Der Beginn einer neuen Ära

Ist dir schon mal aufgefallen, wie willkürlich der von uns in Europa genutzte gregorianische Kalender ist? Im Grunde ließe sich das leicht ändern – es wäre weder das erste Mal, dass ein neuer Kalender eingeführt wird, noch ist der gregorianische der einzige momentan verwendete. Doch damit nicht genug: Derzeit wäre der perfekte Zeitpunkt, um einen neuen Kalender einzuführen!

Beginnen wir von vorn: Was hat es mit dem gregorianischen Kalender überhaupt auf sich? Dieser Artikel auf Wikipedia gibt einen guten Überblick über seine Funktionsweise. Kurz gesagt: Eine Umrundung der der Erde um die Sonne entspricht einem Jahr. Ein Mondzyklus entspricht einem Monat. Da die Sonnenumlaufbahn aber nicht exakt 365 Tage, sondern 365,2422 Tage dauert, wird alle vier Jahre ein Schaltjahr eingelegt, an dem es einen Tag mehr gibt, um es auszugleichen. Es sei denn, die Jahreszahl lässt sich durch ganzzahlig durch 100, aber nicht durch 400 teilen. Dann bleibt es ein normales Jahr. Somit ergibt sich eine durchschnittliche Kalenderjahreslänge von 365,2425 Tagen und der Kalender verschiebt sich nur alle 3225 Jahre um einen Tag.

So weit so gut. Gegen die prinzipielle Funktionsweise habe ich nämlich auch gar nichts. Wohl aber gegen ein paar Details, namentlich:

  • die Jahreszahl
  • den Jahresbeginn
  • die Zeiteinheiten

Anbei also ein paar Ideen, wie man global einen besseren Kalender schaffen könnte.

Das Jahr Null

Der gregorianischen Zeitrechnung zufolge schreiben wir das Jahr 2021. Der gregorianische mag zwar der verbreitetste Kalender weltweit sein, aber es gibt noch weitaus mehr: Im jüdischen Kalender befinden wir uns im Jahr 5781. Im islamischen Kalender lautet das aktuelle Jahr 1442. Es gibt noch viele andere, doch der Einfachheit halber beschränke ich mich auf diese drei. Gemein haben sie, dass ihr Referenzjahr ein religiöses Ereignis darstellt. Im jüdischen Kalender wird ab der vom Rabbinertum festgelegten Erschaffung der Welt gerechnet. Der gregorianische Kalender orientiert sich an der angeblichen Geburt Jesu Christi. In der islamischen Zeitrechnung liegt der Anfang in dem Jahr, in dem sich der muslimische Prophet Mohammed von Mekka nach Medina auf den Weg begeben haben soll. Aus säkularer Sicht ist das natürlich alles Quatsch. Aus wissenschaftlichen Forschungen wissen wir, dass weder das Universum noch der Planet Erde erst vor 5781 Jahren entstanden sind. Archäologie und Geschichte nach wurde Jesus Christus bereits um das Jahr 4 vor seiner eigenen Zeitrechnung geboren. Dass wir dieses Jahr als 2021 betiteln, ist also nicht nur Willkür geschuldet, sondern auch Nonsens.

Jeder Kalender wird seinen Ursprung vollkommen willkürlich auferlegt bekommen. Die Frage ist nur, welche Bedeutung wir dem beimessen. Warum nehmen wir also nicht einfach ein historisches Ereignis zum Anlass, dass uns global betrifft und ein wichtiger Meilenstein in der friedlichen Zusammenarbeit der Menschheit werden könnte? Man mag es schon ahnen, ich spreche von der COVID-19-Pandemie. Diese hat definitiv Auswirkungen in der ganzen Welt und führt, wenn wir es richtig anstellen, zu einem friedvolleren Zusammenleben auf dem Planeten. Gleichermaßen ist jetzt schon klar, dass sie unser Leben nachhaltig verändern wird.

