Bin ich eigentlich der einzige, bei dem Schuhe nicht länger als ein Jahr halten? Wohl kaum, denn jüngst sprach ich mit Mitmenschen, die meinten, ein Jahr sei doch lang. Wie bitte?!

Wo sind bitte die Zeiten hin, in denen Schuhe Jahre gehalten haben?

Ich habe jetzt wirklich schon die verschiedensten Materialien, Hersteller und Preiskategorien durch. Jedes Mal mit dem gleichen Ergebnis: Nach spätestens zwölf Monaten fallen sie auseinander. Jüngst habe ich es mit dem abgebildeten Exemplar versucht. Da hat sich die Sohle bereits nach einer Woche vom Rest des Schuhs gelöst.

Meiner Meinung nach kann es nur am Design des Schuhs liegen. Die Schuld meinen Füßen, meinen täglichen Kilometern oder meinem Laufstil in die Schuhe zu schieben, ist ja auch vollkommen absurd!

Ich erinnere mich noch gut daran, dass in meiner Kindheit Design immer gleichzeitig mit Markenprodukten in Verbindung stand. „Es muss nicht immer die Marke sein“, hieß es dann. Tatsächlich wird in unserer globalisierten Welt fast nichts mehr markenlos verkauft. Wider der allgemeinen Meinung müssen Marke und gutes Design aber überhaupt nicht im Einklang stehen. Ebenfalls muss ein Markenprodukt auch gar nicht teuer sein. Genau genommen sind sogar viele billige Produkte Markenprodukte (siehe Supermarkt).

Eine Marke ist nicht mehr als ein eingetragenes, rechtlich geschütztes Zeichen, dass die Produkte eines Unternehmens von anderen unterscheidbar machen soll. Umso besser das Ansehen eines Unternehmens, desto besser wird auch das Angebot des Unternehmens wahrgenommen werden, solang es mit der Marke versehen ist. Folglich kann eine Marke für Millionen gehandelt werden und Produktpreise in die Höhe treiben, obwohl sie noch gar nichts über die tatsächliche Qualität oder den tatsächlichen Wert eines Produkts aussagt.

Design kann aber sehr wohl etwas über die Qualität eines Produkts aussagen, wenn man sich nicht darauf verlässt, was die Hersteller sagen, sondern selbst mal eine Einschätzung vornimmt. Dabei spielen Form, Farbe, Beschaffenheit, Material und Funktionalität sehr zentrale Rollen. Und tatsächlich steckt Design in jedem Produkt, schließlich muss sich irgendjemand überlegt haben, wie es aussehen soll. Doch was unterscheidet nun gutes von schlechtem Design?

Es bedarf also Richtlinien, anhand derer man ein gutes Design bestimmen kann und die gibt es sogar schon. Wenn man sich etwas mehr mit Design auseinandersetzt, stößt man zwangsläufig irgendwann auf Dieter Rams.  Dieser hat bereits in den 1970er Jahren begonnen,  zehn Thesen für gutes Design aufzustellen, die meines Erachtens universell anwendbar sind. Danke, Dieter!

Ich kann jedem nur empfehlen, mit der Suchmaschine seines Vertrauens nach ebendiesen zu suchen und sie zu verinnerlichen. Sie helfen, selbst qualitativ hochwertigere Dinge herzustellen und andere Dinge besser einschätzen zu können. (Letzteres kann vor allem beim (Nicht-)Kauf von Produkten nützlich sein. ;))

Welche Auswirkungen hat gutes Design also?

  • Es wirkt geplanter und psychologischer Obsoleszenz entgegen. Beide werden von Herstellern benutzt, um uns häufiger zum Kauf neuer Dinge anzuregen – entweder weil das vorige Produkte beabsichtigt seinen Dienst verweigert oder weil uns Werbung suggeriert, dass wir das das eigene Produkt nicht mehr schön/aktuell/seinem Zweck gerecht empfinden.
  • Es schont Ressourcen. Wir können es uns nicht leisten, für die Müllhalde zu produzieren. Trotzdem tun wir es. Wenn der Gefallen an den Dingen, die wir haben, aber nicht vergeht, verbrauchen wir auch zwangsläufig weniger Ressourcen für die Folgegeneration des Produkts, das wir dann eben nicht haben möchten.
  • Es schont uns. Wenn wir nicht ständig neuen Produkten hinterherjagen oder uns über schlechtes Design aufregen, können wir unsere Zeit bedeutungsvolleren Dingen zuwenden. Wir müssen weniger arbeiten und sind entspannter.
  • Es hilft uns, fokussiert zu sein. Ganz egal, ob es um ein Projekt oder Zeit an der frischen Luft geht – wenn es keinen unnötigen Schnulli mehr gibt, können wir uns auf das konzentrieren, was für uns wirklich zählt.
  • Es erschafft eine bessere Welt. Glücklichere, fokussierte Menschen, die sich dem widmen, was wirklich für sie zählt, keine künstliche Obsoleszenz seitens mieser Unternehmen, Menschen die tatsächlich mal weniger arbeiten müssen, eine grünere Umwelt – klingt ganz so, als könnte eine neue Ära anbrechen, oder?

 

Die Quintessenz

Wie sieht deine Einstellung zu Design aus und worauf legst du Wert? Wie gehst du mit schlechtem Design um? Und worauf wirst du künftig achten? Lass es uns wissen!

 

Alles Liebe,

Philipp

 

PS: Die Schuhe habe ich bereits mehrmals mit Haushaltskleber repariert. Ist allerdings nicht so wasserbeständig. Für Reparaturtipps bin ich offen. :)