Der Ziel-Rapport 2026

Den Januar und Februar habe ich heuer nicht nur dafür genutzt, um meine Ziele aus dem Vorjahr auszuwerten und daraus Schlüsse für meine neuen Ziele zu ziehen. Stattdessen möchte ich dieses Jahr noch einen Schritt weiter gehen und meine Ziele als solche generell hinterfragen.

Meine Ziele aus 2025

Zum schnellen Überblick (die ausführliche Auswertung folgt darunter) –Anfang 2025 hatte ich mir folgende Ziele gesteckt:

  1. Gesundheit – nachhaltige Routinen etablieren
    • im Kontrollzeitraum durchschnittlich zwischen 6,25 und 7,5 Stunden nächtlich schlafen 🚫
    • jede Woche im Kontrollzeitraum zumindest mit mindestens einem Herzensmenschen reden oder anderweitig Zeit verbringen ✅
    • durchschnittlich drei Trainingseinheiten pro Woche 🚫
    • einen wöchentlichen Speiseplan erarbeiten ✅
    • jeden (Arbeits-)Tag im Kontrollzeitraum mindestens eine Stunde für Meditation, Spaziergänge oder Lesen 🚫
    • jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne 🚫
  2. Karriere – bis Ende des Jahres mindestens drei verschiedene zahlende Kund*innen 🚫
  3. Bildung – bis Ende des Jahres mindestens 12 Bücher fertig lesen 🚫

Auf den ersten Blick wirken die Ergebnisse durchwachsen und eher negativ. Für mich fühlt es sich allerdings wie das Gegenteil an, denn ich habe ungeheuer viel über mich selbst gelernt. Was hat also gut geklappt und woran sind meine Ziele gescheitert?

1. Gesundheit – nachhaltige Routinen etablieren

Gesundheit hatte ich zwar bewusst an erste Stelle gesetzt, allerdings unterschätzt, wie stark mich mein erstes Jahr in der mobilen Selbstständigkeit sich auf meinen Alltag und meine Energielevel auswirken würde.

Schlaf

Hierbei beschränkte ich auf meinen selbst gewählten Kontrollzeitraum von 01.03. bis 30.11. Den hatte ich bewusst gewählt, weil ich weiß, wie schwer mir das Erreichen von Zielen im Winter fällt. Das gilt allerdings nicht für Schlaf, denn im Winter schlafe ich tendenziell mehr als im Sommer, was sich negativ auf meine Bilanz auswirkt:

Monatø Schlafmenge
Januar6h 50min
Februar6h 9min
März6h 3min
April5h 43min
Mai6h 10min
Juni5h 31min
Juli5h 34min
August5h 53min
September6h 8min
Oktober5h 40min
November5h 58min
Dezember5h 58min

Damit liegt meine durchschnittliche Schlafmenge im Kontrollzeitraum bei 5h 51min. Betrachtet auf das gesamte Jahr liegt sie bei 5h 58min. Beides schrammt an meinem Ziel vorbei und bedarf einer gesünderen Zu-Bett-geh-Routine. Was kann ich konkret verbessern?

Schon mehrere Male habe ich darüber geschrieben, wie sehr mich die Umstellung der Uhren belastet. Ehrlicherweise muss ich mir aber eingestehen, dass meine selbstverstverschuldeten Abweichungen im Schlafverhalten einen wesentlich größeren Einfluss auf meine Gesundheit haben dürften. Arbeitsbedingt habe ich wesentlich mehr Nächte durchgemacht, als mir lieb und für meinen Körper gesund ist.

Außerdem sollte ich mir generell eine gesündere Schlafhygiene zu eigen machen, beispielsweise indem ich abends ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr Bildschirmlicht ausgesetzt bin und schlichtweg zeitiger ins Bett gehe – auch, wenn es mir schwer fällt. Zwar bin ich nach wie vor eher Chronotyp Eule als Lerche, allerdings habe ich auch gelernt, dass ich morgens gewisse Tendenzen habe, nach einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr wirklich schlafen zu können.

Sozialleben

Dieses Ziel habe ich als einziges mit Leichtigkeit erreicht. Deshalb brauche ich mir hier künftig erstmal keine Gedanken mehr machen. Zwar erachte ich es weiterhin als wichtige Säule meiner Gesundheit, aber die steht auf einem stabilen Fundament und bedarf deshalb vorab keiner Steuerung mehr. Mein Sozialleben ist erfreulicherweise ein Selbstläufer und braucht kein Ziel, das ich verfolge.

Sport & Bewegung

Auch die waren sehr stark von meinem Arbeitsalltag und meinem Leben unterwegs beeinflusst. Insgesamt habe ich leider nicht so viel Sport gemacht, wie ich mir vorgenommen hatte. Womöglich liegt es auch daran, dass ich mich nicht für einen Marathon angemeldet hatte, der mich zu mehr Training gezwungen hätte, um ihn überhaupt absolvieren zu können.

Insgesamt hatte ich im Kontrollzeitraum 86 Sporteinheiten absolviert, was in etwa 2,39 Sporteinheiten pro Woche entspricht. Auf durchschnittlich 3 Sporteinheiten pro Woche kam ich im letzten Jahr also nicht. Allerdings sind mir zwei Dinge aufgefallen:

  1. “3 Sporteinheiten pro Woche” ist mir als Ziel zu vage, weil man nie den Eindruck gewinnt, es irgendwann geschafft zu haben. Denn kaum hat man das Ziel in einer Woche erreicht, steht schon wieder die nächste Woche vor der Tür.
  2. Hilfreicher erweist sich für mich ein Stichtag. In November setzte ich mir beispielsweise als Ziel, innerhalb des Monats 12 Sporteinheiten zu absolvieren. Das führte zwar dazu, dass ich in der letzten Woche jeden Tag Sport machte, um mein Ziel zu erreichen, war in Summe aber effektiver als “jede Woche drei Sporteinheiten”. Beides bedeutet inhaltlich dasselbe, aber Ersteres wirkt bei mir psychologisch motivierender.

Was die Zielsetzung anbelangt setze ich mir für das neue Jahr deshalb eine konkrete Gesamtsumme anstelle einer Quote.

Ernährung

Für mein Ernährung wollte ich einen Go-to-Speiseplan entwickeln, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann, um mein Meal-Prepping zu vereinfachen – egal, ob ich gerade von einem Arbeitseinsatz in einer anderen Stadt, einem Heimatbesuch oder aus dem Urlaub zurückkehre.

Zu Beginn des Jahres fiel mir direkt auf, dass ich im Grunde sogar zwei benötige: Einen für, wenn ich gerade Gastritis habe, und einen für den Rest der Zeit, weil die Diät bei Gastritis dann auf Dauer doch etwas einseitig ist. Der Gastritis-Speiseplan war schnell aufgestellt. Bei dem anderen gestaltete es sich so schwierig, dass ich das Ziel sogar schon verwerfen wollte.

