Gelegentlich kommt es vor, dass mir von jüngeren Menschen über die neusten technologischen Trends berichtet wird. Als ehemaliger Info-Student bin ich da recht interessiert. Manchmal wird es mir jedoch zu viel und dann lasse ich einfach alles an mir vorbeiziehen. Das schont mein Nervenkostüm. Doch die Schonzeit beende ich jetzt vorübergehend.

Der Grat zwischen man-muss-ja-nicht-alles-mitmachenich-brauche-das-nicht und außen-vor ist ein sehr schmaler. So erzählt mir meine jung’sche Cousine hin und wieder ich sei alt, weil ich weder auf Facebook bin, noch WhatsApp habe. (Tatsächlich war ich mal auf Facebook, habe mich aber irgendwann dazu entschlossen, auszutreten, weil ich nicht das Gefühl hatte, irgendwelche Vorteile daraus zu ziehen, sehr wohl aber Zeit zu investieren. Und da WhatsApp zu Facebook gehört und ich mitbekomme, wie sehr andere Leute zugespamt werden, habe ich mich direkt dagegen und stattdessen für die Alternative Telegram ausgesprochen entschieden.)

Berechtigter Weise wirft das aber in die Frage in mir auf, was es eigentlich bedeutet, alt zu sein. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, in ihrem Alter alles über 20 als „alt“ deklariert zu haben. Und im Verhältnis zu mir war es das damals ja auch. Kurz vor 20 hat sich das schlagartig geändert – nicht zuletzt weil ich sehr viele Leute kennen gelernte hatte, die mir gezeigt haben, dass Alter vor allem eine Einstellung ist. Getreu dem Motto: Du bist so alt, wie du dich fühlst.

Wann wird also der Schalter im Kopf umgelegt, dass wir uns selbst irgendwann als „alt“ bezeichnen? Wenn wir merken, dass der Körper nicht mehr so mitmacht, wie wir das gerne hätten? Wenn wir meinen, alles gelernt zu haben?

Lebenslanges Lernen

Letzter Punkt ist immens wichtig für mich. Ich bin der Überzeugung, dass ich mein Leben lang lernen möchte. Und vielleicht ist das der Grund dafür, dass wir uns auch mit 30 oder älter noch für jung halten: Weil wir das Gefühl haben, dass es noch so viel zu lernen gibt.

Also abseits von körperlichen Befindlichkeiten wirklich eine Frage der eigenen Offenheit!

Und nun zum Experiment: Als Minimalist lasse ich einfach viel an mir abprallen, weil ich denke: Das brauche und will ich nicht. Das gilt nicht nur für Materielles, sondern auch für digitale Konten und Dienstleistungen.

Dann kann es schon mal vorkommen, dass ich die eine oder andere Entwicklung verschlafe und damit unter Umständen neue Möglichkeiten gar nicht mitbekomme, was natürlich auch an persönlichen Vorbehalten und -lieben liegt.

Doch vielleicht verbergen sich da ja nicht nur technische Spielereien sondern Werkzeuge? Wieder eine Frage der Einstellung: Sehe ich in aktuellen Entwicklungen eine Gefahr oder die Möglichkeiten dahinter?

Early Adopter werde ich jetzt natürlich nicht, denn ich halte es nach wie vor für wichtig, Dinge abzuwägen. Aber ich möchte drei Apps eine Chance geben und werde sie die nächsten zwei Monate ausprobieren. Und ich bin gespannt, was ich daraus lernen werde! Und hier sind die Kandidaten:

Twitter

Zugebener Maßen für viele schon Standard. Auch ich habe schon darüber nachgedacht, es mal zu probieren. Ich finde es gut, dass Nutzer angehalten werden, sich kurz zu fassen. Außerdem glaube ich, dass sich über die Tags gut Stimmungsbilder und Meinungen einholen lassen.

Vine

Diese App erinnert mich an 2000er, als ich Gifs für mich entdeckte. Es gibt auch einige Künstler, die unterhaltsame Video Tricks mit dieser App erstellen. Die Videos können maximal sechs Sekunden lang sein, Kreativität ist also in jedem Fall gefragt.

Snapchat

Das soll unter Jugendlichen der Renner sein. Freunde von mir hatten mich schon ein paar Mal in lustige Videos einbunden, wo mit Effekten Gesichter getauscht wurden oder ich plötzlich ganz viel Glitzer um mich herum hatte. Da komme Erinnerungen an Skypesessions wieder, als es damals das erste Mal möglich war, am Laptop mit solchen Effekten zu arbeiten. Und auch hier gibt es ein Limit: Geteilte Bilder verschwinden nach einer eingestellten Zeit wieder.

Auf Los geht’s los!

Ich fange heute an. Die Apps sind geladen. Drei neue Konten (uff…) rasch erstellt. (Was das wohl wieder für ein Aufwand wird, die zu löschen?)

Hashtag für dieses Experiment ist #philippGoesSocial

Twitter: @woistphilipp

Vine: woistphilipp

Snapchat: philippwip

Und los!