Was dir niemand über nachwachsende Rohstoffe erzählt

Während meiner Kindheit fuhren meine Eltern jedes Jahr im Sommer mit mir nach Osttirol, genauer ins wunderschöne Defereggental. Mittlerweile kenne ich dort nicht nur Land, sondern auch Leute, weshalb es eine zweite Heimat für mich geworden ist.

Umso schöner fand ich, nach neun Monaten in Israel nicht direkt zu meiner Familie zu fahren und dort einen Zwischenstopp einzulegen. Perfekt, um etwas herunterzukommen nach den etwas hektischen, letzten Wochen in Israel!

Wenn ich Orte nach einer Weile wiedersehe, fallen mir die dortigen Veränderungen sofort auf, denn ich habe den schleichenden Prozess nicht mitbekommen. So geht es mir beispielsweise jedes Mal, wenn ich meine Familie besuchen gehe. Jedes kleine Detail sticht mir direkt ins Auge.

So auch heuer in Osttirol. Knappe zwei Jahre war ich nicht dort. Entsprechend groß waren die Veränderungen. Und das nicht zum Positiven.

Willkommen in Osttirol!

Besonders bei kleinen Dörfern mitten in den Alpen liegt der Gedanke nahe, dass die Uhren anders ticken. Langsamer. Dass hier die Welt noch in Ordnung ist. Vor allem Letzteres ist eine Illusion, schließlich schätzen auch Alpenbewohner Komfort wert. Und während ich trotz allem das Gefühl habe, dass die Menschen da noch mehr mit der Natur leben, als das bei uns der Fall ist, sind sie natürlich trotzdem auf Rohstoffe aus ebendieser angewiesen.

Früher wurde im Defereggental sehr viel Eisenerz abgebaut. Die Region war reich daran und gewann Wohlstand durch den Abbau und die Hütten. Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute verdienen die meisten Leute durch Tourismus ihre Brötchen. Reich ist die Region dennoch, nämlich an Wäldern.

Grüner Reichtum

Große zusammenhängende Lärchenbestände schmücken die Berge. In entlegeneren Winkeln gibt es sogar Zirben in rauhen Mengen. ich liebe Zirben! Nicht nur wegen des köstlichen Zirbenschnapses, wie vielleicht nahe liegt. Vielmehr haben Zirben wunderbare Eigenschaften: Sie werden sehr alt – bis zu 1000 Jahre. Ihr Holz ist äußert robust. Der Duft der Zirbe wirkt sich gut auf die Gesundheit aus (und hält für Jahrzehnte an). Und die Zapfen sind auch sehr schön. :)

All diese Eigenschaften lassen vielfältige Anwendungszwecke für Zirbenholz zu: Nebst dem bereits genannten Schnaps, Holzgeschirr, Möbel (Zirbenbetten sind äußerst beliebt, weil die ätherischen Öle der Zirbe eine Senkung des Pulses bewirken) und auch Kissen gefüllt mit Schafwolle und Zirbenspänen sind sehr populär.

Ich selbst habe Zirbenprodukte unglaublich gern. Deshalb ist die Kehrseite des Ganzen umso schwieriger für mich. Denn Zirben werden nicht nur sehr alt, sie brauchen vor allem sehr lang, um zu wachsen. Mindestens 40 Jahre dauert es, bis eine Zirbe das erste Mal Früchte trägt, also quasi fruchtbar ist. Vorher gibt es keine Fortpflanzung.

Nachfrage und Angebot

Neben Zirben sind übrigens auch andere Hölzer sehr gefragt. Viele öffentliche Gebäude werden mit Fernwärme aus Holzpellets, Privathäuser häufig mit Holzofen beheizt. Darüber wird traditionell nach wie vor viel mit Holz gebaut.

Das wirkt sich verheerend auf die Waldbestände aus. Jedes mal, wenn ich in Osttirol bin, sehe ich riesige Waldflächen schwinden. Kahlschlag nennt man das wohl. Eigentlich sollte an der Stelle wieder aufgeforstet werden, doch bisher sehe ich davon nichts.

Hinzu kommt, dass Erdrutsche und Lawinen große Waldstücke mit sich reißen. Wenn dann nur noch wenige Bäume stehen, haben diese auch weniger Schutz und sind wesentlich anfälliger. Deshalb nützt es im Grunde auch nichts, einzelne Bäume stehen zu lassen.

Außerdem sind Wälder Lebensräume und sehr gute Wasserspeicher. Die Gletscher schmelzen ohnehin schon ab, weshalb es auch in den Alpenregionen künftig weniger Wasser geben wird. Darum ist es umso wichtiger, möglichst viel davon im Boden zu speichern. Andernfalls sage ich voraus, dass die Alpen früher oder später zu einer Wüste werden können.

Das wird auch durch Rodung begünstigt, denn Wald bietet Schutz vor Erosion. Wird eine Stelle einmal kahl gerodet, ist es aufgrund der Witterung unglaublich hart für Bäume, sich wieder anzusiedeln. Jerusalem und Schottland können ein Lied davon singen.

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Wir hinterlassen Spuren

Und so schlägt sich das dann in der Landschaft wieder: Eigentlich wollte ich mit meinen Eltern die Forstmeile absolvieren. Die gehörte früher schon immer zu Standardprogramm unserer Aufenthalte. Nach Kraft-, Dehn- und Balanceübungen, die man an diversen Stationen im Wald absolviert, schließt man die Meile mit einem 1km Lauf ab. Eine kleine, doch feine Trainingseinheit also – dachten wir.

Viel übrig geblieben war davon nämlich nicht mehr. Der Forst war weg – ebenso die Stationen. Auf dem Foto sieht man noch ein paar wenige Überbleibsel der ehemaligen Station. Dort standen Hüftschwünge auf dem Plan.

Foto Forstmeile

Umso mehr ärgerte mich jeder Holzstapel, den ich unterwegs sah. An den Ringen kann man bekanntlich das Alter von Bäumen ablesen. Für mich ist es schon erschreckend, wie innerhalb weniger Minuten etwas zerstört wird, dass fast ein Jahrhundert zum Wachsen gebraucht hat.

Richtig sprachlos war ich dann, als ich an dieser Maschine vorbeikam. Sie schreddert frische Baumstämme und macht so Pellets daraus. Der ganze Holzplatz ist auf dem Bild nicht mal zu sehen. Unvorstellbar, dass gesunde Bäume, einfach abgeholzt, geschreddert und anschließend verbrannt werden.

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Meine Konsequenz?

Ich weiß auch selbst noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll, denn ich befinde mich (mal wieder) in einem Dilemma: Ich befürworte den Einsatz von natürlichen, regenerativen Materialien. Ich würde jederzeit eine Schüssel aus Holz einer aus Kunststoff vorziehen. Wenn ich dann jedoch die Folgen davon sehe, denke ich lieber zwei Mal darüber nach, bevor ich mir etwas Neues aus Holz zulege.

Freilich, Holz wächst nach. Dafür braucht es aber Zeit. Und wir sollten Holzwirtschaft wesentlich nachhaltiger betreiben, als das jetzt der Fall ist. Die Auswirkungen im Defereggental sind ja nur die Spitze des Eisberges. Tatsächlich handelt es sich um ein globales Problem mit weitreichenden Folgen.

Den Regenwald möchte ich an dieser Stelle noch nicht einmal einbeziehen. Allein die Menge an verbrauchten Papieren, Zellstofftüchern, Toilettenpapier, Bambusprodukten – allesamt aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt – übersteigt mein Vorstellungsvermögen. Wenn ich mir vorstelle, dass dafür entsprechende Flächen notwendig sind, fällt es mir ehrlich gesagt schwer, daran zu glauben, dass es irgendwo auf der Welt noch unberührte Wälder gibt.