Größtes Problem: Wenn ich auswärts arbeite, bekomme ich in einer Kantine Essen. Arbeite ich hingegen von zuhause aus, ist mit der Essensbeschaffung so viel Zeit verbunden: Mahlzeiten planen, Rezepte recherchieren, Lebensmittel einkaufen, Kochen, Geschirr spülen (Nein, wir haben keine Geschirrspülmaschine.), … Das summiert sich und ist im Alltag kein Posten, den ich mitdenke. Deshalb erschien mir die Idee, eine festgelegtes Rezept pro Wochentag zu haben, das sich schnell mit gut gut lagerbaren Standardzutaten umsetzen lässt, als hervorragend.

In der Praxis kam ich jedoch nicht mal dazu, Rezepte zu recherchieren. Zwar lieh ich mir ein paar Bücher passend zum Thema aus, aber andere Dinge wie Erwerbsarbeit drängten sich ständig in den Vordergrund. Ehrlich gesagt war ich deshalb auch sehr frustriert und frage mich wirklich, wie andere Menschen das hinbekommen.

Kurz vorm Jahreswechsel benötigte ich für ein paar Tage auswärts mit Freunden zwei Mittagsgerichte für mich allein, weil nicht alle zu Mittag essen wollten. Da ich mich im Urlaub befand, plante ich zunächst, mich selbst zu verwöhnen, und wollte mir jeweils etwas Ausgefallen zaubern. Doch noch beim Lebensmitteleinkauf merkte ich, dass sich der Aufwand für mich allein überhaupt nicht rechnet. Und tatsächlich koche und backe ich einfach nicht gern für mich allein. Also fiel meine Wahl auf Tiefkühlfertiggerichte.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Tiefkühlfertiggerichte sind die ideale Lösung für mich. Sie lassen sich zu Hause hervorragend lagern, lassen sich schnell in einer Pfanne ohne großen Aufwand zubereiten und sind perfekt portioniert. OK, zugegeben: Was Hersteller als vier Portionen verkaufen entspricht einer Philipp-Portion.

Tiefkühlware genießt, da wo ich herstamme, wahrlich nicht den besten Ruf. Mir ist durchaus bewusst, dass es besser wäre, komplett mit frischen Zutaten zu kochen. Aber meine Lebensrealität ist eine andere, an die Qualität von Kantinenessen kommt es allemal heran, wenn man nicht gerade zu Pommes und Nuggets, sondern gemüsehaltigen Gerichten greift. In jedem Fall ist es so immer noch besser, als wenn ich gar nichts Gekochtes essen würde. Ziel erreicht!

Ruhe

Dieser Bereich lief überhaupt nicht gut. Ursprünglich vorgenommen hatte ich mir:

  • Jeden (Arbeits-)Tag im Kontrollzeitraum mindestens eine Stunde für Meditation, Spaziergänge oder Lesen.
  • Jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne.

Funktioniert hat keines von beidem so wirklich. In Summe hatte ich insgesamt im Kontrollzeitraum von neun Monaten zehn Tage ohne Pläne. Bei der täglichen Stunde für Meditation, Spaziergang oder Lesen kann ich nicht einmal so genau zu sagen, wie es eigentlich lief, weil zum Ende des Jahres hin auch meine Protokollierung sehr lückenhaft geworden ist. Aber das spricht ja schon für sich. Dennoch lassen sich daraus für mich ein paar Rückschlüsse ziehen:

  1. Protokollierung per Hand wird mir schnell zu viel, wenn ich zu viele Dinge gleichzeitig tracken möchte.
  2. Insgesamt hatte ich – abgesehen von besonders arbeitslastigen Spitzen – letztes Jahr nicht den Eindruck, zu wenig erholt gewesen zu sein.
  3. Unruhe im eigentlichen Sinn entstand bei mir vor allem durch zwei Faktoren:
    • Einerseits war ich über das Jahr gesehen arbeitsbedingt sehr viel unterwegs, hauptsächlich zwischen meiner Wahlheimat Berlin und Lüneburg als Auftragsorts für die Erwerbsarbeit.
    • Andererseits war ich auch privat viel unterwegs, was im letzten Quartal des Jahres seinen absoluten Höhepunkt erreichte, sodass ich über alle zusammenhängenden Tage, die ich in Berlin verweilen konnte – auch wenn ich mich zwischenzeitlich schon fragte, warum ich in Berlin überhaupt noch eine Wohnung mietete.

Konkret nehme ich aus diesem Bereich deshalb mit ins neue Jahr, dass ich mich bei der Ruhe ruhig etwas mehr entspannen darf – darum geht es schließlich! Außerdem möchte ich weniger oft dieselbe Strecke hin- und zurückfahren und stattdessen länger am Stück an einem Ort verweilen.

2. Karriere – erfolgreich in die Selbstständigkeit starten

Ein großer Wechsel ging im letzten Jahr mit meinem Schritt in die vollumfängliche Selbstständigkeit einher. Deshalb setzte ich mir als Ziel, bis Ende des Jahres mindestens drei verschiedene zahlende Kund*innen zu gewinnen. Das hat nicht geklappt und war auch ein unkluges Ziel.

Rückblickend bin ich dennoch zufrieden mit meinem ersten Jahr als freischaffender Drehbuchautor, denn es ist mir gelungen, von meinen erwirtschafteten Einnahmen gut zu leben. Nichtsdestotrotz werde ich künftig mehr Kund*innen benötigen, woran ich auch weiter arbeiten werde. Ein guter Grundstein dafür ist bereits gelegt, aber für das komplette Fundament braucht es noch etwas mehr Zeit.

Woran scheiterte dieses Ziel also? Im Grunde genommen an sich selbst. Denn so, wie ich das Ziel formuliert hatte, lag es überhaupt nicht ausschließlich in meiner Macht, es zu erreichen. Dass die wirtschaftliche Lage schwierig ist, mag zwar stimmen, soll aber keine Entschuldigung sein. Ungeachtet dessen sind aber Entscheidungszeiträume bei Film und Fernsehen sehr langwierig. Viele Projekte brauchen Jahre, bis sie erste Früchte tragen. Das einzige, was ich letztlich tun kann, ist am Ball zu bleiben und mehr kreativen Ausstoß zu erzeugen.

3. Bildung – mehr Bücher lesen

Bei mir und den Büchern steckt irgendwie der Wurm drin. Bis Ende des Jahres wollte ich mindestens 12 Bücher fertig gelesen haben. Geschafft habe ich gerade mal vier.

Womöglich liegt es daran, dass ich bereits beruflich so viel lese, dass es mir schwer fällt, oder schlichtweg die Tatsache, dass der Griff zum elektronischen Gerät, um im Netzt etwas zu lesen, quasi allgegenwärtig schneller ist, oder eine Mischung aus beidem. In jedem Fall ist es mir nicht langfristig gelungen, eine tägliche Leseroutine zu etablieren. Da hat es mir auf Dauer auch nichts genützt, mir ein Buch per Seitenzahl auf Abende aufzuteilen.

