Ist es Zeit für einen Umbruch?

Neulich schaute ich ein Video auf Youtube. Bevor ich in den Genuss des Videos selbst kam, wurde eine Werbung vorgeschalten. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, denn ich dachte:

Der Schauspieler sieht ja aus wie Bibi!

Nein, die Rede ist nicht von Bibi Blocksberg. „Bibi“ ist der liebevoll vergebene Kosename der Bevölkerung Israels an ihren derzeitigen Präsidenten Natanjahu. Auf die Idee, dass es sich tatsächlich Bibi war, kam ich gar nicht direkt. Es handelte sich nämlich um einen Wahlwerbespot für die Neuwahlen im März. Zeit also, über Politik zu sprechen.

Wahlen in Israel

Natürlich interessierte mich, was meine Mitmenschen hier über die Wahlen denken. Die Mehrheit der Antworten waren für mich erstaunlich und erschreckend zugleich: Die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen hatte, konnten den jetzigen Präsidenten zwar nicht leiden, sehen aber auch keine bessere Alternative. Aus diesem Grund sind viele der Überzeugung, dass sich nichts an der politischen Situation ändern wird.

Demonstrationen in Deutschland

Interessanter Weise empfinde ich die Situation in Deutschland gar nicht so verschieden: Immer wieder höre ich Beschwerden über die politische Situation und die Ohnmacht der Wähler. Sätze wie „Wählen bringt ja eh nichts. Sind alles Verbrecher.“ kommen mir dann zu Ohren. Zuletzt mündete das in großem Anklang bei rechtspopulistischen Demonstrationen in verschiedenen Städten Deutschlands. So schockierend das auch ist, sollte man meiner Meinung nach vor allem zwei Dinge nicht vergessen: Erstens all die Gegendemonstranten und zweitens eine Bestandsaufnahme.

Dank sei den Gegendemonstranten, vor allem den friedliebenden. Kommen wir zur Bestandsaufnahme.

Rassisten und Wutbürger

Mein Freund Michael hat auf seinem Blog Europe by numbeRs neulich eine interessante Karte veröffentlicht. Der Vollständigkeit halber habe ich hier noch eine Karte aus dem Atlas zur Bundestagswahl 2013, die ein sehr ähnliches Muster für eine weitere rechtspopulistische Partei darstellt. Beide Karten zeigen, dass in den Regionen, in denen am wenigsten Immigranten wohnen, rechte Bewegungen am meisten Zuspruch erhalten. Sprich: Diejenigen, die am wenigsten Kontakt mit Fremden haben, fürchten sich am meisten vor ihnen.

Mich erinnert das sehr stark an all diejenigen Leute, die sich am meisten über die vorherrschenden Zustände aufregen, aber sich in keiner Weise engagieren, um etwas dagegen zu tun.

Ich bin immer wieder etwas erschrocken, wie schnell Rassismus entstehen kann. Es ist ein wenig wie eine Krankheit, die sich weltweit ausbreitet. Zum Glück ist sie heilbar! Ich habe gehört, Reisen soll ganz gut taugen. :)

Unser politisches System wird ja auch ganz gern angegriffen. Zu wenig Entscheidungsmacht beim Wähler, keine passende Partei, alles von Lobbyisten unterlaufen, … Das sind zumindest drei Punkte, die ich recht gut nachvollziehen kann. Dann ist der Schrei nach direkter Demokratie ganz groß. Könnte das die Lösung sein?

Direkte Demokratie

Zu meiner Schulzeit wurde mir gelehrt, dass eine direkte Demokratie bei großen Bevölkerungszahlen quasi undurchführbar würde, weshalb man sogenannte Volksvertreter wählt. Haken an der Sache: Diese können leicht bestochen werden und sind während der Legislaturperiode ja nicht abwählbar.

Dank des Internets hätten wir heute theoretisch die Möglichkeit dazu, man müsste lediglich öffentliche Internetstationen für Haushalte ohne Zugang einrichten. Dann könnte jeder Bürger tatsächlich mitbestimmen.

