Geld – Braucht das noch wer oder kann das weg?

Es ist unglaublich, wie oft ich mir schon anhören musste, das Geld doch angeblich die Welt regiert. Lass uns doch nur mal für einen kurzen Augenblick innehalten und uns vorstellen, wie viel besser unsere Welt sein könnte, wenn dem nicht so ist.

Eins vorweg: Dies ist kein Beitrag gegen Geld. Ich bin mir durchaus der Vorteile bewusst, die Geld uns bringt. Kaum auszudenken, wie viel beschwerlicher unsere Leben wären, bräuchten wir stets Goldbarren oder Lammkeulen zum Austausch.

Geld an sich ist nichts Böses und kein Hexenwerk. Mir bereitet vielmehr der Umgang damit Sorge. Zwar bin ich wahrlich kein Experte in den Themen Geld und Wirtschaft, doch habe ich Menschenverstand. Und damit verbunden Fragen.

Woran messen wir Erfolg?

Offensichtlich finanziell. Wie oft steht dieser Maßstab großartigen Ideen im Weg, weil sie sich „nicht rentieren“? Was geschieht also, wenn wir einen ganz anderes Maß anlegen?

Stell dir vor, wir messen ein Unternehmen nicht nach finanziellem Erfolg, sondern nach dem Glück der Mitarbeiter. Wie nehmen wir den Erfolg von Projekten wahr, wenn wir Geld hintenanstellen und stattdessen die Lernkurve der Teilnehmer betrachten? Und wie sieht ein Ranking aus, wenn nicht der Gewinn an Geld entscheidend ist, sondern die Ökobilanz?

Jede Vermessung wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Oft verwendeter Standard ist die erworbene Menge an Geld in Relation zur investierten Menge in Geld. Wesentlich aufschlussreicher für unsere Zukunft wäre aber beispielsweise der Wirkungsgrad in Hinblick auf:

  • Gleichberechtigung innerhalb der Bevölkerung
  • die gesundheitliche Entwicklung aller involvierter und betroffener Menschen
  • die Zuträglichkeit der Umwelt

Wieso all der Wachstum?

Alles soll wachsen. Das BIP. Die Anzahl der Arbeitnehmer. Immer weiter bergauf soll es gehen mit der Wirtschaft – und das am besten weltweit.

Was für eine Milchmädchenrechnung in einer endlichen Welt. Dass auf ein Hoch auch immer ein Tief folgt, zeigt uns die Natur ganz wunderbar. Warum sollte das in der Wirtschaft anders sein? Durch alternierende Hochs und Tiefs pendelt sich ein Gleichgewicht ein. Denn alles ist im Wandel. Ein stilles Gleichgewicht existiert nicht. Also brauchen wir uns auch nicht darum bemühen.

Unternehmen müssen nur dann stetig wachsen, wenn es das Wirtschaftssystem indoktriniert . Im Grunde reicht es aus, wenn jederzeit alle offenen Rechnungen beglichen werden können. Wenn ein Unternehmen zu Grunde geht, sollte wir ihm dies auch gestatten. Denn alles hat ein Ende. Zumindest in der Realität.

Wir Menschen verdrängen das aber sooft es nur geht und scheuen uns vor Wandel. Wozu Unternehmen retten? Weil sie „schon immer“ existiert haben? Wohl kaum. Dinge enden. Dinge entstehen. Das gilt auch für Unternehmen.

„Zeit ist Geld“ – Wer kam auf diese dumme Idee?

Sie ist das wertvollste, das wir haben. Und gleichzeitig ein bisschen magisch, denn wir können sie miteinander teilen und dadurch noch viel reicher an ihr werden. Was hat sie also mit schnöden Mammon gemein?

