Die Moral der Geschichte

Als Kind bekommen wir gelehrt, aus unseren Fehlern zu lernen. Da sollte man meinen, dass wir das gesamtheitlich auch mit der Menschheitsgeschichte so handhaben. Ist dem wirklich so?

Schon länger brennt mir dieses Thema unter den Nägeln. Aufgrund der schrecklichen Ereignisse des vergangenen Wochenendes halte ich jetzt für den richtigen Zeitpunkt, darüber zu sprechen.

Jedem, der das Buch The Wave oder eine Adaption davon bekannt ist, dürfte erkannt haben, dass, weil etwas Verheerendes in der Menschheitsgeschichte passiert ist, das nicht auch bedeutet, dass es nicht wieder passieren kann.

Erst Anfang dieses Jahres hatte ich das Gefühl, in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückgeworfen worden zu sein, als ich von den Demonstrationen in Dresden mitbekam. Die menschenverachtenden Hassparolen taten ihr übriges dazu.

Auch auf ökologischer Ebene versagen wir da als Menschen komplett. Als 1912 die RMS Titanic sank, war dies ein erster Dämpfer der damaligen Überzeugung, der Mensch sei mit seiner Technik der Natur überlegen. Und was haben wir daraus gelernt? Wie steht heute das geläufige westliche Weltbild dazu?

Äußerst auffällig erscheint mir dabei, dass es in jedem Bereich Einzelne gibt, die Krawalle anstiften – entweder ebenfalls gegen Einzelne oder die gesamte Gruppe. In jedem Fall aber spalten sie die Gemeinschaft. Und wenn ich hier von Krawallen schreibe, meine ich damit keine friedlichen Demonstrationen anno 1989.

Ein paar Beispiele:

Die Nationalsozialisten hatten mit ihren Hasspredigten große Teile der Bevölkerung infiltriert und damit nicht nur Deutschland, sondern Europa ins Unglück gestürzt.  Sowohl von israelischer, als auch palästinensischer Seite gibt und gab es Hassparolen, Attentate und Racheakte, aber nicht etwa von der gesamten Bevölkerung, sondern den extremistischen Lagern, die dann aber die gesamte Bevölkerung affektieren. Jeden Februar finden in Dresden Demonstrationen statt, die meist eskalieren, weil rechts- und linksextreme Teilnehmer ausschreiten und so auch die friedlichen Demonstranten in Mitleidenschaft ziehen. Und ebenso leiden nun alle Muslime Europas unter den Taten einzelner Extremisten.

Solche Akte passieren auch im Alltag. Das beginnt schon im Kindergarten mit dem Kind, dass sowohl die anderen Kinder durch Schläge, Schimpfwörter und Vandalismus in Angst und Schrecken versetzt. Der größte Schaden ist dabei aber nicht etwa der kaputte Stuhl oder das zerraufte T-Shirt, sondern die entstandene Angst.

Letztlich ist die Frage, wie wir uns davon beeinflussen lassen. Freilich sollten wir Gewaltakte nicht ignorieren oder schlichtweg hinnehmen. Aber mit Gewalt zu antworten, hat bis dato noch nie nachhaltigen Frieden gebracht.

Wie reagieren wir also auf Terrorangriffe? Treibt uns die Angst vor erneuten Anschlägen in den Vergeltungsschlag? Oder bewahren wir kühlen Kopf und unsere Gütigkeit?

Jeder von uns entscheidet. Jeden Tag auf’s Neue.

2 Kommentare

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  1. Hallo Philipp!

    Eines meiner absoluten Favoriten „Die Welle“, habe ich mehrmals gelesen und gesehen. Immer wieder schockierend für mich. Die Vergangenheit meiner Vorfahren sitzt noch immer in meinen Knochen.

    Danke für Deinen Beitrag und für die vielen Gedankenanregungen.

    lg
    Maria

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