Passivitäten

Erinnerst du dich noch an die Poesie- und Freundschaftsalben von früher? Sie wurden gern in Schulklassen herumgereicht, damit sich etwaige Freund_innen darin für alle Ewigkeit eintragen konnten – ähnlich einem Gästebuch. (Wahrscheinlich wird heute weder das eine, noch das andere gepflegt.) Jedenfalls gab es darin stets ein Feld für Hobbys, Interessen und Freizeitaktivitäten. Meine These: Genau wie Freundschaftsalben sind auch echte Aktivitäten aus der Mode gekommen.

Darauf bin ich gekommen, als ich eine Auflistung von “Freizeitaktivitäten” irgendeiner Person im Internet las und bemerkte, dass keine einzige davon wirklich aktiv ist:

  • Filme / Fernsehen / Videos im Internet schauen
  • Musik / Podcasts hören
  • Austellungen / Kulturveranstaltungen / Museen besuchen
  • lesen
  • Video- oder Gesellschaftsspiele spielen
  • mit Freund_innen in Bars abhängen
  • auswärts essen oder shoppen gehen

Ehrlicherweise nenne auch ich einige dieser Freizeitprogrammpunkte gern. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich jedoch vor allem als eines: Passiver Konsum. Das gilt im Grunde auch für Reisen, denn ein Großteil von Reisen besteht heutzutage darin, in einem Verkehrsmittel der Wahl zu sitzen und sich transportieren zu lassen, auswärts zu essen, weil unterwegs die Möglichkeit fehlt, selbst zu kochen, und sich dann vor Ort mit so vielen neuen Eindrücken berieseln zu lassen, dass man meinen könnte, Reisen wäre eine olympische Disziplin.

Von daher würde ich all das nicht als “Freizeitaktivitäten” bezeichnen. Allem voran sind sie “Freizeitbeschäftigungen“, weil sie uns auf Trab halten – oft ohne dass wir uns fragen, ob uns die Beschäftigung eigentlich erholt, betäubt oder sogar lähmt. Von daher erfinde ich an dieser Stelle mal ein neues Wort: Passivitäten.

Darunter verstehe ich solche Beschäftigungen, die uns dazu verleiten, zu passiven Entitäten zu verkommen, statt aktiv zu werden.

Was ich damit meine zeigt sich bei einem Blick auf die Menschen im Zug um mich herum: Die meisten schauen ein Video nach dem anderen auf ihrem Handy. Dabei wage ich, zu behaupten, dass das nicht nur für ihre Zugreisen, sondern auch zu Hause gilt. Echte Hobbys sind kaum noch verbreitet. Ein Gemälde malen? Im Chor singen? Handwerkliche Projekte? Alles neben der Arbeit viel zu anstrengend und überhaupt ist dafür in unserem Alltag kein Platz.

Darin sehe ich eine große Gefahr: Wir sind nicht nur in unserem Arbeitsleben, sondern auch in unserer Freizeit dauerbeschäftigt, allerdings nicht mit Aktivitäten, die uns unseren Zielen näher bringen oder bedingungsloser Ruhe, die uns echte Erholung schenkt. Stattdessen halten wir – Smartphones und stetig verfügbarem Internet sei Dank – durch passive Dauerbeschallung unser Gehirn permanent auf Trab. Das geschieht auf einem Niveau, das uns weder Erholung erlaubt, noch so stark anregt, dass wir über uns hinauswachsen, weshalb wir mit unserem Freizeitleben nicht zufrieden sind, was dann auch auf das Arbeitsleben abstrahlen kann – sozusagen das Schlimmste aus allen Welten. Diesen Grauzone, man könnte sie bildhaft auch “grauen Schleiher” nennen, gilt es, zu vermeiden.

Im Grunde können viele Passivitäten in eine Aktivität umgekehrt werden, wenn man weiß wie: Alle passiv aufgenommenen Inhalte, lassen sich aktiv anwenden, wenn man sich die Zeit nimmt, darüber zu reflektieren und mit anderen Menschen zu diskutieren. Im Rahmen von Spielen kann man die eigene Kreativität oder Zusammenarbeit mit anderen trainieren, wenn man die von Spielen gestellten Herausforderungen auf kreative Weise löst. Reisen können unglaublich inspirierend sein, ungewöhnliche Erfahrungen erzeugen und dazu führen, dass man die eigene Perspektive hinterfragt, während man mit unbekannten konfrontiert wird. Gleichermaßen kann man Reisen aktiv gestalten, indem man sich bewusst dafür entscheiden, mehr Wegstrecken ohne motorisierte Verkehrsmittel zurückzulegen.

