Auch ohne regelmäßigen Konsum von Nachrichten, in denen sich die Meldungen über Preissteigerungen überschlagen, bekommen wir es mit: Alles wird teurer – unaufhaltsam und schonungslos. Da kann schnell der Eindruck entstehen, dass alles nur noch schlimmer wird. Ein Beitrag über Licht in der dunkelsten Zeit des Jahres.
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Ob ich sie noch alle habe, habe ich mich während dieses Projekts tatsächlich einige Male gefragt. Es hat eine längere Historie, aber jetzt ist es endlich vollbracht!
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Was würdest du machen, wenn du mehr Geld hättest, als du in deinem Leben jemals ausgeben kannst, sodass es im Grunde gar keine Rolle mehr für dich spielt?
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Das kennen wir doch alle: Der Tag wirkt wie das elendige Ende einer bereits von Anfang an zum Scheitern verurteilten Woche. Wir ackern uns ab – Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Schon seit geraumer Zeit haben wir das Gefühl, überhaupt nicht mehr richtig runterzukommen. Da ist es doch das Mindeste, dass wir uns etwas gönnen, um uns etwas Gutes zu tun! Sei es als Alternative zu Erholung, als Belohnung oder nur, um uns selbst zum Durchhalten zu motivieren. Wird dieses selbstvergönnte Verhalten nachhaltig wirken oder unsere Probleme bei der Wurzel packen? Ich glaube nicht. Im Gegenteil: Es macht alles nur noch schlimmer.
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Entgegen eines gängigen Klischees über Ostdeutsche, beschwere ich mich zwar nicht gern, muss aber manchmal dennoch meiner Enttäuschung freien Raum lassen. So geschehen vor ein paar Wochen, als ich über meine Erfahrungen in einem Freizeitpark unweit von Paris berichtete. Dass es auch anders geht, durfte ich jüngst in Kopenhagen erleben.
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Alle Jahre wieder öffnet sich das Tor zur Anderswelt und tausende von schaurigen Geschöpfen kommen in die unsrige. Das zumindest besagt die keltische Mythologie, auf der Halloween beziehungsweise das keltische Fest Samhain basieren. Aber hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wo die ganzen Kreaturen, die wir dieser Tage auf den Straßen sehen, eigentlich im Anschluss abbleiben, wenn sich das Tor wieder schließt? 👀
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Oder: Was Müsli mit Zeit zu tun hat.
Spaß. Aber im Ernst: Wünschen wir uns nicht alle mehr Zeit?
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Lang hatte ich gehofft, dass mir dieser Beitrag erspart bleibt. Doch anlässlich des traurigen zweiten Jahrestages des Überfalls der Hamas auf Israel sowie des daraus resultierenden Gaza-Krieges scheinen die Fronten verhärteter denn je – auch wenn gerade ein Hoffnungsschimmer möglich scheint.
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Gehören deine Eltern auch zu denjenigen, die dir während deiner Kindheit stets vor Augen geführt haben, dass ebendiese doch der schönste Abschnitt im Leben sei? Obwohl ich eine sehr schöne Kindheit hatte, bin ich kein Freund der Philosophie, das früher alles besser gewesen sei. Im Gegenteil empfinde ich es sogar als lebensverneinend, sich damit abzufinden, dass der schönste Teil des Lebens schon vorüber sein soll. Nichtsdestotrotz wurde ich jüngst erneut Zeuge dessen, wie Kindheitsträume im Erwachsenenalter ihren Zauber verlieren.
Woran liegt das?
Das ist leider nicht das erste Mal. Wer schon länger mitliest, weiß womöglich um meine Vorliebe für kindliche Glückserfahrungen, insbesondere Achterbahnen und Magie. Jedoch werden sie mit zunehmender Alter häufiger zunichte gemacht. Dafür mache ich auch gar nicht meine zunehmende Reife, erwachsene Distanziertheit oder Traumabewältigung verantwortlich, sonder im Wesentlichen zwei Gründe aus:
- Einstige Vorbilder stellen sich als Menschen mit in meinen Augen verwerflichen Ansichten heraus.
- Zauberhafte Welten entpuppen sich als profitorientierte Abzocke.
Manchmal kommen auch beide Gründe zusammen.
