Mit dem Kajak von Halle nach Magdeburg Barby

Der Frühling ist in vollem Gange und ein Feiertag reiht sich an den nächsten. Deshalb denke ich an diesen Tagen nicht nur besonders gern an meine Kajaktour von Halle auf der Saale zurück, sondern auch an all die Bollerwagentouren aus meiner Jugendzeit.

Wer Letzteres nicht kennt: In meiner Heimat ist es an Himmelfahrt üblich, dass man mit Freunden sowie einem voll beladenem Bollerwagen loszieht und von Dorf zu Dorf wandert, um dort jeweils einkehren zu gehen. Lange Zeit war das Männern vorbehalten, aber inzwischen ist das zum Glück nicht mehr so eng.

Schon während meiner Jugendzeit schätzte ich sehr, dass man den ganzen Tag mit Bewegung an der frischen Luft verbrachte und ein Mini-Abenteuer mit Freunden erlebte. Freilich waren nicht alle Erlebnisse positiv und mit einigen Aspekten dieses Brauchtums kann ich heute gar nichts mehr anfangen; sei es der weit verbreitete exzessive Alkoholkonsum oder die religiöse Konnotation. Und auch damals schon störte mich, wie sorglos viele Himmelfahrtspilger unsere Umwelt vermüllen.

Eine Sache habe ich mir jedoch bewahrt: An ausgedehnten Wanderungen in ländlicher Umgebung erfreue ich mich immer noch – sei es zu Fuß oder Wasser. Entsprechend gern erinnere ich mich an meine idyllische mehrtägige Flusswanderung von Halle über die Saale und Elbe nach Magdeburg.

Aufmerksam Lesende dürften bereits bemerkt haben, dass ich “Magdeburg” im Titel durchgestrichen habe. Zu den Gründen dafür kommen wir später. Beginnen wir am Anfang der Reise:

Etappe 0: Anreise nach Halle

Zwei Tage vor Himmelfahrt reiste ich per Zug mit meinem Kajak im Gepäck nach Halle. Dank meines zusammenklappbaren Bootswagens stellt das kein Problem dar. Bei meinen Paddeltouren geschieht vieles spontan, denn oft weiß ich am Morgen noch gar nicht, wie weit ich kommen werde. Aus anderen Gründen (Arbeit, Arbeit, Arbeit, …) habe auch erst während der Zugfahrt meine Unterkunft in Halle für eine Nacht gebucht.

Moderne Technik macht es möglich, dass man komplett ohne menschliche Interaktion buchen, ein- und auch wieder auschecken kann. Etwas befremdlich ist mir das sehr wohl, allerdings stört mich das bei einer Nacht gar nicht so sehr. Zum Glück sollte ich im Rahmen dieser Paddeltour noch die eine oder andere zwischenmenschliche Begegnung erleben.

Halle ist in meinen Augen eine unterschätzte Großstadt: Bei meiner kurzen Stadtbesichtigung zu Fuß stieß ich nicht nur auf wunderschöne Villen und imposante Bauwerke entlang der Saale, sondern schätzte die angenehme Mischung aus urbanem Flair und Naturnähe, was sicherlich auch an der moderaten Bevölkerungszahl liegt. Bei meiner Erkundung entlang der Saale hielt ich nebenbei gleich noch nach einer günstigen Einsatzstelle für mein Kajak Ausschau und entdeckte ein süßes Café, wo ich mich mit Apfelstrudel eindeckte.

Burg Giebichenstein
Burg Giebichenstein in Halle

Etappe 1: Halle – Kloschwitz

Am nächsten “Morgen” startete ich dann wesentlich später als geplant – nicht nur, weil ich verschlafen hatte, sondern auch weil die Feuerwehr zunächst noch meine erspähte Einsatzstelle blockierte. Kurz nach 12 konnte es dann endlich losgehen.

Bereits nach wenigen hundert Metern erreichte ich die erste Schleuse. Der Schleusenwart dort erwies sich als äußerst gesprächig. Aber das störte mich nicht – im Gegenteil: So eine kleine Plauderei zwischendurch ist immer ganz angenehm.

Vorab las ich im Internet über das Meer der roten Felsen. Das klingt erstmal sehr spannend. In meiner Vorstellung würde ich vorsichtig durch aus der Saale ragende rote Felsen navigieren müssen, um mein Boot nicht zu beschädigen. Insofern war ich etwas ernüchtert von der Größe des vermeintlichen landschaftlichen Wahrzeichens. Doch insgesamt erwies sich die Saale als landschaftlich sehr lieblich. Außerdem genoss ich sehr, wie wenig Bootsverkehr unterwegs war – auch wenn das wahrscheinlich nicht repräsentativ ist.