Dafür bedarf es jedoch auch den nötigen Raum. Bei mir führt es so weit, dass die Arbeit mit Sachbüchern sogar erst nach dem Lesen beginnt, weil ich mir dann noch eine Zusammenfassung jedes Kapitels schreibe, um das Gelernte für mich noch einmal kompakt abrufbar zu haben. Von Reisen und den damit verbundenen von mir induzierten Komplikationen möchte ich gar nicht erst anfangen.

Denn gleichzeitig bemerke ich an mir selbst, dass ich regelmäßig dazu neige, zu viel von mir selbst zu erwarten. Da passiert es schon mal, dass ich mich vor lauter Anspruch an mich komplett selbst überfrachte. Auch nicht gut. Und nicht zuletzt tragen auch gemeinsame Stunden mit Menschen, die einem am Herzen liegen, zu mehr Lebensqualität bei – idealerweise unabhängig von der gemeinsamen Aktivität.

Deshalb versuche ich künftig (noch) stärker, auf eine gesunde Freizeithygiene zu achten und mir folgende Fragen zu stellen, um Passivitäten zu vermeiden:

  1. Trägt das, was ich in meiner Freizeit tue, zu meiner Erholung bei?
  2. Falls nein: Führt es dazu, dass ich mich auf irgendeine Art weiterentwickle?
  3. Falls nein: Sorgt es dafür, dass dass ich mich hinterher besser fühle alias bereitet es mir echte Freude?

Zumindest eine dieser Frage möchte ich mit Ja beantworten können. Andernfalls stellt sich zwangsläufig die Frage, warum ich meine kostbare Freizeit überhaupt auf solche Passivitäten ver(sch)wende.

Wie gehst du mit Passivitäten in deiner Freizeit um, falls du überhaupt welche hast? Teile es gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

Gesunde Gewohnheit Nr. 2: Keine Süßigkeiten

Für meine zweite gesunde Gewohnheit musste ich nicht lang überlegen: Nach der Adventszeit und Festtagssaison mit all ihren Naschereien verspürte ich das dringende Verlangen, meine Geschmacksknospen mal wieder auf einen vernünftigen Pegel zu bringen. Deshalb verzichtete ich im Februar auf Süßigkeiten.

Daraus folgte:

  • 🚫 Kein Müsli mit Schokosplittern zum Frühstück 🚫
  • 🚫 Kein Müsliriegel zur Jause 🚫
  • 🚫 Kein Nachtisch in der Kantine 🚫
  • 🚫 Keine Notfallschokolade gegen Winterdepression 🚫
  • 🚫 Kein Kuchen am Nachmittag 🚫
  • 🚫 Keine Fruchtgummis auf Arbeit 🚫
  • 🚫 Keine Desserts bei Dinnern 🚫
  • 🚫 Keine Erfrischungsgetränke 🚫
  • 🚫 Kein Popcorn im Kino 🚫
  • 🚫 Kein Eis am Wochenende 🚫

Darüber hinaus untersagte ich mir selbst auch Erfrischungsgetränke mit Zuckeraustauschstoffen und Knabberein wie Chips, weil sich das wie Betrug angefühlt hätte. Auch auf Apfelmark, Honig und dergleichen griff ich im Februar bewusst nicht zurück.

Was ich mir hingegen erlaubte waren Obst und Nüsse als gesunde Naschereien mit Ballaststoffen. Bananen, Äpfel, Datteln – auch alles süß, aber im Gegensatz zu Süßigkeiten aus dem Supermarktregal schnell sättigend und deshalb erlaubt. Weiterhin legte ich dieses Mal bewusst keinen Wert darauf, sämtliche Inhaltsstoffe von Produkten auf zugesetzten Zucker zu kontrollieren. Hätte ich machen können (und habe ich früher auch schon mal), doch darum ging es mir an dieser Stelle gar nicht. Vielmehr wollte ich die großen Posten in meiner Ernährung angehen, die die Liste oben ganz gut veranschaulicht.