Deshalb schlage ich vor, das Jahr 2020 nach gregorianischem Kalender, also das Jahr, in welchem COVID-19 zur Pandemie wurde, in das Jahr 0 des neuen Kalenders zu machen. Das hat nicht nur symbolische Bedeutung für einen Neuanfang, sondern macht die Umrechnung aller Jahreszahlen für Geschichtsbücher auch einfacher. ;)

Neujahr

Damit könnte ich es natürlich belassen. Aber mich stören ja auch noch andere Aspekte am gregorianischen Kalender. Die Lage vom Jahresbeginn ergibt derzeit überhaupt keinen Sinn. Die historische Entwicklung ist recht einfach nachzuvollziehen: Kulturen orientierten sich für ihre Zeitrechnung zunächst an den ihnen offensichtlichen natürlichen Zyklen. Eine sehr einfach zu beobachtende waren die Mondphasen. Da eine durchschnittlich 29,5 Tage dauert und nach circa 12 Zyklen einmal die Jahreszeiten durchwandert schienen ergaben sich daraus 12 Monate (also 354 Tage), die schließlich ein Kalenderjahr ergeben sollten – zumindest in Lunarkalendern wie dem islamischen.

Da sich so aber Kalender und Jahreszeiten verschieben, brauchte es ein neues System: Einen solaren Kalender, wie beispielsweise den gregorianischen. Dieser richtet sich, wie der Name suggeriert, nach dem Sonnenzyklus. Im Vergleich zum lunaren Kalender ergeben sich hier jedoch durchschnittlich 11 Tage Differenz, die lunare Kalender im Vergleich zum gregorianischen jedes Jahr zurückwandern.

Sinnvoller wäre es doch, der kürzeste Tag sei der letzte (oder erste) Tag eines Jahres – ab da geht es bergauf mit der Tageslänge. Nach einem halben Jahr werden die Tage wieder kürzer. Dann gäbe es auch keine Verwirrung mehr mit den verschiedenen Daten für Jahreszeitenbeginne nach kalendarischem oder meteorologischen Ansatz. Und mal ganz ehrlich: Warum braucht es nach all den Festessen zu den Feiertagen noch mehr wenige Tage später? Wir platzen doch alle! Stattdessen gibt es dann nur noch ein säkulares Neujahrsfest.

Zeiteinheiten vereinfachen

Im Grunde hat der Mondzyklus überhaupt keine Relevanz für uns. Warum sollten wir also Monate beibehalten? Weder die Länge ist repräsentativ für einen Mondzyklus, noch ergeben die Namen Sinn – die stammen nämlich noch vom Vorgänger des gregorianischen Kalenders, dem julianischen Kalender. Oktober, November und Dezember beziehen sich auf Zahlen, da sie zu Zeiten Caesars der achte, neunte und zehnte Monat im Jahr waren. Die übrigen Monate beziehen sich auf römische Gottheiten.

Das heutige Wirrwarr mit der Anzahl der Tage je Monat erscheint mir äußerst unnötig. Warum vereinfachen wir unsere Zeiteinheiten also nicht schlichtweg und lassen die Monate weg? In diesem Zuge schlage ich auch die Fünf-Tage-Woche vor. Dann hat das Jahr stets 73 Wochen und in Schaltjahren gibt es einen Tag zwischen letztem und ersten Tag des Jahres, der einfach Feiertag wird. Statt Monats- gibt es Wochengehälter, die dann wenigstens stets gleich ausfallen und nicht mehr unterschiedliche Stundenlöhne je nach Monat ergeben.

Die Wochentage benennen wir dann natürlich neu. Das hebräische System finde ich recht überzeugend: 1. Tag, 2. Tag, 3. Tag, 4. Tag, 5.Tag. Zu überlegen wäre noch, wie man Wochenenden regelt. Womöglich fallen die einfach weg, weil es wirklich arbeitsfreie Tage ohnehin nicht für alle Menschen gibt, denn die in systemrelevanten Stellen arbeitenden genießen ja auch jetzt schon keine regulären Wochenenden. Stattdessen bedarf es eine neue, flexible Regelung zu Arbeits- und Freitagen. Denkbar wären drei freie Tage innerhalb von zehn Tagen oder gar zwei Tage frei auf drei Tage Arbeit. Wir können doch alle etwas mehr Erholung gebrauchen.