In Wettin genoss ich mit Ausblick auf die Wettiner Burg eine noch im Betrieb befindliche Hochseilfähre. Außerdem gab es auch hier wieder eine Schleuse zu durchqueren, die jedoch ferngesteuert betrieben wurde. Den gesamten Tag über begleiteten mich Kuckucksrufe, was ich als sehr idyllisch wahrnahm.

In Kloschwitz schlug ich schließlich auf einem kleinen Zeltplatz mein Zelt auf und gönnte mir zur Feier des Tages erstmal mein erstes Stück Erdbeertorte des Jahres. Außerdem lernte ich ein verrentetes Ehepaar samt Hund kennen, die ihren Ruhestand zwischen ihrem sesshaften Leben in Meißen und ihrem Boot aufteilen. Natürlich war ich sofort angetan vom Leben auf dem Boot! Einzig die Kosten und regelmäßigen Arbeiten sollte man nicht unterschätzen.

Hund ahoi
Hund ahoi

Etappe 2: Kloschwitz – Bernburg

Am Himmelfahrtstag selbst begab ich mich etwas früher auf Tour. Natürlich wollte ich am Feiertag ganz besonders in den Genuss eines Kuchens kommen. Doch das sollte sich als schwieriger erweisen als zunächst gedacht.

Zunächst einmal sei gesagt, dass die Saale an Himmelfahrt alles andere als ruhig ist. Das liegt jedoch weniger am Schiffsverkehr, als an den ganzen Betrunkenen an den Ufern des Flusses, die naturnah feiern wollen und dies entsprechend lautstark mit Musik untermalen. Mir wurden unterwegs einige Biere angeboten, aber leider standen keine alkoholfreien zur Auswahl.

An jedem noch so kleinen Ort, den ich passierte, legte ich in der Hoffnung an, auf ein Volksfest zu stoßen, wo ich Kuchen erwerben könnte. Doch viele Orte waren komplett verwaist. Von feiernder Dorfgemeinschaft, wie ich es aus meiner Heimat im Vogtland kenne, keine Spur. Fast wollte ich schon aufgeben – bis ich in Großwirschleben in Ufernähe fündig wurde. Beim dortigen Volksfest konnte ich fünf Stücken gemischten Kuchen erwerben, wurde dafür jedoch auch mein letztes Bargeld los. Aber egal, Hauptsache Kuchen!

Woran ich in diesem Moment nicht gedacht hatte, war, dass ich im weiteren Verlauf der Reise durchaus noch mehr Bargeld benötigen könnte. Aber zumindest auf dem Zeltplatz in Bernburg konnte ich per Rechnung bezahlen. Anlässlich Himmelfahrt gab es als Abendunterhaltung eine “Männertagssause” mit “!!! DREI BIERWAGEN !!!”. Es erklärt sich von selbst, dass das nicht meinem bevorzugtem Abendprogramm entsprach. Stattdessen zog es mich weg vom Zeltplatz zur namensgebenden Burg Bernburgs, die bei Abenddämmerung viele schöne Aussichten bietet. Insgesamt erwies sich Bernburg mir äußerst pittoresk.

Panorama Bernburg
Das pittoreske Panorama von Bernburg

Etappe 3: Bernburg – Barby

Am nächsten Morgen ließ ich den von den Feiernden mit deutlichen Spuren versehenen Zeltplatz zurück. Die einzige größere Ortschaft während der gesamten Tagesetappe unterwegs war Calbe.

Den ganzen Tag über begleitete mich starker Wind. Der äußerte sich auf eine von zwei Arten:

  • Entweder gab er mir ordentlich Rückenwind. Das gefiel mir freilich.
  • Oder er sorgte dafür, dass ich andauernd gegen Gegenwind und Wellen steuern musste. Das war den Großteil des Tages der Fall und äußerst anstrengend.

Bei all dem Wind hatte ich ehrlich gehofft, dass es ab der Mündung der Saale in die Elbe besser werden würde. Doch das Gegenteil trat ein: Dort wurde der Wellengang so stark, dass ich Sorge hatte, zu kentern. Andere Flusswandernde, die aus Dresden kamen, bestätigten mir mit ihren Erfahrungen, dass auf der Elbe vorerst kein Weiterkommen sein würde.

