Ein Buch voller Leere

Der erste Tag des Jahres wirkt äußerst symbolträchtig. Er steht nicht nur für ein unbeschriebenes Blatt, sondern für ein ganzes Buch mit 365 unbeschriebenen Seiten, die nun gefüllt werden wollen. So könnte man meinen, der Tag sei ideal zum Durchstarten, um den frisch gesetzten Zielen einen ordentlichen Schwung zu verleihen. Einen wirklich frischen Start stellt er aber gar nicht dar, denn es gab ja auch eine Nacht davor.

Erfahrungsgemäß verhindert eben diese Nacht das Durchstarten am 01.01., denn gesellschaftlich toleriert zechen die Meisten unter uns aller Müdigkeit zum Trotz die letzte Nacht des Jahres durch. Ehe man sich versieht, befindet sich also ein Fettfleck auf der ersten Seite des Buches. Doch davon lasse ich mich heuer nicht beeindrucken.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Hermann Hesse

Um den Schwung ebendiesen Zaubers voll auszunutzen, verbringe ich den ersten Tages symbolisch so, wie ich mir auch den Rest des Jahres vorstelle:

  • ausgeschlafen – Insbesondere am Ende des Jahres war ich da viel zu nachlässig. Deshalb möchte ich wieder etablieren, früh genug ins Bett zu gehen und konsequent ausreichend zu schlafen, auch wenn ich dann später aufstehe und weniger schaffe.
  • entspannt – Wer mich kennt, weiß um meinen nahezu zwanghaften Drang, mir ehrgeizige Ziele zu setzen und meine Tage bis zum Limit mit Programm zu füllen. Dann bleibt allerdings kaum Raum oder Zeit für Wunder und Zufälle, weil ich gar nicht dazu komme sie wahrzunehmen. Kurz: Mehr Mut zur Lücke.
  • kreativ – Im letzten Jahr fiel mir wiederkehrend auf, wie wichtig es für mein Wohlbefinden ist, Dinge mit meinen eigenen Händen und Hirnzellen zu erschaffen. Wenn die ersten beiden Punkte erfüllt sind, klappt es hoffentlich auch mit diesem.

Ehrlich gesagt fällt es mir heuer äußerst schwer, konkrete Pläne zu schmieden. Der Pandemie zum Dank (Es hängt mir selbst schon zum Halse raus, sie zu erwähnen, aber sie zu verschweigen vermittelt womöglich nicht beabsichtigte Intentionen.) gibt es derzeit so viele Variablen und Unsicherheiten, dass man im Grunde nur Vorhaben wie “Wenn X eintreten sollte, verfahre ich nach Plan A, im Falle von Y nach Plan B.” formulieren kann. Oder man fokussiert sich einfach auf das Hier und Jetzt – einfach machen statt nur zu planen.

Ganz in diesem Sinne habe ich mir konkrete Handlungen zurechtgelegt, die ich direkt jetzt sofort umsetzen kann, nämlich:

Reduktion X

Das X steht für eine Variable, die ich monatlich wechseln möchte. Meiner Erfahrung nach gelingt es wesentlich einfacher, ungesunde Gewohnheiten wegzulassen, statt neue gesunde Gewohnheiten hinzuzufügen. Tatsächlich fällt mir letzteres äußerst schwer, wenn es zu viele auf einmal werden.

Innerhalb des letzten Jahres hatte ich leider sowohl Einbrüche in Bezug auf meine Gesundheit als auch auf mein Gewicht zu verzeichnen. Aufgrund einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung) konnte ich über mehrere Monate hinweg nur unter Schmerzen, in limitierter Auswahl und in begrenzter Menge essen. Die Auswahl beschränkte sich jedoch auf Lebensmittel, die ich in den Jahren zuvor bewusst vermieden hatte: hochkalorisch und mit möglichst wenigen Ballaststoffen. Im Anschluss an die Krankheit folgten eine Ausnahme nach der anderen und schließlich auch schon die Feiertage.

Das ist nur ein Beispiel für ungesunde Gewohnheiten, die ich eigentlich schon mal im Griff hatte und die sich dann klammheimlich wieder eingeschlichen haben. Entsprechend lege ich mal wieder einen strikten zuckerfreien Monat ein. (Zum deutlicheren Verständnis: Ich spreche von raffiniertem und/oder beigesetztem Zucker.) In den darauffolgenden Monaten lasse ich jeweils etwas anderes weg, das sich negativ auf mein Wohlbefinden auswirkt. Detox Schritt für Schritt sozusagen.

