Mit dem Kajak von Halle nach Magdeburg Barby

Der Frühling ist in vollem Gange und ein Feiertag reiht sich an den nächsten. Deshalb denke ich an diesen Tagen nicht nur besonders gern an meine Kajaktour von Halle auf der Saale zurück, sondern auch an all die Bollerwagentouren aus meiner Jugendzeit.

Wer Letzteres nicht kennt: In meiner Heimat ist es an Himmelfahrt üblich, dass man mit Freunden sowie einem voll beladenem Bollerwagen loszieht und von Dorf zu Dorf wandert, um dort jeweils einkehren zu gehen. Lange Zeit war das Männern vorbehalten, aber inzwischen ist das zum Glück nicht mehr so eng.

Schon während meiner Jugendzeit schätzte ich sehr, dass man den ganzen Tag mit Bewegung an der frischen Luft verbrachte und ein Mini-Abenteuer mit Freunden erlebte. Freilich waren nicht alle Erlebnisse positiv und mit einigen Aspekten dieses Brauchtums kann ich heute gar nichts mehr anfangen; sei es der weit verbreitete exzessive Alkoholkonsum oder die religiöse Konnotation. Und auch damals schon störte mich, wie sorglos viele Himmelfahrtspilger unsere Umwelt vermüllen.

Eine Sache habe ich mir jedoch bewahrt: An ausgedehnten Wanderungen in ländlicher Umgebung erfreue ich mich immer noch – sei es zu Fuß oder Wasser. Entsprechend gern erinnere ich mich an meine idyllische mehrtägige Flusswanderung von Halle über die Saale und Elbe nach Magdeburg.

Aufmerksam Lesende dürften bereits bemerkt haben, dass ich “Magdeburg” im Titel durchgestrichen habe. Zu den Gründen dafür kommen wir später. Beginnen wir am Anfang der Reise:

Etappe 0: Anreise nach Halle

Zwei Tage vor Himmelfahrt reiste ich per Zug mit meinem Kajak im Gepäck nach Halle. Dank meines zusammenklappbaren Bootswagens stellt das kein Problem dar. Bei meinen Paddeltouren geschieht vieles spontan, denn oft weiß ich am Morgen noch gar nicht, wie weit ich kommen werde. Aus anderen Gründen (Arbeit, Arbeit, Arbeit, …) habe auch erst während der Zugfahrt meine Unterkunft in Halle für eine Nacht gebucht.

Moderne Technik macht es möglich, dass man komplett ohne menschliche Interaktion buchen, ein- und auch wieder auschecken kann. Etwas befremdlich ist mir das sehr wohl, allerdings stört mich das bei einer Nacht gar nicht so sehr. Zum Glück sollte ich im Rahmen dieser Paddeltour noch die eine oder andere zwischenmenschliche Begegnung erleben.

Halle ist in meinen Augen eine unterschätzte Großstadt: Bei meiner kurzen Stadtbesichtigung zu Fuß stieß ich nicht nur auf wunderschöne Villen und imposante Bauwerke entlang der Saale, sondern schätzte die angenehme Mischung aus urbanem Flair und Naturnähe, was sicherlich auch an der moderaten Bevölkerungszahl liegt. Bei meiner Erkundung entlang der Saale hielt ich nebenbei gleich noch nach einer günstigen Einsatzstelle für mein Kajak Ausschau und entdeckte ein süßes Café, wo ich mich mit Apfelstrudel eindeckte.

Burg Giebichenstein
Burg Giebichenstein in Halle

Etappe 1: Halle – Kloschwitz

Am nächsten “Morgen” startete ich dann wesentlich später als geplant – nicht nur, weil ich verschlafen hatte, sondern auch weil die Feuerwehr zunächst noch meine erspähte Einsatzstelle blockierte. Kurz nach 12 konnte es dann endlich losgehen.

Bereits nach wenigen hundert Metern erreichte ich die erste Schleuse. Der Schleusenwart dort erwies sich als äußerst gesprächig. Aber das störte mich nicht – im Gegenteil: So eine kleine Plauderei zwischendurch ist immer ganz angenehm.

Vorab las ich im Internet über das Meer der roten Felsen. Das klingt erstmal sehr spannend. In meiner Vorstellung würde ich vorsichtig durch aus der Saale ragende rote Felsen navigieren müssen, um mein Boot nicht zu beschädigen. Insofern war ich etwas ernüchtert von der Größe des vermeintlichen landschaftlichen Wahrzeichens. Doch insgesamt erwies sich die Saale als landschaftlich sehr lieblich. Außerdem genoss ich sehr, wie wenig Bootsverkehr unterwegs war – auch wenn das wahrscheinlich nicht repräsentativ ist.

In Wettin genoss ich mit Ausblick auf die Wettiner Burg eine noch im Betrieb befindliche Hochseilfähre. Außerdem gab es auch hier wieder eine Schleuse zu durchqueren, die jedoch ferngesteuert betrieben wurde. Den gesamten Tag über begleiteten mich Kuckucksrufe, was ich als sehr idyllisch wahrnahm.

In Kloschwitz schlug ich schließlich auf einem kleinen Zeltplatz mein Zelt auf und gönnte mir zur Feier des Tages erstmal mein erstes Stück Erdbeertorte des Jahres. Außerdem lernte ich ein verrentetes Ehepaar samt Hund kennen, die ihren Ruhestand zwischen ihrem sesshaften Leben in Meißen und ihrem Boot aufteilen. Natürlich war ich sofort angetan vom Leben auf dem Boot! Einzig die Kosten und regelmäßigen Arbeiten sollte man nicht unterschätzen.

Hund ahoi
Hund ahoi

Etappe 2: Kloschwitz – Bernburg

Am Himmelfahrtstag selbst begab ich mich etwas früher auf Tour. Natürlich wollte ich am Feiertag ganz besonders in den Genuss eines Kuchens kommen. Doch das sollte sich als schwieriger erweisen als zunächst gedacht.

Zunächst einmal sei gesagt, dass die Saale an Himmelfahrt alles andere als ruhig ist. Das liegt jedoch weniger am Schiffsverkehr, als an den ganzen Betrunkenen an den Ufern des Flusses, die naturnah feiern wollen und dies entsprechend lautstark mit Musik untermalen. Mir wurden unterwegs einige Biere angeboten, aber leider standen keine alkoholfreien zur Auswahl.

An jedem noch so kleinen Ort, den ich passierte, legte ich in der Hoffnung an, auf ein Volksfest zu stoßen, wo ich Kuchen erwerben könnte. Doch viele Orte waren komplett verwaist. Von feiernder Dorfgemeinschaft, wie ich es aus meiner Heimat im Vogtland kenne, keine Spur. Fast wollte ich schon aufgeben – bis ich in Großwirschleben in Ufernähe fündig wurde. Beim dortigen Volksfest konnte ich fünf Stücken gemischten Kuchen erwerben, wurde dafür jedoch auch mein letztes Bargeld los. Aber egal, Hauptsache Kuchen!

Woran ich in diesem Moment nicht gedacht hatte, war, dass ich im weiteren Verlauf der Reise durchaus noch mehr Bargeld benötigen könnte. Aber zumindest auf dem Zeltplatz in Bernburg konnte ich per Rechnung bezahlen. Anlässlich Himmelfahrt gab es als Abendunterhaltung eine “Männertagssause” mit “!!! DREI BIERWAGEN !!!”. Es erklärt sich von selbst, dass das nicht meinem bevorzugtem Abendprogramm entsprach. Stattdessen zog es mich weg vom Zeltplatz zur namensgebenden Burg Bernburgs, die bei Abenddämmerung viele schöne Aussichten bietet. Insgesamt erwies sich Bernburg mir äußerst pittoresk.

Panorama Bernburg
Das pittoreske Panorama von Bernburg

Etappe 3: Bernburg – Barby

Am nächsten Morgen ließ ich den von den Feiernden mit deutlichen Spuren versehenen Zeltplatz zurück. Die einzige größere Ortschaft während der gesamten Tagesetappe unterwegs war Calbe.

Den ganzen Tag über begleitete mich starker Wind. Der äußerte sich auf eine von zwei Arten:

  • Entweder gab er mir ordentlich Rückenwind. Das gefiel mir freilich.
  • Oder er sorgte dafür, dass ich andauernd gegen Gegenwind und Wellen steuern musste. Das war den Großteil des Tages der Fall und äußerst anstrengend.

Bei all dem Wind hatte ich ehrlich gehofft, dass es ab der Mündung der Saale in die Elbe besser werden würde. Doch das Gegenteil trat ein: Dort wurde der Wellengang so stark, dass ich Sorge hatte, zu kentern. Andere Flusswandernde, die aus Dresden kamen, bestätigten mir mit ihren Erfahrungen, dass auf der Elbe vorerst kein Weiterkommen sein würde.

Also entschied ich mit dazu, in einem Hotel Garni in Barby für die Nacht unterzukommen und am folgenden Tag die Lage erneut zu beurteilen.

Schuttplatz in Barby
Nein, das ist nicht das Schloss von Barby.

Fußbus-Etappe: Barby – Gnadau

Am nächsten Morgen ward es jedoch eher schlimmer als besser. Ein regelrechter Sturm zog auf. Entsprechend entschloss ich mich dazu, meine Paddeltour an dieser Stelle abzubrechen. Sicherheit geht schließlich vor. Also ließ ich die restliche Strecke bis Magdeburg sausen.

Praktischerweise konnte ich das Hotel in Barby mit Karte bezahlen. Das galt jedoch nicht für den Bus. Und so sah ich mich mangels Bargeldautomat gezwungen, mein Kajak bis zum nächsten Bahnhof zu Fuß zu transportieren. Ganze acht Kilometer schob und zog ich meinen Bootswagen mitsamt all meiner Ausrüstung so bis nach Gnadau zum Bahnhof, bevor ich von dort aus zwei Stunden später per Zug via Magedeburg die Heimreise nach Berlin antrat.

