Der ewig währende Konflikt von Privatem und Geschäftlichem

Nein, dieser Beitrag handelt nicht von Zeitmanagement.

Vielleicht kennst du das: Zu Hause achtest du äußerst penibel auf die Dinge, die dir wichtig sind. Und kaum verlässt du dein Privatleben, findest du dich in einem komplementären Mikrokosmos wieder, der überhaupt nicht mit deinen Werten auf einer Linie liegt.

So geht es mir mit Müll. Für mich selbst achte ich darauf, unter gegebenen Umständen möglichst wenig Müll zu verursachen. Ganz anders sieht die Welt hingegen im Geschäftlichen aus. Einst arbeitete ich in einem Unternehmen für Outdoorausrüstung. Kleidungsstücke wie Rucksäcke kamen alle einzeln in Kunststoff eingeschweißt geliefert in das Geschäft, um dann ausgepackt verkauft und in eine (immerhin aus Papier hergestellte) Tüte gepackt zu werden. Im Café für bewusste Genießer habe ich ebensowenig Einfluss darauf, ob die Zutaten plastikfrei eingekauft werden (die traurige Antwort lautet Nein), wie beim Filmcatering, wo täglich je nach Produktionsgröße schon mal zehn bis zwanzig unsortiert gefüllte Müllsäcke zusammenkommen.

Das sind mehr am Tag als ich in einem Jahr verbrauche. Und das, wo nicht mal mehr Müll durch die unzähligen Filmrollen anfällt, weil wir mittlerweile digital drehen können. Allein das Drehen eines Filmes lässt meinen ökologischen Fußabdruck um ein Vielfaches wachsen – auch bei Filmen, die sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. Es wäre unter diesem Aspekt also besser, einen Film einfach nicht zu drehen. Trotzdem möchte in letzterer Branche arbeiten. Da sollte man doch meinen, dass es Alternativen gibt, oder?

Tatsächlich gibt es die. Eine davon lautet Der Grüne Drehpass. Dieser wird von der Film Commission der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein an Produktionen verliehen, die nachweislich grün drehen. Was auch immer das heißt. Damit es Produktionen etwas einfacher fällt, gibt es einen praktischen Ratgeber in die Hand.

Ich finde diese Initiative super! Gleichzeitig frage ich mich, wie effektiv sie denn wirklich ist. Produktionen der Hamburg Media School bekommen den Grünen Drehpass beispielsweise automatisch. Wer kontrolliert also, ob die Richtlinien wirklich eingehalten werden?

Ich habe das Gefühl, dass auch hier Dinge rasch halbherzig angegangen werden und eine großartige Idee so verkommt. So wie in unserer Hochschule, der Hochschule Darmstadt. Hier wurde mittlerweile Mülltrennung eingeführt. Das sieht dann so aus, dass hier und dort in Hochschulgebäuden Mülltrennbehälter stehen, die einem sogar Punkt für Punkt sagen, was wo hingehört.

Foto Mülltrennbehälter A

Das schaut zunächst gar nicht übel aus. Leider nur auf den ersten Blick, denn was fehlt? Richtig, der Biomüll. Es gibt aber sehr wohl Behälter, die auch ein Fach für Biomüll enthalten. Die stehen nur vereinzelt anderswo, weshalb man sich mit Obstschälern auf die Suche begeben muss. Dort fehlt dann allerdings das Fach für Papiermüll.

Mülltrennbehälter B

Wie wir alle wissen, ist der Mensch furchtbar bequem. Was passiert also, wenn gerade nicht das passende Fach zur Verfügung steht? Wird sich Otto Normal …

A. … auf die Suche nach einem Trennbehälter mit den passenden Fach begeben?

B. … sich mit dem Behälter vor ihm zufrieden geben und den Müll einfach ins falsche Fach werfen?

Ich mag es ja gern konsequent. Deshalb würde ich nicht nur in jedem Raum einen Mülltrennbehälter  aufstellen, sondern auch jeden mit Fächern für alle Müllsorten ausstatten. Das erscheint mir zumindest naheliegend. Ebenso finde ich, dass nachhaltige Produktion beim Film nicht nur wichtig ist, sondern auch konsequent betrieben werden sollte. Und dafür möchte ich mich einsetzen. Schritt für Schritt. Denn ich persönlich tue mich äußerst schwer, Privatleben und Arbeit zu trennen. Schließlich gehört doch beides zu meinem Leben dazu.