Verheißungsvolle Versprechen
Eigentlich sollte man meinen, dass ein Freizeitpark meine Vorliebe für Achterbahnen und Magie voll auskostet – insbesondere, wenn es sich um Disney handelt. Immerhin ist die Marke bekannt dafür, magische Momente zu schaffen, die lang in Erinnerung bleiben. Und ja, Achterbahnen gibt es im Disneyland Paris auch.
Natürlich wird auch genau damit überall geworben. Aber ich bin ein kritischer Mensch. Entsprechend hegte ich einige Bedenken gegenüber dem Wunsch meiner Reisegesellschaft, statt Versailles einen Tag im Disneyland zu verbringen. Aber ich wollte mich auch nicht komplett versperren. Immerhin gehört ein Besuch dieses Parks zumindest für eingefleischte Freizeitpark-Fans dazu.
Abzocke pur
Dass dieser Besuch kein Schnäppchen wird, war von vornherein klar. Spätestens ein Blick auf den Internetauftritt offenbart es. Natürlich kann man hohe Preise rechtfertigen, wenn die Qualität stimmt. Das tut sie hier aber nicht. (Und dabei spreche ich noch nicht mal vom Essen; das ist in Freizeitparks prinzipiell minderwertig und überteuert.)
Für die mangelnde Qualität mache ich im Wesentlichen fünf Faktoren verantwortlich:
- Es wird zu wenig geboten.
- Die Wartezeiten sind zu lang.
- Instandhaltung findet nicht statt.
- Der Dienstleistungsgedanke fehlt.
- Man ruht sich auf dem Erfolg aus.
Schauen wir uns das einmal im Detail an.
Wo sind die aufregenden Achterbahnen?
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich das Disneyland als Familienpark versteht. Entsprechend sollte es eine gute Mischung für alle Altersgruppen geben. Zumindest die für jüngere Menschen ist das gegeben. Wer auf Thrill-Rides steht, wird hingegen enttäuscht werden.
Der Großteil der Attraktionen besteht aus sanften Themenfahrten. Die sind zwar schön anzusehen und teilweise kreativ umgesetzt, aber auch etwas schnarchig. Über ganze drei Achterbahnen verfügt der Park. Davon ist aber keine wirklich aufregend. Schade eigentlich, denn es gäbe durchaus viel Potential, wenn man thematisch Star Wars oder Indiana Jones bedienen möchte.
Mehr Warte- als Fahrzeit
Zugegeben: Dies ist oft ein Grundproblem in Freizeitparks. Man steht für eine Fahrt von wenigen Minuten oft 30 Minuten oder länger an und verbringt so den Tag vor allem sich die Beine in den Bauch stehend statt Spaß habend. Womöglich hilft es, außerhalb der Hauptsaison zu buchen, aber so schlimm wie hier, habe ich es noch nicht erlebt.
Der Spitzenreiter war mit 65 Minuten Wartezeit angekündigt, aber dann kam es noch viel schlimmer: Nach 75 Minuten wurde plötzlich durchgesagt, dass die Schlange aufgelöst wird, weil die Achterbahn zum zweiten Mal am selben Tag defekt ist. Da waren wie gerade mal bei der Hälfte des Anstehweges.
Die Wartezeit kann man übrigens mittels – separat käuflichen Express-Tickets verkürzen. Die muss man aber für jedes Fahrgeschäft pro Fahrt und Person lösen und wird so rasch zusätzlich zum regulären Eintritt von über 100€ schnell noch mehrere weitere Hunderte los. Läuft mit den Kapitalismus.
Wenn man sich das sparen möchte, schafft man aufgrund der elendig langen Wartezeiten zur Hauptsaison jede Attraktion höchstens ein Mal am Tag.
Dornröschens Schloss braucht keinen Prinzen, sondern Handwerker*innen
Davon, dass das Instandhaltungsproblem ein chronisches zu sein scheint, zeugen nicht nur die häufigen Ausfälle der Fahrgeschäfte, sondern auch das märchenhafte Schloss. Eigentlich liebevoll dekoriert und in Szene gesetzt, hapert es an Details.
Da wären beispielsweise die an Märchen angelehnten Buntglasfenster, die aber tatsächlich nur mit billiger Folie gestaltet wurden. Die letzte Renovierung scheint schon eine Weile her zu sein, denn die bunte Folie blättert an einigen Stellen ab. Würde es sich um echtes Buntglas handeln, hätte ich volles Verständnis dafür, dass die Reparatur ein paar Tage in Anspruch nimmt. Aber wie lang kann es wohl dauern, ein paar bunte Folien aufzukleben?
Für die horrenden Ticketpreise sollte die Erfahrung makellos sein.
Die Service-Wüste lässt grüßen
Nun sollte man annehmen, dass es bei so einem Ausfall nach 75 Minuten Wartezeit das Mindeste wäre, die Besucher*innen auf irgendeine Art für ihre vergeudete Lebenszeit zu kompensieren, um die Laune, die da bereits im Keller war, zumindest wieder ein bisschen anzuheben. Doch weit gefehlt. Stattdessen wird man einfach ohne Ausblick auf eine Perspektive weggeschickt. Erst auf Nachfrage, durften wir kostenfrei den Express-Weg nutzen, als die Bahn doch wieder fuhr. Warum wird das nicht von sich aus angeboten, wenn die Bahn laut Rezensionen im Internet mehrfach täglich ausfällt?
Holprig ging es im Übrigen schon beim Eintritt los. Entgegen meiner eigenen Erwartung wurde bei der Sicherheitskontrolle ein Schweizer Taschenmesser in meinem Rucksack entdeckt. (Im Louvre zwei Tage zuvor wurde das wohl übersehen.) Mir wurde dann angeboten, es zerstören zu lassen oder ins Auto (nicht vorhanden) oder Hotel zu bringen (mehr als eine Stunde Fahrt in eine Richtung). Kurz überlegte ich, es draußen irgendwo zu verstecken, sah dann aber aus Sorge, dass ich andere Menschen in Angst versetze, davon ab. Fündig wurde ich im Mini-Markt immBahnhof, wo man es für 5€ am Tag hinterlegen konnte.
Offensichtlich bin ich also nicht der erste, dem es so ging. Da zwängt sich doch förmlich die Frage auf, warum der Freizeitpark nicht selbst auf die Idee kommt, Schließfächer anzubieten, wo man bei Bedarf Dinge verstauen kann. Dass US-Amerikanische Unternehmen so dienstleistungsorientiert agieren, ist wohl doch nur ein leeres Gerücht.
Die Kuh wird gemolken
Die Betreibenden des Parks sehen wohl keinen Grund, auch nur irgendeinen der Punkte zu beseitigen. Das zeigt zumindest eine kurze Recherche im Internet zu anderen Rezensionen. Denn ich bin wahrlich nicht der Erste mit meiner Kritik.
Und auch im Übrigen wird es nicht als nötig erachtet, den Park in irgendeiner Weise zu verbessern. Zur Verdeutlichung: Die jüngste Achterbahn hat bereits 30 Jahre auf dem Buckel.
Dabei fühlen sie sich wohl durch ihren Erfolg bestärkt: Solang weiterhin jeden Tag Zehntausende von Menschen in den Park strömen, fließt das Geld ja auch ohne weitere Investitionen. Warum sich also überhaupt die Mühe machen? Die Marke Disney zieht auch so weiterhin Jung und Alt an.
Gab es auch etwas Gutes?
Tatsächlich sogar drei Dinge:
- Viele der dekorativen Bauten sind massiv, weshalb ich den ganzen Tag ungläubig Holz, Felsen und Stahlkonstruktionen abgeklopft habe, um sie auf Echtheit zu überprüfen. Das hat mich begeistert!
- Es gibt wahrscheinlich keinen anderen Ort auf der Welt (außer die anderen Parks der Marke), an denen erwachsene Fans aus aller Welt so inbrünstig solche bedepperten Mützen tragen können, ohne belächelt oder doof angemacht zu werden. Das finde ich süß.
- Ein Angestellter namens Theo hat uns den Express-Weg nehmen lassen, als die Achterbahn wieder funktionierte. Das hat die Laune zumindest wieder etwas gebessert.
