Da ich als Filmemacher selbst in einem kreativen Umfeld arbeite, stellt sich mir diese Frage recht häufig. Immer wieder zwängt sich mir der Eindruck auf, dass man vor allem mit Handwerk, kapitalistischen Unternehmungen und in den Naturwissenschaften gut für die Zukunft aufgestellt ist. Doch was ist mit all den Menschen, die damit nichts anfangen können?

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine letzten Schuljahre. Je näher wir dem Abitur kamen, desto öfter tauchte die Frage auf, was wir denn später eigentlich beruflich machen wollten. Ich war das gewohnt, denn meine Oma stellte mir seit der 1. Klasse gefühlt bei jedem freitäglichen Besuch diese eine Frage: Weißt du schon, was du später werden willst? Jede Woche wartete ich mit einer anderen Antwort auf, woraufhin mir meine Großmutter erklärte, warum weshalb dieser Beruf ihrer Meinung nach nicht für mich geeignet sei. Antworten, die wieder und wieder auftauchten, waren diese:

Das hat doch keine Zukunft.

– Oma

Dafür brauchst du nicht studieren.

– Oma

und

Damit kann man doch kein Geld verdienen.

– Oma

Letztlich kam sie dann aber stets zu dem Schluss, dass ich ja auch noch Zeit habe, um mich zu entscheiden.

Obgleich ich die Kriterien, die meine Großmutter aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen zu Grunde gelegt hatte, nicht für die richtigen halte, bin ich dankbar dafür, dass sie mich angeregt hat, immer wieder über meine Zukunft nachzudenken. Das tue ich auch heute noch.

Und auch heute noch frage ich mich, ob ein künstlerischer Beruf denn wirklich geeignet ist, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, solang es das bedingungslose Grundeinkommen noch nicht gibt. Nach dem Wehrdienst habe ich mich von diesen Gedanken sogar so weit treiben lassen, dem künstlerischen Studium einen technischen Studiengang vorzuziehen, weil ich das für die „sicherere“ Alternative hielt und erst einmal einen „richtigen“ Abschluss machen wollte. Heute halte ich das für Quatsch.

Trotzdem bereue ich die Entscheidung, erst einmal etwas anderes studiert zu haben nicht, denn es hat mich auf den Pfad gebracht, möglichst viel auszuprobieren, mich interdisziplinärer aufgestellt, und mir Wissen und Fertigkeiten vermittelt, die mir auch heute noch weiterhelfen. Und damit bin ich auch schon bei den drei Kernelementen, die ich zugleich als obligatorisch und zukunftstauglich erachte.

Interdisziplinarität

Ich habe einmal versucht, Kunst zu definieren und bin dabei rasch an meine Grenzen gestoßen. Denn ganz so leicht ist Kunst nicht fassbar. Was ist Kunst denn? Das Gegenteil von Natur? Nur die schönen Künste? Und wer beurteilt, was Kunst ist und was nicht? Kunst, und damit auch der Kunstbegriff, ist im Wandel. Kreative Felder wie die Filmlandschaft machen deutlich, dass der Trend unlängst zu Interdisziplinarität geht. Hier kommen verschiedene künstlerische Gewerke zusammen und erschaffen gemeinsam ein Kunstwerk. Und der Trend geht noch viel weiter. Videospiele, Virtual Reality und virale Kampagnen im Internet zeigen nicht nur, dass ITler und Künstler zusammenkommen können, sondern gemeinsam sogar etwas viel Stärkeres erschaffen, als einzeln. Ohne Wissenschaft gäbe es VR gar nicht. Andersherum bekommt diese Technik aber auch erst Sinn, weil wir sie nutzen, um etwas Neues zu erschaffen.

Lernbereitschaft

Dennoch hält sich nach wie vor der Mythos von der Rivalität zwischen Kunst und Wissenschaft. Dabei sieht die Realität komplett anders aus. Ein Mensch kann noch so künstlerisch veranlagt sein und wird doch allein davon kein Werk zustande bringen, wenn es ihm an wissenschaftlicher Methodik (Trial & Error) und an den nötigen handwerklichen Fähigkeiten fehlt. All das kann ebenso erlernt wie Kreativität. Und dieser Lernprozess hört im besten Fall nie auf, sondern geht immer weiter und weiter und weiter. Deshalb sollten sich alle Kunstschaffenden nicht nur in Kreativität, sondern auch in Handwerk und wissenschaftlichem Arbeiten üben.

Probierfreude

Die von uns verwendeten Medien ändern sich permanent. Im Mittelalter war Malerei recht angesagt. Dann kam die Fotografie auf. Und wurde schließlich digital. Deshalb machen die Menschen immer noch Bilder – genau genommen mehr als jemals zuvor. Ebenso scheinen Kinos nach und nach auszusterben. Deshalb werden Menschen jedoch weiter Geschichten erzählen, ebenso wie es auch heute noch Künstler gibt, die sich der Malerei widmen. Nur Medien und Technik ändern sich. Nun können wir entweder nostalgisch werden, der Vergangenheit nachtrauern und uns zurückziehen, oder wir nutzen die neuen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Ich plädiere für Letzteres. Denn so kapitalistisch, technisiert und wissenschaftlich unsere Gesellschaft auch sein mag, wird es stets Raum für Kunst geben. Wir brauchen ihn nur ausfüllen.

Wie siehst du das? Hat Kunst eine (berufliche) Zukunft? Oder wird sie künftig womöglich schlichtweg ein Hobby? Schreib es in die Kommentare!

Alles Liebe,
Philipp