Wie gehst du damit um, wenn deine persönlichen Interessen mit Geschäftlichem kollidieren? Trennst du strikt? Oder ziehst du deine Prinzipien konsequent durch?

Alles Liebe,

Philipp

10 Kommentare

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  1. Prinzipien sind m.M.n. nur etwas wert, wenn man diese konsequent anwendet. Insofern verstehe ich, dass dir innerlich das Herz blutet. Leider besteht das Geschäftsleben oft aus Kompromissen. So erlebe ich es auch. Trotzdem setze ich mich für Dinge ein, die mir wichtig sind. Insofern ist der Einsatz für deine Ideale in meinen Augen der richtige Weg.

  2. Hi Philipp,

    an den Hochschulen könnte man auch diese Pfandsysteme einführen für Weckgläser und da Suppe draus essen oder diese Edelstahletagerien. Hm. Ist wohl noch viel Entwicklungsbedarf. Gut, dass du ein Auge drauf hast. :)

    Ja, ich habe einen Auftrag mal abgelehnt. Da sollte ich texten für Einweggetränkedosen in Stadien. Weil ich – seit ich selbst denken kann – keine Alugetränkedosen mehr kaufe, (25 Jahre?) wollte ich nicht diesen Müll mitproduzieren.

    In der Grundschule durften die Kinder übrigens gar keine verpackten Essenssachen mitbringen oder Trinkpäckchen. Man muss wohl schon sehr früh anfangen damit sich das Bewusstsein entwickelt, wie viel Müll man produziert. Die Kinder hatten auch Schildkrötendienst und die Tiere so gut versorgt, dass sie sogar ein Baby bekommen haben. Das ist gar nicht so oft bei den pflegeaufwendigen Tieren. Bioessen gab es auch und Besuche auf dem Hof. Und Hasen im Kindergarten früher, die auch in den Ferien versorgt wurden und man als Eltern Dienst hatte mit den Kindern.

    Liebe Grüße – Tanja

    • Hallo Tanja!

      Ich finde super, dass du solche Aufträge dann ablehnst!

      Was das Essen angeht, werden bei uns immerhin schon Tassen propagiert und auch das Essen wird größtenteils auf Tellern und in Schüsseln serviert. Da fehlt es allerdings auch noch an etwas Konsequenz.

      Ich bin gerade erstaunt, was bei euch schon in Kindergarten und Grundschule passiert. Bei uns wurde noch empfohlen, keine Buntstifte mit Lackummantelung zu benutzen. Darüber redet heutzutage wohl gar niemand mehr. :D

      Insgesamt frage ich mich, warum solche Themen in der Schule nicht eingehender behandelt werden. Umwelt, Ernährung, Bewegung, Entspannung, Gesundheit – das sind eigentlich Grundlagen, von derer Auseinandersetzung jeder profitieren würde.

      Lieber Gruß,
      Philipp

  3. Hallo Philipp!

    Da musste ich nun wirklich schlucken, denn mir geht es da wirklich ganz ähnlich. In der Firma, in der ich arbeite, gibt es erst seit wenigen Wochen (!) Müllkübeln mit getrennten Fächern. Ganz ähnlich wie das Foto zeigt. Und auch hier – Biomüll fehlt.

    Aber es geht neben dem Biomüllproblem noch weiter – in den einzelnen Büros stehen natürlich einzelne Kübel, klar, jedes Büro hat einen Müllkübel. Aber da wird nicht getrennt.

    Es ist natürlich einfacher alles hier hinein zu werfen und da liegt dann alles kunterbunt zusammen.

    Der Kübel in der Teeküche für alle ist ja auch winzig klein, die einzelnen Fächer sind gerade mal 1/3 vom Kübel im eigenen Büro und das für ALLE Mitarbeiter in dem Stockwerk!

    Also steht daneben ein einfacher großer Kübel, der alle fasst, was nirgends mehr Platz hat. Oder für die, denen es zu mühsam ist den Deckel zu öffnen. Denn die Mülltrennkübeln haben Deckeln, die “Sammelkübel” keinen.