Im Grunde sind mir die gelesen Bücher im Jahr auch egal. Vordergründig wünsche ich mir eine durchgängigere Leseroutine. Wenn ich dabei noch das eine oder andere Buch zu lesen schaffe, freut mich das umso mehr. Aktuell habe ich eher das Gefühl, dass die Menge an Büchern im Haushalt trotz Buchembargo mehr wird, weil mir liebe Menschen aufmerksamerweise weiterhin welche schenken, ich aber auch Bücher aus der Bibliothek lese, die dann ja nicht mal zum permanenten Bücherstand im Haushalt zählen. Die Frage besteht also darin, wie ich eine umfassendere Leseroutine etablieren kann.

Paradigmenwechsel

Schon seit ein paar Jahren strebe ich an, weniger Wert auf meine Ziele, als auf Systeme zu setzen, die mir eine geschmeidig laufende Umsetzung ermöglichen. Das klappt mal besser, mal schlechter. Neues Jahr, neuer Versuch. Was mache ich also heuer anders?

Kontrollzeitraum adé

In jedem Fall werde ich künftig auf einen Kontrollzeitraum verzichten. Die Zeit, die ich für die Protokollierung benötige, um die Daten nur für den entsprechenden Zeitraum herauszufiltern, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Händisch herauszufiltern, welche Tage in den Kontrollzeitraum, auf Wochenenden sowie Kranken- oder Urlaubstage fallen, ist mir zu zeitintensiv. Da nutze ich lieber die automatischen Tracking-Feature meiner Smartwatch, wo auch immer möglich, beispielsweise beim Schlaf. Warum mir selbst das Leben unnötig verkomplizieren?

Zielmarken flexibel halten

Prinzipiell halte ich es für eine gute Idee, sich Ziele zu setzen, weil man damit sich selbst eine Richtung vorgibt, in die man sich entwickeln möchte. Mit dem Ziel allein ist es jedoch nicht getan. Um es zu erreichen, braucht es Systeme, mit denen man den eigenen Zielen kontinuierlich näher kommt.

Manchmal reicht das jedoch nicht aus. Obwohl man sich rigoros an ein System gehalten hat, kann ein Ziel aufgrund von Krankheit oder anderen Hindernissen nicht erreicht werden. Das wiederum kann auf Dauer sehr stark am Selbstwertgefühl nagen, weil man sich lediglich auf das Ziel konzentriert, aber nicht auf den Weg, den man bereits zurückgelegt hat.

Letzteres ist jedoch nötig, um sich vor Augen zu führen, welche Fortschritte man über die Jahre bereits erreicht hat – auch wenn es für das ursprüngliche Ziel nicht genügt haben mag. Wenn ich meine Zielmarke bei 100% ansetze, aber nur 99% erreiche, habe ich das Ziel faktisch nicht erreicht. Dennoch sind 99% ein riesiger Fortschritt!

Die Idee flexibler Zielmarken ist nicht neu, aber auch nicht sonderlich stark verbreitet. Deshalb einmal kurz zur Erklärung: Im Grunde geht es lediglich darum, die eigenen Ziele regelmäßig auf Machbarkeit im Alltag zu überprüfen. Stelle ich fest, dass ich ein Ziel zu einfach erreiche, kann ich es dann für den Folgezeitraum erhöhen. Bemerke ich, dass ich das Ziel nicht erreicht habe, passe ich es automatisch nach unten an, um das Ziel realistischer zu halten.

Ein sehr gutes Beispiel dafür sind Bücher: Seit Jahren möchte ich mehr davon fertig lesen. Regelmäßig stelle ich wieder fest, dass es nicht geklappt hat. Anstatt starr an diesem Ziel festzuhalten, passe ich es nach unten an. Letztes Jahr habe ich gerade mal vier anstelle von den geplanten 12 Büchern geschafft. Also wäre es naiv, anzunehmen, dass ich im neuen Jahr wesentlich mehr Bücher schaffen würde. Denn in meinem Alltag an sich werden generell nicht wesentlich mehr Freiräume entstehen.

Ziele SMART definieren

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir vornehme, Ziele nach dem SMART-Framework festzusetzen. Allerdings ist mir in der Retrospektive häufiger aufgefallen, dass sie dem doch nicht genügen.

Zur einfacheren Erklärung: SMART ist ein Akronym, das als Hilfestellung dienen soll, um Ziele so zu formulieren, dass sie realistisch erreichbar werden. Die einzelnen Buchstaben stehen für:

BedeutungÜbersetzungErklärung
SpecificspezifischDas Ziel soll so konkret wie möglich formuliert sein und keinen Raum für vage Interpreationen lassen.
MeasurablemessbarDas Ziel soll sich eindeutig messen lassen, um definitiv bestimmen zu können, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht.
AchievableerreichbarDas Ziel soll unter Einbeziehung der Rahmenbedingungen realistisch erreichbar sein.
RelevantrelevantWenn ein Ziel keine Relevanz für mich hat, braucht es auch kein Ziel zu sein.
Time-boundzeitgebundenDas Ziel soll durch einen konkret vorgegebenen Zeitrahmen abgesteckt sein.

Mit Blick auf meine Ziele aus den vergangenen Jahren kann ich einige ausmachen, die einem oder mehreren dieser Kriterien nicht gerecht geworden sind:

  • “Jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne ” aus dem letzten Jahr war spezifisch, messbar und zeitgebunden, aber schlichtweg nicht realistisch und, wie sich im Nachhinein herausstellte, auch gar nicht so relevant.
  • “Einen Prototypen für ein neues Spiel entwickeln” war 2024 zumindest in der Theorie erreichbar und zeitgebunden, aber nicht spezifisch genug (Ab welchem Punkt der Entwicklung gilt ein Prototyp als solcher?) und in der Folge auch nicht messbar. Darüber hinaus erschien das Ziel aufgrund meines Interesses durchaus als relevant, verlor im Vergleich zu anderen Bereichen in meinem Leben jedoch derart an Priorität, dass ich die Relevanz rückblickend in Frage stellen muss.
  • Meine ideale Woche als Standard etablieren” aus dem Jahr 2023 war weder spezifisch (Was bedeutet “als Standard”?), noch messbar (Ab wie viel Wochen Erfüllung gilt es als Standard?), noch erreichbar (Philipps Ideale vs. Realität). Relevant war es zum damaligen Zeitpunkt durchaus, da ich aus einem Job kam, der sehr viele Opfer forderte, zu denen ich nicht länger bereit war. Das Kriterium der Zeitgebundenheit sehe ich jedoch auch nicht als gegeben, denn selbst wenn ich es 2023 als Standard etabliert hätte, wäre noch einiges an Aufwand nötig gewesen, diesen Zustand auch dauerhaft in den folgenden Jahren aufrecht zu erhalten.

Der Blick zurück zeigt mir recht deutlich, dass ich mir das SMART-Framework durchaus häufiger in Erinnerung rufen darf, um sie auf Herz und Nieren zu prüfen. Insbesondere der Punkt Relevanz zeigt sich oft als nicht gegeben. Das fällt mir beispielsweise auch dann auf, wenn ich zu Beginn des Jahres darüber nachdenke, wie viele Blogbeiträge ich im Jahr gern veröffentlichen möchte. Bin ich jedoch ehrlich mit mir selbst, spielt die Anzahl an veröffentlichten Blogbeiträgen überhaupt keine Rolle für meine tatsächlichen Ziele. Deshalb möchte ich neben dem SMART-Framework als Ganzes insbesondere dem Kriterium Relevanz künftig mehr Aufmerksamkeit schenken.

Das Pareto-Prinzip auf Ziele anwenden

In der preußisch-protestantischen Kultur, in der ich aufgewachsen bin, hat sich mir ein Glaubenssatz besonders eingebrannt: “Entweder du machst etwas richtig oder gar nicht.” Heute wundere ich mich sehr über diesen Unsinn. Natürlich kann ich meine privaten Ziele mit solch einer totalen Denkweise angehen. Doch für hilfreich halte ich es nicht.

Stattdessen möchte ich das Pareto-Prinzip auch für meine Ziele nutzen. Im Grunde besagt das Pareto-Prinzip, dass man mit 20% der Ressourcen 80% eines Ziels erreicht. Für die übrigen 20% verwendet man hingegen die übrigen 80% der Ressourcen. Ein geläufiges Beispiel ist ein Textentwurf: Der erste Entwurf steht schnell, aber man ist noch nicht zufrieden. Also feilt man weiter und weiter an den Details, bis man der Meinung ist, es geschafft zu haben. Doch gerade die kleinen Details benötigen am meisten Zeit. Freilich möchte man für ein Meisterwerk das Beste geben und, dass jedes kleinste Detail stimmt. Aber nicht alles, was wir tun, muss ein Meisterwerk werden. Oft sind 80% völlig ausreichend.

Die Schwierigkeit besteht darin, für sich zu erkennen, wann dies der Fall ist, und, wann man sie erreicht hat. Deshalb ist es umso wichtiger, dass meine Ziele messbar sind. Denn dann kann ich 80% an einer konkreten Zahl festmachen. In jedem Fall sollen mir die 20% Reduktion Raum fürs Scheitern lassen.

Freiräume lassen

Wo wir schon beim Thema sind: Mit den Zielen “Jeden (Arbeits-)Tag im Kontrollzeitraum mindestens eine Stunde für Meditation, Spaziergänge oder Lesen” und “Jede Woche im Kontrollzeitraum mindestens einen Tag ohne Pläne” lief es im vergangenen Jahr überhaupt nicht gut. Und auch meine vor einigen Jahren ausgemachte ideale Woche hat sich langfristig nicht behaupten können – abgesehen davon, dass sich meine Ansprüche fortlaufend weiterentwickeln.

Kernproblem ist hier oft, dass mein Terminkalender zu voll ist. Auch wenn ich mir einen Tag ohne Pläne oder eine freie Stunde am Abend vornehme, werden die im Handumdrehen von anderen Tätigkeiten verdrängt. Was ich entsprechend benötige sind mehr Pufferzonen. Die möchte ich auf drei Arten erreichen.

  1. In meinem Kalender halte ich mir Abende und Samstage zunächst prinzipiell frei.
  2. In meinem Kalender arbeite ich mit Zeiteinheiten von 45 Minuten statt einer vollen Stunde.
  3. In arbeitsreichen Zeiten streiche ich alle Termine, die nicht unbedingt nötig sind.

Der erste Punkt bedeutet natürlich nicht, dass ich abends oder samstags nie Pläne haben werde. Aber er nimmt Druck raus. Indem ich von vornherein keine Termine auf diese Zeiträume lege, gebe ich mir selbst nicht das Gefühl, die Zeit noch unbedingt nutzen zu müssen. Stattdessen ist Gammeln ausdrücklich erlaubt. Wenn es mich packt und ich etwas anderes machen möchte: Gern! Alles kann, aber nichts muss. In eine ähnliche Scharte zielt der zweite Punkt. Indem ich mit akademischen Stunden anstelle von vollen Stunden plane, entstehen hier und da Lücken, um die unweigerlich auftretenden Verzögerungen aufzufangen.

Der dritte Punkt ist eine Neuerkenntnis aus dem letzten Jahr: Ein einheitlicher Kalender funktioniert in meinem Alltag nicht. Entgegen Menschen, die einem geregelten 9-to-5-Job nachgehen, wechseln sich bei mir besonders erwerbsarbeitsreiche und -reduzierte Phasen ab. In letzteren kann ich meine Zeit frei einteilen. In den anderen weniger, da mir generell weniger freie Zeit zur Verfügung steht. Dem trage ich Rechnung, indem ich meinen Kalender in den ohnehin dichten Phasen von allen persönlichen Projekten entschlacke.

Gesunde Gewohnheiten etablieren

Ganz im Sinne von Systemen strebe ich mehr gesunde Gewohnheiten an. Diesbezüglich bin ich vor Kurzem im Internet auf eine interessante Unterscheidung zwischen Gewohnheiten und Routinen gestoßen:

Gewohnheiten sind der Autopilot unseres Gehirns, der ohne großen Energieaufwand als Selbstläufer funktioniert – oft geschieht dies unbewusst. Routinen bestehen aus Abläufen, die wir bewusst exerzieren, allerdings benötigen wir dafür die nötige Motivation und Disziplin. Wenn wir Routinen lang genug befolgen, entwickeln sich daraus Gewohnheiten. Oft scheitert es jedoch an der Motivation und/oder Disziplin, so lang durchzuhalten. Entsprechend können sich auch ganz unbewusst ungesunde Gewohnheiten einschleichen: Die wiederkehrende Nascherei, das alltägliche Feierabendgetränk, der wiederholte automatisierte Griff zum Handy am Morgen, …

Deshalb möchte heuer jeden Monat einer neuen gesunden Gewohnheit widmen. Welche das werden, entscheide ich von Monat zu Monat nach meinen persönlichen Bedürfnissen. Auch hier werde ich Pareto anwenden und als Zielmarker 80% der Tage des Monats wählen. Daraus ergeben sich für Monate mit 31 Tagen die Zielquote von 25 Tagen, für Monate mit 30 Tagen eine Zielquote von 24 Tagen und für Februar 23 Tage als Zielquote.

Projektbasierte Ziele

Im Übrigen werde ich meine Ziele privat an konkrete Projekte koppeln. Insbesondere im Rahmen meines Marathon-Trainings ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, ein konkretes Ziel zu haben, auf das man hinarbeitet. Wie in einem Museum mit seinen Ausstellungen unterscheide ich dabei zwischen permanenten und temporären Projekten. Zu meinen permanenten Projekten gehören:

  • Gesunde Gewohnheiten
  • Sport
  • Lesen
  • Sprachen
  • Musik
  • Mein Jahresmotto und damit verbunden dieser Blog

Bei den temporären Projekten unterscheide ich zwischen Mini-, Midi- und Maxi-Projekten, wobei die sich hauptsächlich durch ihren Zeitaufwand von einem, zwei respektive drei Monaten unterscheiden. Ursprünglich wollte ich davon stets jeweils eins parallel laufen lassen, aber dank meiner Testphase im Januar und Februar habe ich recht schnell gemerkt, dass das viel zu realitätsfern angesetzt war. Entsprechend reduziere ich auch hier meinen Anspruch an mich selbst. Welche Projekte ich konkret umsetzen werde, entscheide ich ebenfalls von Monat zu Monat nach persönlichen Bedürfnissen und entsprechend der Rahmenbedingungen.

