Manchmal schäme ich mich etwas dafür, wenn es mit meinen Vorhaben nicht so läuft, wie ich mir das ursprünglich gedacht habe. So auch bei diesem: Erst im Mai habe ich heuer begonnen, mein Journal für 2026 aufzusetzen. Peinlich! Und gleichzeitig Grund genug, dem eine eigene gesunde Gewohnheit zu widmen. Denn ehrlicherweise habe ich die ersten vier Monate des Jahres auch eine stete Unruhe gespürt, weil mein Kopf so viel Erlebtes behalten musste, dass ich an keiner Stelle niedergeschrieben hatte.
Wie der Name Journaling suggeriert (jour ist Französisch für Tag), sollte man das eigentlich täglich tun. Das war auch mein Ziel. Nichtsdestotrotz hielt ich es auch bei dieser gesunden Gewohnheit mit Pareto. Entsprechend genügte es mir, an 80% der Tage Journal zu führen. Im Mai entsprach das 25 Tagen, was mir auch gelang.
Insgesamt hat sich mein Verhalten beim Journaling über die Jahre hinweg sehr stark verändert. Während ich zunächst freestylte, fand ich schnell zum Konzept des Bullet Journaling. Dabei verfolgte ich jedoch seither einen minimalistischen Ansatz. Wer online einmal nach Inspiration sucht, findet unzählige Beispiele dafür, wie aufwändig und zeitintensiv man Journaling betreiben kann. Da ich zeichnerisch jedoch ohnehin nicht so begabt bin, ließ ich seit jeher von jeglichen Zierelementen die Hände.
Dennoch habe ich zeitweise recht viel Zeit mit dem Journaling verbracht. Es wurde zu meinem ausgelagerten Speicher für mein Hirn. Was nicht im Journal stand, war verloren. Entsprechend akribisch führte ich Listen, Ideensammlungen und Erinnerungen. Letztes Jahr bin ich sogar dazu übergegangen, doch noch dekorative Elemente in Form von Washi Tape zu nutzen und gelegentliche Erinnerungsstücke aus Papier ins Journal zu kleben. Damit ist aber das Maximum bei mir auch schon erreicht.
Einen Wendepunkt brachte mir letztes Jahr außerdem Frau Dingdong, als sie mir in einem Gespräch sinngemäß mitteilte, dass sie ihr Journal nicht mit To-Do-Listen zumüllen möchte. Das kann ich so nur unterschreiben! Und noch ein Aspekt ist mir vergangenes Jahr ins Auge gestochen, da ich so viel Zeit mit meinem Journal verbracht habe: Dient das Journal eigentlich noch mir oder diene ich ihm?
Um Letzteres zu vermeiden, habe ich dieses Jahr besonders kritisch darauf geschaut, welche Module ich tatsächlich nutze und welche ich nur Jahr für Jahr in das nächste Journal übertrage. Letztere habe ich rigoros ausgemistet. Nun wird mein Journal dieses Jahr gegebenenfalls wesentlich dünner ausfallen. Was schreibe ich also überhaupt noch rein, wo ich doch auch digitale Notizen und ein Notizbuch für die Arbeit pflege? Mein Journal enthält aktuell hauptsächlich:
- Eine Übersicht über meine Jahresziele, damit ich sie nicht aus dem Blick verliere.
- Damit verbunden Counter, um meine Fortschritte zu dokumentieren.
- Monatsübersichten, die ich mit besonderen Momenten fülle. Auf die jeweils rechte Hälfte der Doppelseite klebe ich Erinnerungsstücke aus Papier, die den Monat betreffen.
- An Tagen, die mich besonders bewegen oder beschäftigen, schreibe ich gegebenenfalls auch mal ausführlicher, wie man das früher wohl mit Tagebüchern getan hat.
- Auf Reflexionsseiten setze ich mich damit auseinander, womit ich im Leben zufrieden bin und wo ich noch Handlungsbedarf sehe.
Das war es im Großen und Ganzen schon.
Aktuell fühle ich mich mit meinem Journaling-Habitus sehr wohl. Wenn sich das eines Tages ändert, passe ich es einfach weiter an. Denn das ist das schöne an einem handgeschriebenen Journal-System: Es lässt sich stets den wechselnden Anforderungen an.
Prinzipiell heiße ich gut, sich am Ende oder Anfang eines Tages kurz fünf Minuten Zeit zu nehmen, um den Tag vorm inneren Auge noch einmal auf Besonderheiten und Gemütszustände nachzufühlen. Im Alltagsbetrieb kann es schon mal vorkommen, dass man feststellt, dass sie Zeit recht ereignislos an einem vorüberzieht, oder man das Gefühl hat, diese fünf Minuten gerade nicht noch aufbringen zu können. Doch oft genug gibt es eben doch noch eine Kleinigkeit, die den Tag besonders gemacht hat: Eine freudige Begegnung; ein Eichhörnchen, die sich gegenseitig die Bäume hoch und runter jagen; ein Telefonat unter Freunden; … – oder eben einfach nur die Beobachtung, dass man sich gerade zu sehr im Trott befindet.
Wer sich also fragt, was das Journaling überhaupt bringt: In meinem Fall Seelenfrieden. Denn über das Führen meines Journals schreibe ich mir von der Seele, was mich beschäftigt und auf Trab hält. Beim gelegentlichen Lesen in alten Aufzeichnungen deuten sich öfter als erwartet Muster an, die mir dabei helfen, meine eigene Wahrnehmung in Perspektive zu bringen.
Trotzdem gilt auch hier, dass es auf die richtige Balance ankommt. Das Führen eines Journals soll sich nicht wie Arbeit anfühlen, sondern wie eine Erleichterung im Alltag. Langfristig bin ich bei dieser Gewohnheit deshalb schon zufrieden, wenn ich zumindest einmal wöchentlich ausführlicher in meinem Journal schreibe. Oft genug gibt es aber eben doch eine kleine Notiz, die aufgrund meiner Routinen zwischendurch ihren Weg in das Journal findet. So oder so empfinde ich es als mentale Entlastung, Journal zu führen, und behalte diese gesunde Gewohnheit deshalb bei.
Wie hältst du es mit dem Journaling? Teile es gern in den Kommentaren.
Alles Liebe
Philipp
in der Sommerfrische