    Aber es geht neben dem allem noch weiter – in jedem Kübel steckt ein Plastikmüllsack. Egal welche Sorte Müll aufgefangen werden soll. So werden an jedem Tag unzählige Plastikmüllsäcke in Müllkübeln gepackt, die dann mit nur wenigen Teilen Müll, die nicht getrennt sind, versehen. Und diese landen dann in einem großen Plastikmüllsack.

    Da kommt das Grausen, aber echt!

    Für mich stellt sich die Frage, ob es nicht die einzige wirklich sinnvolle Möglichkeit ist, seinen eigenen Müll wieder mit nach Hause zu nehmen.

    Natürlich darf man das mit dem Papier nicht, aber das ist ok, denn dieses wird ganz sorgfältig schon seit Jahren getrennt gesammelt und danach geschreddert. Wegen der Datensicherheit, das ist wichtig.

    Naja, einzige Möglichkeit, nichts mitnehmen und das, was man doch hat, wieder mit nach Hause nehmen. Den Kübel im Büro nicht verwenden. Dann bekommt er einen einzigen Plastiksack, den er dann für die nächsten Jahre behalten darf.

    Bin ich so konsequent? Bis jetzt leider nicht. Aber angestoßen durch Deinen Beitrag (Danke!) werde ich mein Verhalten, das ich in den letzten Wochen sehr genau beobachtet habe, seitdem es die neuen Kübeln gibt, überdenken und einen neuen Zugang suchen.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria!

      Vielen Dank für deinen ausführlichen und vor allem ehrlichen Kommentar!

      Müll mit nach Hause zu nehmen, klingt nach dem am einfachsten umzusetzenden Weg. In meinem Fall (derzeit Wohnheim) gibt es auch hier keine Möglichkeit, Biomüll getrennt vom Restmüll zu entsorgen. Das stört mich schon von Anfang an! Es bräuchte hier einen öffentlichen Komposthaufen. Bei der derzeitigen Trennrate halte ich es allerdings für fraglich, ob der überhaupt angenommen würde. Die meisten Haushalte hier trennen ja nicht Papier und Plastik von Restmüll. (Leider auch nicht meine Mitbewohner, obwohl ich schon extra Eimer mit Beschriftung hingestellt habe…)

      Vom Vorbild Mülltrennung in Deutschland sind wir deshalb meiner Meinung nach auch noch sehr weit entfernt.

      Lieber Gruß,
      Philipp

      • Hallo Philipp!

        Ich habe zuletzt noch einmal beobachtet, wie das mit meinem Müll ist.

        Zum Glück fällt im Büro ja in Wahrheit kaum Müll an, weil ich meine Jause zu Hause vorbereite und dann in einer Dose mitnehme.

        Daher ist es eigentlich gar nicht so schlimm und auch das wieder mit nach Hause nehmen wäre kein Problem. Den Apfelputzen kann man ja in der Brotdose verpacken.

        Schwieriger wird es, wenn das Mülltrennen insgesamt ein Problem ist, so wie Du es beschreibst.

        lg
        Maria

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        • Hey Maria,

          vielen Dank, dass du dran bleibst!

          Ich weiß leider nach wie vor nicht, woran das liegt. Ich habe auch schon noch mal alle Einstellungen überprüft, konnte dort aber auch nichts Verdächtiges feststellen.

          Lieber Gruß,
          Philipp

  4. Bestes oder sollte ich sagen schlechtestes Beispiel: Tankstelle. Von den Mitarbeitern wird Mülltrennung praktiziert, von den Reisenden oftmals auch wegen des Mangels an geeigneten Behältnissen nicht. Und welcher Mitarbeiter, ich schließe mich da nicht aus, möchte das im nachhinein noch tun, wenn gammlige Essensreste , Kaffeesuppe und Kippen im Behälter schwimmen.

    • Hey,

      bestes, wenngleich erschreckendstes Beispiel, würde ich sagen.

      Das ist ein nicht unwesentlicher Punkt. Wenn der Müll von vornherein getrennt wird, ist er im wahrsten Sinne des Wortes sauberer.

      Lieber Gruß,
      Philipp

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