Meine neuen Ziele

Kommen wir nun also zu meinen konkreten Zielen für 2026 unter Berücksichtigung meiner vorherigen Erkenntnisse:

  1. 10 gesunde Gewohnheiten etablieren
    • Angedacht waren ursprünglich zwölf, durch Pareto werden es aber zehn.
    • Etwas unspezifisch ist das Ziel, weil nicht genau definiert ist, was “Gewohnheiten etablieren” bedeutet. In meinem Kalender halte ich zwar täglich Zeiträume für gesunde Gewohnheiten frei, allerdings werden am Ende des Jahres nicht alle in 45 Minuten pro Tag hineinpassen. Deshalb möchte ich nach jedem Monat evaluieren, was mir tatsächlich weitergeholfen hat, und, wie ich es künftig – ganz im Geiste einer Gewohnheit – ohne Anstrengung weiterführen kann.
    • Die Messung führe ich per Evaluation zum Monats- sowie Jahreswechsel durch.
    • Erreichbar ist es in meinen Augen, weil ich jeden Monat neu einschätze, was ich gerade am dringensten brauche.
    • Für relevant halte ich dieses Ziel, weil ich mir in puncto Gesundheit mehr Automatismen und weniger Bedarf an Disziplin wünsche.
  2. Durchschnittlich mindestens 6,25h Schlaf pro Nacht
    • Eigentlich würde ich 7,5h anstreben, aber aufgrund der 80% und meiner Schlafzyklendauer wähle ich 6,25.
    • Spezifisch genug ist es, da der Durchschnitt des Kalenderjahres zur Beurteilung herangezogen wird.
    • Die Messung übernimmt meine Smartwatch.
    • Bei der Steigerung um 4,75% im Vergleich zum Vorjahr ist es definitiv erreichbar, wenn ich weniger Nächte durcharbeite.
    • Relevant ist das Ziel auf jeden Fall, da mein Schlaf bestimmt, wie fit ich für alles andere in meinem Leben bin.
    • Der Zeitrahmen ist mit dem Kalenderjahr vorgegeben.
  3. 125 Sporteinheiten im Laufe bis Jahresende
    • Bei 3 Sporteinheiten je Kalenderwoche komme ich auf 156, aber nach Pareto lande ich bei 125 Sporteinheiten.
    • Spezifisch genug ist es, da der Zahlenwert absolut ist.
    • Die Messung erfolgt per nummerierter handschriftlicher Liste im Journal.
    • Erreichbar halte ich es durch eine niedrige Schwelle für “eine Sporteinheit” – meine kürzesten zusammengestellten Workouts dauern lediglich 15 Minuten, wenn ich sie straff durchziehe.
    • Relevanz ergibt sich aus meinem Streben nach einem gesunden Körper und Geist.
    • Der Zeitrahmen ist auch hier mit dem Ablauf des Kalenderjahres gesetzt.
  4. 5 Bücher fertig lesen
    • Eigentlich würde ich gern 12 Bücher im Jahr schaffen. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, das vier für mich realistischer ist. Deshalb gehe ich nicht aufgrund Pareto auf zehn, sondern aufgrund von Realismus “nur” auf fünf.
    • Es ist definitiv spezifisch genug, da ich keine Hörbücher konsumiere und Bücher auch nicht nur überfliege. Danksagungen und Quellennachweise sind hiervon ausdrücklich ausgenommen. E-Books auf dem E-Reader sind erlaubt.
    • Die Messung erfolgt per handschriftlicher Liste in meinem Journal.
    • Für erreichbar halte ich es, insofern ich einfach zum Buch/E-Reader statt zum Handy greife.
    • Relevant bleibt es nach wie vor, da ich mich danach sehne, mehr zu lesen.
    • Der Zeitrahmen ist hier ebenfalls mit Ablauf des Kalenderjahres gesetzt.
  5. 42 Tandem-Sessions auf Hebräisch
    • Es ist schon über zehn Jahre her, dass ich begonnen habe, Hebräisch zu lernen. Seitdem ich in Israel gelebt habe, dümpelt mein Hebräisch auf ziemlich ein und demselben Niveau herum. Zwar habe ich zwischenzeitlich schon Kurse besucht und mit Sprachlern-Apps versucht, doch wirklich für fließendes Sprechen fehlt mir das Selbstbewusstsein. Das wurmt mich – abseits davon, dass ich auch gern noch andere Sprachen lernen möchte.
    • Idealerweise hätte ich eine Tandem-Session pro Woche, aber das ist total unrealistisch. Nach Pareto bleiben statt 52 jedoch 42 Sessions übrig. Auch das erscheint mir schon viel.
    • Ursprünglich wollte ich ein konkretes Sprachniveau angeben, allerdings eignet sich der Europäische Referenzrahmen für Hebräisch nur bedingt. Außerdem klappen Lesen und Schreiben bereits ganz gut. Deshalb fokussiere ich mich jetzt auf das Sprechen.
    • Die Messung werde ich mittels handgeschriebener Liste in meinem Journal führen.
    • Dieses Ziel wird hart und anstrengend. Damit es erreichbar ist, fokussiere ich mich jetzt erstmal komplett auf Hebräisch und etabliere eine neue Regel mit meinem Partner: Je nach Wochentag sprechen wir ausschließlich Hebräisch oder Deutsch. Das hilft uns beiden.
    • Dieses Ziel ist relevanter denn je, weil ich dieses Jahr voraussichtlich zu einer Hochzeit nach Israel reisen werde.
    • Das Lernen von Sprachen hört freilich nie auf, aber am Ende des Jahres werde ich neu beurteilen, wie ich fortfahren werde.
  6. 125 Praxiseinheiten am Harmonium
    • Idealerweise würde ich mindestens drei Mal pro Woche üben, aber das klappt nicht immer, insbesondere, wenn ich weder in der Heimat, noch zu Hause in Berlin bin. Dank Pareto werden es analog zu den Sporteinheiten 125.
    • Spezifischer als “Vom Blatt spielen können” ist es allemal. Als ich letztes Jahr gefragt wurde, was ich studieren würde, wenn ich noch mal könnte, geriet ich erst ins Stocken, denn ich hatte ja schon studiert, was ich wollte. Dann dachte ich kurz an all die Schulfächer, die mich interessieren und fand mich ziemlich schnell bei Musik wieder. Beim Spielen vom Blatt ist aber nicht klar, welcher Schwierigkeitsgrad gemeint ist.
    • Die Messung nehme ich per handschriftlicher Liste in meinem Journal vor.
    • Dieses Ziel dürfte – in Abhängigkeit von meinen Erwerbsarbeitseinsätzen – erreichbar sein.
    • Relevant ist dieses Ziel für mich, weil mir Musik wichtig ist und ich gern selbst musizieren können möchte.
    • Der Zeitrahmen steht mit dem Kalenderjahr. Zum Jahreswechsel werde ich entscheiden, wie ich damit fortfahre.
  7. 5 temporäre Projekte abschließen
    • Wie schon erwähnt, wollte ich – wie so oft – ursprünglich viel mehr. Bei einem Maxi-, zwei Midi- und drei Mini-Projekten käme ich auf sechs Projekte. Nach Pareto lande ich jetzt bei fünf.
    • Ideen für Projekte gibt es mehr, als ich dieses Jahr umsetzen können werde. Bei der konkreten Auswahl entscheide ich jedoch spontan nach Möglichkeit und Muse. Spezifischer wird es zu diesem Zeitpunkt nicht.
    • Die Projekte werde ich hier auf meinem Blog dokumentieren.
    • Da ich in der Auswahl der Projekte flexibel bin, kann das Ziel durchaus erreichbar sein.
    • Diese Projekte sind vor allem aufgrund meines selbst gewählten Jahresmottos relevant, denn bei diesen Projekten sollen analoge Erfahrungen im Vordergrund stehen.
    • Der Zeitrahmen für die Projekte ist mit jeweils einem, zwei oder drei Monaten bemessen. Am Ende des Jahres ziehe ich Bilanz.

