Ich bekenne mich schuldig. Auch ich suche für mein Leben gern nach Wegen, alles noch besser zu machen. Doch ist das wirklich so schlecht? Ich glaube nicht.

Ob Challenges, sozialkritische Experimente oder Neujahrsvorsätze – sie alle sehen sich Kritik ausgesetzt:

„Das hältst du doch nicht durch!“ – „Genießt du denn überhaupt noch etwas im Leben?“ – „Hast du sonst keine Probleme?“

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich dazu entschlossen, auf Alkohol und Zucker zu verzichten. Und nachdem ich ein paar Jahre davor bereits beschlossen hatte, erst auf Fleisch und dann möglichst auf Plastik zu verzichten, habe ich ebendiese Fragen des Öfteren gehört.

Durchhaltevermögen

Mein Experiment, möglichst weit auf Alkohol und Zucker zu verzichten, hat recht gut geklappt. Es waren keine 100%, aber ich war zufrieden. Nach einem Jahr stellten mir viele, mich eingeschlossen, die Frage, ob ich denn nun wieder anfange, diesen beiden Dinge zu konsumieren.

Die Genussfrage

Ich habe es ernsthaft in Erwägung gezogen. Vielleicht einfacher weniger strikt? Doch jedes Mal, wenn ich in meiner Umgebung beobachte, wie mit dem Konsum von Alkohol, Zucker oder anderen Drogen umgegangen wird, verwehrt sich etwas in mir. Nein, ich möchte nicht mehr Teil dieser gleisnerischen Gesellschaft sein, in der man Kindern vorlebt, dass nur manche Drogen in Ordnung sind, anstatt ihnen den richtigen Umgang mit Drogen zu lehren.

Wer weiß, womöglich verspüre ich doch eines Tages wieder „Appetit“. Andererseits waren mir jüngst sogar einige Früchte zu süß. Und beim Gedanken an konventionellen Kuchen zieht sich mir alles zusammen. Das hätte ich mir noch vor einem Jahr nicht im Traum ausgemalt. Drogenfrei bin ich in jedem Fall nicht.

Ich genieße trotzdem, wenngleich dezenter und wahrscheinlich auch Dinge, die andere Menschen gar nicht als Genuss empfinden.

Erste Welt Probleme

Natürlich lässt sich argumentieren, dass es auf der Welt dringlichere Probleme gibt. Freilich wäre ich wohl weniger wählerisch, was meinen Speiseplan anbelangt, wenn Essensnot herrschen würde. Unsere mehr als gedeckte Grundversorgung, bedeutet aber nicht, dass alles gut ist. Wenn uns etwas stört, sollten wir uns damit nicht zufriedengeben, sondern die Gründe dafür herausfinden und an den entsprechenden Stellen Veränderung herbeiführen.

Das mag sehr weit weg von Zufriedenheit und nach stetiger Optimierung klingen. Zum perfekten Übermensch werde ich dadurch sicher nicht. Aber ich bekomme das Gefühl, mein Leben und die Welt Stück für Stück ein wenig besser zu machen. So individuell wir wie Menschen sind auch Lösungsansätze. Dafür bedarf es etwas Experimentierfreude, Versuch und Irrtum.

Und was kann dabei schon schief gehen?

 

Alles Liebe,
Philipp