Das neue Wunder von Chanukka

Alle Jahre wieder wird in Deutschland nicht nur Weihnachten gefeiert, sondern von einer Minderheit auch Chanukka. Mein israelischer Partner gehört als säkularer Jude zu dieser dazu. Und da wir beide nicht an die (fiktiven) Geschichten hinter solchen Festen glauben, erfreuen wir uns umso mehr an den kleinen Momenten im Alltag, in denen wir Verwunderung erfahren.

Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem immensen Wachstum des menschlichen Wissens, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf Wunder im Alltag, denn wir wundern uns seltener über etwas, das wir nicht verstehen. In der Geschichte zum Chanukkafest, besteht das Wunder darin, dass das geweihte Öl für die Menora des Tempels acht statt einem Tag lang gereicht hat.

Mit unserem heutigen Wissensstand würden wir stark anzweifeln, dass es sich hierbei um das durch eine höhere Gewalt herbeigeführte Wunder handelt. Wir würden andere, logische Erklärungen suchen:

  • Jemand hat sich bei der Menge des Öls verrechnet, denn Irren ist menschlich.
  • Jemand kam auf die Idee, die Menora nicht rund um die Uhr erleuchtet zu lassen, sondern geweihtes Öl zu sparen, wenn ohnehin niemand anwesend war und hat sozusagen den antiken Prototypen einer Zeitschaltuhr erfunden.
  • Jemand hat ein Verfahren entwickelt, mit dem weniger Öl verbraucht wird.

Ein wenig schade wirkt es schon, dass wir heutzutage so skeptisch sind, dass Wunder jederzeit angezweifelt werden. Wo bleibt dann der Zauber in unserem Leben? Womöglich genießen wir die Scharade um Weihnachten gegenüber Kindern ja deswegen? Lügen braucht es für Wunder meines Erachtens aber gar nicht. Oft genügen ein wenig Unwissen gepaart mit einer kleinen Überraschung und einer Prise Zufall – so wie in unserem jüngsten Wunder:

Da sich in der Geschichte Chanukkas alles um das geweihte Öl dreht, stehen stark ölhaltige Speisen zum Fest auf dem Tagesmenü – für acht Tage. Entsprechend werden nicht nur Latkes (im Grunde Kartoffelpuffer), sondern auch Sufganiyot (in deutschsprachigen Regionen besser als Pfannkuchen, Berliner oder Krapfen bekannt) in überdurchschnittlich hohen Mengen verspeist. Mein Partner und ich machen uns alljährlich einen Spaß daraus, nahezu täglich im Doughnutfachgeschäft unseres Vertrauens ein paar Gebäckstücke zu verzehren. (Im Grunde sind Doughnuts ja auch nichts anderes…) Seit letztem Jahr versucht sich mein Partner jedoch auch darin, sie selbst zu backen.

Abgesehen davon, dass unsere Wohnung dann einmal jährlich den einladenden Duft einer Frittenbude annimmt, ging bis dato auch sonst jedes Jahr etwas schief mit dem Fettgebäck: Letztes Jahr waren die Sufganiyot auch abseits der Konfitüre innen noch flüssig. Und dieses Jahr?

Ehrlich gesagt fiel weder uns, noch unseren Gästen etwas auf, als wir am ersten Abend das erste Licht anzündeten und vollmundig einen Pfannkuchen nach dem anderen verspeisten. Erst am Ende des Abends, als mich ein Freund fragte, womit sie denn nun eigentlich bestreut worden seien, ging uns ein Licht auf. Denn intuitiv erwiderte ich: Puderzucker. Ob der Verwunderung über die fehlende Süße prüfte besagter Freund noch einmal die verbliebenen Reste auf dem Teller auf ihren Geschmack. Und siehe da: Kein Zucker.

Stattdessen verwendete mein Partner wohl Maisstärke, da er dem Etikett keine Beachtung geschenkt hatte. Fanden wir das schlimm? Nicht im Geringsten!

Denn die zusätzliche Süße war überhaupt nicht nötig; fiel uns ihre Abwesenheit doch nicht einmal auf. Die Konfitüre als süße Füllung genügte völlig. Und was lernen wir daraus?

  1. Wenn das Publikum nicht weiß, dass etwas fehlt oder schief läuft, bekommt es das meist gar nicht mit – wie im Theater.
  2. Angegebene Zuckermengen dürfen gern hinterfragt werden. (Das gilt übrigens auch für Plätzchen & Co.)
  3. Es gibt sie also doch, die kleinen glücklichen Unfälle.

Das war also unser kleines Wunder zu Chanukka. Und worüber hast du dich in letzter Zeit so gewundert? Teile es gern in den Kommentaren.

Alles Liebe
Philipp

4 Comments

Antworten

  1. Ich hatte in den 80er-Jahren in meinem Erstberuf als Erzieherin mit Chanukka zu tun. Ein Kind berichtete uns immer vom Chanukka-Fest Zuhause. Die Vorschulkids interessierte vorrangig: Da ist was aufregendes, da werden Kerzen angezündet und alles ist feierlich, wie das Fest dann jeweils hieß: Nikolaus, Weihnachten, Chanukka, war den meisten Kindern wunderbar egal.

    Eure unperfekten Festabläufe finde ich total klasse. Und: weniger Zucker, keiner merkts. Sowas ist doch richtig gut. Und: Hach, was passiert wohl nächstes Jahr…?

    • Hallo Gabi,

      da geht es mir ganz ähnlich wie den Kindern. Abgesehen von der Wintersonnenwende ist mir der Name des Festes eigentlich egal, solange es etwas Leckeres zu essen gibt. Und es kann doch wirklich kein Zufall sein, dass sich so viele Feste mit Wundern als Geschichte um den kürzesten Tag des Jahres in der nördlichen Hemisphäre angesiedelt haben. Da drängt sich doch förmlich der Verdacht auf, ob wir nicht eigentlich alle dasselbe Fest feiern.

      Lieber Gruß
      Philipp

      • Genau das wird es vermutlich sein. Vielleicht heißt das Fest einfach nur: Sich die Dunkelheit einfach ein bisschen schöner machen.

        • Sich die Dunkelheit einfach ein bisschen schöner machen.

          Das könnte zwar auch ein Werbespruch für Einrichtungshäuser sein, gefällt mir aber sehr gut! :D

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