Berufliche Ziele lasse ich hier mittlerweile bewusst außen vor, weil ich bereits lernen durfte, wie wenig Kontrolle ich über ihre Umsetzung in letzter Instanz habe. An einem Aspekt möchte ich dennoch festhalten: Beruflich möchte ich meine kreative Ausgabe erhöhen, indem ich mit konkreten Wochenzielen arbeite – auch, wenn ich nicht gebucht bin. Denn das ist im Grunde das Einzige, das meiner Kontrolle unterliegt. Allgemein könnte man auf beruflicher Ebene also sagen: Ich möchte mehr Output als Input.

So weit, so gut. Wenn ich ganz ehrlich mit mir selbst bin, wird mir beim Anblick meiner Ziele leicht schwindlig. Andererseits empfinde ich es als hilfreich, sich sowohl Erkenntnisse als auch Ziele einmal aufzuschreiben, um einen klareren Überblick zu bekommen. Und falls es doch zu viel werden sollte, halte ich es ja ab jetzt mit den Zielmarken ganz flexibel. 😉

Wie nutzt du Ziele und Systeme in deinem Alltag? Über geteilte Erfahrungen und Tipps freue ich mich wie immer sehr.

Alles Liebe
Philipp


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Ziel-Rapporte.

Wo stehe ich? – Tertial 2025.II

Der Sommer ist vorüber (zumindest der meteorologische) und damit auch schon das zweite Tertial des Jahres. Also ist die Zeit ran für einen kleinen Zwischenstand: Wie steht es um meine Jahresziele?

Jahresmotto

Mit meinem Jahresmotto Ein Leben in Hülle und Fülle läuft es meines Erachtens sehr gut. Rückblickend stelle ich eine hohe Erlebnisdichte und ein erfülltes Lebensgefühl fest. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, recht genügsam zu leben.

Nix Neues

In den letzten vier Monaten habe ich tatsächlich nichts Neues gekauft. Es gab zwar hier und da ein impulsives Verlangen, aber ich habe mich bewusst zurückgehalten und etwaige Wünsche einfach auf eine Liste gesetzt. Meiner Erfahrung nach dümpeln solche Wunschzettel bei mir oft Jahre vor sich hin, weil ich, sobald ich dem spontanen Impuls widerstanden habe, Gründe finde, warum ich dieses oder jenes auf gar keinen Fall erwerben sollte.

In Hinblick auf meine Kleidung habe ich auch nichts Neues erworben. Zur Schuleinführung meines Patenkindes habe ich mir meinen Leinenanzug inklusive Hemd per Post schicken lassen, weil ich Dummbeutel vergessen hatte, ihn bei Abreise mitzunehmen. Da die Zustellung leider nicht geklappt hat, nahm ich dankbar das Angebot meines Papas an, eins seiner Hemden zu tragen. Hat gepasst und sah sogar schick aus. 🙃

Es gäbe sogar einige Kleidungsstücke, bei denen eine Neuanschaffung sinnvoll wäre, weil sie abgetragen sind. Das fällt mir insbesondere bei Socken auf. Bei allem anderen schätze ich, dass mein Partner das Nähen für sich entdeckt hat und damit kreativ wird. Ganz im Sinne des Jahresmottos hoffe ich darauf, Neuanschaffungen zumindest bis ins nächste Jahr verzögern zu können, und Kleidung erstmal “aufzutragen”. Meiner Beobachtung nach ist es in Zeiten allgegenwärtiger Verfügbarkeit und schneller Lieferung oft eine Frage, ob wir es aushalten, unserem initialen Impuls zu widerstehen. Mit meinem Motto gelingt mir das ganz gut. Spoiler: Bisher musste ich noch nicht nackt rumlaufen und sah scheinbar auch ansehnlich genug aus.

Aufbrauchen

Das läuft noch und ist ein fortwährender Prozess. Da mein Partner recht viel Honig konsumiert und ich bei jedem Glas denke, dass man es gut zum Süßen eines Tees nutzen könnte, indem man das Glas mit dem heißen Tee ausspült, hatten wir eines Tages ein recht stattliches Sammelsurium an Honiggläsern – bis die Wespen kamen. Als sich wegen des Honigduftes mehrmals täglich Wespen in unsere Küche verirrten, beschloss ich, dem ein Ende zu setzen und die Gläser zu entsorgen. Wenn man etwas partout nicht nutzt (beispielsweise trinke ich Tee prinzipiell nicht gesüßt), empfinde ich es auch in Ordnung, sich davon zu befreien.

Abgetaut wird dann wohl doch erst nächsten Winter. 🙈

Auswärtsessen beschränken

Hier verhält es sich fluide. Für mich habe ich erkannt, dass ich besser daran tue, das Auswärtsessen zu genießen, wenn ich es tue, anstatt mich dafür selbst zu verurteilen. Und das tue ich jetzt auch.

Reisen reduzieren

Bis Juli habe ich meine Reisen weitestgehend – wie es möglich war – reduziert. Seitdem sind einige Reisepläne hinzugekommen. Die Reduktion von Reisen werde ich deshalb als Vorhaben aufweichen. Große, teure Reisen wie in meinem Idealjahr angedacht, werde ich heuer zwar beschränken. Aber dem stehen zwei wesentliche Punkte gegenüber:

  1. Die bevorstehenden Reisen sind größtenteils beruflicher Natur oder, um Herzensmenschen zu besuchen. (Tatsächlich sind es so viele, dass ich noch gar nicht weiß, wie ich sie alle unterbekommen soll, aber das ist wohl ein Luxusproblem.) Da die einzige Möglichkeit, diese Menschen zu sehen, darin besteht, zu ihnen zu reisen, möchte ich mich dem nicht versperren.
  2. Durch eine abwechslungsreiche Umgebung ist meine Erlebnisdichte höher, weshalb ich sowohl die gegenwärtige erlebte Zeit als intensiver wahrnehme, als auch im Rückblick bei Erinnerungen. Auch dem möchte ich mich nicht verwehren.

Für mein ideales Jahr heißt das hingegen, dass es noch ein Stück weit utopischer geworden ist. So viel vor, so wenig Zeit! 😨

Aktivität statt Konsum

Rückblickend bin ich mit meinen Aktivitäten zufrieden. Generell habe ich den Eindruck, dass ich gelassener geworden bin, und einfacher hinnehmen kann, wenn etwas nicht mehr in einen Tag passt. Und gefühlt ist in der Retrospektive unheimlich viel passiert:

  • Ich nahm eine Retrospektive zu den Filmen Wes Andersons wahr und schaute so (mit Ausnahme eines Films) sein Komplettwerk. Das war grandios!
  • Endlich war ich mal wieder mit meinen Inline-Skates unterwegs.
  • Mit einer Freundin habe ich ein neues Sprachtandem gestartet, dem hoffentlich noch viele weitere Termine folgen werden.
  • In meiner Heimat war ich bei der Kulturnacht sowie zum 700-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung und in Folge dessen bei ein paar Konzerten.
  • Es gab trotz der Sommermonate ein paar Brettspieltage und -abende.
  • Die Sommermonate über habe ich einige eingeschlafene Beziehungen reaktiviert und war sehr froh darüber.
  • Den Sommer über habe ich Spaziergänge für mich entdeckt. #AWalkADayKeepsTheDoctorAway
  • Im Rahmen der Arbeit habe ich sehr viele schöne Abendstunden mit Kolleg*innen verlebt.
  • Nach 17 Jahren war ich mit Freunden zum ersten Mal wieder in Paris und habe jetzt noch mehr Dinge dort, die ich mir genauer anschauen möchte, als vor der Reise.
  • Dabei habe ich sowohl das Konzept von Gesangscafés …
  • … als vom Flussbaden für mich entdeckt.
  • Insgesamt war ich diesen Sommer drei Mal baden/schwimmen (2x Fluss, 1x See). Eine deutliche Steigerung für meine Verhältnisse.
  • Dieses Jahr war ich mal wieder beim CSD in Berlin und konnte es – dank exzellenter Vorbereitung – sogar richtig genießen, obwohl so viele Menschenmassen da waren.
  • Entgegen meines Habitus’, alles im Voraus zu planen, habe ich mich für mehr Spontaneität geöffnet.
  • Dabei habe ich erstaunlich viele Menschen kennengelernt.

All diesen Aktivitäten zum Trotz ist mir auch aufgefallen, dass ich öfter als mir lieb ist, mehr Zeit online verbringe, als ich möchte. Deshalb probiere ich im letzten Tertial dieses Jahres einmal, meinen digitalen Konsum im Internet auf eine gebündelte Stunde pro Woche zu beschränken.

Ziele

Meine Ziele habe ich im zweiten Tertial leider etwas deutlich aus den Augen verloren, wie sich in den einzelnen Bereichen zeigt.

Gesundheit

Zu meiner großen Freude kann ich sagen, dass sich meine Gesundheit blendend entwickelt hat – so zumindest mein Gefühl, denn im gesamten zweiten Tertiär hatte ich keine Gastritis. Was die Metriken anbelangt, hat es jedoch in einigen Bereichen gehakt.

Schlaf

Auf durchschnittlich zwischen sechs und siebeneinhalb Stunden Schlaf kam ich im zweiten Tertial überhaupt nicht. Im Mai klappte das noch einigermaßen (∅ 6h 10min), ab Juni habe ich es jedoch nicht mehr über sechs Stunden geschafft: ∅ 5h 31min, ∅ 5h 34, ∅ 5h 53min im August – in Summe also mit durchschnittlich ∅ 5h 47min zu wenig.

Im Gegensatz zum ersten Tertiär sind mir ein paar Unterschiede aufgefallen:

  1. Oft schaffe ich es nicht zeitig genug ins Bett.
  2. Aufgrund der früh aufgehenden Sonne im Sommer wache ich oft früher auf, als ich eigentlich möchte.
  3. Nicht nur in arbeitsreichen Zeiten schlafe ich zu wenig, sondern oft auch, weil ich mich nicht aus den Weiten des Internets lösen kann.

Insbesondere der letzte Punkt ist essentiell für meine Schlafhygiene und meines Erachtens mein größter Hebel, auf den ich mich im letzten Tertiär für meinen Schlaf konzentrieren werde.

Außerdem habe ich mich an einem Experiment versucht: Konkret wollte ich meinen Tagesrhythmus so anpassen, dass die Zeitumstellung und Schwankungen bei der Sonnenauf- beziehungsweise -untergangszeit mich nicht komplett aus der Bahn werfen. Damit bin ich kläglich gescheitert. Denn noch eine Erkenntnis hatte ich: Ich gehöre zum Chronotyp Eule und sollte das akzeptieren, statt vergeblich dagegen anzuarbeiten.

Sozialleben

Kein anderes Teilziel erreiche ich so leicht wie dieses. Im gesamten Jahr habe ich es jede Woche erreicht. Kein Grund zur Sorge also.

Sport

Hiermit bin ich nicht zufrieden. Mit durchschnittlich 2,18 Sporteinheiten je Woche im zweiten Tertiär liege ich weit unter meinem Ziel. Meine Erkenntnisse:

  1. Im Sommer fällt es mir früh leichter, Sport zu machen, als abends nach der Arbeit, was unter anderem auch an der Hitze liegt.
  2. Damit es früh gelingt, muss ich jedoch am Abend zuvor zeitig genug ins Bett gehen. Kein leichtes Unterfangen, vor allem nicht, wenn es bis so spät abends hell ist.
  3. Insgesamt haben es mir Erwerbsarbeit und Pendeln erschwert, meine sportlichen Vorhaben einzuhalten. Mangels bevorstehendem Wettkampf gab es in dieser Hinsicht leider auch kein motivierendes Ziel.

Mit meiner Chronotypenepiphanie lautet die entsprechende Schlussfolgerung nun eigentlich, prinzipiell eher abends Sport zu machen, auch wenn es mehr Überwindung kostet. Im Winter dürfte das jedoch reichlich unangenehm werden, weil es schon so zeitig dunkel wird. Eine richtige Lösung habe ich noch nicht, außer die Erkenntnis, dass ich immer dann Sport machen sollte, wann es mir möglich erscheint. Dass mir der berühmt-berüchtigte innere Schweinehund einmal solche Schwierigkeiten bereiten würde, hätte ich selbst nie erwartet.