Also entschied ich mit dazu, in einem Hotel Garni in Barby für die Nacht unterzukommen und am folgenden Tag die Lage erneut zu beurteilen.

Schuttplatz in Barby
Nein, das ist nicht das Schloss von Barby.

Fußbus-Etappe: Barby – Gnadau

Am nächsten Morgen ward es jedoch eher schlimmer als besser. Ein regelrechter Sturm zog auf. Entsprechend entschloss ich mich dazu, meine Paddeltour an dieser Stelle abzubrechen. Sicherheit geht schließlich vor. Also ließ ich die restliche Strecke bis Magdeburg sausen.

Praktischerweise konnte ich das Hotel in Barby mit Karte bezahlen. Das galt jedoch nicht für den Bus. Und so sah ich mich mangels Bargeldautomat gezwungen, mein Kajak bis zum nächsten Bahnhof zu Fuß zu transportieren. Ganze acht Kilometer schob und zog ich meinen Bootswagen mitsamt all meiner Ausrüstung so bis nach Gnadau zum Bahnhof, bevor ich von dort aus zwei Stunden später per Zug via Magedeburg die Heimreise nach Berlin antrat.

Sehnsucht nach Paddeln

So schön ich es auch empfinde, mich an diese Tour zu erinnern – sie ist schon vier Jahre her. Im Allgemeinen hatte ich schon mehrere Jahre nicht die Möglichkeit, am nationalen Bollerwagentag alias Himmelfahrt selbst auf Tour zu gehen. Auch wenn es sich wie gestern anfühlt, dass ich diese Tour unternahm – sie fand bereits 2022 statt!

Während ich also diese Zeilen schreibe, spüre ich, wie sehr es mich schon wieder auf das Wasser zieht – auch wenn ich auch dieses Jahr an den Frühlingsfeiertagen nicht dazu komme, weil ich beruflich gebucht bin. Doch mir bleibt noch die Hoffnung auf den Sommer und den Herbst.

Wie hast du die Maifeiertage heuer verbracht? Bist du Typ Bollerwagen, Fahrrad oder Kajak? Und welche Traditionen gibt es in deiner Region am 01. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten? Teile sie gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

Handverlesen in 2025

Da 2025 nun endgültig vorüber ist, wird es Zeit für meinen persönlichen Jahresrückblick. Und los geht’s!

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Mit dem Kajak von Königswusterhausen Wildau nach Rahnsdorf

Nachdem ich es letztes Jahr schändlicherweise überhaupt nicht geschafft habe, auch nur einmal mit meinem Kajak unterwegs zu sein und es dieses Jahr auch schon arg aussah, bin ich froh, nach dem vergangenen Wochenende doch noch einen Erfolg verkünden zu können. Herausgekommen ist dabei eine beschauliche kleine Tagestour mit allerhand Tücken auf dem Weg.

Die Route war recht schnell ausgemacht. Denn ich hatte keine Lust, schon wieder auf dem (am Wochenende wahrscheinlich von Partytouris überfüllten) Landwehrkanal zu paddeln und sehnte mich nach einer neuen Strecke. Gleichzeitig wollte ich für eine Tagestour keine ewige Anreise zurücklegen. Also wählte ich als Ausflugsziel Neu-Venedig und plante meine Tour drum herum.

Zum Verständnis: In Berlin gibt es zwei Kleingartengebiete, die nach der romantischen, italienischen Kanalstadt benannt wurden: Klein-Venedig (in Spandau an der Havel) und Neu-Venedig in Köpenick an der Spree. Nachdem mich Neu-Venedig mit seinen zahlreichen Wassergrundstücken schon vor Jahren verzaubert hatte, wollte ich mir also auch von Neu-Venedig einen Eindruck verschaffen. Kurzerhand plante ich meine Route anhand der Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs und beschloss, von Königswusterhausen aus zu starten. Konkret sah meine vorläufige Routenplanung wie folgt aus:

  1. Anreise mit dem Regionalexpress nach Königswusterhausen
  2. Kurzes Bestaunen des Königswusterhausener Schlosses
  3. Aufbau des Kajaks im Schlosspark und Einsetzen in Nottekanal
  4. Mündung in Dahme und Fortführung flussabwärts
  5. Mündung in die Spree über Zeuthener, Seddin- und Dämmeritzsee
  6. Fortführung flussabwärts bis nach Neu-Venedig
  7. Fortführung entlang der Spree bis nach Berlin je nach Umständen
  8. Rückreise mit dem Regionalexpress nach Hause

Selbstredend gestaltete sich alles etwas anders, als ich es es geplant hatte.

Anreise mit Sperrgut

Ein Faltboot ist in den seltensten Fällen klein verpackt, denn Stabilität hat ihren Preis – in diesem Fall Volumen und Gewicht. Da stellt mein Faltboot auch keine Ausnahme dar. In einer idealen Welt wäre in Zügen natürlich immer ausreichend Platz für alle mitfahrenden Menschen plus derer Gepäck. In der Realität können Bahnunternehmen äußerst schlecht kurzfristig auf sich ändernde Nachfrage reagieren. Am Wochenende heißt es also: Genuss in vollen Zügen.

Dabei möchte ich mich gar nicht beschweren, denn tatsächlich hatte ich sogar einen Sitzplatz. Allerdings taten mit die Mitfahrenden, die ihre Fahrräder beim Halt in Königswusterhausen aus dem Zug heben mussten damit ich mit meinem Kajak rauskomme, schon etwas leid. Aber so kommt man wenigstens ins Gespräch, denn wenn jemand mit einem Kühlschrank auf Rädern und Paddeln im Zug unterwegs ist, weckt das stets neugierige Blick und interessierte Kommentare.

Schloss Königswusterhausen
Schloss Königswusterhausen

Ein bescheidenes Schlösschen

Obwohl ich wesentlich später aus Berlin losgekommen bin, als ich ursprünglich vorhatte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, einen kurzen Blick auf das Königswusterhausener Schloss unweit des Bahnhofs zu werfen. Da ich immer noch von den zahlreichen verträumten Schlössern in Babelsberg vom Vortag begeistert war, empfand ich das in Königswusterhausen tatsächlich als vergleichsweise bescheiden – zumindest von außen.

Für mehr reichte die Zeit dann leider doch nicht, denn ich hatte noch einige Flusskilometer vor mir. Also suchte ich im Schlosspark nach einer günstigen Einstiegsstelle in den Nottekanal – bis ich schließlich auf einem Schild las, dass der gesamte Kanal bis Ende 2026 gesperrt ist. Hätte ich mal lieber vorab recherchiert!

Einsatzstelle Dahme
Einsatzstelle an der Dahme

Besser spät als nie

Also suchte ich auf meinem Handy in der Kartenapp nach der nächstgelegenen geeigneten Stelle, an der ich mein Kajak errichten und zu Wasser lassen könnte. Und so lief ich und lief ich, vorbei an Gartenkolonien, einem Industriehafen und einer Autobahn, bis ich schließlich 2,5km später endlich am Ufer der Dahme stand.

Immerhin der Aufbau ging zügig von statten. Binnen 15 weiteren Minuten befand ich mich endlich im Wasser. Aber da war es auch schon 15:00 Uhr. Dass ich ursprünglich am Vormittag ablegen wollte, tat da ohnehin schon nichts mehr zur Sache. Allerdings fragte ich mich allmählich, ob ich mein Ziel, die Gartenkolonie Neu-Venedig, noch realistisch erreichen können würde.

Große Klappe, nichts dahinter

Doch erst einmal wollte ich das Paddeln genießen. Zu lang war ich schon nicht mehr im Kajak unterwegs. Schon die ersten Meter lösten pure Freude in mir aus! Richtige Entscheidung, trotz Verspätung noch aufzubrechen.

Allerdings wich der Genuss bald technischem Notwendigkeiten. Der Zeuthener See sollte nur der erste von vieren sein, die ich an diesem Tag befahre. Aber bereits hier erinnerte ich mich, warum ich lieber auf Flüssen als auf See paddle:

  1. Seen sind oft so weiträumig, dass der Wellengang durch den Wind stärker wird und man die Strömung nicht mehr so stark für sich nutzen kann. Es wird also per se schon anstrengender.
  2. Seen ziehen, und das finde ich wesentlich störender, viele Inhaber von Motorbooten an. (Ja, ich nenne sie bewusst nicht “Sportler” und verwende hier bewusst ausschließlich die maskuline Form.) Die meinen, Wettrennen gegen sich selbst fahren zu müssen. Dabei verursachen die kleinsten Nussschalen die größten Bugwellen, die ich gehörig ins Schwanken bringen können, wenn sie mein Kajak von der Breitseite erwischen.

Da lobe ich mir doch kleinere Flüsse, auf denen nur Handbetrieb erlaubt ist.

Idylle im Gosener Graben
Idylle im Gosener Graben

Ein kleines Idyll

Das sollte ich an diesem Tag auch noch genießen dürfen. Nach der Durchquerung des Seddinsees gönnte ich mir eine kleine Pause und wurde darauf aufmerksam, dass ich bei der Weiterfahrt zwischen dem direkten, geradlinigen Gosener Kanal und dem verschlungenen Gosener Graben wählen konnte. Während beim ersten die Fahrtzeit wesentlich kürzer sein dürfte, war zu erwarten, dass letzterer wesentlich interessanter zu befahren sein würde. Abgesehen davon waren im Gosener Graben motorisierte Boote verboten. Einfache Entscheidung!

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Nebst Ruhe, wunderschöner Lichtstimmung bei niedrig stehender Sonne und Graureihern sah ich auch den einen oder anderen Eisvogel über das Wasser jagen. Ein Träumchen! 🤩

Graureiher ganz nah
Graureiher ganz nah

Liebenswürdig schusselig

Apropos Graureiher: Die wirken schon sehr majestätisch, sind aber für gewöhnlich auch äußerst scheu. Von meiner Paddelerfahrung her haben sie bei mir aber auch den Eindruck eines extrem schusseligen Vogels hinterlassen. Der speist sich unter anderem aus der Beobachtung, dass sie sich gern wegducken und sich langsam bewegen, als würde ich sie deshalb nicht sehen. Außerdem fliegen sie jedes Mal, wenn sie vor mir flüchten, in meiner Fahrtrichtung von mir weg; landen also ein paar dutzend Meter weiter, nur um wenige Momente später wieder von mir aufgeschreckt zu werden.

Umso mehr freute ich mich, als ich außerhalb des Gosener Grabens überraschend ganz nah an einem vorbei driftete und kurzerhand einen Schnappschuss mit meinem Handy wagte. So nah war ich meines Erachtens noch nie an einem Graureiher dran! Sind sie nicht süß?

Brücke in Neu-Venedig
Brücke in Neu-Venedig

Ein verlorenes Idyll

Schließlich erreichte ich tatsächlich bei Sonnenuntergangsstimmung meinen eigentlichen Anlass für diesen Auslug: Neu-Venedig. Die Siedlung in Rahnsdorf, einem südöstlich gelegenen Zipfel Berlins, zeichnet sich nicht nur durch ihre Lage an der idyllischen Müggelspree aus, sondern auch dadurch, dass zwischen den Grundstücken kleine Kanäle verlaufen. Sogar Brücken über die Kanäle gibt es – ganz wie beim großen Vorbild.

Die wenigen Landwege sind abgesehen des begrenzenden Rialto-Rings und Lagunenwegs nach Vögeln benannt. Natürlich verfügt jedes Grundstück über einen Zugang zum Wasser und viele auch über eigene Boote. Und so sieht man am Wochenende zum Sonnenuntergang nicht nur hier und da die ersten Feuerschalen brennen, sondern auch junge Menschen gediegen mit kleinen Bootchen und ruhiger Musik ihre vor sich hin tuckern.

Idyllisch, oder?

Könnte es tatsächlich sein. Wäre da nicht die Akustik. Denn die Beschaulichkeit der pittoresken von Wasser umgebenen Parzellen wird maßgeblich durch die Lärmbelästigung des Flughafens Berlin-Brandenburg gestört. Da sich Neu-Venedig direkt in der Flugschneise befindet, hört und sieht man die Düsenflieger alle paar Minuten über das sonst so schöne Kleinod hinwegrauschen.

Schade eigentlich. Denn, abgesehen davon, dass die Grundstückpreise hier jenseits von Gut und Böse liegen, erwachte in mir ein allzu vertrautes Begehr, das mir schon aus dem Spreewald nur bekannt war. Und ehe ich mich versah, träumte ich mich auch schon in das Leben eines Anliegers hinein, der die Sommermonate hier verbringt. (#sommerfrische) Doch so braucht es mir gar nicht leid tun, dass ich es mir nicht leisten kann, denn unter den gegebenen Umständen könnte ich es ohnehin nicht genießen.

Blaue Stunde am Müggelsee
Blaue Stunde am Müggelsee

Himmelsspektakel zum Abschluss

Die berühmte Goldene Stunde erwies sich für Anfang September schon als reichlich kurz, sodass ich mich beim Verlassen von Neu-Venedig doch etwas beeilen musste, um noch Land zu erreichen, von dem ich günstig den öffentlichen Nahverkehr erreichen konnte. Mithilfe meines Handys fand ich eine vielversprechende Stelle am Ufer des Müggelsees, um an Land zu gehen. Bei den letzten Paddelschlägen und dem Abbau wurde ich dann aber noch mit einem wunderschönen Himmelsspektakel belohnt.

