Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 0

Der Wunsch eine längere Kajaktour zu unternehmen, beschäftigte mich schon ein paar Jahre. Dass es nun ausgerechnet von Prag nach Dresden gehen sollte, war eher diversen Zufällen zu verdanken. Also ergriff ich die Chance beim Schopf und begab mich allen Sorgen Warnungen zum Trotz auf den Weg.

Welche das waren? Da wäre zunächst die Frage meines Vorgesetzten, ob ich meinen Urlaub nicht lieber mit etwas weniger Gefährlichem verbringen mag. Dann gab es die leicht besorgte Reaktion meiner Eltern, ob ich wirklich allein aufbrechen würde. Schließlich verabschiedete mich mein Partner mit den warnenden Worten, bloß keinen Unfug anzustellen und vorsichtig zu sein. Als hätte ich jemals Unfug getrieben…

Entwarnung kann ich an dieser Stelle schon mal geben: Offensichtlich lebe ich noch, sonst gäbe es diesen Beitrag nicht. Nicht einmal bin ich während der Tour gekentert, auch wenn es dafür ausreichend Gelegenheiten gegeben hätte. Freilich birgt das Paddeln mit dem Kajak auf einem Fließgewässer mit Berufsschifffahrt einige Risiken. Die lassen sich jedoch mit Vorsichtsmaßnahmen, namentlich Ausrüstung, Training und Vorbereitung, sowie Achtsamkeit beim Paddeln selbst auf ein Minimum reduzieren. Da man sich meiner Erfahrung nach so ein Paddelabenteuer romantisierter vorstellt, als es in der Realität ist, dient dieser Beitrag als eine Art Disclaimer.

Gefahrenquellen & Vorsichtsmaßnahmen

Als wichtigste Maßnahme erachte ich das Tragen einer Schwimmweste. Von meinem bis dato ersten und einzigen Kentern mit meinem Kajak bei einer Übungsfahrt vergangenes Jahr weiß ich, dass mit geeigneter Schwimmweste mein Kopf nie unter Wasser gerät. Das verleiht auf dem Wasser ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit. Natürlich sollte man bei einem Wassersport wie dem Paddeln keine Scheu oder gar Angst vor Wasserkontakt haben, denn der ist gewissermaßen unausweichlich. Dennoch versuche ich ein Kentern zu vermeiden, denn es bremst ungemein aus, wenn man plötzlich das gesamte Kajak am Ufer trockenlegen muss. Entsprechend empfehle ich vor einer längeren Tour auch ein paar Manöver zu üben, bevor man für mehrere Tage mit dem Kajak aufbricht, beispielsweise wie man ein Kajak wieder besteigt, falls man kentert und nicht am Ufer anlegen kann.

Stichwort Vorbereitung: Heutzutage lassen sich über das Internet bereits Unmengen an Informationen vor einer Tour agglomerieren. Deshalb rate ich, diese Möglichkeit auch unbedingt vorher zu nutzen. Freilich kann es passieren, dass nicht alle Informationen aktuell sind. Aber so bekommt man zumindest schon eine Vorstellung davon, welche potentiellen Gefahrensituationen einen unterwegs erwarten können. Solche können unter anderem sein:

  • Wehre
    Wenn man ein solches mit einem Kajak herunterfährt, läuft man nicht nur Gefahr, ebendieses zu zuerstören, sondern auch zu ertrinken oder sich den Kopf aufzuschlagen. Sprich: Lebensgefahr, die sich vermeiden lässt. Auf Wehre weisen stets auch Schildern am Ufer hin, die darüber hinaus häufig mitteilen, wie das Wehr umfahren oder umgangen werden kann.
  • Gierseilfähren
    Das Gute an Gierseilfähren ist, dass sie im Betrieb komplett ohne fossile Brennstoffe auskommen. Stattdessen nutzen sie ihre Richtung zur Strömung, um von einer Uferseite zur anderen zu gelangen. Dafür ist jedoch ein Seil nötig, welches stromaufwärts verankert wird. Fährt man drüber, droht man zu ertrinken. Sprich: Lebensgefahr, die sich vermeiden lässt. Auf Gierseilfähren weißen ebenfalls Schilder hin. Diese stehen stets auf der Ruheseite der Seilfähre. Kanut*innen müssen auf der gegenüberliegenden Seite an der Fähre passieren. Befindet sich die Fähre auf der anderen Seite, gilt es, abzuwarten, bis die Fähre sich wieder auf ihrer Ruheseite befindet.
  • Schiffsverkehr
    Sei es das rücksichtslos vorbeirasende Powerboot oder die gewaltigen Cargo-Schiffe – als Paddler*in weicht man allen aus, denn im Zweifelsfall ist man stets unterlegen. (Abgesehen davon ist man auch per Gesetzt dazu verpflichtet.) Nun mag man sich in trügerischer Sicherheit wiegen, weil man knallige Farben trägt und die meisten Kajaks ebenfalls farbenfroh daher kommen. Allerdings erscheint man von hinten dennoch wortwörtlich als Strich in der Landschaft, der von der Besatzung von Berufsschiffen mit bis zu mehreren hundert Metern Länge schon mal übersehen werden kann. Also: Augen auf bei Schiffsverkehr! Das gilt in beide Richtungen – nach vorne und hinten.

Zu guter Letzt gibt es noch nicht für das eigene Leben bedrohliche Gefahrenquellen, die dennoch unerwünschte Schäden anrichten können. Dazu gehören beispielsweise flache Stellen in Gewässern oder scharfkantige Objekte unter Wasser, die das Kajak nachhaltig beschädigen können. Zwar nicht gefährlich für das eigene Wohl, bringen sie jedoch die gute Laune und das Gelingen der Reise in Gefahr. Gut, dass auch diese sich vermeiden lassen, was mich zu meinem nächsten Punkt bringt.

Tourenplanung

So wie man eine Route mit Auto oder Zug plant, empfiehlt es sich auch bei einer Kajaktour, die einzelnen Etappen vorab grob zu recherchieren und festzulegen.

Die Entscheidung, von Prag nach Dresden zu paddeln, war recht spontan. Über Monate hinweg hatte ich diverse Gewässer und Routen online vermessen und mich über sie belesen. Dass es nun letztlich diese Tour wurde, war einer Verkettung diverser Zufälle zu verdanken:

  1. Alle vorherigen Anläufe sind fehlgeschlagen, doch der Wille zur einwöchigen Tour bestand weiterhin.
  2. Eine Freundin lud mich kurzfristig dazu ein, mit ihr gemeinsam nach Osttirol zu fahren. Da sie in Leipzig wohnt, würden wir von dort aus gemeinsam losfahren.
  3. Aus meiner Dresdner Zeit wusste ich um die traumhafte Strecke der Elbe inmitten des Elbsandsteingebirges, was vergleichsweise nah an Leipzig liegt. Dass sich Prag als Startpunkt eignen könnte, verstehe ich heute als spontane Eingebung.

Mit etwas Recherche fand ich die Distanz heraus, teilte sie auf die mir zur Verfügung stehenden Tage auf und errechnete (oder erhoffte?) mir, dass das Vorhaben schon gelingen könnte. Als äußerst hilfreich erwies sich mir dabei faltboot.org, wo es nicht nur ein reges Forum von Kanut*innen mit Faltbooten, sondern neben reichlichen Informationen rund um Praxis und Recht mit dem Kajak auch ein gut gepflegtes Gewässer-Wiki gibt. Dort sind so ziemlich alle befahrbaren Gewässer Deutschlands sowie viele auf der ganzen Welt gelistet und mit wertvollen Informationen bestückt. Sehr hilfreich finde ich unter anderem die besten Ein- und Ausstiegsstellen sowie die Kilometrierung, welche präzise angibt, was man links und rechts am Ufer sowie im Fluss selbst zu erwarten hat.

Außerdem konnte ich vorab schon einmal online nachsehen, welche Möglichkeiten zur Übernachtung sich unterwegs anboten: Wildcampen? Zeltplatz? Pension? Hotel? Denn danach richtet sich natürlich auch, was man eigentlich alles mitnimmt.

