Ich bin wieder da.

Und zwar zu Hause.

Zumindest fühlt es sich so an. Mehr, als ich das bei meiner Rückkehr in Europa gefühlt habe. Erklären kann ich mir das nicht. Aber wann kann man das bei Gefühlen schon?

Es ist derselbe Duft (ein breites Spektrum von honigartigem Frühlingsduft über Gewürze und Staub hin zu den weniger angenehmen Gerüchen), dasselbe Gefühl auf der Haut (gerade ist es tatsächlich recht sommerhaft, allerdings soll das nächste Woche wieder in Winter umschlagen), derselbe Trubel und derselbe so vertraute Klang. Die Leute sind dieselben (auch wenn gerade nicht alle da sind). Leider auch der Müll (wobei ich den Eindruck habe, dass er weniger geworden ist – also habe ich mich entweder daran gewöhnt oder es hat sich etwas im Bewusstsein getan). Und die Kontrollen (die sind wiederum stärker ausgeprägt).

Und doch ist nicht alles gleich. Der Bau der Hochgeschwindigkeitstecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem ist weit vorangeschritten. Tel Aviv bekommt jetzt eine U-Bahn, weshalb es auf den Straßen noch etwas chaotischer zugeht also ohnehin schon. Ein paar Geschäfte haben geschlossen. Ein paar neue sind dazugekommen. Es wird viel gebaut. Ich mag, die Veränderung zu sehen.

Die Stimmung ist auch etwas angespannter. Gestern war ein recht großes Polizeiaufgebot am Damascus Gate, nachdem jemand mit Messer aufgegriffen wurde. Recht groß heißt inklusive Reitern, Scharfschützen und Helikoptern. Drum herum stand alles still und beobachtet die Lage. Ich habe mich dem kurzerhand angeschlossen, während ich darauf wartete, dass ich meine Falafel bestellen konnte.

Meine Gefühle sind ein Mischmasch. Einerseits ist da das Gefühl von Heimat, dass gerade alle Feindseligkeit überdeckt. Außerdem fühlt es sich vor allem noch recht unwirklich an.

Am Sonntag startete ich am Morgen in Berlin, es begann zu schneien. Wenige Stunden später für mitteleuropäische Verhältnisse frühsommerliche Temperaturen bei sonst frühlingshafter Atmosphäre. Entsprechend habe ich direkt zu kurzer Kleidung gewechselt. Damit falle ich auf. (kurze Hosen trägt hier sonst bei 21°C noch keiner). Aber das ist mir mittlerweile egal.

Dennoch sehne ich mich nach dem Tag, an dem langsames Reisen auch nach Israel möglich ist.

Ich bin überrascht, wie gut mein rudimentäres Hebräisch noch funktioniert. Ich habe es scheinbar geschafft, mein Niveau zu halten. Jetzt heißt es dranbleiben. :)

Spannend bleibt, wie stark mich meine Tätigkeiten einbinden werden und ob ich der Stadt überdrüssig werde, falls ich mich an das Heimatgefühl gewöhne und entsprechend negative Wellen stärker wahrnehme.

So long,

euer Philipp

PS: Was mich mal interessieren würde, ist, wie ihr Heimat wahrnehmt, bzw was sie für euch ausmacht. Und wie ihr euch fühlt, wenn ihr „nach Hause“ kommt.

4 Kommentare

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  1. Hallo Philipp!

    Bei Deinen ersten Worten habe ich ein wenig an meinen letzten Urlaub in Griechenland denken müssen. Für mich war das auch so ähnlich.

    Obwohl ich dort natürlich nicht zu Hause bin, in meinem Leben insgesamt 2 Monate dort verbracht habe. Aber es ist schon ein Ankommen „zu Hause“ weil ich in Gedanken so oft dort bin und eine Art von Leben dort geführt habe, was mir sehr gefällt.

    Ich kann Deine Gefühle gut nachvollziehen!

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      wer weiß? Vielleicht wird es ja einmal dein Zuhause?

      Lieber Gruß,
      Philipp

      • Hallo Philipp!

        Dazu müsste ich die Sprache und die Schrift lernen, ich bin mir nicht sicher, ob ich das so hinbekommen würde. Fällt mir extrem schwer, was ich bis jetzt so mitbekommen habe.

        lg
        Maria

        • Hallo Maria,

          mir ist aufgefallen, dass die persönliche Motivation in der Hinsicht wesentlich zum Gelingen beiträgt. Ich habe beispielsweise gerade überhaupt keine Motivation Russisch zu lernen. Bei Hebräisch sieht das wiederum ganz anders aus. Das macht die Sprache zwar nicht unbedingt einfacher und natürlich sind Talente nicht zu verachten. Allerdings hilft es mir, sprachliche Hürden leichter zu überwinden.

          Lieber Gruß,
          Philipp

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