Der Effizienz wegen, werden Baumschulen angelegt und künstliche Wälder mit Monokulturen erschaffen, in denen alles in Reih und Glied steht. Die Anblicke derer kenne ich auch aus heimatlichen Gefilden.

Deshalb halte ich es für wichtig, auch bei nachwachsenden Rohstoffen eine gewisse Sparsamkeit an den Tag zu legen. Denn momentan ist unser Verbrauch höher, als besagte Rohstoffe überhaupt nachwachsen können. Und ehe wir uns versehen, ist auch davon nichts mehr übrig.

Ich finde Holzprodukte toll, denn sie haben das Potential, ein Leben lang (und länger) zu überdauern. Das Holz macht es mit. Ich glaube, es scheitert eher an uns Menschen. Denn viel zu oft verspüren wir den Wunsch nach etwas Neuem, obwohl wir gar nichts Neues brauchen. Minimalismus lässt grüßen.

Entsprechend überzeugt bin ich, dass wir alle noch Spielraum haben, zwei Mal nachzudenken – egal ob bei Holz oer anderen Dingen: Kaufe ich das? Brauche ich das? Muss ich das drucken?

Mich interessiert: Wie ist dein Verhältnis zu Holz? Und welche Rolle spielt es in deinem Alltag? Und spielst du das ThinkTwice-Spiel mit? :)

Alles Liebe,

Philipp

10 Kommentare

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  1. Hallo Philipp,
    klar mache ich bei dem Thinktwice-Spiel mit :-)
    Ich gebe dir auch vollkommen recht, man ist oft im Zwiespalt mit vielen Entscheidungen, aber die Frage, brauchst du das wirklich, oder reicht auch ein Foto hilft oft auf die Sprünge. Dinge zu besitzen die man nur herzeigen will, ist den Kauf nicht wert.

    BeimThema Holz und Heizen:

    Es ist die Frage der Masse und woher kommt das Holz. Wir haben hier eine Pelletsheizung. Touché. Die Frage kam natürlich gleich hoch, woher weiß ich ob die Zulieferanten wirklich nur Abfallholz aus Schreinereien und so weiter verarbeiten. Der Bedarf ist ja schon enorm geworden in den letzten Jahren. Man sieht es am ständig steigenden Pelletspreis. Die Lieferanten buhlen um die beste Qualität und erfinden immer neu noch bessere Standards, die Trockenheit und Straffreiheit garantieren. Nachhaltigkeit ist in diesen Normen noch nicht enthalten. Zeit wird’s! Die Internetseiten werben aber immer mit solchen Worten wie „aus nachhaltiger Forstwirtschaft“.

    Zum Thema momentane Abholzung im Deffreggerthal:

    Du warst ja nicht hier als der Orkan Niklas über Europa zog. (https://de.wikipedia.org/wiki/Orkan_Niklas) War ne echt heftige Angelegenheit. Die nachhaltig bewirtschaften Wälder hier sind trotz Mischkulturen und nicht aufgeräumten Böden arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Waldarbeiter sind den Massen an alten Bäumen, die entwurzelt wurden nicht mehr her geworden. Monatelanges Aufräumen mit THW, Feuerwehr etc. Die Wälder sehen verheerend aus. Die Gefahr des Borkenkäfers haben sie schon kurz nach dem Gröbsten vorhergesagt. Wälder waren nur teilweise „aufgeräumt“- Wege gerade mal so freigeräumt, das Fahrzeuge passieren können. Die angeknacksten und entwurzelten Bäume müssen also weg und zwar auf schnellstem Wege um weitere Bäume von der nachfolgenden Borkenkäfer -Epedimie zum Opfer zu werden. Nicht auszudenken was das dann bedeuten würde.

