Willkommen im Grand Hostel!

Was, hat er sich verschrieben? Gans und gar nich. Denn ebenso wie es bei Hotels riesige Unterschiede gibt, ist das bei Hostels der Fall. In meiner ersten Woche im Abrahams habe ich sehr gut in die Abläufe eingelebt. So viel vorab: Es gibt volles Programm und darauf möchte ich heute mal eingehen.

Hotel, Hostel – ist das nicht das gleiche?

Nicht im Geringsten, wenn man mich fragt. Während in Hotels alles auf bezahlte Dienstleistungen hinausläuft, ist in Hostels noch Eigenleistung gefragt. Sei es das Be- und Abziehen der Betten oder Kochen in der Gemeinschaftsküche. Entsprechend sind Hotels natürlich teurer. Freilich ist das auch Geschmackssache und kann sich über Jahre hinweg ändern. Nicht umsonst kommt es häufig vor, dass Menschen ab ihren 30ern plötzlich den gehobenen Komfort einen Hotels gegenüber eines Hostels vorziehen.

Ich habe zwar noch etwas Zeit bis zu meinen 30ern (wir sprechen uns dann noch mal wieder), ziehe persönlich aber Hostels vor. Klar, auf abgeranzte, schäbige Hostels habe ich auch keine Lust. Es gibt aber auch die coolen Hostels. Und je mehr ich in Hostels übernachte, desto mehr lerne ich auch von letzteren kennen. Ich nächtige trotzdem nicht immer auf die gleiche Art und Weise. Die Mischung macht es! (Darüber hat Carina von travel-run-play auch gerade erst geschrieben.)

Was ich an Hostels, wie diesem hier, aber so sehr schätze ist das Flair von den Grand Hotels Anfang des 20. Jahrhunderts, das man heute so selten findet. Denn mal ehrlich, in welchem Grand Hotel kommt man schon groß mit Gästen verschiedener Hintergründe ins Gespräch? Dafür sind sie viel zu teuer. Sprich: Dort verweilen eher gut Betuchte und Leute auf Geschäftsreisen. In Hostels hingegen trifft man auf Menschen verschiedenen kulturellen und auch finanziellen Hintergrunds. Das ergibt eine bunte Mischung aus interessanten Persönlichkeiten, die alle aus unterschiedlichen Gründen genau an diesen Ort gekommen sind.

Das wird natürlich auch begünstigt durch die Gemeinschaftsräume (Lounge, Bar, Kino, Küche, Dachterrasse), in denen man quasi automatisch ins Gespräch kommt. Und nicht zu vergessen das Programm!

Events, Events, Events!

Ganz ehrlich, an diesen mangelt es hier nicht. Neben dem regelmäßigen Programm gibt es noch Sonderveranstaltungen und natürlich Touren, die sowohl Gäste als auch Externe buchen können. Von ebendiesen werde ich in den kommenden Wochen berichten, denn ich soll alle am eigenen Leib erfahren und fleißig Fotografieren und Filmen.

Das regelmäßige Programm hat mindestens einen Programmpunkt pro Tag mit Ausnahme von Samstag (Shabbat und so…) Dort ist wiederum Platz für Sondertermine. Da die israelische Woche mit Sonntag beginnt, fange ich hier auch mit dem Programm an.

Jeden Sonntag Abend ist Open Jam Session angesagt, es kann also jeder mitspielen, -singen und -tanzen. Und mei, geht das ab! Hier landen echt Talente! Die Stimmung war bisher immer super und ich nehme da auch einen großen Unterschied zur deutschen Mentalität wahr: Während sich Deutsche eher genieren (man könnte sich ja blamieren), heißt es hierzulande „ab auf die Bühne“ – nicht nur für Israelis. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Leute hier aus ihrem gewohnten Umfeld raus sind und die Hemmschwelle etwas geringer ist. Geht einer Freundin von mir auch so. Sie tanzt immer nur in Argentinien auf dem Tresen (und zwar nackt).

Außerdem ist sonntags einer der beiden Termine in der Woche, an denen unser Hummus-Workshop stattfindet: Wir bringen den Teilnehmern bei, wie man richtig guten Hummus macht. Am Ende springt immer ein leckeres Abendessen heraus. O, I’m loving it!

Die Versuchung ist groß!

Montags ist abends Bierverkostung angesagt. Es gibt fünf regionale Biere . Von Deutschen bekomme ich häufig als Reaktion, dass die Probiergrößen zu klein seien. Typisch… Ich schaue hingegen immer nur zu, denn ich faste nach wie vor.

Außerdem finden montags gelegentlich Sonderveranstaltungen statt. Diese Woche hatten wir eine Impro-Gruppe da. Das war äußerst spontan und unterhaltsam – besonders wenn das Publikum mitwirkt!