Packen x2

Mit einem Kajak im Gepäck gilt es, stets nur das Nötigste mitzunehmen. Im Grunde sollte das auf Reisen selbstverständlich sein. Mit einem Kajak wird das jedoch noch einmal deutlicher, denn es gibt schlichtweg begrenzt Platz. An schwierigsten ist es jedoch an Land, denn dann möchte ja nicht nur das Reisegepäck, sondern auch das Kajak selbst transportiert werden. Hinzu kam in meinem Fall noch, dass ich bereits wusste, dass ich direkt nach der Kajaktour in die Alpen zum Wandern fahren würde, und im Herbst wesentlich kühleres und nässeres Klima zu erwarten war. Entsprechend benötigte ich für sämtliche Lebens- und Wetterlagen flexibel einsetzbares Reisegepäck.

Allerdings wiegt ja bereits das Kajak inklusive Zubehör um die 20kg. Wer soll das alles tragen? Also habe ich mir kurz vor der Reise noch einen klappbaren Bootswagen zugelegt. Ausgeklappt kann ich damit das Kajak im verpackten Zustand sowie mein übriges Gepäck transportieren oder ihn einfach als Campingstuhl zweitnutzen. Zusammengeklappt liegt er auf dem Heck meines Kajaks beim Paddeln oder wird fahrbarer Untersatz genutzt, indem ich das Kajak auf den Kopf stelle.

Testen, testen, testen!

Das kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen! Denn was macht man mit überschüssigem Gepäck unterwegs, wenn man erst irgendwo im Nirgendwo feststellt, dass man eigentlich gar nicht alles transportieren kann? Oder, dass zwar alles auf den Bootswagen passt, dieser aber zu schwer ist, um ihn allein in den Zug zu heben? Oder, dass man durch das Gepäck in und auf dem Kajak in Schieflage gerät und sein Gleichgewicht nicht halten kann? Ja, das macht einen großen Unterschied!

Es mag zwar etwas mühsam erscheinen, alles vorab schon einmal zu verpacken, als würde man bereits aufbrechen, nur um es dann wieder in den Schränken zu verstauen. Doch diese Zeit ist wohl investiert. Zu Hause tut es nicht weh, wenn ich feststelle, dass etwas nicht funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Mitten in der Fremde hingegen sehr. Glaub mir, ich spreche aus (leidvoller) Erfahrung. Doch dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Darum geht es in der nullten Etappe: Vor Reisebeginn ausprobieren, solang man noch geplant und in Ruhe reagieren kann, anstatt in Notlagen zu geraten, in denen es dann schnell eine Lösung braucht. Dabei kann ich voller Selbstbewusstsein sagen, dass es schlicht unmöglich ist, sämtliche Situationen vorab zu erahnen und als Trockenübung zu absolvieren. Unterwegs kommen immer noch ausreichend unerwartete Entwicklungen hinzu. Doch genau darin liegt der Grund, weshalb es sich eben doch lohnt, bereits vorab so viele Szenarien durchzuspielen, als nur möglich sind.

So viel zu meiner Vorbereitung. Im nächsten Beitrag geht es dann tatsächlich mit der eigentlichen Reise los. Bist du auch schon einmal länger mit dem Kajak unterwegs gewesen? Welche Tipps hast du noch? Teile sie gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

4 Comments

Antworten

  1. Moin Philipp,
    spannend dein Bericht 👍
    Ich war noch nie mit Kajak unterwegs und es wäre mir glaub ich auch etwas unheimlich 😊 weil ich nicht so gerne unerwartet nass werden mag /o\
    Bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht.

    Liebe Grüße
    Aurelia

    • Hallo Aurelia,

      vielen Dank. Dabei hat der eigentliche Reisebericht noch nicht mal begonnen.😏

      Das kann ich gut verstehen. Mit der Übung wird es aber auch besser und die Gefahr, unerwartet ins Wasser zu fallen, sinkt. :)

      Lieber Gruß
      Philipp

      • Oh das macht nix, ich fand hier deine ganzen Überlegungen und Vorbereitung schon sehr interessant. Ich denk grad für solche Unternehmungen, muss eine gute Plannung und Vorbereitung sein.

        • Ja, das stimmt. Wobei man natürlich selten alles vorplanen kann, was ja auch einen gewissen Reiz nehmen würde. Wo wäre das Abenteuer, wenn man schon von vornherein wüsste, was unterwegs alles passiert und es gar keine Überraschungen gäbe?

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