Haken dran
Kinder sehen wahrscheinlich nicht, welche Strapazen ihre Eltern auf sich nehmen, um ihnen einen schönen Tag zu ermöglichen. Dabei spreche ich nicht nur vom finanziellen Aspekt, sondern auch dem Drumherum. (Liebe Grüße und viel Dankbarkeit gehen an Mama und Papa raus! ♥️) Ich bin froh, an diesen Park einen Haken machen zu können sehe aktuell keinen Grund, ihn weiterzuempfehlen oder noch einmal zu besuchen.
Wer dennoch hin möchte, tut sich selbst und allen Mitfahrenden einen Gefallen, indem sie nicht zur Hauptsaison im Sommer fahren. Allen anderen würde ich eher zu anderen Parks raten. Die kommen günstiger, bieten mehr und warten mit mehr Magie auf, auch wenn sie nicht aus dem Hause Disney kommt.
Wie sind deine Erfahrungen mit Freizeitparks? Teile sie gern in den Kommentaren.
Alles Liebe
Philipp
Nachdem ich es letztes Jahr schändlicherweise überhaupt nicht geschafft habe, auch nur einmal mit meinem Kajak unterwegs zu sein und es dieses Jahr auch schon arg aussah, bin ich froh, nach dem vergangenen Wochenende doch noch einen Erfolg verkünden zu können. Herausgekommen ist dabei eine beschauliche kleine Tagestour mit allerhand Tücken auf dem Weg.
Die Route war recht schnell ausgemacht. Denn ich hatte keine Lust, schon wieder auf dem (am Wochenende wahrscheinlich von Partytouris überfüllten) Landwehrkanal zu paddeln und sehnte mich nach einer neuen Strecke. Gleichzeitig wollte ich für eine Tagestour keine ewige Anreise zurücklegen. Also wählte ich als Ausflugsziel Neu-Venedig und plante meine Tour drum herum.
Zum Verständnis: In Berlin gibt es zwei Kleingartengebiete, die nach der romantischen, italienischen Kanalstadt benannt wurden: Klein-Venedig (in Spandau an der Havel) und Neu-Venedig in Köpenick an der Spree. Nachdem mich Neu-Venedig mit seinen zahlreichen Wassergrundstücken schon vor Jahren verzaubert hatte, wollte ich mir also auch von Neu-Venedig einen Eindruck verschaffen. Kurzerhand plante ich meine Route anhand der Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs und beschloss, von Königswusterhausen aus zu starten. Konkret sah meine vorläufige Routenplanung wie folgt aus:
- Anreise mit dem Regionalexpress nach Königswusterhausen
- Kurzes Bestaunen des Königswusterhausener Schlosses
- Aufbau des Kajaks im Schlosspark und Einsetzen in Nottekanal
- Mündung in Dahme und Fortführung flussabwärts
- Mündung in die Spree über Zeuthener, Seddin- und Dämmeritzsee
- Fortführung flussabwärts bis nach Neu-Venedig
- Fortführung entlang der Spree bis nach Berlin je nach Umständen
- Rückreise mit dem Regionalexpress nach Hause
Selbstredend gestaltete sich alles etwas anders, als ich es es geplant hatte.
Anreise mit Sperrgut
Ein Faltboot ist in den seltensten Fällen klein verpackt, denn Stabilität hat ihren Preis – in diesem Fall Volumen und Gewicht. Da stellt mein Faltboot auch keine Ausnahme dar. In einer idealen Welt wäre in Zügen natürlich immer ausreichend Platz für alle mitfahrenden Menschen plus derer Gepäck. In der Realität können Bahnunternehmen äußerst schlecht kurzfristig auf sich ändernde Nachfrage reagieren. Am Wochenende heißt es also: Genuss in vollen Zügen.
Dabei möchte ich mich gar nicht beschweren, denn tatsächlich hatte ich sogar einen Sitzplatz. Allerdings taten mit die Mitfahrenden, die ihre Fahrräder beim Halt in Königswusterhausen aus dem Zug heben mussten damit ich mit meinem Kajak rauskomme, schon etwas leid. Aber so kommt man wenigstens ins Gespräch, denn wenn jemand mit einem Kühlschrank auf Rädern und Paddeln im Zug unterwegs ist, weckt das stets neugierige Blick und interessierte Kommentare.

Ein bescheidenes Schlösschen
Obwohl ich wesentlich später aus Berlin losgekommen bin, als ich ursprünglich vorhatte, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, einen kurzen Blick auf das Königswusterhausener Schloss unweit des Bahnhofs zu werfen. Da ich immer noch von den zahlreichen verträumten Schlössern in Babelsberg vom Vortag begeistert war, empfand ich das in Königswusterhausen tatsächlich als vergleichsweise bescheiden – zumindest von außen.
Für mehr reichte die Zeit dann leider doch nicht, denn ich hatte noch einige Flusskilometer vor mir. Also suchte ich im Schlosspark nach einer günstigen Einstiegsstelle in den Nottekanal – bis ich schließlich auf einem Schild las, dass der gesamte Kanal bis Ende 2026 gesperrt ist. Hätte ich mal lieber vorab recherchiert!

Besser spät als nie
Also suchte ich auf meinem Handy in der Kartenapp nach der nächstgelegenen geeigneten Stelle, an der ich mein Kajak errichten und zu Wasser lassen könnte. Und so lief ich und lief ich, vorbei an Gartenkolonien, einem Industriehafen und einer Autobahn, bis ich schließlich 2,5km später endlich am Ufer der Dahme stand.
Immerhin der Aufbau ging zügig von statten. Binnen 15 weiteren Minuten befand ich mich endlich im Wasser. Aber da war es auch schon 15:00 Uhr. Dass ich ursprünglich am Vormittag ablegen wollte, tat da ohnehin schon nichts mehr zur Sache. Allerdings fragte ich mich allmählich, ob ich mein Ziel, die Gartenkolonie Neu-Venedig, noch realistisch erreichen können würde.
Große Klappe, nichts dahinter
Doch erst einmal wollte ich das Paddeln genießen. Zu lang war ich schon nicht mehr im Kajak unterwegs. Schon die ersten Meter lösten pure Freude in mir aus! Richtige Entscheidung, trotz Verspätung noch aufzubrechen.
Allerdings wich der Genuss bald technischem Notwendigkeiten. Der Zeuthener See sollte nur der erste von vieren sein, die ich an diesem Tag befahre. Aber bereits hier erinnerte ich mich, warum ich lieber auf Flüssen als auf See paddle:
- Seen sind oft so weiträumig, dass der Wellengang durch den Wind stärker wird und man die Strömung nicht mehr so stark für sich nutzen kann. Es wird also per se schon anstrengender.
- Seen ziehen, und das finde ich wesentlich störender, viele Inhaber von Motorbooten an. (Ja, ich nenne sie bewusst nicht “Sportler” und verwende hier bewusst ausschließlich die maskuline Form.) Die meinen, Wettrennen gegen sich selbst fahren zu müssen. Dabei verursachen die kleinsten Nussschalen die größten Bugwellen, die ich gehörig ins Schwanken bringen können, wenn sie mein Kajak von der Breitseite erwischen.
Da lobe ich mir doch kleinere Flüsse, auf denen nur Handbetrieb erlaubt ist.

Ein kleines Idyll
Das sollte ich an diesem Tag auch noch genießen dürfen. Nach der Durchquerung des Seddinsees gönnte ich mir eine kleine Pause und wurde darauf aufmerksam, dass ich bei der Weiterfahrt zwischen dem direkten, geradlinigen Gosener Kanal und dem verschlungenen Gosener Graben wählen konnte. Während beim ersten die Fahrtzeit wesentlich kürzer sein dürfte, war zu erwarten, dass letzterer wesentlich interessanter zu befahren sein würde. Abgesehen davon waren im Gosener Graben motorisierte Boote verboten. Einfache Entscheidung!
Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Nebst Ruhe, wunderschöner Lichtstimmung bei niedrig stehender Sonne und Graureihern sah ich auch den einen oder anderen Eisvogel über das Wasser jagen. Ein Träumchen! 🤩

Liebenswürdig schusselig
Apropos Graureiher: Die wirken schon sehr majestätisch, sind aber für gewöhnlich auch äußerst scheu. Von meiner Paddelerfahrung her haben sie bei mir aber auch den Eindruck eines extrem schusseligen Vogels hinterlassen. Der speist sich unter anderem aus der Beobachtung, dass sie sich gern wegducken und sich langsam bewegen, als würde ich sie deshalb nicht sehen. Außerdem fliegen sie jedes Mal, wenn sie vor mir flüchten, in meiner Fahrtrichtung von mir weg; landen also ein paar dutzend Meter weiter, nur um wenige Momente später wieder von mir aufgeschreckt zu werden.