Dienstags habe ich meinen quasi-freien Tag. Quasi-frei da irgendwie doch immer etwas ansteht und ich mir wirklich Mühe geben muss, mir diesen Tag frei von Verpflichtungen zu halten. Aber ich werde zunehmend besser darin! :) Außerdem ist wöchentlich Movie-Night. (Da habe ich nichts zu tun. :))

Mittwochs findet der Pub Crawl statt. Jede Woche stehen vier Jerusalemer Bars und Kneipen auf dem Programm, die durchwechseln. Da ist das Fasten echt hart, denn ich bin dienstbedingt ja auch Teilnehmer und verzichte so auf Dauer auf echt viel Freibier und -shots. Prioritäten eben. Und ich bin glücklicherweise auch nicht der einzige abstinente Teilnehmer. Vergangene Woche hat die 66-jährige Dolores ihren ersten Pub Crawl mit uns unternommen – obwohl sie nicht trinkt. Man ist eben nie zu alt!

Mardi Gras!

Auch Donnerstags findet unser Hummus-Workshop statt. (Still loving it!) Und direkt im Anschluss wechselndes Programm, das heißt entweder Party oder Konzert. Letzte Woche war die Mardi Gras Party an der Reihe. Und das obwohl Karneval eigentlich schon vorbei und Purim noch nicht an der Reihe war. Ich bin ja großer Freund des Verkleidens und mag nur Faschingsprogramm an sich nicht so.

Entsprechend hat mir Mardi Gras sehr gut gefallen. Jeder konnte sich seine eigene Maske kreieren oder eben direkt auf der Haut verzieren lassen. Das wurde auch sehr gut angenommen. Das Einzige, was mich daran stört, ist der Müll, der bei solch einem Anlass entsteht. Von so kurzer Dauer und dann doch dauerhafter Schrott? Das muss doch nicht sein. Weiß vielleicht jemand einen Tipp für nachhaltige Kostüme?

Generell lässt sich zum Feierverhalten von Israelis sagen: Sie kommen zu spät. Anfangs kam echt keine Stimmung auf und plötzlich war die Bude voll. Wenn man das Problem damit nicht nach hinten verlagern würde, könnte man also einfach später anfangen und eher einladen. :P

Schabbatdinner

Über meine Erfahrungen mit Schabbat habe ich ja schon einmal geschrieben. Jetzt soll ich also auch mal ein echtes Schabbatdinner erleben. Und zwar jede Woche. Jeden Freitag stellen wir Freiwilligen uns mit Küchenchef Atef in die Küche und bereiten ein Mahl.

Nach wie vor finde ich den Stress, der durch die Vorbereitungen von Schabbat entsteht, überhaupt nicht gerechtfertigt. Die Zubereitung dauert ein paar Stunden und Atef weiß uns Helfer anzutreiben. Was ich allerdings echt cool finde, ist das gemeinsame Arbeiten. Denn, insofern nicht in andere Gedanken versunken, lässt es sich echt gut austauschen.

Und nach ein paar Stunden in der Küche, ist Hunger auch entsprechend groß. (Zum Glück sind es die Portionen auch!)

So long – and thanks for all the fish!

Das war nur ein kleiner Anriss dessen, was sich hier im Hostel so tut. Ich hoffe, du hast trotzdem einen Einblick gewinnen können! Die ersten Touren habe ich auch schon mitgemacht. Darüber schreibe ich aber ein anderes Mal.

Bis dahin interessiert mich einmal: Wie nächtigst du am liebsten? Hotel? Hostel? Zelt? Oder gar eine ganz andere Alternative?

Alles Liebe,

Philipp

4 Kommentare

Füge deinen hinzu →

  1. Wow, da hast du ja echt was zu tun! :)

    Ich habe schon alles mögliche ausprobiert, von ganz (also wirklich ganz.) unten, bis zu Mittelklasse Hotels. Grade wollten wir eigentlich einen Trip nach Amsterdam planen, aber da sind die Preise selbst für ein Achtbettzimmer unfassbar hoch. Daher geht es nach Hamburg. :D

    Ich mag es natürlich auch ganz gerne etwas komfortabler, bin aber auch bereit auf den Luxus zu verzichten, wenn ich dafür im Verhältnis extrem viel Geld sparen kann..^^

    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Hallo Ronja,

      Hamburg kann ja auch ganz schön sein. :)

      Was den Luxus angeht, habe ich meine Grenzen wohl schon erfühlt. Irgendwie ist es mir dann doch zu schade um das Geld. Zumindest so lange ich dort nur schlafe.

      Lieber Gruß,
      Philipp

  2. Hallo Philipp!

    Wenn ich es einrichten kann, dann wohne ich auswärts in einem Appartement. Ich koche einfach gerne selbst für mich.

    Oder in der Hängematte, aber das geht halt nicht überall ;-)

    lg
    Maria

    • Hey Maria,

      in den vielen Hostels kann man in der Gemeinschaftsküche kochen. Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man für sich Ruhe haben möchte.

      ich fände es genial, überall eine Hängematte aufhängen zu können. Dann würde wohl auch eine in meinem Gepäck Platz finden. :)

      Lieber Gruß,
      Philipp

Komm zu Wort