Zugegeben: So ein richtiger Winter, wie ich ihn aus Kindertagen kenne, war es nicht. Da aber der Frühling nicht nur ins, sondern bereits im Haus steht, finde ich mich mit dem mausten Winter meines Lebens ab. Trotz den warmen Temperaturen war er nicht von schlechten Eltern.

+ ANALOG +

Relative Erlebnisdichte

Kennst du das: Der Jahreswechsel steht an und plötzlich meinst du, zum Jahr sei nichts dazu gewesen, so schnell ist die Zeit verflogen! Doch stimmt das wirklich?

Nach meinem Studium, das quasi auch wie im Fluge verging, hatte ich zunächst Sorge, meine Erlebnisdichte würde sich massiv verringern und ehe ich mich versähe, wäre mein Leben an mir vorbeigerauscht, meine Träume lägen in einer Kiste im Keller und ich würde eines Tages bereuen, mein Leben vor allem mit einem verbracht zu haben: Erwerbsarbeit. Wahrlich eine grausige Vorstellung!

Auch beim letzten Jahr habe ich kaum mitbekommen, wie sehr es an mir vorbei gerast ist und dachte zunächst: Wow, schon vorüber. Dann war da noch unser zehnjähriges Jahrgangstreffen und ich zweifelte erschrocken an, ob ich mein Abitur wirklich schon vor zehn Jahren gemacht haben soll. Doch dann sinnierte ich all dem Erlebten, all den glücklichen Momenten ebenso wie den verzweifelten und wie oft ich gestärkt aus schwierigen Situationen hervorgegangen bin. Plötzlich erschienen zehn Jahre viel zu wenig, um all die Erfahrungen und Geschehnisse zu umfassen.

Das Geheimnis: Je mehr ich in der Gegenwart erlebe, desto schneller vergeht die Zeit in meiner Wahrnehmung. Rückblickend geschieht genau das Gegenteil; je höher die Erlebnisdichte, desto länger fühlt sich die Zeit in der Vergangenheit an. Entsprechend profitiere ich doppelt, je abwechslungsreicher ich lebe. Und ganz nebenbei zeigt es mir auf, wie viele Chancen in den nächsten zehn Jahren stecken können.

Lohnt sich das?

Seit Dezember wohne ich mit Partner in der ersten eigenen Wohnung – zumindest für die nächsten zwei Jahre, was für mich schon ungewohnt lang ist. (Das letzte Mal, dass ich so lang in einer Wohnung gelebt habe, war vor sieben Jahren. – Das bringt ein nomadisches Leben so mit sich.) Obwohl ich derzeit nicht so hoch frequentiert umziehe, ändern sich meine Gewohnheiten diesbezüglich allerdings noch nicht. Entsprechend leer ist es in der Wohnung auch nach wie vor.

Ja, wir haben über die Anschaffung eines Sofas gesprochen. Ja, er wünscht sich einen Teppich. Und ja, er würde am liebsten die komplette Wohnung in Off-White streichen, weil das jetzige Weiß zu hell sei. Und ich kann es nachvollziehen. Gleichzeitig frage ich mich allerdings auch immer wieder: Will ich mir diesen Aufwand wirklich antun, wo wir doch womöglich “bald” schon wieder ausziehen und dann noch einmal alles streichen müssen, um die Wohnung in den ursprünglichen Zustand zu versetzen? Möchte ich das Geld tatsächlich investieren für etwas, was ich verabscheue (Teppich) bzw. kaum nutzen werde (Sofa)?

Zugegeben, in Zeiten von COVID-19 und der damit verbundenen, drohenden Ausgangssperren erscheint das noch einmal in ganzem anderem Licht. Trotzdem wehrt sich mein Innerstes dagegen, in etwas Arbeit, Geld und Zeit zu investieren, das ich im Grunde nicht möchte und was mich im Nachgang womöglich nur belastet. Bin ich damit allein?

Balsam für die Seele

Insbesondere im Winter verspüre ich den Drang zu mehr Streicheleinheiten für mein Wohlbefinden: Zu Hause im Sessel in die Wolldecke kuscheln, mit einer Tasse Tee entspannt ein Buch lesen und dabei Nüsse, Datteln oder Schokolade naschen. Den Tag im Kino verbringen und ein paar Filme schauen. Ein klassisches Konzert in atemberaubendem Ambiente. Oder – ganz neu für mich – in der Sauna schwitzen.

Entsprechend ist es auch keine Überraschung, dass ich auf meiner jüngsten Reise in Budapest den einen oder anderen Tag in der Therme verbracht habe. Genauso wie ich Kinotage oder verkriechen in der Stube mit Nostalgie verbinde, versetzen mich Thermen in die Vergangenheit und erden mich ungemein. Obwohl jede ihre Eigenheiten hat, fühle ich mich in allen wie als Teil eines Films von Wes Anderson – noch so eine Wohltat.

Rückblickend haben mir all diese kleinen Streicheleinheiten über die emotionalen Strapazen des Winters hinweggeholfen.

Foto Konzerthaus Berlin
Konzerthaus Berlin

– DIGITAL –

Ein Leben ohne Handy

Da mein Handy im Alter von nicht einmal fünf Jahren allmählich Altersschwächen aufweist und ich nun bereits zum zweiten Mal den Akku habe auswechseln lassen, träumte ich mich wieder einmal davon, wie schön ein Leben ohne Handy doch wohl wäre. Als Hintergrundinfo: Ich telefoniere gar nicht so gern und mache mich gern unerreichbar. (Dafür telefoniere ich zur Zeit dank Corona überdurchschnittlich viel.) Der praktische Nutzen eines Smartphones für die vielen Kleinigkeiten im Alltag ist natürlich unumstritten, allerdings fällt mir immer wieder auf, wie stark wir davon eingenommen sind und es geht mir auf den Senkel.

Also recherchierte ich mal wieder nach Menschen, die ohne Handy leben. Welche, die das auch dauerhaft durchziehen, ohne sich dabei eine persönliche Assistenz leisten zu können, konnte ich nicht finden. Dafür allerdings dieses Prachtstück eines Artikels aus dem Jahre 1997, das uns Einblick darin gewährt, wie unsere Gesellschaft vor 23 Jahren gegenüber der Zukunft des Handygeschäfts eingestellt war. Ach ja, die allseits bekannte “gute alte Zeit”…

Schätzen, was wir haben

Johanna Katzera schreibt in ihrem Gastbeitrag auf Einfach bewusst über die Fülle, welche wir in dem entdecken können, was wir bereits haben. Darin finde ich mich in mehrere Hinsicht wieder:

  1. Beispiel Handy: Ich mag mein Handy wie es ist und will gar kein Neues kaufen. Natürlich gibt es immer Verbesserungsbedarf, aber mein Nutzungsverhalten wird sich nicht grundlegend ändern. Auch wenn uns Unternehmen gern etwas anderes glauben lassen, sehe ich keinen Mehrwert darin, bis zu 1000€ in ein neues Gerät zu investieren, obwohl die Grundfunktionalität dieselbe bleibt. Das Geld investiere ich lieber in meine Zukunft.
  2. Als vielseitig interessierter Mensch, fällt es mir oft nicht leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Da kann es schon mal passieren, dass man sich für viele Interessenfelder gleichzeitig eindeckt. Langfristig nachhaltiger wäre, zunächst ein Interessenfeld zu meistern, bevor man sich dem nächsten annimmt. Bei mir trifft das auch insbesondere bei Sprachen zu: Ich würde gern noch die eine oder andere Sprache lernen. Allerdings bin ich in Hebräisch noch nicht auf dem Niveau, das ich gern hätte. Also mache ich erstmal hier weiter, bevor ich mich der nächsten widme.
  3. Zur Zeit erleben wir alle ganz genau, was uns wirklich Freude im Leben bereitet: So einfache Dinge, wie Freunde zu treffen. Das merken wir aber erst jetzt, weil wir es momentan nicht dürfen.

Glück kann ganz einfach sein, wenn man feststellt, dass man bereits alles hat, was man braucht.

Minimalismus auf Reisen

Da ich mich Ende Februar wieder auf eine Reise begeben habe, fand ich diesen Beitrag vom Genug-Team erfrischend, wie man Reisen auch abseits vom Gepäck minimalistisch gestalten kann. Wesentlicher Punkt für mich dabei: Weniger Pläne. Ich finde es sehr schwer, mir an unbekannten Orten nichts vorzunehmen. Zu groß ist die Versuchung, doch möglichst viel reinzupacken, denn wer weiß schon, ob und wann man das nächste Mal an diesem Ort sein wird?