Bisher funktioniert das abseits von Volksentscheiden zu großen Teilen nur mittels Petitionen, wie dieser hier. Häufig werden sie eingesetzt, um gegen mächtige Lobbyisten anzukommen. Das hat in den letzten Jahren eine kleine Flut an Petitionen ausgelöst, weshalb diese dann häufig im Papierkorb landen. Außerdem verleiten Petitionen in gewissem Maße dazu, sich nicht wirklich mit der Problematik auseinanderzusetzen.

Die Frage, die ich mir stelle, ist also, ob die Menschen sich mehr einbringen würden, wenn sie wirklich bei jeder Entscheidung mitbestimmen könnten. Beeinflussbar ist die gesamte Bevölkerung mittels Massenmedien auch. Aber vielleicht würde sich jeder Einzelne verstärkt selbstständig mit den aktuellen Themen auseinandersetzen. Oder würden gar keine Entscheidungen mehr gefällt werden, weil die Beteiligung seitens der Bevölkerung zu gering ist?

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2 Kommentare

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  1. Hallo Philipp,
    schön wäre es wirklich, wenn man vom PC/ Handy mal so auf die Schnelle bei einer aktuellen Frage in der Politik, eine Stimme abgeben könnte. Wäre schon sehr bequem und unkompliziert.

    Aber du hast es schon angedeutet, man müsste sich auch dazu informieren und wenn man das so schnell zwischen Tür und Angel macht erwischt man vielleicht grad die falsche oder nicht allseitig betrachtende und fundierteste Information. Wäre auch fatal, wenn man diese dann aus Zeitmangel einfach als die einzig Wahre betrachtet und einfach so abstimmt. Auch würden sich durch die Technik ziemlich schnell Halbwahrheiten verbreiten lassen, die zu einer sofortigen Abstimmung führten. Mit evtl gravierenden Konsequenzen. Schnell mal was Falsches durchgeboxt. So was zu korrigieren, ist heute schon ein wahnsinniger Zeitfaktor.

    Und wer weis vielleicht sind die ersten Treffer der Suchmaschine in google alle durch Parteien finanziert um die Stimmen zu erhalten. Es wäre doch ein grausames „Wettrüsten“ auf die ersten Plätze in den Suchmaschienen. Wer Geld hat, hat die Macht und die Opposition oder gar der kleine Mann, ist dann mit der genialsten Idee machtlos. Und auch das haben wir auch jetzt schon.

    ich glaube weiterhin, dass aufgrund unseres notorischen Zeitmangels, wie schon in Michael Endes Momo beschrieben, die Menschen sich eh keine Zeit mehr für solche Entscheidungen nehmen. Ist viel wichtiger auf 2 Parties zu tanzen, das hippeste Kleidungsstück zu tragen und auch mit dem Auto über all hinzufahren um alles noch an einem Tag abzuhaken.

    Man sieht ja auch was die Leute so einkaufen im Supermarkt. Die Rückseite lesen die wenigsten. Auch informiert sich doch kaum einer wen sie mit diesem Kauf alles unterstützen. Man will sich doch gar nicht mit solchen „nebensächlichen“ Dingen beschäftigen. Nur noch der Fun und das coole neuerstandene Produkt mit dem man protzen kann, zählt was.

    Ich weiss nicht ob so eine Demokratie wirklich eine Verbesserung bringt.

    Grüße Claudia

    • Hallo Claudia,

      interessante Anstöße! Den Gedanken mit den Suchmaschinen finde ich echt spannend, denn das wird ja heute auch schon von Unternehmen genutzt. Warum also nicht auch von Parteien?

      Ich finde es sehr lustig, dass du Momo ins Spiel bringst. Das steht auf meiner Leseliste gerade sehr weit oben. :)

      Es haben tatsächlich beide Seiten so ihre Nachteile. Ich frage mich gerade, ob auch hier gilt, dass man erst zu schätzen weiß, was man hat, wenn man es verliert.

      Alles Liebe,
      Philipp

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