellen Hobbys, dass im Grunde zwei meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen kombiniert: Packrafting kombiniert Wandern mit Paddeln und ich mag’s total!
  3. Geburtstagsfeier 🥳
    Außerdem wurde ich im Sommer 35 Jahre alt. Fühlt sich null so an, doch mein Reisepass lügt nicht. Zur Abwechslung und anlässlich des halben Jubiläums beschloss ich, heuer ausgiebig zu feiern. Das gelang mir auch ganz gut. Denn um es mit den Worten meines Partners zu sagen: Diese Geburtstagsfeier ging weiter und weiter. Grund dafür ist, dass all die Menschen, die mir wichtig sind, so großflächig verteilt sind, dass es quasi unmöglich beziehungsweise umständlich ist, alle an einem Ort zu versammeln. Also feierte ich einfach mehrfach. Das hat sich gut angefühlt. Und so groß feiert man ja nicht jedes Jahr.
  4. Ausgedehnte Zugreisen 🚞
    Bekanntermaßen verreise ich am liebsten mit dem Zug. Will man damit von Berlin in die Schweiz, entstehen dabei rasch mehrstündige Zugreisen. Das genieße ich total, weil ich so schon während der Anreise entspannen kann, während die Landschaft wortwörtlich an mir vorbeizieht. Zugegeben: Das funktioniert mit einer Direktverbindung ohne Umstiege in einem Fernverkehrszug am besten.
  5. Berge 🏔️
    Auch kein Geheimnis: Die Berge sind “meine Welt”. Entsprechend aufgeblüht bin ich auch, als wir durch die Schweizer Berge gewandert sind. Wahrscheinlich würde ich die Berge auch ganz ohne Wandern genießen können. Denn allein ihr Anblick versetzt mich stets in Ekstase!
  6. Schwimmen in der Natur 🏊‍♂️
    Dazu boten sich heuer im Sommer zahlreiche Möglichkeiten: Ob im Bergsee, dem Zürcher See, dem Flussbad der Limmat oder der Talsperre in meiner Erstheimat – mein Schwimmbilanz kann sich heuer sehen lassen.
  7. Wohnen wie die Reichen ✨
    Wahrscheinlich wohnen die Reichen noch viel luxuriöser, aber für mich hat es sich bereits so angefühlt: In Zürich auf dem Hausberg, entlegen von Straßenverkehr, mit eigenem Bahnhof, eigener Sauna und Blick über die Stadt. Was will man mehr?
  8. Schlemmen in Häppchen 🍱
    Na, eine Sache gäbe es da vielleicht doch noch: Schlemmen. Weil es im Sommer aber heiß ist und man ohnehin nicht so viel Appetit hat, macht man das eben in kleinen Portiönchen – beispielsweise in Form von Luxembürgerli und Pralinen.
  9. Zirkus ohne Tierleid 🎪
    Zum Geburtstag bekam ich unter anderem Karten für den Cirque du Soleil geschenkt. Während ich großer Fan von Akrobatik jeglicher Art bin, mag ich vermeintliche Kunststücke mit Tieren überhaupt nicht. Denn wenn man ehrlich mit sich selbst ist, handelt es sich dabei nicht um Kunst, sondern Tierquälerei. Wie gut, dass der Cirque du Soleil komplett ohne Tiere auskommt und sich auf den akrobatischen Teil beschränkt.* So konnte man die Show genießen und was soll ich sagen: Das war wirklich magisch!
  10. Escape Room 🗝️
    Ebenfalls zum Geburtstag bekam ich einen Abend im Escape-Room geschenkt. Toll, wie viel Mühe und Detail in solch ein Rätsellabyrinth gesteckt wird. Wir sind entkommen und haben uns dabei offenbar gar nicht mal so schlecht angestellt.
  11. Musical 🎭
    Hier könnte eigentlich auch eine Oper stehen, denn wir waren in St. Gallen zur Premiere von Aida, was ebenfalls ein spektakuläres Erlebnis war. Emotional mitgenommen hat mich das Musical Wir sind am Leben jedoch wesentlich mehr. Außerdem habe ich seitdem ganz viele Ohrwürmer daraus, die mich jederzeit mit Energie aufladen. Das gilt freilich nicht für jedes Musical, aber dieses würde ich als das beste, das ich bisher gesehen habe, bezeichnen. Und generell finde ich an dieser Form des Musiktheaters toll, dass es Geschichte mit Schauspiel, Tanz sowie Musik verbindet und damit rasant verdichtet Gefühle übermittelt. Bei Aida habe ich hingegen gelernt, was Seifenopern mit Opern gemeinsam haben: Das lange Ziehen von Gefühlen. Und eigentlich auch allen anderen Sätzen. Noch nie habe ich erlebt, dass es für einen Zweizeiler eine Minute braucht. Ach, und heiß und stickig war es in der Oper auch. Gründe genug also, warum das Musical die größere Freude war.
  12. Hochzeit 💍
    In Tel Aviv waren wir zur Hochzeit meiner Quasi-Schwärgerin geladen. Obwohl ich nach wie vor Vorbehalte gegenüber Ehe hege, empfand ich es als sehr freudige Veranstaltung in sonst eher düsteren Zeiten.
  13. Sonnenuntergang im Meer 🌊
    Ebenfalls in Tel Aviv kam ich dann doch auch in den Genuss von Meer. Genauergesagt: Weil es tagsüber oft nicht auszuhalten war, bin ich gern abends noch mal ins Wasser, habe meine Bahnen gezogen und schließlich noch den Sonnenuntergang bewundert. Aber die Wellen allein faszinieren mich auch unabhängig von der Tageszeit.
  14. Bahai-Gärten ⛲️
    Schon lang wollte ich einmal die Bahai-Gärten in Haifa bewundern. Zwei Mal war ich schon da – jeweils ausgerechnet an einem Tag, an dem sie geschlossen haben. Anlässlich meines Geburtstags hat mich mein Partner damit überrascht. Prinzipiell stehe ich Religion zwar kritisch gegenüber, allerdings empfinde ich das Bahaitum bisher als die liberalste und humanistische Religion, die mir untergekommen ist. Und ihre Gärten sind wirklich fantastisch!
  15. DIY-Kunst im Museum 🏛️
    Erfahrungsgemäß brauche ich ewig in Museen, um mir alles genau anzuschauen. In Kunstmuseen gern noch einmal mehr. Einen neuen Twist bekommt es aber, wenn man stattdessen einfach eingeladen wird, selbst Kunst zu betreiben. Spoiler: Auch damit kann ich Stunden verbringen und habe sehr viel Freude dabei!
  16. SUP 🏄‍♂️
    Außerdem kamen wir in den Genuss, Stand-up-Paddling auszuprobieren. Für die sonst so faszinierenden Wellen hat mein Gleichgewichtssinn dann doch nicht so recht genügt, aber ich empfand es insgesamt als sehr angenehmes Ganzkörper-Workout.
  17. Paddle 🎾
    Klingt erstmal feucht, ist aber wohl ein neuer Trendsport, der mir von Freunden in Leipzig nähergebracht wurde. Feucht kann es trotzdem werden, wenn man ins Schwitzen kommt. In jedem Fall ein spaßiger Sport!
  18. Fermentation 🥒
    OK, letztes Event im Rahmen meines Geburtstags, versprochen! (– zumindest für dieses Jahr) Von lieben Freundinnen habe ich einen Fermentationsworkshop geschenkt bekommen. Tolle Idee, auf die ich sonst wahrscheinlich nie selbst gekommen wäre. An einem Nachmittag lernten wir also anhand von fermentierten Gurken und Kimchi, wie das Grundprinzip funktioniert. Seitdem sind wir angefixt, noch mehr zu fermentieren. Einzig die Platzfrage ob der ganzen Gläser ist noch ungeklärt.
  19. Sonnenfinsternis 🌞
    An diesem Großereignis kam wohl niemand vorbei. Es lohnt sich auf jeden Fall, schon mal Schutzbrillen für das kommende Jahr zu besorgen, denn dann gibt es noch einmal eine Chance auf eine partielle Sonnenfinsternis. Andernfalls riskiert man, dass die Stimmung – wie bei uns – kurzfristig im Keller ist, weil es NIRGENDS mehr Schutzbrillen gibt. Zum Glück gibt es nette Menschen, die ihre Brillen teilen. So war die Stimmung direkt wieder ausgelassen.
  20. Speiseeis 🍨
    Selbstredend darf dieser Punkt auf der Liste der analogen Freuden für den Sommer nicht fehlen!

Welchen analogen Freuden hast du im Sommer gefrönt? Teile sie gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

*In meinen Augen sollte das eine Auflage für alle Zirkusse sein, zumal ich Tiernummern wirklich keinerlei Unterhaltungswert abgewinnen kann.

Blog-Pause – Sommerfrische mal anders gedacht

Noch vor wenigen Tagen hat es sich noch so gar nicht nach Sommer angefühlt. Doch die langen Tage, kurzen Nächte und plötzlich doch sehr warmen Temperaturen lassen keinen Zweifel: Der Sommer steht vor der Tür oder ist sogar schon da. Und damit wird es mal wieder Zeit für meine allsommerliche Blog-Pause – das hat ja quasi schon Tradition.

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Mit dem Kajak von Halle nach Magdeburg Barby

Der Frühling ist in vollem Gange und ein Feiertag reiht sich an den nächsten. Deshalb denke ich an diesen Tagen nicht nur besonders gern an meine Kajaktour von Halle auf der Saale zurück, sondern auch an all die Bollerwagentouren aus meiner Jugendzeit.

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Handverlesen in 2025

Da 2025 nun endgültig vorüber ist, wird es Zeit für meinen persönlichen Jahresrückblick. Und los geht’s!

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Mit dem Kajak von Königswusterhausen Wildau nach Rahnsdorf

Nachdem ich es letztes Jahr schändlicherweise überhaupt nicht geschafft habe, auch nur einmal mit meinem Kajak unterwegs zu sein und es dieses Jahr auch schon arg aussah, bin ich froh, nach dem vergangenen Wochenende doch noch einen Erfolg verkünden zu können. Herausgekommen ist dabei eine beschauliche kleine Tagestour mit allerhand Tücken auf dem Weg.

Die Route war recht schnell ausgemacht. Denn ich hatte keine Lust, schon wieder auf dem (am Wochenende wahrscheinlich von Partytouris überfüllten) Landwehrkanal zu paddeln und sehnte mich nach einer neuen Strecke. Gleichzeitig wollte ich für eine Tagestour keine ewige Anreise zurücklegen. Also wählte ich als Ausflugsziel Neu-Venedig und plante meine Tour drum herum.

Zum Verständnis: In Berlin gibt es zwei Kleingartengebiete, die nach der romantischen, italienischen Kanalstadt benannt wurden: Klein-Venedig (in Spandau an der Havel) und Neu-Venedig in Köpenick an der Spree. Nachdem mich Neu-Venedig mit seinen zahlreichen Wassergrundstücken schon vor Jahren verzaubert hatte, wollte ich mir also auch von Neu-Venedig einen Eindruck verschaffen. Kurzerhand plante ich meine Route anhand der Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs und beschloss, von Königswusterhausen aus zu starten. Konkret sah meine vorläufige Routenplanung wie folgt aus:

  1. Anreise mit dem Regionalexpress nach Königswusterhausen
  2. Kurzes Bestaunen des Königswusterhausener Schlosses
  3. Aufbau des Kajaks im Schlosspark und Einsetzen in Nottekanal
  4. Mündung in Dahme und Fortführung flussabwärts
  5. Mündung in die Spree über Zeuthener, Seddin- und Dämmeritzsee
  6. Fortführung flussabwärts bis nach Neu-Venedig
  7. Fortführung entlang der Spree bis nach Berlin je nach Umständen
  8. Rückreise mit dem Regionalexpress nach Hause

Selbstredend gestaltete sich alles etwas anders, als ich es es geplant hatte.

Anreise mit Sperrgut

Ein Faltboot ist in den seltensten Fällen klein verpackt, denn Stabilität hat ihren Preis – in diesem Fall Volumen und Gewicht. Da stellt mein Faltboot auch keine Ausnahme dar. In einer idealen Welt wäre in Zügen natürlich immer ausreichend Platz für alle mitfahrenden Menschen plus derer Gepäck. In der Realität können Bahnunternehmen äußerst schlecht kurzfristig auf sich ändernde Nachfrage reagieren. Am Wochenende heißt es also: Genuss in vollen Zügen.

Dabei möchte ich mich gar nicht beschweren, denn tatsächlich hatte ich sogar einen Sitzplatz. Allerdings taten mit die Mitfahrenden, die ihre Fahrräder beim Halt in Königswusterhausen aus dem Zug heben mussten damit ich mit meinem Kajak rauskomme, schon etwas leid. Aber so kommt man wenigstens ins Gespräch, denn wenn jemand mit einem Kühlschrank auf Rädern und Paddeln im Zug unterwegs ist, weckt das stets neugierige Blick und interessierte Kommentare.

Schloss Königswusterhausen
Schloss Königswusterhausen

Ein bescheidenes Schlösschen

Obwohl ich wesentlich später aus Berlin losgekommen bin, als ich ursprünglich vorhatte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, einen kurzen Blick auf das Königswusterhausener Schloss unweit des Bahnhofs zu werfen. Da ich immer noch von den zahlreichen verträumten Schlössern in Babelsberg vom Vortag begeistert war, empfand ich das in Königswusterhausen tatsächlich als vergleichsweise bescheiden – zumindest von außen.

Für mehr reichte die Zeit dann leider doch nicht, denn ich hatte noch einige Flusskilometer vor mir. Also suchte ich im Schlosspark nach einer günstigen Einstiegsstelle in den Nottekanal – bis ich schließlich auf einem Schild las, dass der gesamte Kanal bis Ende 2026 gesperrt ist. Hätte ich mal lieber vorab recherchiert!

Einsatzstelle Dahme
Einsatzstelle an der Dahme

Besser spät als nie

Also suchte ich auf meinem Handy in der Kartenapp nach der nächstgelegenen geeigneten Stelle, an der ich mein Kajak errichten und zu Wasser lassen könnte. Und so lief ich und lief ich, vorbei an Gartenkolonien, einem Industriehafen und einer Autobahn, bis ich schließlich 2,5km später endlich am Ufer der Dahme stand.

Immerhin der Aufbau ging zügig von statten. Binnen 15 weiteren Minuten befand ich mich endlich im Wasser. Aber da war es auch schon 15:00 Uhr. Dass ich ursprünglich am Vormittag ablegen wollte, tat da ohnehin schon nichts mehr zur Sache. Allerdings fragte ich mich allmählich, ob ich mein Ziel, die Gartenkolonie Neu-Venedig, noch realistisch erreichen können würde.

Große Klappe, nichts dahinter

Doch erst einmal wollte ich das Paddeln genießen. Zu lang war ich schon nicht mehr im Kajak unterwegs. Schon die ersten Meter lösten pure Freude in mir aus! Richtige Entscheidung, trotz Verspätung noch aufzubrechen.

Allerdings wich der Genuss bald technischem Notwendigkeiten. Der Zeuthener See sollte nur der erste von vieren sein, die ich an diesem Tag befahre. Aber bereits hier erinnerte ich mich, warum ich lieber auf Flüssen als auf See paddle:

  1. Seen sind oft so weiträumig, dass der Wellengang durch den Wind stärker wird und man die Strömung nicht mehr so stark für sich nutzen kann. Es wird also per se schon anstrengender.
  2. Seen ziehen, und das finde ich wesentlich störender, viele Inhaber von Motorbooten an. (Ja, ich nenne sie bewusst nicht “Sportler” und verwende hier bewusst ausschließlich die maskuline Form.) Die meinen, Wettrennen gegen sich selbst fahren zu müssen. Dabei verursachen die kleinsten Nussschalen die größten Bugwellen, die ich gehörig ins Schwanken bringen können, wenn sie mein Kajak von der Breitseite erwischen.

Da lobe ich mir doch kleinere Flüsse, auf denen nur Handbetrieb erlaubt ist.

Idylle im Gosener Graben
Idylle im Gosener Graben

Ein kleines Idyll

Das sollte ich an diesem Tag auch noch genießen dürfen. Nach der Durchquerung des Seddinsees gönnte ich mir eine kleine Pause und wurde darauf aufmerksam, dass ich bei der Weiterfahrt zwischen dem direkten, geradlinigen Gosener Kanal und dem verschlungenen Gosener Graben wählen konnte. Während beim ersten die Fahrtzeit wesentlich kürzer sein dürfte, war zu erwarten, dass letzterer wesentlich interessanter zu befahren sein würde. Abgesehen davon waren im Gosener Graben motorisierte Boote verboten. Einfache Entscheidung!

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Nebst Ruhe, wunderschöner Lichtstimmung bei niedrig stehender Sonne und Graureihern sah ich auch den einen oder anderen Eisvogel über das Wasser jagen. Ein Träumchen! 🤩

Graureiher ganz nah
Graureiher ganz nah

Liebenswürdig schusselig

Apropos Graureiher: Die wirken schon sehr majestätisch, sind aber für gewöhnlich auch äußerst scheu. Von meiner Paddelerfahrung her haben sie bei mir aber auch den Eindruck eines extrem schusseligen Vogels hinterlassen. Der speist sich unter anderem aus der Beobachtung, dass sie sich gern wegducken und sich langsam bewegen, als würde ich sie deshalb nicht sehen. Außerdem fliegen sie jedes Mal, wenn sie vor mir flüchten, in meiner Fahrtrichtung von mir weg; landen also ein paar dutzend Meter weiter, nur um wenige Momente später wieder von mir aufgeschreckt zu werden.

Umso mehr freute ich mich, als ich außerhalb des Gosener Grabens überraschend ganz nah an einem vorbei driftete und kurzerhand einen Schnappschuss mit meinem Handy wagte. So nah war ich meines Erachtens noch nie an einem Graureiher dran! Sind sie nicht süß?

Brücke in Neu-Venedig
Brücke in Neu-Venedig

Ein verlorenes Idyll

Schließlich erreichte ich tatsächlich bei Sonnenuntergangsstimmung meinen eigentlichen Anlass für diesen Auslug: Neu-Venedig. Die Siedlung in Rahnsdorf, einem südöstlich gelegenen Zipfel Berlins, zeichnet sich nicht nur durch ihre Lage an der idyllischen Müggelspree aus, sondern auch dadurch, dass zwischen den Grundstücken kleine Kanäle verlaufen. Sogar Brücken über die Kanäle gibt es – ganz wie beim großen Vorbild.

Die wenigen Landwege sind abgesehen des begrenzenden Rialto-Rings und Lagunenwegs nach Vögeln benannt. Natürlich verfügt jedes Grundstück über einen Zugang zum Wasser und viele auch über eigene Boote. Und so sieht man am Wochenende zum Sonnenuntergang nicht nur hier und da die ersten Feuerschalen brennen, sondern auch junge Menschen gediegen mit kleinen Bootchen und ruhiger Musik ihre vor sich hin tuckern.

Idyllisch, oder?

Könnte es tatsächlich sein. Wäre da nicht die Akustik. Denn die Beschaulichkeit der pittoresken von Wasser umgebenen Parzellen wird maßgeblich durch die Lärmbelästigung des Flughafens Berlin-Brandenburg gestört. Da sich Neu-Venedig direkt in der Flugschneise befindet, hört und sieht man die Düsenflieger alle paar Minuten über das sonst so schöne Kleinod hinwegrauschen.

Schade eigentlich. Denn, abgesehen davon, dass die Grundstückpreise hier jenseits von Gut und Böse liegen, erwachte in mir ein allzu vertrautes Begehr, das mir schon aus dem Spreewald nur bekannt war. Und ehe ich mich versah, träumte ich mich auch schon in das Leben eines Anliegers hinein, der die Sommermonate hier verbringt. (#sommerfrische) Doch so braucht es mir gar nicht leid tun, dass ich es mir nicht leisten kann, denn unter den gegebenen Umständen könnte ich es ohnehin nicht genießen.

Blaue Stunde am Müggelsee
Blaue Stunde am Müggelsee

Himmelsspektakel zum Abschluss

Die berühmte Goldene Stunde erwies sich für Anfang September schon als reichlich kurz, sodass ich mich beim Verlassen von Neu-Venedig doch etwas beeilen musste, um noch Land zu erreichen, von dem ich günstig den öffentlichen Nahverkehr erreichen konnte. Mithilfe meines Handys fand ich eine vielversprechende Stelle am Ufer des Müggelsees, um an Land zu gehen. Bei den letzten Paddelschlägen und dem Abbau wurde ich dann aber noch mit einem wunderschönen Himmelsspektakel belohnt.

Die medial viel beachtete Mondfinsternis habe ich unterdes erst auf dem Heimweg vom Zug aus sehen können.

Screenshot meines Routenverlaufs
Screenshot meines Routenverlaufs

Was habe ich gelernt?

Was nehme ich also aus diesen kleinen Ausflug mit außer letztlich doch beachtlichen 21,84km Strecke? Mehrere Erkenntnisse:

  1. Was habe ich das Paddeln vermisst! Davon möchte ich dieses Jahr noch mehr!
  2. Idealerweise prüfe ich vorher jeden Teil des Wasserwegs noch einmal auf Baustellen und Sperrungen, um mir unnötige Laufwege zu ersparen.
  3. Künftig lieber kleinere Flüsse als geschäftige Seen.

Und es erwies sich tatsächlich als ein Mini-Abenteuer, wie es im Buche steht! Auf, dass noch viele weitere folgen mögen!

Alles Liebe
Philipp

Das Ende eines Hobbys

Einst wurde ich von einem ehemaligen Mitbewohner als Hobbyist bezeichnet. Naturgemäß musste ich fragen, was genau damit gemeint wäre. Denn nach meinem Verständnis sind wir alle Hobbyisten – solang wir mindestens ein Hobby ausführen. Er bezog sich aber auf die (für ihn) schier unglaubliche Menge an Hobbys, derer ich nachgehe. Und damit traf er einen wunden Punkt.

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Paddeln im Spreewald – Ein Plädoyer für mehr Mini-Abenteuer

Wer hier schon länger mitliest, weiß womöglich um meine Leidenschaft für das Flusswandern. Leider gibt es hier nur ein Problem: In den letzten zwei Jahren, kann ich die Male, die ich mit meinem Kajak unterwegs war, nicht nur an einer Hand, sondern sogar an einem Finger abzählen. Ja, richtig gelesen: In den letzten beiden Jahren war ich lediglich einen Tag mit meinem Kajak unterwegs. Und selbst das war eigentlich nur ein letzter Strohhalm.

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Mein (fast) ideales Jahr

Sehr oft geht es auf Blogs und anderen digitalen Kanälen um Lifestyle-Design. Auch auf meinem Blog ist es genau genommen sogar ein Kernthema. Denn die Themen Minimalismus, Nachhaltigkeit und Nomadentum teilen zwei Gemeinsamkeiten. Sie eint, dass sie in unserer Gesellschaft anormale Lebensweisen behandeln und sind allesamt Ideale, nach denen man streben kann, wenn man sich fragt: Was macht für mich ein gutes Leben aus?

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Der Ziel-Rapport 2022

Mittlerweile hat sich bei mir die kleine Tradition etabliert, zu Beginn des Jahres darüber zu reflektieren, welche Ziele ich im Vorjahr erreicht habe und schließlich auch meine neuen zu verkünden. Da bekanntermaßen alles im Wandel ist, gibt es heuer mit der nunmehr dritten Auflage auch hier einige Änderungen.

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Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 2

Die Nacht gestaltete sich seltsam. Einerseits war mein Körper derart erschöpft, dass ich binnen kürzester Zeit einschlief. Andererseits wachte ich gen Morgen zunehmend häufiger auf. Als er schließlich anbrach, entschied ich mich dazu, mich nicht länger Träumen von Wärme und Sonnenschein hinzugeben, sondern der Realität zu stellen. Die beiden hätten verschiedener nicht sein können. Als ich das Zelt öffnete, geriet ich wortwörtlich direkt in Schockstarre.

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