Prinzipiell fällt mir Sport leichter, wenn er mir Freude bereitet. Diese Freude empfinde ich jedoch im Voraus selten bei stumpfen Kraftsportübungen (Im Nachhinein sieht das anders aus!), sondern bei der Aussicht auf Laufsport, Schwimmen, Paddeln, Wandern und Skaten. Den Laufsport habe ich auf Empfehlung meiner Dermatologin stark zurückgefahren. Aber im Übrigen greife ich besser auf die Sportarten zurück, die mir Freude bereiten, um ISH zu überwinden.

Ernährung

Nach wie vor benötige ich meinen Go-to-Speiseplan für Gastritis-freie Zeiten. Zwar hatte ich zwei inspirierende Bücher über Meal-Prepping über Monate aus der Bibliothek ausgeliehen, aber daraus folge leider nichts. Teil des Problem bestand darin, dass ich einen Großteil des Sommer überhaupt nicht zu Hause war und entsprechend in der Kantine, bei meinen Eltern oder auswärts aß.

Erfreulicherweise habe ich bei meinen Eltern vergleichsweise viel gebacken. In diesem Zuge ist mir auch bewusst geworden, dass ich damit im Grunde auch jeden Tag den ganzen Tag verbringen kann. #hausmann

Ruhe

Dieser Aspekt lief nicht gut und bedarf dringend für den Rest des Jahres mehr Aufmerksamkeit. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. 🙈

Karriere

In meiner Freiberuflichkeit komme ich finanziell aktuell zurecht. Natürlich wäre es gut, mehr einzunehmen und mehr Kundschaft zu haben, damit ich mir selbst ein höheres Gehalt auszahlen kann und mehr Geld zur Seite legen kann. Aktuell bin ich jedoch darauf bedacht, mit meinen Einnahmen möglichst lang über die Runden zu kommen.

Die bürokratischen Mühlen haben sich beinahe alle eingelaufen. Manches dauert leider unerhört lang, aber da ich daran ohnehin nichts ändern kann, rege ich mich darüber auch nicht auf. 😌

Weiterhin arbeite ich weiter daran, mehr zahlende Kundschaft zu akquirieren. Die aktuelle wirtschaftliche Lage macht es nicht leichter, aber ich möchte nicht jammern, sondern wirken.

Am wichtigsten ist für mich aber, dass ich bei meinem aktuellen Beruf mehr Spaß denn je habe – trotz einiger durchgearbeiteter Nächte. Und das hat für mich einen ungeheuer hohen Stellenwert. Natürlich muss ich trotzdem auf mich Acht geben, denn durchgemachte Nächte erhöhen kommen stets zu einem hohen Preis. Da hilft auch Chronotyp Eule nichts.

Außerdem ist mir aufgefallen, wie schlecht ich ohne externe Deadline funktioniere. Hier möchte ich dringend mir arbeiten. Es muss doch irgendwie möglich sein, mein Unterbewusstsein auszutricksen, auch wenn ich weiß, dass eine von mir selbst gesetzte Frist keine Konsequenzen hat …

Bildung

Es ist mir sehr unangenehm, aber Stand 31.08.2025 hänge ich noch immer beim selben Buch wie vor vier Monaten. Dabei ist es gar nicht mal so übel und auch nicht so lang! Doch oft, wenn ich unterwegs bin, lese ich stattdessen online oder mache Sprachübungen. Allerdings bin ich in den Endzügen, versprochen!

Um mein Bildungsziel von zwölf fertig gelesenen Büchern zu erreichen, möchte ich hier in den verbleibenden Monaten etwas Fahrt aufnehmen. Jeden Monat zwei Bücher sollten es schon werden. Eigentlich klingt es gar nicht so viel. Notiz an mich selbst: Halte dich strikt an den Leseplan!

Langfristig würde ich jedes Jahr gern einen deutsch- und einen englischsprachigen Klassiker lesen. Da ich Mathe-Leistungskurs belegte, verspüre ich hier einige Defizite. Tatsächlich habe ich auch noch einige zu Hause liegen. An Lesestoff mangelt es also nicht. Damit wird mein Buchembargo wohl noch eine Weile bestehen bleiben. (Neue Bücher kommen dennoch regelmäßig ins Haus, weil mir Menschen weiterhin Bücher schenken – oft sogar unerwartet. 😋

Und wo wir schon beim Thema Defizite sind: Auf die Frage meines Partners, was ich heute studieren würde, wenn Geld und sozialer Erwartungsdruck keine Rolle spielen würden, wusste ich erstmal gar nichts zu sagen. Denn das, was ich unbedingt studieren wollte, habe ich ja schon: Film im Allgemeinen und Drehbuch im Speziellen per Weiterbildung.

Doch dann fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass ich gern über mehr musikalische Bildung verfügen würde. Das blieb während meiner Jugendzeit leider liegen. Damals habe ich ja schon allerhand gemacht, aber für mehr Musikstunden war nie Raum, obwohl ich bei meinen Eltern gelegentlich autodidaktisch am Harmonium spiele. Das würde ich im kommenden Jahr gern ändern. Dieses Jahr harmoniert es leider so überhaupt nicht mit meinem Jahresmotto, denn im Grunde brauche ich ein Instrument zum Üben zu Hause. Da passt die Neuanschaffung eines E-Pianos oder einer Orgel nicht so wirklich. 😇

Das wiederum hat mir vor Augen geführt, dass es so viele Dinge gibt, die ich gern noch lernen würde: Stricken, Töpfern an der Scheibe, Einrad fahren, Jonglage, Kräuterkunde, diverse Sprachen, … – um nur ein paar zu nennen. So viel zu lernen, doch so wenig Zeit! In meiner Umgebung beobachte ich oft, wie Menschen ihre Wünsche in die Zukunft verschieben, wieder und wieder. Das finde ich schade. Denn wer weiß schon, ob man in der Zukunft noch dazu kommt?

Deshalb schaffe ich mir lieber im Hier und Jetzt Raum dafür. Im Speziellen habe ich mir für die nächsten Monate Stricken rausgesucht. Das passt einerseits zur Jahreszeit Herbst. Andererseits habe ich vor Jahren schon ein Buch und Zubehör dazu geschenkt bekommen, weshalb sich der Materialaufwand erstmal in Grenzen hält.

Ausblick auf die nächsten vier Monate

Das letzte Drittel des Jahres verspricht, herausfordernd zu werden: Einige kürzere Reisen stehen ebenso bevor wie Arbeit, Projekte und meine ganz persönlichen Ziele, auf denen ich noch einige Meter schaffen möchte. Und dann steht ja auch schon wieder der Festtagsmonat an. (Ob ich es heuer wohl schaffe, früher mit dem Besorgen von Zutaten und Backen anzufangen? 🤔)

Wie war dein Sommer? Hast du bei deinen Zielen das Gefühl, dich auf einer Zielgerade zu befinden, oder geht es für dich gerade erst los, weil dein Jahr eigentlich im September erst beginnt? Über Einblicke in den Kommentaren freue ich mich!

Alles Liebe
Philipp

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