Ein Plädoyer für Reisen mit Handgepäck

Seit ein paar Jahren vereise ich bereits ausschließlich mit Handgepäck. Manchmal habe ich dann allerdings doch mal mehr dabei, wenn ich mich noch mit Nahrung für die Reise (oder die Zeit nach der Reise) eindecke. Die damit einhergehenden Strapazen und Torturen haben mich nun dazu veranlasst, aktiv für Reisen mit Handgepäck zu werben. Alles andere erschwert nämlich wortwörtlich unnötig unser aller Leben.

Dies ist eine zweiteilige Geschichte: Der erste Teil erzählt, wie ich zu Carry-on only kam. Der zweite, wieso ich mich manchmal dennoch tot schleppe.

Wie es dazu kam

Gerade zu Beginn meiner selbstständigen Reisen habe ich immense Mengen an Gepäck mit mir rumgetragen, denn ich wollte für jede Situation gewappnet sein. Nach vielen Umzügen, etwas Minimalismus und  etlichen Reisen habe ich jedoch gemerkt, wie wenig ich täglich benutze. Das endgültige Aus für aufgegebenes Gepäck gab es dann, als ich von meinem Austausch in Israel zurückkam: Beim Flug nach Wien ging damals mein Gepäck verloren und ich musste vier Tage mit der Wäsche auskommen, die ich eigentlich für eine Nacht in mein Handgepäck verstaut hatte, um den großen Rucksack nicht erst ausräumen zu müssen. Und siehe da: Das ging.

Darin sah ich lediglich den Beweis, wie praktikabel das ist. Vorgehabt hatte ich es schon wesentlich länger. Damit stand dem nichts mehr im Weg.

Gute Gründe gibt es zur Genüge

  1. Es reist sich leicher – logisch, weniger Zeug bedeutet auch weniger Masse, die getragen werden möchte.
  2. Es sorgt für mehr Frische – weniger zu tragende Masse, weniger Schweiß, weniger Geruch.
  3. Es macht unbeschwerter – um alles, das ich nicht dabei habe, brauche ich mir auch keine Sorgen zu machen, dass es verloren gehen könnte.
  4. Es vergünstigt – insbesondere Fluggesellschaften bitten mächtig zur Kasse, wenn es darum geht, zusätzliches Gepäck aufzugeben. Das kann man sich sparen.
  5. Es spart Zeit – sowohl beim Packen als auch beim Check-in.
  6. Es rennt sich schneller – wenn man doch mal spät dran ist.
  7. Es macht süchtig! – dazu später mehr.

Warum ich doch manchmal schwer trage

Bei meinen zahlreichen Reisen in den Nahen Osten habe ich mir angewöhnt, kulinarische Souvenirs mitzubringen: unter anderem Gewürze und insbesondere Datteln, denn die nutze ich ja ohnehin recht gern anstelle von raffiniertem Zucker. Hintergrund des Ganzen: In Israel erhalte ich diese Produkte wesentlich günstiger bei hervorragender Qualität – und in größeren Mengen, was gleichzeitig Verpackungsmüll spart. So bringe ich regelmäßig zwischen fünf und zehn Kilo Datteln nebst Fruchtleder, Nüssen, Sumak und Zatar mit.

Allerdings sind nicht all diese Dinge für mich allein, sondern auch für meine Liebsten bestimmt. Einmal brachte ich so viel mit, dass ich dafür extra einen Rollkoffer kaufte, obwohl ich solche wegen ihrer fragilen, kleinen Räder nicht ausstehen kann. Tatsächlich hat er dann nicht mal bis zum Flughafen durchgehalten. Das erste Rad ist bereits beim Überqueren der Straße vor der Wohnung abgebrochen.

Fortan zerrte ich den Rest der Reise, bei der ich auch noch Zwischenstopps in Warschau und Berlin einlegte, den sprichwörtlichen 20 Kilogramm schweren Klotz am Bein hinter mir her. Dabei gab es die ganze Zeit ein laut scharrendes Geräusch, denn das defekte Rad brach schließlich einfach weg. (Plastik kann man eben einfach nicht trauen!) Der Höhepunkt der Geschichte war schließlich, als mich in Berlin an einem Bahnhof jemand darauf ansprach, dass wohl eins meiner Räder nicht richtig rund laufe. Wie mir das zuvor nicht aufgefallen sei, ist und bleibt ein Rätsel. ;)

Drum sei nicht so ein Depp wie ich und lass dich auf zusätzliches Gepäck gar nicht erst ein. Handgepäck tut es auch und es fühlt sich im Vergleich wie der Himmel auf Erden an. Aber Vorsicht: Ehe du dich versiehst, wirst du womöglich süchtig danach, noch mehr Gepäck zu sparen und noch kleiner zu packen.

Probier es doch einfach selbst mal aus! Du hast wortwörtlich nichts zu verlieren.

Alles Liebe
Philipp

2 Kommentare

Antworten →

  1. Maria /Mari

    08/10/2020 — 11:32

    Hallo Philipp,

    danke für die Erzählung. Ich habe mich gerade köstlich amüsiert. Nur habe ich jetzt leider großen Appetit auf die Köstlichkeiten aus Israel bekommen ;)

    Seit einigen Jahren mache ich das mit dem Gepäck ähnlich. Ich reise öfter alleine und schätze am leichten Gepäck auch die Unabhängigkeit. Ich komme damit eigentlich in jeder Situation auch selbst zurecht und das ist mir viel wert (auch wenn sich stets jemand hilfsbereites finden würde)

    2016 war ich in England kurz bevor ich umgezogen bin und habe dort lauter tollen Interior Kram entdeckt. Unter anderem eine größere Garderoben Leiste. Mein Papa lacht heute noch. Als ich vom Flughafen abgeholt wurde hatte ich Unterhosen und Socken in meinen Manteltaschen, weil der Koffer schon belegt war

    • Hallo Mari,

      das freut mich! Leider ist mein Vorrat an Datteln mittlerweile auch erschöpft.

      Solche Flughafengeschichten habe ich auch noch ein paar, aber die hebe ich mir die Anleitung zum leichten Packen auf. :P

      Lieber Gruß aus Berlin
      Philipp

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