Der Über-Plan

Kennst du das, wenn du so viel willst im Leben? Am liebsten würdest du alles auf einmal machen. Das klappt aber nicht. Deshalb braucht es einen Plan. Den Über-Plan. (Nein, es geht nicht darum, wie man sich richtig organisiert.)

Studieren. Arbeiten. Reisen. Kontakt halten. Bloggen. Sprachen lernen. Sport treiben. Kochen und backen. Regelmäßig ins Theater. Bücher lesen. Mehr Musikinstrumente spielen können. Und natürlich täglich meditieren, yogieren, aber auf keinen Fall prokrastinieren.

Um all das und noch viel mehr inklusive geplanter Entspannung unter einen Hut zu bekommen, habe ich lange Zeit versucht, ein perfektes, auf alle Lebenssituationen gemünztes System zu entwickeln, um mich zu organisieren. Organisation sei schließlich die halbe Miete, heißt es oft.

Allzweckwerkzeug? Gibt es nicht!

Ich verwende zur Zeit eine Kombination aus digitalem Kalender für Termine, Bullet Journal, Mottos für jeden Tag der Woche sowie einer Morgen- und Abendroutine. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass das der Stein der Weisen unter den Organisationssystemen ist. Ich bevorzuge lediglich diese Kombo, weil sie sich als praktikabel erwiesen hat.

Allerdings tappe ich auch immer wieder zu leicht in eine verbreitete Falle: Ich plane viel, aber komme nicht voran, dafür jedoch stets zu der selben Einsicht: Ich will zu viel.

In der Folge nehme ich mir zu viel vor, fühle mich unter Druck meiner eigenen Erwartungen gesetzt, welche letztlich nur enttäuscht werden können. Anstatt also eine zum Scheitern verurteilte Universallösung zu veröffentlichen, folgen ein paar Erkenntnisse, die mir helfen, mich nicht zu überladen.

Termine über Termine

Fangen wir mit dem Kalender an. Hier setze ich Slots für alles, was ich an einem Tag plane, insbesondere, wenn ich einen langfristigen Termin bekomme. Alles, was ich tue, benötigt Zeit. Also braucht es einen Eintrag im Kalender. Ich verwende verschiedene Farben für unterschiedliche Kategorien, beispielsweise Blau für private Verabredungen, Orange für Bildung und dergleichen. So sehe ich stets, auf einen Blick, wie ausgewogen meine Termine sind.

Viel zu häufig passiert es mir, dass ich Termine so nah wie möglich beieinander lege, um meinen Tag effizienter zu gestalten. Das ist aber ein Trugschluss. Denn dauert nur ein einziger Termin länger als erwartet, fange ich an Termin-Tetris zu spielen und verliere nur unnötig Zeit damit,  mich neu zu organisieren. Wenn ich hingegen großzügige Lücken plane (da ich quasi nie Termine von unter zwei Stunden Dauer habe, schaden 30min sicherlich nicht), habe ich Puffer im Falle von Verzögerungen und gönne mir Pausen.

Apropos: Für alles, was ich keine Zeit einplane, habe ich folglich auch keine. Das gilt auch für Freizeit. Deshalb bin ich dazu übergegangen, täglich Erholung zu integrieren.

Aufgabenverwaltung

Ein Kalender ist eine feine Angelegenheit für Termine, allerdings völlig ungeeignet, um einen Überblick über ausstehende Aufgaben zu behalten. Außerdem möchte ich nicht ständig mein Handy bemühen, um meinen nächsten Termin nachzusehen. Aufgrund seiner Einfachheit bin ich so rasch zum Liebhaber eines Bullet Journals geworden. (Falls du nicht weißt, was das ist, empfehle ich dir einen Blick auf diese Website des Erfinders. Dort bekommst du eine gute, schnelle Einführung.)

Zwei Dinge sind mir besonders wichtig am Bullet Journaling:

Erstens überprüfe ich stets wieder, ob eine Aufgabe denn wirklich(!) notwendig ist, da ich sie bei Nichterledigung sonst immer wieder neu aufschreiben muss, bis ich sie erledigt habe. Oder ich streiche sie eben einfach raus.

Zweitens wird eine Aufgabe am Tag priorisiert. Sie ist die alleinige(!) und wichtigste Aufgabe des Tages und sollte entsprechend auch als Erstes erledigt werden.

Eine Tageswidmung

Ich bin dazu übergegangen, jedem Tag ein Motto zuzuweisen, sozusagen als Leit-Thema für den Tag. Momentan sieht das so aus:

Montag
Uni

Dienstag
Arbeit für echtes Menschengeld
(Ich arbeite neben meinem Studium freiberuflich als Filmemacher.)

Mittwoch
Uni

Donnerstag
Uni

Freitag
Privates Projekt
(beispielsweise Wo ist Philipp?)

Samstag
Ruhetag – keine Termine!
(auch bekannt als Schabbat)

Sonntag
Studium von etwas Studienfremdem
(zur Zeit Hebräisch)

Auch ein Wochenzyklus kann in einem sonst eher unsteten Leben Routine schaffen. Mir ist es dabei wichtig, nicht zu den Tagen zu verharren, sondern sie gegebenenfalls auch tauschen zu können. Manchmal ist eben nicht Samstag, sondern Sonntag mein Ruhetag. Oder eben Freitag, wie es sich gerade ergibt. Manchmal ergibt sich auch gar kein Ruhetag, weil an jedem Tag Termine anstehen. Dann habe ich eben in der kommenden Woche zwei.

Außerdem ist recht auffällig, dass sich das Motto des Tages mit der Prio-Aufgabe beißen kann. Umso wichtiger ist es, wirklich nur eine Aufgabe zu priorisieren.

Was klein Fritzchen nicht lernt…

Das wichtigste zuerst, sagt man immer so schön. Entsprechend ist es mir wichtig, den Tag nicht gehetzt zu beginnen, weil dann der übrige Verlauf keinen Deut besser werden wird. Wenn ich allerdings wirklich alles, was nur mir persönlich wichtig ist, direkt am Morgen tue, benötige ich drei Stunden, bevor ich schließlich mit  meiner To-Do-Liste beginne. Deshalb möchte ich mich bei meiner Morgenroutine auf drei Dinge beschränken: Meditation, Morgenhygiene und Frühstück.

Abends gilt: Je mehr ich schon für den nächsten Tag vorbereite, desto weniger habe ich morgens zu tun. Entsprechend versuche ich, am Abend bereits ein paar Dinge abzuhaken: meinen Tag planen, den Journal Eintrag für den Folgetag schreiben, alle benötigten Utensilien und Zutaten für das Frühstück sowie meine Kleidung bereit legen – all diese Schritte ermöglichen mir morgens den Autopilot und geben mir Zeit, weniger gehetzt zu sein.

Außerdem soll mir meine Abendroutine etwas Zeit geben, um vom Tag runterzukommen. Sprich: Keine Bildschirme mehr, keine Telekommunikation, nicht noch mal schnell Mails checken. Das klappt allerdings in der Praxis noch nicht so gut, wie ich es mir wünsche.

Das Allheilmittel

Wie dir vielleicht schon aufgefallen ist, haben alle diese Punkte eins gemeinsam: Weniger ist mehr!

Was ich bei Materiellem und Reisen schon längst verinnerlicht habe, fällt mir in puncto alltäglicher Zeitgestaltung immer noch schwer, ist aber umso wahrer. Das ist keine neue Erkenntnis, doch all die hilfreichen und unterstützenden Kommentare bisher untermauern sie: Es kommt nicht auf die Menge an Aktivitäten im Leben an, sondern wie sehr wir sie genießen.

Auch Genuss bedarf Zeit!

An dieser Stelle möchte ich vielen Dank für eure Beteiligung und Unterstützung bisher sagen! Mich interessiert nun: Mit welchen Methoden sorgst du für alltäglich Entspannung?

Alles Liebe,
Philipp

8 Kommentare

Antworten →

  1. Daniel Gburek

    29/01/2018 — 06:58

    Hallo Philipp, bei mir ist das viel einfacher :) … ich habe ein paar Dinge, die ich am Tag bzw. in der Woche schaffen moechte. Diese Dinge musste ich bisher nie in einer Liste notieren (was ich vergesse, war dann meist unwichtig). Dann arbeite ich nach dem Lustprinzip bei der Abarbeitung. Bisher hat es gut funktioniert. Bis bald, Daniel

    • Hallo Daniel,

      echt beneidenswert, dass dir das so einfach von der Hand geht, ohne große Pläne zu erstellen! Und das sogar, obwohl du auch Deadlines hast. Das hört sich sehr gemütlich an, allerdings bin ich noch nicht so weit. :D

      Ich hoffe es. ;)
      Lieber Gruß,
      Philipp

  2. Manchmal ist meine Freizeit in Gefahr, weil ich was arbeiten muss. Dann arbeite ich das ab und es hat sogar noch Spass gemacht Ich kann auch gut ohne Arbeit. Termine habe ich nicht. Ich mache eine wichtige Sache am Tag. Ich will jeden Moment genießen. Jede Zeit ist meine Zeit. Ich mache nicht viel, lieber genau das Richtige. Vielleicht machst du noch insgesamt zu viel, Philipp? Wie mit meinen Jacken gerade (s. Gabis Blog). Es sind noch nicht die drei Optimalen. Ich brauche noch einen Neukauf. Mit denen krieg ich das nicht hin.

    Lg Tanja

    • Hallo Tanja,

      da könntest du Recht haben. Tatsächlich nehme ich auch alle Zeit als meine Zeit wahr. Jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, einem Moment entfliehen zu wollen, erinnere ich mich daran, dass alles was ich tue, von einer Entscheidung meinerseits ausgeht, denn offensichtlich habe ich mich auch nicht dagegen entschieden.

      Auf der anderen Seite könnte ich mich auch nicht entscheiden, was ich aufgeben würde. Deshalb versuche ich mich jetzt mal am Staffel-Prinzip. Eine Zeit lang mache ich das eine, eine Zeit lang das andere.

      Lieber Gruß,
      Philipp

      PS: Wegen der Jacken antworte ich gleich noch via E-Mail. :)

  3. Hallo Philipp!

    Ich lege mir nicht mehr als 1 zusätzlichen Termin zum Alltag auf einen Tag. Alles andere empfinde ich als stressig und dann habe ich auch weder die Ruhe, den Termin wahrzunehmen, noch den Termin zu genießen. Auch der Rest des Lebens funktioniert sonst nicht in der Form, wie ich es gerne hätte.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      meinst du mit Termin nur welche mit anderen Menschen oder auch dir selbst? In letzterem Fall wäre das womöglich noch ein Ansatz, den ich mal probieren sollte. :)

      Lieber Gruß,
      Philipp

      • Hallo Philipp!

        Generell Termine. Das kann auch etwas Angenehmes wie ein Massagetermin sein. Das ist ja wirklich nur für mich. Aber ich will mich vorher nicht stressen, damit ich den Termin erreiche, will Zeit haben mich darauf einzustimmen und will danach noch Zeit haben, um alles nachwirken zu lassen. So etwas füllt meinen Nachmittag aus :-)

        Und ganz ehrlich – ich finde das richtig gut, wenn ich dem so viel Raum gebe. Auch mit meinen Yogaeinheiten sehe ich das ganz ähnlich. Also zum und vom Yoga weg zu hetzen ist ja wohl ein Widerspruch an sich.

        lg
        Maria

        • Ja, da hast du vollkommen Recht! Genuss sollte da an erster Stelle stehen.

          Von daher verstehe ich auch echt gut, dass du den Tag erst am Folgetag bewertest; nicht nur, weil es Druck rausnimmt, sondern auch weil ich es als weniger manipulativ empfinde mir selbst gegenüber. Mit frischem Kopf macht sich das besser.

          Lieber Gruß,
          Philipp

Komm zu Wort