Egal, wo ich wohne, werde ich zumeist nach meinen täglichen Aufenthaltsorten gefragt: Als ich in Dresden wohnte, fragte man mich öfters, ob ich häufig in der Altstadt unterwegs sei oder jedes Wochenende in die Sächsische Schweiz fuhr. Als ich in München wohnte, ob ich regelmäßig Museen und den Zoo besuchte und in Darmstadt, ob ich an den Wochenenden meist nach Frankfurt fuhr.

Klar, passiert das alles ab und zu, aber eben nicht ständig. Denn was man häufig vergisst, wenn man an einem Ort zu Besuch ist, ist der Alltag der dort wohnenden Menschen.

Je länger man sich an einem Ort aufhält, desto mehr wird er zur Normalität. Bei manchen geht das schneller, bei anderen langsamer. Bei mir eher ersteres. KeinWunder also, dass  ich, seitdem ich in Jerusalem wohne, noch gar nicht in der geschichtsträchtigen Altstadt war.

Ich bin im Moment tatsächlich zu sehr mit Leben und Projekten beschäftigt, als dass ich mich durch Touristenburgen quetschen möchte.

Dennoch fällt mir häufig auf, dass uns – egal ob unterwegs oder nicht – so viele Dinge schnell vom eigentlichen Leben abhalten können. Was gehört tatsächlich zum Alttag, was ist nur „Trott“? Inwiefern hindert uns ebendieser daran, ein erfülltest Leben zu führen? Klar definierte Grenzen gibt es da freilich nicht. Deshalb sind hier die in meinen Augen drei derzeit größten Lebensfallen:

Platz 1: Das Netz – aka Internet

Man stelle sich vor: November. Regen. Kühle. Nebel. Da mag man gleich gar nicht so wirklich raus. Muss man ja aber auch gar nicht, denn Dank Internet befindet sich die ganze Welt in den eigenen vier Wänden! So klickt man sich von einem Inhalt zum nächsten und ehe man sich versieht, ist der Schmuddeltag auch schon um. Das ist die grundlegende Wirkungsweise des Internets, denn es besteht aus Verlinkungen. Allerdings ist eigentlich wetterunabhängig, ob man Zeit im Netz verbringt oder nicht – zumal es dank Smartphones ja auch überall mit hingenommen werden kann. Ich will das auch gar nicht verteufeln, weiß ich die Vorteile ja selbst sehr zu schätzen. Über die Kehrseite des Ganzen habe ich mich aber schon das ein oder andere Mal geärgert, wenn der Tag ja schon wieder fast vorbei ist und ich noch nicht das tolle Wetter draußen genossen hatte – und das mal ohne mit der ganzen Welt verbunden zu sein. Deshalb versuche ich, meine Onlinezeit auf das nötige Minimum zu reduzieren und stattdessen das echte Leben aufzusaugen.

Platz 2: Die Spirale des Konsums (umgs. „Kaufrausch“)

Es ist unglaublich, wie viel Werbung täglich auf uns eindrischt! Das hinterlässt Spuren: Jede Werbung versucht, in uns ein Verlangen nach einem Produkt  zu schüren – manche schaffen das erfolgreicher als andere. Daher bin ich gerade sehr dankbar dafür, einen Großteil der Werbung hier im Lande noch nicht zu verstehen zu können. ;) Lange Zeit habe ich selbst schönen Dingen nachgejagt und mich ein wenig verrückt gemacht, weil ich mich die ganze Zeit fragte, wie ich eigentlich jemals so viel Geld für den ganzen Krempel auftreiben sollte: Wohnung einrichten, Mode, Handy, Computer, Auto, Haus und dann immer noch verreisen?! Seltsamerweise bin ich damals nie auf die naheliegende Idee eines Banküberfalls gekommen, deshalb kam ich dann zu einer anderen Lösung: Minimalismus.

Pia von malmini.de hat hier übrigens ein paar nützliche Tipps gegen akuten Kaufrausch.

Platz 3: Nachrichten

Das mag jetzt überraschend kommen, ist für mich aber recht präsent, denn jedes Mal wenn ich Nachrichten lese/höre/schaue, bin ich hinterher immer total mies drauf. Und der Grund dafür ist recht trivial: Nachrichten in den Medien sind meistens negativ, ab und an neutral und selten positiv, weil sie von vornherein gefiltert werden. Positiven Nachrichten wird wohl keine hohe Relevanz zugesprochen. Deshalb lässt man die zumeist außen vor. In jedem Fall sind sie stark unterrepräsentiert. Denn wenn man sich mal ein wenig in der Welt um- und über den eigenen Tellerrand hinausschaut, wird man schnell feststellen: Das Leben ist schön und die Welt ist gut. Um sich ein Bild von der Welt zu machen, sollte man sie mit dem ganzen Körper erleben! Deshalb verzichte ich seit einiger Zeit auf meine tägliche Dosis Pessimismus und verwende die Zeit lieber auf Dinge, die für mich wichtig sind. Wirklich wichtige Nachrichten bekomme ich im Normalfall über Buschfunk.

 

Habe ich etwas vergessen? Wie schauen deine Lebensfallen aus und wie kommst du ihnen zuvor?