Sehnsucht nach Paddeln

So schön ich es auch empfinde, mich an diese Tour zu erinnern – sie ist schon vier Jahre her. Im Allgemeinen hatte ich schon mehrere Jahre nicht die Möglichkeit, am nationalen Bollerwagentag alias Himmelfahrt selbst auf Tour zu gehen. Auch wenn es sich wie gestern anfühlt, dass ich diese Tour unternahm – sie fand bereits 2022 statt!

Während ich also diese Zeilen schreibe, spüre ich, wie sehr es mich schon wieder auf das Wasser zieht – auch wenn ich auch dieses Jahr an den Frühlingsfeiertagen nicht dazu komme, weil ich beruflich gebucht bin. Doch mir bleibt noch die Hoffnung auf den Sommer und den Herbst.

Wie hast du die Maifeiertage heuer verbracht? Bist du Typ Bollerwagen, Fahrrad oder Kajak? Und welche Traditionen gibt es in deiner Region am 01. Mai, Himmelfahrt und Pfingsten? Teile sie gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 7

In den siebten Tag meiner Kajaktour startete ich sehr ungewiss. Ferienbedingt gelang es mir nicht, vorab eine Unterkunft in der Sächsischen Schweiz zu buchen. Ein paar wenige Betten gab es zwar noch, allerdings zu horrenden Preisen. Gleichermaßen sah ich nicht, wie ich die Distanz von knapp 54km binnen einen Tages zurücklegen sollte. Immerhin war das die dreifache Strecke meiner ersten Etappe.

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Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 6

Nach einer riesigen Mütze Schlaf erwartete mich im Erdgeschoss des Bed & Breakfast ein noch riesigeres Frühstück – dabei war ich der einzige Gast. Das war dann wohl alles für mich. Bewusst konzentrierte ich mich auf die offenen Produkte, denn die verschlossenen könnten eher wiederverwendet werden. #lebensmittelretten. So startete ich gut gestärkt (vielleicht sogar zu gut) in den Tag und zumindest der Anfang gestaltete sich sehr zu meiner Zufriedenheit. Doch man soll den Tag bekanntermaßen nicht vor dem Abend loben…

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Mit dem Kajak von Prag nach Dresden – Etappe 0

Der Wunsch eine längere Kajaktour zu unternehmen, beschäftigte mich schon ein paar Jahre. Dass es nun ausgerechnet von Prag nach Dresden gehen sollte, war eher diversen Zufällen zu verdanken. Also ergriff ich die Chance beim Schopf und begab mich allen Sorgen Warnungen zum Trotz auf den Weg.

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Blog-Pause – Philipp wandert zu Fluss und zu Fuß

Ja, ich weiß, es gab erst eine ausgedehnte Blog-Pause, aber ich brauche dringend Urlaub, muss ohnehin noch Urlaub “aufbrauchen” und dieses Mal wird es auch definitiv nicht so lang; versprochen. Nur zwei Wochen.

Und tatsächlich begebe ich mich auch auf Reise, jedoch nicht nur zu Fluss und zu Fuß wie der Titel vermuten lässt, auch wenn dies das Hauptthema dieser Reise wird. Los geht es mit dem Zug von Berlin nach Prag. Von dort steige ich mit dem Kajak in die Moldau ein. Flussabwärts werde ich dann nach Dresden Paddeln. Das dürften etwas mehr als 210km sein. Eine einwöchige Kajaktour stand ja schon länger auf meinem Zielliste. Jetzt ist es also an der Zeit, dieses anzugehen. Binnen einer Woche möchte ich in Elbflorenz ankommen, von wo aus ich mit dem Zug nach Leipzig weiterfahren werde. Dort treffe ich schließlich Freunde, um gemeinsam mit einem Auto in ein gemeinsames Stückchen Zweitheimat zu reisen: Osttirol! Allerdings waren wir dort noch nie gemeinsam, ich schon seit sechs Jahren nicht mehr (viel zu lang!) und auch noch nie außerhalb des Sommers. Entsprechend gespannt bin ich, diese Herzensgegend nun im Kleid einer anderen Jahreszeit zu entdecken.

Gepäckmäßig geht es dieses Mal nicht ganz so minimalistisch zu, immerhin packe ich für zwei komplett unterschiedliche Aktivitäten und habe ein Kajak im Schlepptau. Auch wenn es so wirkt, als würde ich einen Kühlschrank mit mir herumschleppen, habe ich probiert, meine Gepäckstücke auf ein Minimum zu reduzieren. Gerade weil man beim Paddeln bereits einen gewissen Grundstock an Dingen mit sich führt, halte ich es für umso wichtiger, den Fußabdruck der übrigen Sachen so gering wie möglich zu halten.

Wenn ich zurück bin, wird es nicht nur zwei neue Reiseberichte, sondern auch eine Packliste geben für alle, die auch mal solche eine Tour unternehmen möchten. Je nach Reiseplan und -zeit packt man schließlich anders. Persönlich finde ich solche Packlisten immer recht hilfreich und inspirierend. Und Berichte von Reisen hat es hier – auch pandemiebedingt – schon viel zu lang nicht mehr gegeben, obwohl ich ja doch die eine oder andere unternommen habe.

Ahoi,
Philipp