Bei den Worten „Israel“ und „Winter“ würde mir ja als letztes eine verschneite Winterlandschaft in den Sinn kommen. Orient, Palmen, Kamele – da passt Schnee überhaupt nicht rein. So genoss ich die letzten Wochen zumeist zwischen 10 und 25°C bei viel Sonnenschein, obwohl ich mit viel Regen gerechnet hatte, wo sich doch die 40 Regentage pro Jahr auf Dezember und Januar verteilen sollten. Jerusalem sticht aber im wahrsten Sinne des Wortes etwas heraus, denn es ist recht hoch gelegen und damit für israelische Verhältnisse auch ziemlich kalt. Und prompt hatten wir nun auch Schnee.

Ich hatte bereits von meinen Kommilitonen gehört, dass es hier alle zehn Jahre mal schneit und deshalb meine Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, da es letztes Jahr bereits zwei Meter Schnee gegeben haben soll. Doch dann haben wir angesichts des Wetterberichts „schneefrei“ bekommen. Damit waren alle meine Pläne für diese Woche dahin, denn die Uni wurde komplett verschlossen und teils wurden aus Jerusalem abgehende Straßen abgeriegelt. Viele Studenten flohen vorher noch zu ihren Eltern. Ich dachte schon, Israelis mögen Schnee nicht.

Da irrte ich mich allerdings ganz gewaltig! Kaum fielen die ersten Flocken, konnte ich laute Musik vom Nachbarhaus dröhnen hören. Spontan fand draußen eine Schneeparty statt, zu der alle wild tanzend das Ausnahmewetter zelebrierten. Gleiches spielte sich auf dem Shuk ab, wo kurz vor Schabbat ausgelassen und leger bekleidet zu elektronischer Tanzmusik die Hüfte geschwungen wurde. Lang hielt es allerdings nicht an. Orkan und Gewitter taten zusammen mit dem Gestöber ihr übriges um alle Menschen in ihre Häuser zu verweisen.

Foto Meldung des Benachrichtigungssystems meiner Hochschule

Meldung des Benachrichtigungssystems unserer Akademie

So wirklich gewachsen ist die Stadt der Situation aber nicht. Die Gebäude hier sind überhaupt nicht isoliert. Klar, im Sommer werden ja auch mal locker 50°C, die Häuser sind also eher zum Kühlhalten konzipiert. Entsprechend hat es die Klimaanlage auch schwer, die Räume warm zu halten, zumal der Wind ordentlich kalte Luft in unser Apartment hineingeblasen hat. Da so selten Schnee in die Stadt kommt, gibt es auch keine Streufahrzeuge. Stattdessen halten Bagger zum Räumen der Straßen her. Die wenigen Menschen, die sich draußen aufhalten müssen, haben eine brennende Tonne neben sich stehen. Der Duft von frisch verbranntem Holz erfüllt die eine oder andere Nachbarschaft. Öffentliche Verkehrsmittel verkehren nicht und die meisten Geschäfte haben einfach geschlossen.

Es liegt also alles brach. Und wir reden hier mit 5cm wahrlich nicht von viel Schnee. Interessanter Weise ging während des Krieges im Sommer alles gewohnt seinen Gang. Entsprechend in der falschen Welt fühle ich mich auch gerade.

Eines finde ich an alledem dann aber doch ganz schön. Nämlich wie sich hier Menschen aller Altersgruppen über den Schnee freuen. Es ist allerdings ein sehr kurzes Vergnügen, denn lang halten kann sich der Schnee nicht, ehe überall Ströme die Hügel herunterrauschen und in den Senken Seen bilden. Deshalb genieße ich jetzt noch ein wenig das Gestöber draußen mit dem leckeren Weihnachtsgebäck, das nach sage und schreibe sieben Wochen endlich seinen Weg aus Deutschland zu mir gefunden hat. :)

 

Alles Liebe,

Philipp

PS: Ich habe bei der Gelegenheit auch gleich mal meine Laufschuhe im Schnee ausprobiert. Fazit: Ganz üble Idee.