Die medial viel beachtete Mondfinsternis habe ich unterdes erst auf dem Heimweg vom Zug aus sehen können.

Screenshot meines Routenverlaufs
Screenshot meines Routenverlaufs

Was habe ich gelernt?

Was nehme ich also aus diesen kleinen Ausflug mit außer letztlich doch beachtlichen 21,84km Strecke? Mehrere Erkenntnisse:

  1. Was habe ich das Paddeln vermisst! Davon möchte ich dieses Jahr noch mehr!
  2. Idealerweise prüfe ich vorher jeden Teil des Wasserwegs noch einmal auf Baustellen und Sperrungen, um mir unnötige Laufwege zu ersparen.
  3. Künftig lieber kleinere Flüsse als geschäftige Seen.

Und es erwies sich tatsächlich als ein Mini-Abenteuer, wie es im Buche steht! Auf, dass noch viele weitere folgen mögen!

Alles Liebe
Philipp

Das Ende eines Hobbys

Einst wurde ich von einem ehemaligen Mitbewohner als Hobbyist bezeichnet. Naturgemäß musste ich fragen, was genau damit gemeint wäre. Denn nach meinem Verständnis sind wir alle Hobbyisten – solang wir mindestens ein Hobby ausführen. Er bezog sich aber auf die (für ihn) schier unglaubliche Menge an Hobbys, derer ich nachgehe. Und damit traf er einen wunden Punkt.

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Paddeln im Spreewald – Ein Plädoyer für mehr Mini-Abenteuer

Wer hier schon länger mitliest, weiß womöglich um meine Leidenschaft für das Flusswandern. Leider gibt es hier nur ein Problem: In den letzten zwei Jahren, kann ich die Male, die ich mit meinem Kajak unterwegs war, nicht nur an einer Hand, sondern sogar an einem Finger abzählen. Ja, richtig gelesen: In den letzten beiden Jahren war ich lediglich einen Tag mit meinem Kajak unterwegs. Und selbst das war eigentlich nur ein letzter Strohhalm.

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Mein (fast) ideales Jahr

Sehr oft geht es auf Blogs und anderen digitalen Kanälen um Lifestyle-Design. Auch auf meinem Blog ist es genau genommen sogar ein Kernthema. Denn die Themen Minimalismus, Nachhaltigkeit und Nomadentum teilen zwei Gemeinsamkeiten. Sie eint, dass sie in unserer Gesellschaft anormale Lebensweisen behandeln und sind allesamt Ideale, nach denen man streben kann, wenn man sich fragt: Was macht für mich ein gutes Leben aus?

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Der Ziel-Rapport 2022

Mittlerweile hat sich bei mir die kleine Tradition etabliert, zu Beginn des Jahres darüber zu reflektieren, welche Ziele ich im Vorjahr erreicht habe und schließlich auch meine neuen zu verkünden. Da bekanntermaßen alles im Wandel ist, gibt es heuer mit der nunmehr dritten Auflage auch hier einige Änderungen.

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Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 2

Die Nacht gestaltete sich seltsam. Einerseits war mein Körper derart erschöpft, dass ich binnen kürzester Zeit einschlief. Andererseits wachte ich gen Morgen zunehmend häufiger auf. Als er schließlich anbrach, entschied ich mich dazu, mich nicht länger Träumen von Wärme und Sonnenschein hinzugeben, sondern der Realität zu stellen. Die beiden hätten verschiedener nicht sein können. Als ich das Zelt öffnete, geriet ich wortwörtlich direkt in Schockstarre.

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Handverlesen im Herbst 2021

So spät war ich mit dem Herbstrückblick wohl noch nie dran. So viel zu tun, so wenig Zeit – man kennt das ja. Aber besser spät als nie! An Höhepunkten fehlte es mir im Herbst jedenfalls wahrlich nicht.

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Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 1

Endlich ging es los! Nach mehrmaligen Verschiebungen, unzähligen Stunden der Recherche und Vorbereitung sowie einer viel zu kurzen Nacht, nahm ich früh morgens um kurz nach 06:00 den ersten Zug von Berlin nach Prag, um zu meiner etwas mehr als 200km langen Paddeltour aufzubrechen.

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