    Heftige Orkane kommen immer mal wieder vor:

    Ich kann mich auch an einen sehr massiven Orkan in meiner Kindheit erinnern ,der fegte auch so einiges in den Wäldern um. Entwurzelte dicke alte und gesunde Bäume. Damals waren es hauptsächlich Monokulturen aus Fichten und Tannen. Man hat damals und auch mit dem „sauren Regen“ dazugelernt und Mischkulturen in den Wäldern eingeführt. Die Natur hat sich dort in den letzten 30 Jahren wieder gut erholt. Auch viele Orkane gut überstanden. Der nachwachsende Bestand war ja auch gesund, gemischt und nicht so anfällig.

    Frag mal nach im Deffreggerthal ob das auch die Auswirkungen von Niklas sind.
    Vielleicht stimmt dich dies iNfo dann etwas ruhiger.

    Grüße Claudia

    • Hallo Claudia,

      super, dass du mitspielst und -redest! :)

      Niklas‘ Auswirkungen hören sich wirklich übel an. Ich werde mal nachhaken. Das Problem der Rodung sehe ich zwar weiterhin, denn je mehr wir Menschen selbst entfernen, desto schlimmer sind solche Stürme. Allerdings empfinde ich den Orkan nicht einmal als Hauptproblem. Klar, kann man darüber diskutieren, aber wir Menschen haben meiner Beobachtung nach einen großen Hang dazu, Zerstörung nicht einfach ruhen lassen zu können.

      Bei Waldbränden tun wir ja auch alles mögliche, um sie zu verhindern. Dabei haben sie manchmal sogar eine Funktion: Sie machen den Boden fruchtbar. Irgendwo widersprüchlich, wo wir doch selbst so viel zerstören. :s

      Lieber Gruß,
      Philipp

  2. Nicht nur der Sturm Niklas hat der Baumbestand geschmälert. Vor einem Jahr kam es in Teilen Österreichs zu einem heftigen Eisregen, der die Baumwipfel einfach abbrechen ließ. Diese Bäume müssen nun auch heraus gearbeitet werden. Wie das geschieht, ist sicher von Region und Besitzer abhängig.

    Aber grundsätzlich empfinde ich es als dürftige Lösung gesunde Bäume zum Heizen abzuholzen. Da gehen einige kleine Waldbesitzer schon etwas schlauer an die Sache ran und holen nur Bruchholz, tote Bäume und dergleichen heraus.
    Von den Einweg-Papierprodukten und unserem sorglosesten Umgang damit fang ich gar nicht erst an. Das ist einfach nur traurig!

    Holz ist halt gerade „in“. Der ganze Nachhaltigskeitsboom wird da auch seine Schuld dran haben. Booms sind ja bekanntlich selten vollkommen positiv und wenn die Nachfrage so groß ist, kommt man als Anbieter schon mal in Versuchung…
    Ist mit dem ganzen Outdoorboom ja das Gleiche. Als Städter fühlt man sich ja toll, top ausgerüstet in die Berge zu fahren. Was das für Konsequenzen hat, darüber denken die wenigsten nach.

    Liebe Grüße, Daniela

    • Hallo Daniela,

      schön, von dir zu lesen!

      Weißt du eigentlich, warum die herausgearbeitet werden müssen? Ich meine, wir könnten sie ja auch einfach liegen lassen und sehen, was passiert, insofern sie niemanden behindern. Andererseits ist es natürlich verlockend, das ohnehin abgebrochene Holz zu verwenden – besonders, wenn dann dafür keine Bäume gefällt werden müssen. Meine Eltern handhaben das auch so. Sie haben eine Leseschein (nennt man das überhaupt so?), mit dem sie berechtigt sind, im Wald Holz aufzulesen.

