Das letzte Mal, das keins war.

Wenn es nach der EU-Kommission geht, drehten wir vergangene Nacht das letzte Mal an der Zeit. Für realistisch halte ich das freilich nicht, wo sich doch in den letzten drei Jahren quasi gar nichts getan hat. Freilich gab es Wichtigeres zu tun. Doch glücklich mit der aktuellen Lage bin ich auch nicht. Also setze ich mich – mal wieder – mit dem Thema auseinander.

Auch wenn ich bei der Diskussion um ewige Normal- oder dauerhafte Sommerzeit für Erstere stimmte und stimme, würde es mich doch freuen, wenn bei all den ziellosen Streitereien, was denn nun besser sei, andere Lösungsansätze nicht komplett aus dem Blick verloren würden. Denn offensichtlich gibt es nicht die eine Lösung für alle. Warum also krampfhaft danach suchen?

Prinzipiell ist bereits die Einteilung der Welt in Zeitzonen ein immenser Eingriff in das natürliche Zeitempfinden. Eigentlich soll es zwar vereinfachen, doch im Grunde wirft bereits diese Simplifikation durch den Menschen eher mehr Fragen auf, als sie löst. Denn betrachten wir die Zeitzonen, dürften wir rasch feststellen, dass die Grenzen äußert willkürlich gezogen wurden und sich an administrativen Landesgrenzen, aber längst nicht mehr an den fließenden Übergängen unseres Planeten und damit verbunden den Meridianen orientieren. Wie sonst soll sich erklären lassen, dass A Coruña in Spanien und Vardø im östlichsten Zipfel Schwedens dieselbe Zeitzone teilen sollen? Oder dass Vigo in Spanien und Porto in Portugal eine Stunde Zeitversatz haben, obwohl sie auf demselben Längengrad liegen?

Die Sorge um einen Flickenteppich an Uhrzeiten innerhalb der EU teile ich nicht im Geringsten. Im digitalen Zeitalter, indem ich jederzeit und -ort in Echtzeit angezeigt bekommen kann, wie spät es gerade am anderen Ende der Welt ist, ist es auch möglich den Verkehr zwischen verschiedenen Zeitzonen reibungslos zu regeln. Der internationalen Luftfahrt gelingt es schließlich auch.

Mir wird sich wohl nie eröffnen, wieso die Zeitumstellung so asymmetrisch vollzogen wird: Aus astronomischer Sicht gibt es zwei Mal im Jahr die Tag-Nacht-Gleiche. Logisch wäre, wenn überhaupt an der Uhr zu drehen, es an diesen Tagen zu tun. Aber stattdessen wartet man noch über einen Monat ab (zumindest im Herbst).

Fasziniert bin ich ob der leidigen Diskussion um ewige Sommer- oder Winterzeit, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist den Mittelweg zu gehen: Eine halbe Stunde dazwischen.

All diese Ideen und Fragen helfen mir persönlich mit meinen durch die Zeitumstellung verursachten Biorhythmusstörungen aber nicht weiter. Deshalb habe beschlossen, meine Aufstehzeit aus der Normalzeit einfach auch in der Sommerzeit beizubehalten. Wenn ich im Winter also 05:00 aufstehe, bleibe ich nach der Zeitumstellung im Frühling einfach bis 06:00 schlafen. Im Herbst stehe ich nach Zeitumstellung entsprechende eine Uhrzeitstunde früher auf als im Sommer. Damit bewahre ich zumindest für mich meinen Biorhythmus, soweit es mir möglich ist und genieße auch weitere die sanften Übergänge der Jahreszeiten.

Den Rest der Welt interessiert das natürlich nicht, weshalb ich dann ein wenig meine tägliche Routine umstrukturieren muss. Was mich zu einer weiteren Frage bringt: Warum passen eigentlich nicht alle Geschäfte und Institutionen ihre Geschäftszeiten nach Jahreszeit an? Eisdielen fahren damit scheinbar sehr gut.

Wie stehst du zur Debatte um die Zeitumstellung? Und wie gehst du mit ihr um, damit du nicht aus der Bahn geworfen wirst? Teile deine Tipps gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

4 Comments

Antworten

  1. Es gibt jetzt seit 1980 Sommerzeit. Von damals bis heute habe ich keine vernünftige Lösung gefunden, damit halbwegs vernünftig umzugehen. Hoffentlich wird das endlich mal abgeschafft. Damals hatte irgendwer die Idee, man könne damit Energie sparen – was aber nicht funktioniert hat. Am schlimmsten finde ich es im Frühjahr – 1 Stunde früher, gruselig. Die Aufstehzeit beizubehalten finde ich schwierig, da ja der Rest des Tages, nach der gerade stattfindenden Sommer- bzw. Winterzeit stattfindet.

    • Toll finde ich es natürlich auch nicht, meine übrige Tagesplanung dem anzupassen. Aber ich versuche, in der Hinsicht etwas flexibel zu bleiben. Gewisse Veränderungen bringt der Biorhythmus bei mir nämlich auch mit dem natürlichen Jahreszeitenwechsel mit sich.

  2. Ich bin ja noch ohne diese Zeitumstellung aufgewachsen und kann nicht verstehn warum wir nicht einfach wieder zurück gehen zu unserer Zeit wie sie war. Die Normalzeit(Winterzeit) passt für Deutschland doch sehr gut.
    Aber ich befürchtees wird noch ewig dauern bis eine Lösung durchgesetzt wird.

    • Ehrlich gesagt erkenne ich momentan überhaupt keinen politischen Willen dazu. Gerechterweise nahm ja auch nur ein kleiner Prozentsatz der europäischen Bevölkerung an der Umfrage teil und die große Mehrheit stammte aus Deutschland. Doch auch in Deutschland hat sich keine Partei die Zeitumstellung auf die Fahnen geschrieben. Und da die Europäische Kommission die Problematik an die Nationalstaaten weitergereicht hat, befürchte ich, dass binnen der nächsten vier Jahre exakt nichts passieren wird.

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