Mein Kriterium für die Einordnung ist im Grunde recht simpel: Wird etwas als Süßigkeit im Supermarkt verkauft, steht es auf der schwarzen Liste.

Dabei strebte ich auch hier keine Perfektion, sondern 80% an. Im Februar wollte ich entsprechend an 23 Tagen keine Süßigkeiten essen. Am Ende gelang es mir an 27 Tagen, weil mein Partner mich mit selbstgebackenem Rugelach verführte und ich am selben Tag zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Da fiel es mir leicht, diesen einen Tag als “Cheat Day” zu deklarieren. Doch die übrigen Tage hielt ich konsequent durch. Insofern werte ich es in jedem Fall als Erfolg!

Nun war es beileibe nicht das erste Mal, dass ich auf Süßigkeiten verzichtete. Sogar über mehrere Jahre hinweg habe ich zeitweise komplett auf zugesetztem Zucker verzichtet. Als ich krankheitsbedingt jedoch binnen kürzester Zeit 10% meines Körpergewichts verloren hatte, sah ich aufgrund meines hyperaktiven Metabolismus’ keine andere Möglichkeit, als meinem Körper auch hochkalorische Lebensmittel wieder regelmäßiger zu konsumieren, damit wenigstens irgendwas an meinem Körper hängen bleibt.

Ein paar Jahre später habe ich meine Gastritis jedoch genauso unter Kontrolle wie mein Gewicht. Juhu! Inzwischen hat sich mein Körper allerdings an all die kleinen Rechtfertigungen und Ausnahmen gewöhnt. Bekanntermaßen stamme ich aus einer Region, wo täglich am Nachmittag Kuchen verzehrt wird. Das liegt mir sozusagen im Blut beziehungsweise in den Denkmustern. Andererseits kann man es auch als faule Ausrede werten. Insofern hielt ich den süßigkeitenfreien Monat als durchaus gerechtfertigt.

Eine Sache ist mir dieses Mal besonders aufgefallen: Auch bei Getränken, die als “zuckerfrei” deklariert werden, kann Zucker durch zugesetzten Orangensaft in kleinsten Mengen stecken und das Getränk auch bei kleinsten Mengen süß schmecken – wenn man den eigenen Geschmackssinn vorab sensibilisiert beziehungsweise kalibriert hat.

Tatsächlich haben die vier Wochen im Februar auch genügt, um mein antrainiertes Verlangen nach Zucker komplett herunterzuschrauben. Also auch hier ein Erfolg. Doch wie soll es nun weitergehen?

Für die Zukunft möchte ich natürlich in keins der Extreme mehr verfallen – wenn es sich vermeiden lässt. Deshalb ergreife ich ein paar entsprechende Maßnahmen für die Zeit nach dem Fokus-Monat:

  1. Am Wochenende ist alles erlaubt. Unter der Woche meide ich Süßigkeiten.
  2. Den süßigkeitenfreien Februar möchte ich auch künftig fortsetzen, um eine regelmäßige Kalibrierung und Sensibilisierung zu erreichen.
  3. Außnahmen sollen Ausnahmen bleiben. Gleichzeitig möchte ich nicht überstreng mit mir selbst sein, denn das eine der andere Mal werden Geburtstage auf Werktage fallen und bekanntermaßen soll man die Feste so feiern, wie sie fallen.

Dieses kleine Entscheidungspaket fühlt sich für mich nach der richtigen Balance an. Gesündere Ernährung auf der einen und eine gesündere, zwangsfreiere Psyche auf der anderen Seite. Falls ich irgendwann Änderungsbedarf sehe, reagiere ich einfach entsprechend darauf. Wenn nicht, ist alles gut so, wie es ist.

Nun interessiert mich, wie du mit Süßigkeiten im Alltag umgehst? Teile deine Erfahrungen, Gewohnheiten und Tipps gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

Gesunde Gewohnheit Nr. 1: Bewegung an der frischen Luft

Meine erste gesunde Gewohnheit für das neue Jahr zu finden, fiel mir sehr leicht. Da es mir – Wer kann einem das bei der Witterung verübeln? – im Winter regelmäßig schwer fällt, vor die Tür zu kommen, wollte ich täglich mindestens 45 Minuten mit Bewegung an der frischen Luft verbringen.