      Wenn ich die Wahl zwischen Einwegplastik und -papier habe, ist mir letzteres natürlich schon lieber. Oder eben wie früher: Man bringt sein Gefäß mit! :)

      Ich glaube, ohne psychologische Obsoleszenz wären Holzmöbel perfekt! Sie sind zumindest wesentlich robuster, als Spanplatte und auch nicht mit Kunststoffen versetzt. Das ist doch schon mal ein großer Pluspunkt. An dem Minuspunkt können wir ja noch arbeiten. Bleibt nur noch zu überlegen, was all die Schreiner dann eigentlich tun werden. ;)

      Bei dem Outdoorboom nehme ich mich selbst ehrlich gesagt ebenso wenig heraus – ich habe sogar mal für einen entsprechenden Ausstatter gearbeitet. Ich finde es im Grunde prima, dass die Leute wieder Bock haben, mehr rauszugehen. Doof nur, dass es schon wieder kommerzialisiert wird, obwohl ursprünglich und rein doch eigentlich ohne Geld zu haben und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen! Und aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen: Ausrüstung gibt es ohne Ende – für jeden Anlass, zu jeder Jahreszeit für jeden Spezialfall. Jetzt müssten die Leute nur noch anfangen, ihren Kopf zu benutzen und zu erkennen, was wirklich nötig ist. Hat bei mir ja aber auch eine Weile gedauert…

      Alles Liebe,
      Philipp

      • Hallo Philipp!

        Nein, das weiß ich leider nicht. Ist wohl auch vom Waldbesitzer abhängig. Sturmschäden werden ja längst nicht überall beseitigt.

        Ja, Einwegpapier ziehe ich Einwegplastik auch vor. Doch bei ein paar Dingen (wie eben Taschentüchern, Küchenrolle etc.) könnte man auch einfach seine Bequemlichkeit überwinden und zu einem Lappen greifen.

        Naja, die Schreiner hatten durch den Möbelschweden und Konsorten ja auch nicht mehr Arbeit, sondern eher weniger…

        Zugegeben, im Sommer braucht man nicht allzu spezielle Sachen (wenn man nichts Spezielles macht), in der Übergangszeit oder im Winter sieht es da ganz anders aus. Da kommt man um einige Neuanschaffungen nicht herum. Damit muss ich mich nun auch wohl oder übel abfinden. Schade nur, dass die Hersteller bei der Umstellung auf umweltfreundlichere Inhaltsstoffe so lange brauchen. Ich hätte gerne PFC-freie Ausrüstung, hab damals beim Kauf aber noch nichts von der Problematik gewusst.

        Liebe Grüße, Daniela

        • Hallo Daniela,

          das weiß man als Verbraucher häufig einfach nicht, wenn die relevanten Informationen von Herstellern nur bedingt an uns weitergereicht werden. Welche Jacke würde sich schon gut verkaufen, wenn ein Schild darauf hinweisen würde, dass die Herstellung dieser die Umwelt in hohem Maße belastet?

          Ich halte nach wie vor an der Devise „jedes Bisschen zählt“ fest. Nun, da wir Bescheid wissen, können wir innerhalb dieses Rahmens in Zukunft nachhaltigere Entscheidungen treffen.

          Das beinhaltet häufig auch, mehr Geld auszugeben und bei regionalen Betrieben zu kaufen, als wenn ich ein ähnliches Produkt bei einer etablierten, internationalen Kette kaufen würde – dann aber auch mit entsprechender Qualität. Große Frage: Was sind mir Dinge wert? (Nicht nur vom Geld, sondern auch von den ökologischen Auswirkungen her.)

          Lieber Gruß,
          Philipp

  3. ist sicher von Besitzer zu Besitzer unterschiedlich.

    Nur in so einer Katastrophenzeit ist es unseren Augen vielleicht nicht so klar was nun ein gesunder Baum ist und was ein gesunder umgefallener Baum ist. Wer steht schon daneben wenn sie ihn gerade aus dem Wald herausarbeiten. Meist liegen die ja im „Dickicht“.

    Bin ich zu naiv, dass ich den Waldbesitzern nicht unterstelle kurzsichtig an dieses Thema ran zugehen? Ist wirklich jeder Bauer nur auf Profit aus und betrachtet seinen „Hof“ nicht als Investition für Generationen? Wer Raubbau am Boden und ganzen Flächen betreibt, sägt doch am eigenen Ast und gerade da wo es um langwachsende Prozesse geht. Wenn diese Zirpen so lange benötigen, kann ich mir nicht vorstellen, dass man sie bewusst niedermäht. Ist doch echter Irrsinn und widerspricht jeglicher Vernunft und Wirtschaftlichkeit.

