Warum sich Gelassenheit nicht erzwingen lässt und 3 Wege, wie du ihr trotzdem näher kommst

Gestern Morgen hat mich fast der Schlag getroffen, als ich feststellte, dass meine Cloud leergefegt war. Ebenso schlagartig wurde mir bewusst, wie es zu diesem Missgeschick kam. Geholfen hat es mir aber nicht, wollte ich doch nur an diese eine bestimmte Datei! Arg!

Ups. Wo war sie nun hin, die Gelassenheit, die ich mir in den vergangenen Monaten angeeigenet hatte?

Bekanntlich hat jeder seine eigenen Strategien, was die Sicherung der eigenen Daten angeht. Als ich anfing, Minimalismus auch auf mein digitales Leben auszuweiten, habe ich meine bereits stark zurückgefahren und einen Großteil meiner Dateien gelöscht. Denn bei vielen ist es mir schlicht egal, wenn sie verloren gehen.

Situationsabhängige Gelassenheit

Das gilt aber nur für private Dateien. Bei Rechnungen und in Arbeit befindlichen Dateien sieht das schon anders aus.

Entsprechend war ich im Zwiespalt. Viele Dateien, an die ich dachte, entpuppten sich für mich als unbedeutend, nun, da sie ohnehin weg waren. Nur einzelne wollte ich tatsächlich zurück, konnte sie aber nicht wieder herstellen. Zum Verzweifeln!

Während ich also in vielerlei Hinsicht tatsächlich entspannter geworden bin, gibt es nach wie vor Situationen, die mich anspannen. Das finde ich aber gar nicht so schlimm. Denn auch hier gilt es, ein gesundes Maß zu finden. Die richtige Balance ist entscheidend.

Und dabei fühle ich mich gerade genau auf dem richtigen Weg. Was hat mir also dabei geholfen?

1. Akzeptanz der eigenen Ohnmacht

Es gibt viele Dinge, an denen ich aktiv etwas verändern kann. Auf vieles habe ich aber auch gar keinen Einfluss, etwa das Wetter als triviales Beispiel. Oder die Tatsache, dass ich die Zeit nicht zurückdrehen kann. Habe ich das einmal verinnerlicht, kann ich anfangen, das beste daraus zu machen, anstatt mich darüber aufzuregen.

Loslassen ist hier wichtig. Ich gebe bewusst Kontrolle auf und lasse mich treiben. Und schon geht vieles leichter von der Hand.

2. Lernen, mit Veränderung umzugehen

Wer kennt das nicht? Du hast eine Idee, planst alles bis ins kleinste Detail und dann kommt alles anders, weshalb du dich schon wieder aufregen könntest. Mir passiert das täglich. Woran das liegt? Wahrscheinlich weil meine eigenen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Pia Mester hat hier gute Ratschläge, wie sich die Sache besser ausgeht. Es ist doch häufig so, dass alles ganz anders kommt als geplant. Womit wir wieder beim Thema Ohnmacht wären. Schlimm ist das aber nicht. Im Gegenteil! Häufig ergeben sich sogar neue Möglichkeiten. Und lernen kann man von Veränderungen auch noch etwas.

Probier es einfach mal selbst aus: Das nächste Mal, wenn eine ungeplante Veränderung ansteht, sei einfach still, anstatt loszuwettern. Atme drei Mal tief ein und aus. Und dann sage laut „Ich freue mich auf das, was kommt!“

3. Miesepeter erheitern

Ich bin mir sicher, dass auch du Menschen kennst, die dir von einen auf den nächsten Moment deine gute Laune verderben können. Eben war noch alles bestens, jetzt ist alles doof. Und häufig weißt du nicht einmal, wieso. Ich kenne jedenfalls einige.

Meiner Erfahrung nach, hat Miesepetrigkeit verschiedene Ursachen, für die man in 99% der Fälle selbst gar nichts kann. Sich anstecken zu lassen, ergibt also überhaupt keinen Sinn. Oder um es mit den Worten von Kommunikationscoach Birgit Gatter zu sagen:

Ich will nicht, dass jemand anderer über meine Stimmung bestimmt.

Ein Gespräch kann in vielen Situationen schon weiterhelfen – vorausgesetzt, derjenige möchte überhaupt sprechen. Es gibt ja auch stille Miesepeter. ;) Für ebensolche, durchaus schwierigen Gespräche, hat Frau Momo jüngst über eine wunderbare Technik geschrieben, die ich jedem nur nahelegen kann.

Vielleicht ist der Miesepeter aber auch einfach nicht so gelassen, wie du es bist. In diesem Fall hilft es mir häufig, dem Miesepeter ebendas bewusst zu machen. Ich spreche dann häufig besonders die ersten zwei Punkte (Ohnmacht und Veränderungen) an.

Humor ist in jedem Fall hilfreich, denn mit einem Lacher ist ein Gespräch doch gleich viel ungezwungener. Humor entsteht übrigens häufig dann, wenn sich jemand viel zu ernst nimmt. Wenn ebendiese Person über die eigene Ernsthaftigkeit lachen kann, ist schon ein riesiger Schritt getan.

Grenzen der Gelassenheit

Natürlich gibt es auch hier Grenzen. Wenn jemand gerade partout nicht entspannt ist, ist das nun mal so. Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass es nur noch schlimmer wird, wenn ich versuchte, etwas zu erzwingen. Wenn ich aber selbst gelassen bin und es so vorlebe, breitet sich die Atmosphäre ebenso aus. Und da ist gerade der Knackpunkt: Wenn ich mir Gelassenheit wünsche, darf ich nichts erzwingen, denn genau das ist ja das Gegenteil von Gelassenheit.

Jetzt interessiert mich deine Meinung! Wie gelassen bist du? Was bringt dich auf die Palme und was kann dich nicht mehr aus der Ruhe bringen?

Alles Liebe,

Philipp

PS: Die Daten konnte ich übrigens letztlich doch wiederherstellen.

2 Kommentare

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  1. Lieber Philipp

    Eine meiner wesentlichsten Erkenntnisse in Sachen Gelassenheit ist: Ich darf ganz gelassen auch mal nicht gelassen sein.

    Wenn ich eines Tages meine Datensicherung versagen sollte und einfach alles weg wäre, würde mir auch das Herz in der Brust hüpfen. Ganz gewaltig. Und das ist auch gut so.

    Wesentlich ist für mich die Selbstwahrnehmung – also mitzubekommen, was gerade passiert. Wesentlich ist für mich die Akzeptanz – also zu akzeptieren, dass mir gerade richtig die Düse geht und ich alles andere als entspannt bin. Und wesentlich ist die Fähigkeit zur Selbstregulation – zu wissen, wie ich irgendwann auch wieder runter fahren kann.

    Jederzeit entspannt und gelassen zu sein, das ist einfach „too much“ und auch unrealistisch. Dafür sind wir Menschen einfach nicht „gebaut“.

    Vielen Dank für das Verlinken zu meinem Beitrag!

    Herzlich, die Frau Momo

    • Hallo Frau Momo,

      da gebe ich dir vollkommen recht!

      In dieser Hinsicht bin ich auch schon sehr zufrieden mit mir. Ich war zwar erstmal total unentspannt, dass hat sich da aber relativ schnell relativiert. Weiter versucht, es rückgängig zu machen, habe ich aber trotzdem. Mit Erfolg. :)

      Gern doch. :)

      Herzlicher Gruß,
      Philipp

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