Dann werden wir nicht nur produktiver und effizienter, sondern alle Menschen haben plötzlich Energie frei, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Zugegeben: Davon sind wir noch weit entfernt, doch irgendwo braucht es ja einen Anfang. Warum diskutieren wir also nicht über einen neuen Kalender?

Was hältst du von der Idee? Schreibe deine Gedanken gern in die Kommentare.

Alles Liebe
Philipp

PS: Würde der Kalender dann eigentlich nach mir benannt und hieße philippinischer Kalender? :D

4 Comments

Antworten

  1. Hallo Philipp,

    was für eine interessante Idee. Ich bin hier ehrlicherweise noch unschlüssig, wie ich dazu stehe. Den Gedankengang finde ich aber sehr interessant.
    Es ist aber ja eigentlich noch viel komplexer… ohne das ich mich tiefer damit befasst habe. Es wird ja dazu noch zwischen Kirchenjahr und “normaler” Kalender unterschieden. Das Kirchenjahr beginnt ja im Christentum am 01. Advent und endet am Ewigkeitssonntag (Totensonntag), bei orthodoxen Kirchen beginnt es sogar bereits am 01.09. in Vorbereitung auf das Fest Maria Geburt (08.09.) (Quelle Wikipedia). Unser “normaler” Kalender beginnt bekanntlich am 01.01.
    Weiter müsste man dann überlegen, ob nur die “normalen” Kalender geändert und angepasst werden, oder die Kirchenjahre den Kalendern angepasst werden. Was widerum vermutlich bei vielen auf Gegenwehr stoßen würde.
    Wie gesagt, ich bin selber noch unschlüssig, finde den Gedankengang und Denkanstoß auf jeden Fall interessant.

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Hallo Nicole,

      an den Kirchenkalender habe ich dabei ehrlich gesagt keinen Gedanken verschwendet, aber ich meine, der könnte weiterhin problemlos koexistieren und bedarf gar keiner Änderung. In Israel funktioniert das ja auch mit gregorianischen, jüdischem und muslimischen gleichzeitig.

      Interessant finde ich allerdings auch, dass der Kirchenkalender von Sonntag zu Sonntag lebt und zwischen Jahresende und -anfang dann scheinbar eine Lücke von einer Woche klafft.

      Lieber Gruß
      Philipp

  2. noch ein Zusatz – hast du nicht das andere Ende der Welt vergessen in deiner Überlegung? Die Tageslänge ist ja nur in unseren Breiten ausschlaggebend, in Südostasien wird es immer plusminus zur selben Zeit zappenduster, 4 Jahreszeiten im klassischen Sinn gibt es auch nicht und auf der Südhalbkugel ist im Dezember Sommer und im Juli Winter.

    • Hallo Anna,

      tatsächlich habe ich beim Schreiben darüber nachgedacht, ob nicht auch der längste Tag des Jahres der Jahresanfang sein könnte, es aber schließlich nicht mit in den Text aufgenommen: Wenn in der nördlichen Hemisphäre der kürzeste Tag passiert, findet in der südlichen der längste statt, und umgekehrt. Dass im Sommer der Jahresanfang liegt, halte ich also in beide Richtungen für denkbar.

      Da um den Äquator herum Jahreszeiten weniger stark einwirken und sich stattdessen Regen- und Trockenperioden herausbilden, zweifle ich mich umso mehr, ob eine Unterteilung nach Monaten überhaupt noch sinnvoll erscheint. Wenn man einen global einheitlichen Kalender anstrebt, bietet sich meines Erachtens ein Tag mit naturwissenschaftlich relevanter Bedeutung an. Aber im Grunde ist auch das willkürlich.

      Ehrlich gesagt fällt mir gerade kein solcher Tag für Regionen um den Äquator ein, weil die Regenzeiten ja auch von Region zu Region verschieden ausfallen. Hast du womöglich eine Idee? :)

      Lieber Gruß
      Philipp

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