Im kapitalistischen Sinne ergibt dieser Spruch natürlich Sinn: Wenn etwas länger benötigt, müssen Menschen länger für ihre Arbeit bezahlt werden, also geht mehr Geld raus. Angestellte sind es gewohnt, einen Stundenlohn zu bekommen und auch bei Selbstständigen läuft es letztlich auf ein stündliches Honorar hinaus, weil sie berechnen müssen, wie viel Geld sie benötigen, während sie mit der Arbeit X beschäftigt sein werden.

Hier ist aber die Kehrseite des Ganzen: Wie soll man Lebenszeit durch Geld aufwiegen können? Wir lassen uns hier auf einen miesen Deal ein. Denn Zeit ist nicht Geld, Geld oft aber Zeit.

Solang wir uns von Geld abhängig machen, weil wir uns nicht selbst versorgen, und es kein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, sind wir genötigt, an Geld zu kommen. Notfalls eben durch Knechtung an das System. Sinnvoller ist es, Lebenszeit vom Verdienst zu entkoppeln.

Zuerst einmal besteht jedoch die Frage, wieso es überhaupt notwendig ist, sich Geld verdienen zu müssen. In der Natur gilt freilich, erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wenn ein Eichhörnchen keine Bucheckern sammelt, gibt es im Winter nichts zu knabbern. Als Gesellschaft stehen wir allerdings darüber. Arbeit sollte transformiert werden.

Wenn jeder Mensch monatlich die gleiche Summe bekäme, wäre das auch ein Schritt hin zur Gleichberechtigung. Freilich können wir gewisse Umstände wie erblich bedingte Krankheiten nicht egalisieren. Das soziale Milieu allerdings wohl. Und wenn es wirklich jeder in gleicher Höhe bekommt, gibt es auch keinen Grund, neidisch zu sein. Wer mehr verdienen möchte, kann ja dennoch mehr bezahlter Arbeit nachgehen. Aber die Grundbedürfnisse sind zumindest gedeckt.

Wie real ist Geld wirklich?

Dass wir nicht grenzenlos Ressourcen zur Verfügung haben, dürfte mittlerweile jedem klar sein. Das setzt sich mit Geld fort. Niemand von uns hat Zugriff auf unbeschränkte finanzielle Mittel, obwohl eine Entkopplung von materiellem und monetariellem Wert stattfindet, seitdem wir keine Edelmetalle mehr für Münzen verwenden.

Nun begibt es sich, dass wir Menschen scheinbar von Geld abhängig sind. Dabei ist eigentlich das Gegenteil der Fall. Geld repräsentiert nur einen bestimmten Wert, dem wir ihn zuweisen. Die Herstellung eines 50€-Scheines kostet keine 50€. Je mehr Geld einer Währung Zentralbanken in Umlauf bringen, desto weniger ist es wert. Gleichzeitig ist Geld wie eine Essensmarke. Man bekommt im Tausch dafür etwas. Und nach Entwertung, was sowohl für Marken als auch Geld passieren kann, ist es nichts mehr wert.

Je mehr Bedeutung wir Geld beimessen, desto mehr Macht geben wir ihm, desto mehr machen wir uns davon abhängig. Jeder von uns hat physische Bedürfnisse. Doch müssen wir für deren Erfüllung mit Geld bezahlen? „Natürlich!“, schallt es nun in einigen Köpfen. Dabei ist an Geld nichts natürlich. Es ist von Anfang bis Ende von Menschenhand gemacht.

Man stelle sich mal vor, Geld hätte ein Verfallsdatum. Plötzlich gäbe es kein Anhäufen mehr. Weniger Zukunftsangst, denn das nächste Einkommen kommt so bestimmt wie der Tag auf die Nacht. Für teurere Ziele würden sich Menschen zusammentun, um sie gemeinsam zu erreichen. Oder womöglich auf die Idee kommen, dass wir genauso gut auf Geld verzichten könnten und einfach gemeinschaftlich teilen, was uns zur Verfügung steht. Ganz uneigennützig. Einfach nur so.

Wer sind die wahren Gewinner?

Es wird noch viele Jahre dauern, bis ein wirklich bedingungsloses Grundeinkommen etabliert werden wird oder wir Geld gar ganz abschaffen. Um zu erkennen, woran das liegt, bedarf es nur eines Blickes, wer am meisten davon profitiert, dass alle dem Geld hinterherrennen und gar keine Zeit haben, kritisch zu sein. Oder Ideen zur Verbesserung unserer Gemeinschaft zu entwickeln. Oder neue Modelle auzuprobieren.

Deshalb möchte ich jeden dazu ermutigen, sich von herrschenden Grundsätzen frei zu machen!

Machst du mit?

Alles Liebe,

Philipp

6 Kommentare

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  1. Zeit ist nicht Geld, sondern Geld ist Zeit. Und es wird niemand gezwungen in diesem Spiel mitzumachen.
    Klar, wir benötigen ein bisschen was, um die normalen Kosten zu decken. Aber auch diese sind sehr flexibel. Auf dem platten Ostland werde ich wohl weniger zum Leben benötigen, als in der Hipsterstadt.
    Man muss nur Mut haben und seinen Platz suchen und finden.
    Im Grunde ist Geld nicht mehr als ein Positivschuld. Jemand schuldet mir etwas, wenn ich Geld besitze. Wunderbar nachzulesen in David Graebers „Schulden – Die ersten 5000 Jahre“. Sehr empfehlenswertes Buch…

    • Hallo Daniel!

      Danke für den Lesetipp. Von der Seite habe ich es noch gar nicht betrachtet. Dabei frage ich mich gerade, ob mir nur durch Geld wirklich jemand etwas schuldet, denn es setzt ja voraus, dass ein Großteil der Menschen bei dem Spiel mitmachen. Wenn mir niemand etwas für mein Geld geben möchte, nützt es mir äußerst wenig.

      Lieber Gruß,
      Philipp

      • Es macht nicht nur ein Großteil der Menschen mit, sondern in unserer Gesellschaft nahezu jeder. Sonst würde unser Geldsystem gar nicht mehr funktionieren. Der Goldstandard oder ähnliche Sicherungssysteme sind schon lange abgeschafft. Demnach ist Geld, ob nun Bargeld oder die Zahlen auf dem Konto an sich kein Wert. Der Wert ergibt sich nur aus dem Vertrauen, den wir diesem beimessen. Wenn das vertrauen weg ist, dann verliert das Geld seinen imaginären Wert und ist nur noch das Stückchen Papier oder Metall, aus dem es besteht…

        • Ja, das meine ich auch. Die Frage ist, welche kritische Masse es benötigte, damit das passiert.

          Lieber Gruß,
          Philipp

  2. Hallo Philipp,

    tolle Gedanken, aber meiner Meinung nach zu viele Annahmen.

    Zu den guten, nicht rentierlichen Ideen: Warum sollte ich jemanden Geld für eine noch so tolle Idee zur Verfügung stellen, bei der ich langfristig keinen Return On Investment habe? Denn dann werde ich das Kapital (welche Form auch immer ich davon einbringen kann) lieber in ein anderes Projekt investieren, von dem ich letztlich auch etwas habe.

    Man könnte jetzt an die Moral appellieren. Aber würdest du deine Arbeitskraft (Produktivkapital) zur Verfügung stellen, wenn du eventuell auch noch selbst etwas draufzahlen müsstest?
    Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage.

    Es gibt einen Menschen mit einer Vision. Er überzeugt genügend andere Menschen davon. Und es gibt Bedarf. Dann ist klar, dass damit Mehrwert entstehen kann. Danach müssen ebenfalls noch Menschen überzeugt werden, die bereit sind das Risiko einzugehen – also mit ihrem Kapital einzusteigen. Dafür erwarten sie einen entsprechenden Rückfluss. Ist dieser unwahrscheinlich, gibt es noch genug anderer Ideen die Unterstützung benötigen und eventuell erfolgsversprechender sind. Letztlich geht es aber darum das Nutzenstiftendste zu finden, denn nur wo wirklicher Mehrwert geschaffen wird, wird letztlich auch investiert, denn nur hier kann auch etwas zurückfließen. Zumindest stark vereinfacht.

    Demzufolge sollte Geld also der Gradmesser für den Mehrwert eines Produktes oder einer Dienstleistung sein. Ein Unternehmen mit finanziellen Erfolg hat entsprechenden Mehrwert geschaffen und Unternehmen, die keinen Mehrwert schaffen, sollten wie du erwähntest, zu Grunde gehen dürfen. Letzteres passiert aber auch oft genug.

    Geld und Zeit sollte man meiner Meinung nach wirklich entkoppeln. Dafür muss man selbst nach tollen Investitionsmöglichkeiten schauen. Wir alle haben Kapital oder auch Produktionsfaktoren zur Verfügung. Entweder Geld, Arbeitskraft oder Boden. Es liegt also an uns dieses Kapital für einen Mehrwert einzusetzen.

    Gruß,
    Marco

    • Hallo Marco,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich habe dazu noch ein paar Fragen.

      Innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems ergibt das an sich Sinn. Da es mir in diesem Beitrag darum geht, zu experimentieren, was alles möglich wäre, wenn wir es mal mit etwas Neuem probieren und andere Gradmesser zur Verfügung stehen, halte ich Geld an einigen Stellen eben nicht für den richtigen Ansatz. Entsprechend mache ich auch Annahmen. Es ist ein Gedankenspiel. Wenn ich nur mit den Rahmenbedingungen des Status Quo arbeite, wird es keine Verbesserung geben.

      Wenn man wirklich nur Geld als Gradmesser verwendet, stellt sich mir beispielsweise die Frage, wie sich öffentliche Verkehrsmittel halten sollen. Die Deutsche Bahn macht finanziell Verluste, obwohl die Ticketpreise für die Verbraucher steigen. Der Bund investiert aber weiter, um das Unternehmen zu retten, weil es infrastrukturell ein Gewinn für das Land ist. Nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage sollte das Unternehmen also zu Grunde gehen, weil die Nachfrage nicht ausreicht, um die Geld-Ausgaben des Unternehmens zu decken. Doch wäre der Schaden für den Alltag der Bevölkerung nicht viel größer, wenn es DB nicht mehr gäbe?

      Nachfrage und Angebot sind bereits jetzt in einer Schieflage. 11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Jahr in der Tonne. Hier ist das Angebot also größer als die Nachfrage. Da stellt sich zwangsläufig die Frage der Effizienz. Ressourcen, Natur und Menschen könnten geschont werden, wenn man tatsächlich nur herstellt, was benötigt wird. Geld als Anzeiger funktioniert hier überhaupt nicht, denn den Lebensmittelkonzernen geht es prächtig – ob der verschwendeten Ressourcen.

      Zu deiner Frage: Ich würde Produktivkapital zur Verfügung stellen. Das Draufzahlen ergibt sich von selbst, weil es mir wie gesagt darum geht, ob es nicht auch ohne Geld bzw. mit einem anderen Umgang von Geld geht. Entsprechend frage ich mich auch, ob es nicht wert ist, Arbeitskraft zu investieren, wenn dies einen gesellschaftlichen Nutzen bringt und man den persönlichen Nutzen hinten anstellt.

      Auch stellt sich mir bei der Entkopplung die Frage, ob wir die nicht flächendeckend für alle einfacher Menschen erreichen könnten. Im bestehenden System ist es ein Kampf, den Einzelne austragen müssten und damit lediglich für sich selbst eine Verbesserung herstellen. Nachhaltiger wäre jedoch, wenn alle Menschen in diesen Genuss kämen. Dass man sich alles im Leben vorher verdienen muss, ist ein sehr kapitalistischer Gedanke, wie ich finde. Als Gemeinschaft können wir uns darüber hinwegsetzen, wenn die entsprechenden Visionäre genug Menschen überzeugen können.

      Alles Liebe,
      Philipp

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