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Handverlesen in 2025

Da 2025 nun endgültig vorüber ist, wird es Zeit für meinen persönlichen Jahresrückblick. Und los geht’s!

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Gönnen wir – zur Abwechslung mal nicht

Das kennen wir doch alle: Der Tag wirkt wie das elendige Ende einer bereits von Anfang an zum Scheitern verurteilten Woche. Wir ackern uns ab – Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Schon seit geraumer Zeit haben wir das Gefühl, überhaupt nicht mehr richtig runterzukommen. Da ist es doch das Mindeste, dass wir uns etwas gönnen, um uns etwas Gutes zu tun! Sei es als Alternative zu Erholung, als Belohnung oder nur, um uns selbst zum Durchhalten zu motivieren. Wird dieses selbstvergönnte Verhalten nachhaltig wirken oder unsere Probleme bei der Wurzel packen? Ich glaube nicht. Im Gegenteil: Es macht alles nur noch schlimmer.

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Wo stehe ich? – Tertial 2025.II

Der Sommer ist vorüber (zumindest der meteorologische) und damit auch schon das zweite Tertial des Jahres. Also ist die Zeit ran für einen kleinen Zwischenstand: Wie steht es um meine Jahresziele?

Jahresmotto

Mit meinem Jahresmotto Ein Leben in Hülle und Fülle läuft es meines Erachtens sehr gut. Rückblickend stelle ich eine hohe Erlebnisdichte und ein erfülltes Lebensgefühl fest. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, recht genügsam zu leben.

Nix Neues

In den letzten vier Monaten habe ich tatsächlich nichts Neues gekauft. Es gab zwar hier und da ein impulsives Verlangen, aber ich habe mich bewusst zurückgehalten und etwaige Wünsche einfach auf eine Liste gesetzt. Meiner Erfahrung nach dümpeln solche Wunschzettel bei mir oft Jahre vor sich hin, weil ich, sobald ich dem spontanen Impuls widerstanden habe, Gründe finde, warum ich dieses oder jenes auf gar keinen Fall erwerben sollte.

In Hinblick auf meine Kleidung habe ich auch nichts Neues erworben. Zur Schuleinführung meines Patenkindes habe ich mir meinen Leinenanzug inklusive Hemd per Post schicken lassen, weil ich Dummbeutel vergessen hatte, ihn bei Abreise mitzunehmen. Da die Zustellung leider nicht geklappt hat, nahm ich dankbar das Angebot meines Papas an, eins seiner Hemden zu tragen. Hat gepasst und sah sogar schick aus. 🙃

Es gäbe sogar einige Kleidungsstücke, bei denen eine Neuanschaffung sinnvoll wäre, weil sie abgetragen sind. Das fällt mir insbesondere bei Socken auf. Bei allem anderen schätze ich, dass mein Partner das Nähen für sich entdeckt hat und damit kreativ wird. Ganz im Sinne des Jahresmottos hoffe ich darauf, Neuanschaffungen zumindest bis ins nächste Jahr verzögern zu können, und Kleidung erstmal “aufzutragen”. Meiner Beobachtung nach ist es in Zeiten allgegenwärtiger Verfügbarkeit und schneller Lieferung oft eine Frage, ob wir es aushalten, unserem initialen Impuls zu widerstehen. Mit meinem Motto gelingt mir das ganz gut. Spoiler: Bisher musste ich noch nicht nackt rumlaufen und sah scheinbar auch ansehnlich genug aus.

Aufbrauchen

Das läuft noch und ist ein fortwährender Prozess. Da mein Partner recht viel Honig konsumiert und ich bei jedem Glas denke, dass man es gut zum Süßen eines Tees nutzen könnte, indem man das Glas mit dem heißen Tee ausspült, hatten wir eines Tages ein recht stattliches Sammelsurium an Honiggläsern – bis die Wespen kamen. Als sich wegen des Honigduftes mehrmals täglich Wespen in unsere Küche verirrten, beschloss ich, dem ein Ende zu setzen und die Gläser zu entsorgen. Wenn man etwas partout nicht nutzt (beispielsweise trinke ich Tee prinzipiell nicht gesüßt), empfinde ich es auch in Ordnung, sich davon zu befreien.

Abgetaut wird dann wohl doch erst nächsten Winter. 🙈

Auswärtsessen beschränken

Hier verhält es sich fluide. Für mich habe ich erkannt, dass ich besser daran tue, das Auswärtsessen zu genießen, wenn ich es tue, anstatt mich dafür selbst zu verurteilen. Und das tue ich jetzt auch.

Reisen reduzieren

Bis Juli habe ich meine Reisen weitestgehend – wie es möglich war – reduziert. Seitdem sind einige Reisepläne hinzugekommen. Die Reduktion von Reisen werde ich deshalb als Vorhaben aufweichen. Große, teure Reisen wie in meinem Idealjahr angedacht, werde ich heuer zwar beschränken. Aber dem stehen zwei wesentliche Punkte gegenüber:

  1. Die bevorstehenden Reisen sind größtenteils beruflicher Natur oder, um Herzensmenschen zu besuchen. (Tatsächlich sind es so viele, dass ich noch gar nicht weiß, wie ich sie alle unterbekommen soll, aber das ist wohl ein Luxusproblem.) Da die einzige Möglichkeit, diese Menschen zu sehen, darin besteht, zu ihnen zu reisen, möchte ich mich dem nicht versperren.
  2. Durch eine abwechslungsreiche Umgebung ist meine Erlebnisdichte höher, weshalb ich sowohl die gegenwärtige erlebte Zeit als intensiver wahrnehme, als auch im Rückblick bei Erinnerungen. Auch dem möchte ich mich nicht verwehren.

Für mein ideales Jahr heißt das hingegen, dass es noch ein Stück weit utopischer geworden ist. So viel vor, so wenig Zeit! 😨

Aktivität statt Konsum

Rückblickend bin ich mit meinen Aktivitäten zufrieden. Generell habe ich den Eindruck, dass ich gelassener geworden bin, und einfacher hinnehmen kann, wenn etwas nicht mehr in einen Tag passt. Und gefühlt ist in der Retrospektive unheimlich viel passiert:

  • Ich nahm eine Retrospektive zu den Filmen Wes Andersons wahr und schaute so (mit Ausnahme eines Films) sein Komplettwerk. Das war grandios!
  • Endlich war ich mal wieder mit meinen Inline-Skates unterwegs.
  • Mit einer Freundin habe ich ein neues Sprachtandem gestartet, dem hoffentlich noch viele weitere Termine folgen werden.
  • In meiner Heimat war ich bei der Kulturnacht sowie zum 700-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung und in Folge dessen bei ein paar Konzerten.
  • Es gab trotz der Sommermonate ein paar Brettspieltage und -abende.
  • Die Sommermonate über habe ich einige eingeschlafene Beziehungen reaktiviert und war sehr froh darüber.
  • Den Sommer über habe ich Spaziergänge für mich entdeckt. #AWalkADayKeepsTheDoctorAway
  • Im Rahmen der Arbeit habe ich sehr viele schöne Abendstunden mit Kolleg*innen verlebt.
  • Nach 17 Jahren war ich mit Freunden zum ersten Mal wieder in Paris und habe jetzt noch mehr Dinge dort, die ich mir genauer anschauen möchte, als vor der Reise.
  • Dabei habe ich sowohl das Konzept von Gesangscafés …
  • … als vom Flussbaden für mich entdeckt.
  • Insgesamt war ich diesen Sommer drei Mal baden/schwimmen (2x Fluss, 1x See). Eine deutliche Steigerung für meine Verhältnisse.
  • Dieses Jahr war ich mal wieder beim CSD in Berlin und konnte es – dank exzellenter Vorbereitung – sogar richtig genießen, obwohl so viele Menschenmassen da waren.
  • Entgegen meines Habitus’, alles im Voraus zu planen, habe ich mich für mehr Spontaneität geöffnet.
  • Dabei habe ich erstaunlich viele Menschen kennengelernt.

All diesen Aktivitäten zum Trotz ist mir auch aufgefallen, dass ich öfter als mir lieb ist, mehr Zeit online verbringe, als ich möchte. Deshalb probiere ich im letzten Tertial dieses Jahres einmal, meinen digitalen Konsum im Internet auf eine gebündelte Stunde pro Woche zu beschränken.

Ziele

Meine Ziele habe ich im zweiten Tertial leider etwas deutlich aus den Augen verloren, wie sich in den einzelnen Bereichen zeigt.

Gesundheit

Zu meiner großen Freude kann ich sagen, dass sich meine Gesundheit blendend entwickelt hat – so zumindest mein Gefühl, denn im gesamten zweiten Tertiär hatte ich keine Gastritis. Was die Metriken anbelangt, hat es jedoch in einigen Bereichen gehakt.

Schlaf

Auf durchschnittlich zwischen sechs und siebeneinhalb Stunden Schlaf kam ich im zweiten Tertial überhaupt nicht. Im Mai klappte das noch einigermaßen (∅ 6h 10min), ab Juni habe ich es jedoch nicht mehr über sechs Stunden geschafft: ∅ 5h 31min, ∅ 5h 34, ∅ 5h 53min im August – in Summe also mit durchschnittlich ∅ 5h 47min zu wenig.

Im Gegensatz zum ersten Tertiär sind mir ein paar Unterschiede aufgefallen:

  1. Oft schaffe ich es nicht zeitig genug ins Bett.
  2. Aufgrund der früh aufgehenden Sonne im Sommer wache ich oft früher auf, als ich eigentlich möchte.
  3. Nicht nur in arbeitsreichen Zeiten schlafe ich zu wenig, sondern oft auch, weil ich mich nicht aus den Weiten des Internets lösen kann.

Insbesondere der letzte Punkt ist essentiell für meine Schlafhygiene und meines Erachtens mein größter Hebel, auf den ich mich im letzten Tertiär für meinen Schlaf konzentrieren werde.

Außerdem habe ich mich an einem Experiment versucht: Konkret wollte ich meinen Tagesrhythmus so anpassen, dass die Zeitumstellung und Schwankungen bei der Sonnenauf- beziehungsweise -untergangszeit mich nicht komplett aus der Bahn werfen. Damit bin ich kläglich gescheitert. Denn noch eine Erkenntnis hatte ich: Ich gehöre zum Chronotyp Eule und sollte das akzeptieren, statt vergeblich dagegen anzuarbeiten.

Sozialleben

Kein anderes Teilziel erreiche ich so leicht wie dieses. Im gesamten Jahr habe ich es jede Woche erreicht. Kein Grund zur Sorge also.

Sport

Hiermit bin ich nicht zufrieden. Mit durchschnittlich 2,18 Sporteinheiten je Woche im zweiten Tertiär liege ich weit unter meinem Ziel. Meine Erkenntnisse:

  1. Im Sommer fällt es mir früh leichter, Sport zu machen, als abends nach der Arbeit, was unter anderem auch an der Hitze liegt.
  2. Damit es früh gelingt, muss ich jedoch am Abend zuvor zeitig genug ins Bett gehen. Kein leichtes Unterfangen, vor allem nicht, wenn es bis so spät abends hell ist.
  3. Insgesamt haben es mir Erwerbsarbeit und Pendeln erschwert, meine sportlichen Vorhaben einzuhalten. Mangels bevorstehendem Wettkampf gab es in dieser Hinsicht leider auch kein motivierendes Ziel.

Mit meiner Chronotypenepiphanie lautet die entsprechende Schlussfolgerung nun eigentlich, prinzipiell eher abends Sport zu machen, auch wenn es mehr Überwindung kostet. Im Winter dürfte das jedoch reichlich unangenehm werden, weil es schon so zeitig dunkel wird. Eine richtige Lösung habe ich noch nicht, außer die Erkenntnis, dass ich immer dann Sport machen sollte, wann es mir möglich erscheint. Dass mir der berühmt-berüchtigte innere Schweinehund einmal solche Schwierigkeiten bereiten würde, hätte ich selbst nie erwartet.

Prinzipiell fällt mir Sport leichter, wenn er mir Freude bereitet. Diese Freude empfinde ich jedoch im Voraus selten bei stumpfen Kraftsportübungen (Im Nachhinein sieht das anders aus!), sondern bei der Aussicht auf Laufsport, Schwimmen, Paddeln, Wandern und Skaten. Den Laufsport habe ich auf Empfehlung meiner Dermatologin stark zurückgefahren. Aber im Übrigen greife ich besser auf die Sportarten zurück, die mir Freude bereiten, um ISH zu überwinden.

Ernährung

Nach wie vor benötige ich meinen Go-to-Speiseplan für Gastritis-freie Zeiten. Zwar hatte ich zwei inspirierende Bücher über Meal-Prepping über Monate aus der Bibliothek ausgeliehen, aber daraus folge leider nichts. Teil des Problem bestand darin, dass ich einen Großteil des Sommer überhaupt nicht zu Hause war und entsprechend in der Kantine, bei meinen Eltern oder auswärts aß.

Erfreulicherweise habe ich bei meinen Eltern vergleichsweise viel gebacken. In diesem Zuge ist mir auch bewusst geworden, dass ich damit im Grunde auch jeden Tag den ganzen Tag verbringen kann. #hausmann

Ruhe

Dieser Aspekt lief nicht gut und bedarf dringend für den Rest des Jahres mehr Aufmerksamkeit. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. 🙈

Karriere

In meiner Freiberuflichkeit komme ich finanziell aktuell zurecht. Natürlich wäre es gut, mehr einzunehmen und mehr Kundschaft zu haben, damit ich mir selbst ein höheres Gehalt auszahlen kann und mehr Geld zur Seite legen kann. Aktuell bin ich jedoch darauf bedacht, mit meinen Einnahmen möglichst lang über die Runden zu kommen.

Die bürokratischen Mühlen haben sich beinahe alle eingelaufen. Manches dauert leider unerhört lang, aber da ich daran ohnehin nichts ändern kann, rege ich mich darüber auch nicht auf. 😌

Weiterhin arbeite ich weiter daran, mehr zahlende Kundschaft zu akquirieren. Die aktuelle wirtschaftliche Lage macht es nicht leichter, aber ich möchte nicht jammern, sondern wirken.

Am wichtigsten ist für mich aber, dass ich bei meinem aktuellen Beruf mehr Spaß denn je habe – trotz einiger durchgearbeiteter Nächte. Und das hat für mich einen ungeheuer hohen Stellenwert. Natürlich muss ich trotzdem auf mich Acht geben, denn durchgemachte Nächte erhöhen kommen stets zu einem hohen Preis. Da hilft auch Chronotyp Eule nichts.

Außerdem ist mir aufgefallen, wie schlecht ich ohne externe Deadline funktioniere. Hier möchte ich dringend mir arbeiten. Es muss doch irgendwie möglich sein, mein Unterbewusstsein auszutricksen, auch wenn ich weiß, dass eine von mir selbst gesetzte Frist keine Konsequenzen hat …

Bildung

Es ist mir sehr unangenehm, aber Stand 31.08.2025 hänge ich noch immer beim selben Buch wie vor vier Monaten. Dabei ist es gar nicht mal so übel und auch nicht so lang! Doch oft, wenn ich unterwegs bin, lese ich stattdessen online oder mache Sprachübungen. Allerdings bin ich in den Endzügen, versprochen!

Um mein Bildungsziel von zwölf fertig gelesenen Büchern zu erreichen, möchte ich hier in den verbleibenden Monaten etwas Fahrt aufnehmen. Jeden Monat zwei Bücher sollten es schon werden. Eigentlich klingt es gar nicht so viel. Notiz an mich selbst: Halte dich strikt an den Leseplan!

Langfristig würde ich jedes Jahr gern einen deutsch- und einen englischsprachigen Klassiker lesen. Da ich Mathe-Leistungskurs belegte, verspüre ich hier einige Defizite. Tatsächlich habe ich auch noch einige zu Hause liegen. An Lesestoff mangelt es also nicht. Damit wird mein Buchembargo wohl noch eine Weile bestehen bleiben. (Neue Bücher kommen dennoch regelmäßig ins Haus, weil mir Menschen weiterhin Bücher schenken – oft sogar unerwartet. 😋

Und wo wir schon beim Thema Defizite sind: Auf die Frage meines Partners, was ich heute studieren würde, wenn Geld und sozialer Erwartungsdruck keine Rolle spielen würden, wusste ich erstmal gar nichts zu sagen. Denn das, was ich unbedingt studieren wollte, habe ich ja schon: Film im Allgemeinen und Drehbuch im Speziellen per Weiterbildung.