Raum für die Schreibwut

In Hinblick auf die Kreativität möchte ich allem voran mehr schreiben. Einerseits gibt es so viele Themen und Ideen für den Blog, die ich gern noch umsetzen möchte, andererseits fehlten mir im letzten Jahr Energie und Freiraum für szenisches Schreiben. In meinem Kopf und meinen Notizen stapeln sich Ideen, ohne jemals umgesetzt zu werden. Das wurmt mich. In diesem Zusammenhang möchte ich Schreiben wieder als tägliche Routine etablieren. Aus meinen Erfahrungen der letzten Jahre habe ich gelernt, dass ich mehr Fokus auf weniger verschiedenen Bereichen benötige.

Deshalb fange ich heute mit meiner Schreib-Challenge an: Im Januar schreibe ich jeden Tag einen früh morgens als erstes einen Beitrag für meinen Blog, um die Liste etwas zu reduzieren. Gleichzeitig produziere ich damit vor, um in den kommenden Monaten meinen Fokus auf das nächste Projekt (Drehbuch!) richten zu können. Monat für Monat beschäftige ich mich dann nur mit einem einzigen Projekt gleichzeitig.

Journaling ist meine Meditation

Bei einem ausgiebigen Spaziergang am Jahresende ist mir im Gespräch mit meinem früheren Mitbewohner bewusst geworden, dass das alltägliche Ritual, in meinem Bullet Journal den Tag zu planen, Notizen zu führen und Listen zu aktualisieren, meine Alltagsmeditation geworden ist. Für die gewöhnliche Atemmediation im Sitzen benötige ich gewisse Bedingungen erfüllt, namentlich Ruhe und Abgeschiedenheit. Journaling kann ich unabhängig davon praktizieren und dennoch meinen Geist fokussieren und kanalisieren.

Seit mehreren Jahren halte ich dabei meine eigene Tradition, am ersten Tag des Jahres meinen neues Journal aufzusetzen. Präzise Pläne mögen momentan schwierig sein und meine Ziele für das junge Jahr schwirren auch eher lose in meinem Kopf umher, wo doch die des vergangenen Jahres noch nicht einmal ausgewertet sind. Doch im Journal kann ich sie zumindest schon einmal festhalten und bündeln.

Glück und Zufriedenheit

Wollen wir das nicht alle? Zumindest wünschen wir es uns gewöhnlich gegenseitig für das neue Jahr nebst Gesundheit und Erfolg. Mir scheint, dass all diese Aspekte davon profitieren, wenn wir weniger wollen. Wenn ich weniger von mir selbst fordere, bin ich weniger frustriert, fühle mich erfolgreicher, bin in der Folge zufriedener und damit auch glücklicher – so meine Hypothese für mehr Fokus auf weniger Dinge und meine Strategie für das neue Jahr.

Wenn du noch ein paar Tipps für mehr Glück und Zufriedenheit gebrauchen kannst, schau doch mal in diese 26 Glücksimpulse von Blogger.innen und Coach.innen. Von mir ist auch einer dabei.

Mit welchen Aktivitäten, Ritualen und Vorhaben startest du ins neue Jahr?

Alles Liebe
Philipp

2 Kommentare

Antworten

  1. Hallo Philipp,
    ich habe Vorsätze und bin guter Dinge die auch umzusetzen : 0 Alkohol, 0 Süßigkeiten, 0 Klickkäufe bei Amazon und eBay. Das Ritual besteht darin das letzte Jahr als gegeben anzusehen, es ist nicht mehr änderbar und man muss mit dem Jahr und sich selbst Frieden schließen. Der Minimalismus erlaubt mehr Zeit mit Denken und Ruhe als mit Kaufen und Putzen zu verbringen :) Das will ich in 2021 noch mehr ausnutzen.

    • Hallo Thorsten,

      das hört sich sowohl nach sehr guten Vorsätzen als auch nach einem vernünftigen Ritual. Viel Erfolg schon mal bei der Umsetzung!

      Was die Süßigkeiten anbelangt: Wie handhabst du die Kategorisierung, was als Süßigkeit zählt und was nicht? Bei mir geht es allem voran um raffinierten Zucker, der zum Süßen zugesetzt wurde. Früchte und Süßungsmittel nutze ich aber durchaus, beispielsweise bei “zuckerfreien” Gebäcken.

      Lieber Gruß aus Berlin
      Philipp

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert