Über Geld redet man bekanntermaßen nicht. Dass es trotzdem Sinn ergeben kann, erfahren wir, wenn wir einen Blick auf andere Länder und deren Umgang mit Geld werfen. Denn auch hier können wir noch einiges lernen.

In Belgien bezahlt man immer am Automaten

Letztes Jahr wurde ich überrascht, als ich einen Tag in Brüssel verweilte. Egal wo ich etwas zu Essen erwerben wollte, es gab keinen Geldteller für mein Bargeld und auch keine ominöse Öffnung durch die Plexiglasscheibe zum Verkaufspersonal. Stattdessen deutete dieses auf einen Automaten neben mir, der die zu zahlende Summe anzeigte. Ich warf mein Bargeld hinein und bekam Kassenbeleg und Wechselgeld zurück.

Der größte Vorteil ist offensichtlich: Das Personal, das mein Essen anfasst, kommt nicht mit dem Geld in Kontakt, was sowohl zu viel Desinfektionsmittel und in der Folge rauen Händen als auch der unnötigen Verschwendung von Gummihandschuhen vorbeugt. Außerdem stimmt so die Kasse immer, was dem Personal nicht zum Nachteil werden kann.

In Bristol gibt es eine lokale Währung

Also ich 2012 durch Bristol reiste, stolperte ich eher zufällig in die von der Presse begleitete, feierliche Einführung des Bristol Pounds. Dabei handelt es sich um eine regionale Währung, die lediglich in lokalen Einzelhandelsgeschäften, Restaurants und Cafés zur Bezahlung verwendet werden kann. Die Umrechnung erfolg 1:1. Was das bringt?

Beim Einkauf hinterlassen wir an der Kasse unser Geld. Doch was passiert im Anschluss damit? Bei kleinen Unternehmen zirkuliert es in kleinen Kreisen, die Angestellten und Inhabenden leben davon, an die Stadt werden entsprechende Steuern entrichtet. Im Fall von großen Ketten gestaltet sich das allerdings komplizierter: Die Filiale übergibt das Geld dem Konzern und im Anschluss ist unklar, wofür all die Gewinne eigentlich eingesetzt werden. Außerdem verlässt das Geld die Region, denn oft sitzt die Firmenzentrale nicht dort, wo das Geld eingenommen wird.

Dem wirkt der Bristol Pound erfolgreich entgegen. Da das Geld lediglich in kleinen, hiesigen Unternehmen verwendet werden kann, bleibt es in der Region. Durch die eigene Währung ist genau zu erkennen, in welchem Umfang das Regionalgeld im Einsatz ist und wie stark es zirkuliert.

Ganz nebenbei haben mich die hübsch verzierten Banknoten auch noch entzückt. Diese werden mittlerweile leider nicht mehr verwendet, sondern eine App, die ausschließlich über digitale Transaktionen funktioniert. Dass Ziel der Vorbildrolle hat der Bristol Pound erreicht: Ursprünglich aus Jaffa stammend, gibt es Colu, eine komplette digitale Währung, die auf Blockchain basiert, inzwischen nicht nur in ganz Tel Aviv, sondern auch in Haifa, Liverpool und Belfast.

In Finnland gibt es keine 1- und 2-Cent-Münzen

Während in Deutschland die Diskussion um die kleinen kupferfarbenen Münzen höchstens hitzige Debatten bewirkt, haben die Finnen bereits seit über zehn Jahren beschlossen, die kleinsten Münzen aus dem Verkehr zu ziehen.

Bemerkt hatte ich das 2011 aus zweierlei Gründen: Erstens stimmte meine Wechselgeld erstaunlich oft nicht mit der von mir errechneten Summe überein. Zweitens hatte ich große Schwierigkeiten an die finnischen 1- und 2-Cent-Münzen zu gelangen, die einem Freund noch für seine Sammlung fehlten. Also erkundigte ich mich bei den Einheimischen.

Argumente für die Abschaffung der Münzen gibt es viele:

  • Im Alltag gibt es praktisch nichts, das nur ein oder zwei Cent kosten und mit Bargeld bezahlt würde.
  • Die vielen kleinen Münzen nehmen unnötig viel Platz im Portemonnaies weg.
  • Die Herstellung der Münzen kostet mehr, als sie tatsächlich wert sind.

Gesagt, getan, waren die Münzen aus dem Alltag der Finnen verschwunden. Bei Cent-Beträgen die auf 1, 2, 6 oder 7 enden wird ab-, bei 3, 4, 8 und 9 aufgerundet. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Und ganz Gewiefte können sich jetzt natürlich auch eine kleine Alltags-Challenge daraus machen, bei jedem Einkauf stets mit zwei Cent Gewinn nach Hause zu gehen.

Bonus-Runde: In Großbritannien erhält man mit dem Wechselgeld ein Puzzle

Ebenfalls 2012 zog ein kleiner Münzladen in der beschaulichen Stadt York seine Aufmerksamkeit auf mich. Die Verkäuferin desGeschäfts wusste genau, was sie verkaufte, und ging im für mich als Minimalisten eher befremdlichen erscheinenden Hobby des Münzsammelns förmlich auf. Nebst der Geschichte des britischen Pfunds, brachte sie mir so ganz nebenbei auch noch folgendes kleines Geheimnis bei.

Auf der 1£-Pfünze befindet sich das königliche Wappenschild. Auf den kleineren Münzen lassen sich Teile dieses Emblems finden, die richtig angeordnet eine vergrößerte Abbildung der 1£-Münze ergeben. Ja, da habe ich mich direkt in einen Abenteuerfilm auf der Suche nach dem großen Schatz gefühlt – für 1,88£ zu haben. So kann sparen und das sonst so lästige Wechselgeld natürlich auch Spaß machen. Vielleicht täten uns mehr Rätsel, Spiel und Spaß mit Geld ja ganz gut?

Wie wurdest du auf Reisen schon mal im für dich ungewohnten Umgang mit Geld anderer Kulturen überrascht?

Alles Liebe
Philipp