Doch dann fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass ich gern über mehr musikalische Bildung verfügen würde. Das blieb während meiner Jugendzeit leider liegen. Damals habe ich ja schon allerhand gemacht, aber für mehr Musikstunden war nie Raum, obwohl ich bei meinen Eltern gelegentlich autodidaktisch am Harmonium spiele. Das würde ich im kommenden Jahr gern ändern. Dieses Jahr harmoniert es leider so überhaupt nicht mit meinem Jahresmotto, denn im Grunde brauche ich ein Instrument zum Üben zu Hause. Da passt die Neuanschaffung eines E-Pianos oder einer Orgel nicht so wirklich. 😇

Das wiederum hat mir vor Augen geführt, dass es so viele Dinge gibt, die ich gern noch lernen würde: Stricken, Töpfern an der Scheibe, Einrad fahren, Jonglage, Kräuterkunde, diverse Sprachen, … – um nur ein paar zu nennen. So viel zu lernen, doch so wenig Zeit! In meiner Umgebung beobachte ich oft, wie Menschen ihre Wünsche in die Zukunft verschieben, wieder und wieder. Das finde ich schade. Denn wer weiß schon, ob man in der Zukunft noch dazu kommt?

Deshalb schaffe ich mir lieber im Hier und Jetzt Raum dafür. Im Speziellen habe ich mir für die nächsten Monate Stricken rausgesucht. Das passt einerseits zur Jahreszeit Herbst. Andererseits habe ich vor Jahren schon ein Buch und Zubehör dazu geschenkt bekommen, weshalb sich der Materialaufwand erstmal in Grenzen hält.

Ausblick auf die nächsten vier Monate

Das letzte Drittel des Jahres verspricht, herausfordernd zu werden: Einige kürzere Reisen stehen ebenso bevor wie Arbeit, Projekte und meine ganz persönlichen Ziele, auf denen ich noch einige Meter schaffen möchte. Und dann steht ja auch schon wieder der Festtagsmonat an. (Ob ich es heuer wohl schaffe, früher mit dem Besorgen von Zutaten und Backen anzufangen? 🤔)

Wie war dein Sommer? Hast du bei deinen Zielen das Gefühl, dich auf einer Zielgerade zu befinden, oder geht es für dich gerade erst los, weil dein Jahr eigentlich im September erst beginnt? Über Einblicke in den Kommentaren freue ich mich!

Alles Liebe
Philipp

Anregungen für eine gelingende Verkehrswende

Dieses Jahr feiert die Verkehrswende bereits ihr 50-jähriges Bestehen. Gruselig, dass wir noch nicht weiter gekommen sind, oder? Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, wie strittig und politisch geladen das Thema ist. Doch da wir seit wenigen Wochen ja nun doch über eine neue Bundesregierung verfügen, bietet es sich an, die Diskussion mal wieder aufleben zu lassen.

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Wo stehe ich? – Tertial 2025.I

Hoppla! Soll wirklich schon ein Drittel des Jahres vorüber sein? Der Kalender sagt eindeutig Ja. Also wird es Zeit für einen kleinen Zwischenstand bei meinen Zielen und Vorhaben!

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Der Ziel-Rapport 2025

Um den Jahreswechsel herum schaue ich für gewöhnlich zurück und nach vorn: Was hat gut geklappt im alten Jahr? Was möchte ich im neuen Jahr erreichen? Hier kommt mein Ergebnis und der neue Ausblick.

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Alt werden

Die nächsten Tage und Wochen geht es in unserem Kulturkreis wieder viel um den Tod und gewissermaßen auch das Leben danach. Man kommt quasi gar nicht umhin, sich zu fragen, wie man selbst zum Tod steht und wie alt man eigentlich werden möchte. Wie würdest du darauf antworten?

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