Es ist zwei Härchen vor Leberfleck

Als Europäer bin ich es gewohnt, dass wirklich überall in urbanem Gebiet Uhren einsehbar sind. Kirchtürme, Rathäuser, Banken, Bushaltestellen und jedes Restaurant haben welche. Ach ja, und natürlich auch Uhrengeschäfte. Deshalb hatte ich mir lange Zeit abgewöhnt, überhaupt eine Uhr bei mir zu haben, denn man hat für gewöhnlich ja eh auch noch sein Handy dabei. Aus ebendiesem Grund habe ich auch meine Taschenuhr in Deutschland gelassen. Ein Fehler, wie ich bald merken sollte.

Tatsächlich gibt es in Israel kaum öffentliche Uhren. Mir fallen spontan zwei ein, die auch noch nah beieinander liegen. Beide in der Altstadt an Kirchtürmen. Da es hier kaum Kirchtürme gibt, fehlen auch die entsprechenden Uhren. Kein Glockenschlag deutet die Uhrzeit an. Und auch den anderen genannten Orten sucht man vergeblich nach Uhren. Selbst einen Uhrengeschäft habe ich hier noch nirgends gesehen.

Ich hatte auch schon die Idee, mich nach dem Gebet des Imams zu richten. Allerdings gibt es statt festen Zeiten „nur“ fünf Zeiträume am Tag für Muslime. Diese Zeiträumen sind aber eben nur Richtwerte und keine festen Zeiten, an denen man sich orientieren könnte. Zumal sie sich nach der natürlichen Uhr richten: Ein Gebet findet beispielsweise in der Morgendämmerung statt. Und die ist nun mal eher, mal später.

Auch mein Handy erweist sich als ungünstig, weil ich es in den letzten Wochen so sehr genossen habe, kein Handy bei mir zu haben. Jetzt, da meine SIM Karte endlich ihren Weg zu mir gefunden hat, empfinde ich es als großen Störfaktor. Ich nehme es nie mit, wenn ich rausgehe. Und wenn ich zu Hause an etwas arbeite, lenken mich Nachrichten nur ab, weshalb ich es eh die ganze Zeit stumm schalte.

Stichwort Armbanduhren: Ich trage nicht gern Dinge um meine Extremitäten. Deshalb hatten meine Eltern die grandiose Idee, mir eine Taschenuhr zu schenken! Die ist wirklich perfekt für mich, zumal sie keinen Strom benötigt. Genau deshalb rangiert sie gerade auf einem von zwei Plätzen der Dinge, die Teil meines Gepäcks hätten sein sollen. Vor allem, wenn man Termine mit Menschen in anderen Zeitzonen hat, wäre es echt hilfreich, die Zeit zu wissen.

Folglich frage ich tatsächlich regelmäßig Leute nach der Uhrzeit. Ist man gar nicht mehr gewohnt, wie ich finde. Aber es ist schön. Und funktioniert tatsächlich hervorragend.

2 Kommentare

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  1. Drolli&Enno

    21/11/2014 — 20:27

    Und wie können wir dann schnell Kontakt aufnehmen,wie z.B. momentan,wenn in unseren Nachrichten beunruhigende Meldungen über Jerusalem kommen,wenn Du es vorziehst,nicht gestört zu werden?

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