Umso mehr freute ich mich, als ich außerhalb des Gosener Grabens überraschend ganz nah an einem vorbei driftete und kurzerhand einen Schnappschuss mit meinem Handy wagte. So nah war ich meines Erachtens noch nie an einem Graureiher dran! Sind sie nicht süß?

Ein verlorenes Idyll
Schließlich erreichte ich tatsächlich bei Sonnenuntergangsstimmung meinen eigentlichen Anlass für diesen Auslug: Neu-Venedig. Die Siedlung in Rahnsdorf, einem südöstlich gelegenen Zipfel Berlins, zeichnet sich nicht nur durch ihre Lage an der idyllischen Müggelspree aus, sondern auch dadurch, dass zwischen den Grundstücken kleine Kanäle verlaufen. Sogar Brücken über die Kanäle gibt es – ganz wie beim großen Vorbild.
Die wenigen Landwege sind abgesehen des begrenzenden Rialto-Rings und Lagunenwegs nach Vögeln benannt. Natürlich verfügt jedes Grundstück über einen Zugang zum Wasser und viele auch über eigene Boote. Und so sieht man am Wochenende zum Sonnenuntergang nicht nur hier und da die ersten Feuerschalen brennen, sondern auch junge Menschen gediegen mit kleinen Bootchen und ruhiger Musik ihre vor sich hin tuckern.
Idyllisch, oder?
Könnte es tatsächlich sein. Wäre da nicht die Akustik. Denn die Beschaulichkeit der pittoresken von Wasser umgebenen Parzellen wird maßgeblich durch die Lärmbelästigung des Flughafens Berlin-Brandenburg gestört. Da sich Neu-Venedig direkt in der Flugschneise befindet, hört und sieht man die Düsenflieger alle paar Minuten über das sonst so schöne Kleinod hinwegrauschen.
Schade eigentlich. Denn, abgesehen davon, dass die Grundstückpreise hier jenseits von Gut und Böse liegen, erwachte in mir ein allzu vertrautes Begehr, das mir schon aus dem Spreewald nur bekannt war. Und ehe ich mich versah, träumte ich mich auch schon in das Leben eines Anliegers hinein, der die Sommermonate hier verbringt. (#sommerfrische) Doch so braucht es mir gar nicht leid tun, dass ich es mir nicht leisten kann, denn unter den gegebenen Umständen könnte ich es ohnehin nicht genießen.

Himmelsspektakel zum Abschluss
Die berühmte Goldene Stunde erwies sich für Anfang September schon als reichlich kurz, sodass ich mich beim Verlassen von Neu-Venedig doch etwas beeilen musste, um noch Land zu erreichen, von dem ich günstig den öffentlichen Nahverkehr erreichen konnte. Mithilfe meines Handys fand ich eine vielversprechende Stelle am Ufer des Müggelsees, um an Land zu gehen. Bei den letzten Paddelschlägen und dem Abbau wurde ich dann aber noch mit einem wunderschönen Himmelsspektakel belohnt.
Die medial viel beachtete Mondfinsternis habe ich unterdes erst auf dem Heimweg vom Zug aus sehen können.

Was habe ich gelernt?
Was nehme ich also aus diesen kleinen Ausflug mit außer letztlich doch beachtlichen 21,84km Strecke? Mehrere Erkenntnisse:
- Was habe ich das Paddeln vermisst! Davon möchte ich dieses Jahr noch mehr!
- Idealerweise prüfe ich vorher jeden Teil des Wasserwegs noch einmal auf Baustellen und Sperrungen, um mir unnötige Laufwege zu ersparen.
- Künftig lieber kleinere Flüsse als geschäftige Seen.
Und es erwies sich tatsächlich als ein Mini-Abenteuer, wie es im Buche steht! Auf, dass noch viele weitere folgen mögen!
Alles Liebe
Philipp
Berlin