Andererseits finde ich es super entspannt, wenn ich mir nichts Konkretes vornehme, sondern einfach nur dem nachgehe, was mich interessiert. Manchmal heißt das sogar, sich einen Tag zu verkriechen oder all die knutschenden Liebespärchen in einem Café heimlich zu studieren. #creep Überraschungen haben in einem durchgetakteten Reiseplan keinen Platz, dabei entstehen gerade dabei die erinnerungswürdigsten Momente. Und was die abzuhakende Liste betrifft, ist es doch auch schön, einen Grund aufzubewahren, wiederzukommen. ;)

Foto Innenbereich Therme Széchenyi
Innenbereich Therme Széchenyi

# FOKUS #

Anfang des Jahres hatte ich meine Fokus-Zeiträume eingeführt, um meine Ziele besser zu erreichen. Für Gewohnheiten wollte ich mich entsprechend je einen Monat, für meine kreativen Aktivitäten und Lernziele je Woche auf eine Sache konzentrieren. Während das im Januar noch recht gut funktioniert hatte, war der Februar so turbulent, dass es etwas aus dem Ruder lief. Mal schauen, was der Frühling da so bringen wird.

Mehr Schlaf

Ausreichend guter Schlaf gehört zu den wichtigsten Faktoren für ein gesundes Leben. Damit verbunden spüre ich regelrecht, wie ausgeglichen und gut drauf ich bin, wenn ich dem nachkomme, und wie meine Produktivität in den Keller kracht, wenn ich nicht ausreichend schlafe. Deshalb möchte ich jeden Tag mindestens 7,5h schlafen und zwar an 90% der Tage.

Im Januar lag ich bereits bei 87,1%, im Februar jedoch nur bei 73,1%, was ich größtenteils auf die Auswirkungen meiner Arbeit zurückführen kann. Kurz vor der Berlinale fielen einige Überstunden an. Wenn ich erst spät abends nach Hause komme, kann ich nicht direkt schlafen, sondern muss mich zunächst erden, was dann darin mündet, dass ich schlichtweg zu wenig schlafe, denn der nächste Tag beginnt nicht später, nur weil ich länger gearbeitet habe.

Passend dazu, habe ich deshalb meinen Fokus im Februar auf ein anderes Ziel gerichtet:

Mehr Pünktlichkeit

Zu spät zu sein, kann einem teuer zu stehen kommen, allerdings nicht nur im finanziellen Sinne: Im Laufe des letzten Jahres haben sich zunehmend so viele Überstunden angesammelt, dass es ein herber Verlust an Freizeit wäre, würde ich heute sterben – dann bekäme ich die Zeit nämlich wahrlich nicht mehr zurück.

Im Februar hat sich dagegen gezeigt, dass meine Unpünktlichkeit im Privatleben häufig daher kommt, dass ich versuche, so viel als möglich in einen Tag zu packen, um Dinge fertig zu bekommen. Wenn sich dann irgendwo ein kleines Zeitfenster auftut, packe ich spontan eben noch etwas rein und werde dann erst später fertig, als ursprünglich vorgenommen. Entsprechend rigoros habe ich die Tage im Februar beurteilt: War ich pünktlich zu allen Terminen an einem Tag? Oder war ich auch nur einmal später als geplant?

Letztlich war ich an 26,9% der Tage pünktlich – so der Status quo als Startpunkt. Mein Ziel liegt darin, an 95% der Tage pünktlich zu sein – womit ich ambitionierter als die Deutsche Bahn bin. :D Nun gilt es, darauf zu achten:

  1. Mehr Puffer im Alltag einzuplanen – 15 Minuten vor der Zeit ist des Perfektionisten Pünktlichkeit.
  2. Weniger in den Tag zu packen – lieber wie geplant drei Dinge am Tag geschafft, statt frustriert fünf in den nächsten Tag zu schieben.
  3. Pünktlich mit der Arbeit (oder welcher Tätigkeit auch immer) aufzuhören – so wie geplant.

Vom Status quo ist noch viel Spielraum nach oben. Insofern können die kommenden Monate fast nur besser laufen!

Foto Kloster Strahov
Kloster Strahov

// DIE AUSSSICHTEN FÜR DEN FRÜHLING 2020 //

Das war mein Winter im Schnelldurchlauf. Was der Frühling bringt, vermag ich aktuell noch nicht so recht einzuschätzen. Das einzige, das ich bereits abzeichnet: Ich werde wesentlich mehr Freizeit haben als erwartet und das versetzt mich in rege Vorfreude.

Wie pflegst du deine Seele im Winter? Welchen Tipp hast du für mehr Pünktlichkeit? Und was nimmst du dir für diesen ungewissen Frühling vor? Schreib es gern die Kommentare!

Alles Liebe
Philipp

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe Handverlesen.