    Und klar ist, dass das sofortige Kleinhäckseln zu Pelletmaterial nicht grad logisch erscheint. Aber die Frage ist ja was geht am Markt schnell weg. Man muss sich mal die Mengen und das Angebot am Markt vorstellen. Die Preise werden für Langholz, wie für Pellets im Keller sein. Bei solch einem Überangebot und das nicht nur auf eine kleine Region bezogen, muss doch der Waldbesitzer schauen wie er diese Mengen möglichst schnell aus dem Wald bekommt. Da ist Gefahr im Verzug. Ich denke das Ganze ist momentan ein echtes Minusgeschäft. Wer nicht Abholzen muss, wird es auch gerade deshalb in dieser Zeit des Überangebots nicht tun.

    Allein aus der Betrachtung heraus wird es sich um Bruchholzhandels, was so am Stamm noch Top aussieht.

    Zu naiv betrachte?

    Grüße Claudia

    • Klar, die Wurzeln sieht man bei den abgesägten Baumstämmen ja nicht mehr. Auf Wurzelfäulnis kann ich also nicht schließen, aber ebenso wenig ausschließen.Die Stämme an sich sahen sonst aber gesund aus.

      Für Waldbesitzer ist es natürlich ohnehin eine Anlage auf lange Sicht. Sie haben diesen Grund und Boden seit Jahrzehnten, womöglich im Familienbesitz, und unter Umständen genau geplant, wann sie roden werden.

      Nun kommen aber auch seltene Brutarten in die Bäume, die dann ihren Lebensraum verlieren. Eigentlich sollten sie dort geschützt sein, denn es ist Nationalparkzone. (Nationalpark Hohe Tauern)

      Zwecks Zirbenbeständen sind die Aussagen der Einwohner recht unterschiedlich. Während die Tischler schon vor Jahren sagten, dass die Zirben aufgrund der hohen Nachfrage langsam knapp werden, weil sie nicht mehr so schnell nachwachsen, meinen Wirtsleute nach wie vor, dass noch mehr als reichlich vorhanden sind. Wem glaubt man dann?

      Ich bin halt seit fast 20 Jahren immer wieder dort und sehe, wie die Wälder insgesamt weniger werden. Und das gibt mir zu denken.

  4. Für einen Orkan muss der Baum nicht krank sein, da haut es auch die gesunden um. Deshalb siehst du nichts. Aber der Borkenkäfer kommt wenn das Holz zu lange liegt. Totobäume mit Rinde sind halt ein sehr verlockenden „Brut“ Angebot. Und warum geht es. das Zeug muss schleunigst weg. also wohin. und wenn das in allen Wäldern momentan Deutschland, Österreich Schweiz etc. der fall ist sinkt der Preis. Die machen da nicht weil sie sich alle durch Zufall zur gleichen zeit den Termin zum Abholzen geplant haben ;-)

    Und ja durch Hangrutsch ( Muren) ist auch einiges an Haftkraft weg, da führt eins zum anderen zu viel Wasser und dann beim nächsten Naturereignis der Wind… Dann natürlich auch die Rodungen für Skipisten, die eher Geröllhanden im Frühjahr gleichen. alles nicht optimal. Man lebt ja vom Tourismus auch mit Beschneiungsanlagen.

    In Lienz hat unser Vermieter gesagt die Natur wuchert sie von Jahr zu Jahr mehr zu. Man muss auch mal schneiden.

    • Ach, du kennst Lienz sogar? Das finde ich schön! :)

      Die Probleme von Orkanen und Borkenkäfern habe ich verstanden. Die machen echt alles noch schwieriger. Gerade deshalb finde ich, dass wir sorgsamer mit unseren Wäldern umgehen sollten. Orkane können wir nicht beeinflussen, unser Verhalten schon. :)

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