Minimalismus, Zufälle und die Öffentlichkeit

Ab und an fallen mir ungewöhnliche Zufälle in der Blogosphäre auf. So kommt es manchmal vor, dass sich viele Menschen gleichzeitig Gedanken um das gleiche Thema machen, wie auch diese Woche.

 

Zufälle in der Blogosphäre

Die Minimamusen haben zu einer Umfrage aufgerufen, wie das denn eigentlich bei ihren Lesern mit dem Minimalismus ist. Außerdem ist diese Woche Pia Mesters neues Buch mit dem Titel „Minimalismus – weniger besitzen, mehr leben“ erschienen, in welchem ich bereits über meine Geschichte in puncto Minimalismus geschrieben habe. Momentan gibt es das Buch nur als digitale Variante, aber bereits nächste Woche, soll es wohl auch als Taschenbuch erscheinen.

Interessanter Weise hat Tanja Heller von den Minimusen quasi zeitgleich ihr Buch „Minimalismus – 13 Porträts“ veröffentlicht.

Beide verfolgen recht unterschiedliche Ansätze: Während das erstgenannte eher ein Leitfaden mit hilfreichen Tipps ist, um mehr Klarheit im Leben zu erlangen, gilt für letzteres nomen est omen – es porträtiert 13 Minimalisten in ganz unterschiedlichen Ausprägungen und Lebenslagen. Ich empfinde beide als interessant zu lesen.

Abgesehen davon hat Apfelmädchen Svenja diese Woche dazu aufgerufen, selbst begangene Fehler und Tipps bezüglich Minimalismus an sie zu senden, damit andere Leute davon lernen können. Daraus möchte sie einen Leitfaden basteln.

Die Macht einer Idee

Für mich interessant: Alle drei Beispiele zeigen, dass Minimalisten Menschen wie du und ich sind. Und dass das Interesse nach einem einfacheren Leben in der Öffentlichkeit steigt. Viele Menschen sind geplagt von den Anforderungen, denen sie sich ausgesetzt sehen. Viele möchten nicht nach dem Schema studieren-arbeiten-konsumieren leben.

Gerade deshalb finde ich es spannend, wenn viele Menschen plötzlich den gleichen Ideen nachgehen: Vegetarismus, Veganismus, Straight Edge, Punk, Minimalismus, Indie – all diesen Strömungen geht ein Grundsatz voraus: Vielleicht geht es ja auch anders?

Öffentliche Wahrnehmung

Und plötzlich wird ein Thema gesellschaftsfähig. Ob es nun Zufall ist, dass sich zur gleichen Zeit mehrere Menschen mit den gleichen Anliegen auseinandersetzen oder sie sich gegenseitig beeinflussen, ist mir an dieser Stelle ehrlich gesagt gar nicht so wichtig. Wohl aber, wie sich das auf die Gesellschaft, in der wir leben, auswirkt.

Es vermag nach außen hin häufig der Eindruck entstehen, dass Minimalisten generell ein sonderbares Leben führen, den Schlüssel zum Glück in der Hand haben, allesamt Lehrmeister sind, eben dies auf ihrem Blog präsentieren und mit ihrem Rucksack die Welt bereisen.

Vielseitigkeit ist Trumpf

Dabei können uns gerade solche Bücher und auch Blogs zeigen, wie vielseitig minimalistische Lebensentwürfe sein können. Ich fände ein Leben auf der Alm zum Beispiel wunder- statt sonderbar und möchte das unbedingt einmal in meinem Leben für längere Zeit erleben! Nicht ohne Grund steht es auf meinem Wunschzettel.

Glück ist sehr individuell und als solches sollten wir es auch achten. Dennoch können wir unglaublich viel voneinander lernen, wenn wir unsere Erfahrungen austauschen und teilen. Genau deshalb freue ich mich, wenn ich mitbekomme, dass andere Menschen angeregt werden.

Somit wäre der Kreis geschlossen und ich bei der Umfrage:

  1. Wann hat das bei dir angefangen, mit dem Gedanken, minimalistisch leben zu wollen? War da ein Auslöser, oder war das eher schleichend?
    Das war eher schleichend. Obwohl ich die Idee schon immer faszinierend fand, wurde sie lange Zeit von übermäßigem Konsum überschattet. Häufiges Ein- und Auspacken bei Wohnsitzwechseln taten dann ihr übriges…
  2. Deine ersten Schritte, etwas zu verändern, kannst du dich daran erinnern, uns berichten?
    Erstmal habe ich mich mehr darüber informiert. Dann folgte das Entrümpeln, welches wiederum ein bereichsübergreifendes Umdenken auslöste.
  3. Würdest du deine Anfangstätigkeiten auch anderen anraten, die gerade jetzt erstmals das Bedürfnis haben, mit weniger besser zu leben?
    Ja. Ich empfinde es als äußerst produktiv, tätig zu werden. Denn so sehe ich Fortschritte, die dann weiter motivieren.
  4. Was hälst Du von diesem … jeden Tag ein Teil weniger-Ding?
    Ich glaube, dass das sehr gut funktioniert, wenn man sukzessiv mal ganz nebenbei entrümpeln möchte. Für mich ist es aber nichts, weil es viele Tage gibt, an denen ich mehr als einen Gegenstand aussortieren möchte.
  5. Dein(e) Gefühl(e) in Zusammenhang mit #minimalismus. Beschreibe sie uns!
    Klarheit – Was möchte ich wirklich? Was ist mir wichtig?
    Leichtigkeit – Weniger physischer und psychischer Ballast.
    Freiheit – Weniger Verpflichtungen, mehr Flexibilität.
  6. Was war dein gefühlt schlimmster “Rückschlag”?
    Den erlebe ich über Monate hinweg, wenn ich mir vor Augen führe, wie viel Zeit ich aufbringe, um bei einem einzelnen Gegenstand eine Kaufentscheidung zu treffen.
  7. Würdest du sagen #minimalismus ist eine Lebenseinstellung?
    Ja, denn er wirkt sich eben nicht auf physische Dinge aus.
  8. Was soll das denn sein, das “besser” als Besitz ist?
    Zeit.
  9. Benenne uns deine größte Bereicherung, die durchs Minimalisieren geschah.
    Wiedererlangen meiner Mündigkeit durch kritisches Hinterfragen.
  10. Was findest du immer noch hart bei deinem minimalistischen Leben?
    Für aussortierte Gegenstände einen neuen Eigentümer zu finden.
  11. Was beglückt dich am meisten bei deinem minimalistischen Leben?
    Meine Ungebundenheit.

Und wo wir schon bei Umfragen sind: Wo findest du Minimalismus in deinem Leben? Wo ist dir gerade alles zu viel und wo würdest du dir weniger wünschen?

6 Kommentare

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  1. Hallo Philipp!

    Das sind ja wirklich ein paar lustige Zufälle.

    Mir ist das heute auch an einer anderen Stelle mit einem Thema aufgefallen. Plötzlich stolpere ich überall über das Thema „chia“ – aber vielleicht ist das auch eine Sache von Fokus…

    Super Sache, dass Du am Buch von Pia mitgearbeitet hast!

    lg
    Maria

    • Hallo Maria!

      Interessant! Ich musste zugegebener Maßen erstmal nachsehen, was Chia eigentlich ist. Das, was ich bisher gelesen habe, hört sich ja unglaublich gesund an! :) An welche Gerichte mischst du die denn mit ran?

      Lieber Gruß,
      Philipp

      • Hallo Philipp!

        Man kann Chia als Eiersatz beim Backen verwenden (wenn man vegan backen möchte).

        Nachdem Chia sehr stark Flüssigkeit bindet, kann man sehr gut puddingartige Desserts machen. Auch wiederum für vegan und roh interessant. Sprich man kann z.B. einen Obstbrei andicken damit.

        Grundsätzlich ist er einfach gesund und hilft dem Darm beim entgiften. Ähnlich wie Leinsamen aber gerade sehr modern.

        Demnächst kommt ein neuer Beitrag über clean eating von mir, da ist ein Bild davon zu sehen.

        lg
        Maria

  2. Danke für den Link. Werde die Fragen ebenfalls beantworten und auf meinem Hauptblog (greenxbird.blogspot.co.at) posten.

    Ich finde es sehr schön, dass immer mehr Menschen versuchen gut mit weniger zu leben. Wenn da ein nachhaltiger Bewusstseinswandel einsetzt (und sich das Ganze nicht als Trend entpuppt, der in fünf Jahren Schnee von vorgestern ist), finde ich das prima. Außerdem: die Welt kann so viele Menschen wir wir nun mal sind nicht mit dem ausstatten, was der Westen gewöhnt ist. Das wäre eine ökologische Katastrophe.

    Liebe Grüße, Daniela

    P.S.: Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber ich finde es trotzdem sehr interessant. Gestern hab ich im Stadtblatt gelesen, dass immer mehr Unternehmen Schwierigkeiten damit haben ihre offenen Stellen zu besetzen, weil immer mehr Menschen nur mehr Teilzeit arbeiten gehen möchten. Es wurde festgestellt, dass vielen Freizeit und Freunde offenbar wichtiger sind als beruflicher Aufstieg (oder Sicherheit, je nach dem). Als Konsequenz denkt man nun Sanktionen (wie Sperre des Arbeitslosengeldes etc.) an, um die arbeitsfähigen Menschen wieder auf Spur zu bringen…..

    • Hallo Daniela,

      da bin ich gespannt auf deinen Beitrag!

      Meiner Meinung nach ist die ökologische Katastrophe schon da. Menschen halten eben gern an gegebenen Umständen fest, anstatt sich rechtzeitig anzupassen. So lang, bis es eben nicht mehr anders geht. Das gilt meines Erachtens übrigens auch für Wirtschaftssysteme. ;)

      Lieber Gruß,
      Philipp

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