Zwischen Genusskultur und Verstand

Ein Monat ist um und somit ist es an der Zeit, ein Resümee zu ziehen: Was hat das Zusatzzuckerfasten gebracht? Und wie geht es nun weiter?

Wie immer das Positive zuerst:

  • Wenn ich etwas Süßes wollte, griff ich zum Obst (mein Freund und Helfer ;)). Vitamintechnisch super! Das wäre in Deutschland aber gar nicht möglich gewesen.
  • Wider meiner Erwartung verbrauchte ich lediglich in der ersten Woche meinen Süßholzvorrat, kaufte aber kein neues nach.
  • Neben neuen Dingen, die ich probierte, war ich mir auch den einzelnen Geschmäckern wesentlich bewusster und genoss mein Essen noch mehr als sonst.
  • Ich habe einen Gang zurückgeschalten. All die Energie, die mir sonst der ganze Süßkram gab, hatte ich gefühlt durch Schlaf kompensiert. Ein gutes Gefühl! Außerdem nahm ich (eher zufällig) kein Koffein zu mir. Das hat meinen Körper tiefenentspannt.
  • Sonst treibt Zucker meinen Appetit an. Diesen Monat habe ich dadurch weniger gegessen, ohne hungrig zu sein, und mich gleichzeitig nie an einer Sache übergessen. Diese Leichtigkeit war sehr angenehm und befreiend.
  • Ich habe viel nachgedacht, angezweifelt und einige Erkenntnisse gewonnen, auf die ich später noch eingehen möchte.

Es war natürlich nicht alles Friede, Freude und Eierkuchen (mh, Eierkuchen… :)).

Wenn ich irgendwo eingeladen war, musste ich viele Dinge dankend ablehnen. Meist folgten dann noch Erklärungen. Und das, wo ich ohnehin schon nach vielen über mein Essen und Konsum gefragt werde.

Die Verlockung lauert überall. An vielen Ecken gibt es Süßbackwaren. Dann steigt ständig der wohlige, verführerische Duft in die Nase und regt den Appetit an. Auch auf dem Markt ist man an keiner Ecke vor ihm sicher.

Der Monat hat mir gezeigt, dass ich mich trotz Fasten ungesund ernähren kann. Es liegt immer noch stets in meiner eigenen Verantwortung, meiner gesunden Wunschernährung nachzukommen.

Er hat mir aber auch wiederholt bewiesen, dass ich sehr gut ohne den ganzen Süßkram auskommen kann. Das gilt gleichfalls für Alkohol. Letztlich ist die Frage, ob ich das möchte. Die habe ich mir selbst schön öfter gestellt.

Wie soll es nun also weitergehen?

Ehrlich gesagt, bangt es mir etwas bei dem Gedanken, wieder Süßigkeiten zu essen. Wahrscheinlich werde ich erst mal einen Zuckerschock erleiden. Und dann zurück in den Zuckerstrudel?

In unserer Gesellschaft sind Zucker, Alkohol und Koffein weit akzeptiert. Dabei tritt häufig in den Hintergrund, was sie mit unserem Körper anstellen. Nun bin ich zwiegespalten: Obwohl ich den Konsum nicht brauche, genieße ich ihn ungemein. Ich zelebriere all die verschiedenen Süßgebäcke, Weine, Schokoladen etc und die damit verbundene Kulturgeschichte. Und doch mag ich nicht, was es mit mir anstellt.

Natürlich muss ich nicht das Extrem wählen. Ich kann in Maßen genießen. Aber ist mir das genug?

Ich könnte all das nur noch zu besonderen Anlässen konsumieren. Aber was macht einen besonderen aus und was mache ich zu einem?

Eine häufigere, regelmäßige Fastenzeit könnte helfen. Februar halte ich nämlich für einen sehr geeigneten Fastenmonat. (Nicht, weil er so kurz ist, sondern weil er nach den ganzen Festtagen kommt – vorausgesetzt man ist kein Karnevalist.)

Doch vielleicht habe ich kommendes Jahr ganz andere Bedürfnisse für das Fasten, oder ein Anti-Fasten (das Aufnehmen eines Rituals, zB jeden Tag Sport oder täglich einen Brief schreiben) ist von Nöten.

Meine Lösung ist, einfach häufiger in mich zu lauschen, auf meinen Körper zu hören. Er sagt mir, was ich brauche. Und ich bin verstärkt sensibilisiert. So kann ich individuell reagieren.

Und jetzt du?

Was ist deine Fastenerfahrung? Hast du schon mal gefastet? Und wie fastest du? Welchen Gewinn bringt dir der Verzicht?

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Zuckerfrei(er) leben.

2 Kommentare

Antworten

  1. drolli&elio

    21/04/2015 — 19:36

    Leider zeigte mein Zuckerfasten nach einer Woche komplett das Gegenteil von Dir:Gewichtszunahme,obwohl ich nicht mehr als sonst gegessen habe,und unreine Haut,wie ich sie nicht mal als Teenager hatte.Mh…

    • Hallihallo,

      das mag daran liegen, dass dein Körper mehr Zeit zur Umstellung benötigt. Wenn die Haut nach einer Woche unreiner ist, liegt das meines Erachtens am Entgiftungsprozess.

      Ebenso muss sich unser Körper auch darauf einstellen, die Energie nicht wie gewohnt in Fettreserven einzulagern. Erste Wirkungen werden zumeist erst nach vier Wochen ersichtlich. Bleib also dran!

      Lieber Gruß,
      Philipp

      PS: Bewegung ist natürlich dennoch wichtig.
      PPS: Muskelzunahme führt auch zu einer Gewichtszunahme. ;) Deshalb ist nur einzig das Gewicht kein sicherer Indikator, was Fitness und Gesundheit betrifft.

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