So ein Müll!

Ich war in meinem Leben noch nie an einem Ort, an dem ich nicht Spuren anderer Menschen hätte finden können – meist in Form von Müll. Das ist mir jüngst auf einer kurzen Reise in Jordanien wieder bewusst geworden und macht mich echt traurig, denn er verschmutzt nicht nur ökologisch, sondern auch visuell, wird schneller produziert, als dass wir ihn abbauen könnten und ist dazu noch unnötig und somit auch vermeidbar.

Plastik ist mir von allen das unliebsamste. Dennoch umzingelt es uns im Alltag, scheint unausweichlich unsere Lebensmittel und Umwelt zu vergiften und wird nichtsdestotrotz verschwenderisch angenommen und in der Landschaft verteilt. In Deutschland hatte ich mir Strategien angeeignet, möglichst plastikfrei zu leben. Als ich dann nach Israel kam, sah ich mich noch nie da gewesenen Herausforderungen gegenüber. Zum Verzweifeln? Nur etwas…

Zunächst war ich total frustriert, dass es Dinge wie Stoffbeutel und Mülltrennung hier nicht zu geben scheint. Oft habe ich mich gefragt, warum die Menschen hier es scheinbar überhaupt nicht schert, was mit ihrem Müll geschieht. Schließlich liegt all der Müll an den Weg- und Straßenrändern und sogar in der Altstadt abseits der touristischen Hauptstraße nicht grundlos dort.

Dabei ist die Lösung eigentlich offensichtlich: Die Bevölkerung hat schlichtweg kein Bewusstsein für die Müllproblematik, weil sie zu sehr mit anderen Dingen, nämlich den täglichen Ausmaßen der Konflikte hier, beschäftigt sind.

Doch ist die Situation in Deutschland wirklich so viel besser? Klar, wurden hier erste Maßnahmen ergriffen, aber immer noch ist fast alles in Plastik verpackt, obwohl es gar nicht nötig wäre. Die meisten Menschen machen sich immer noch keine wirklichen Gedanken darum. Viele betreiben nicht mal Mülltrennung, obwohl es so vorgesehen ist. Und da soll Deutschland Vorbild sein?

Auch in der Natur liegt da und dort echt viel Müll rum. Kurz vor meiner Abreise hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Bekannten, der meinte, dass auch im Mittelalter die täglichen Abfälle bereits einfach in die Burggräben geworfen worden sind. Letztlich ermöglicht uns dieses Verhaltensmuster überhaupt erst Ausgrabungen auswerten zu können, weil uns Splitter von Tongefäßen wertvolle Hinweise geben.

Doch was wird man von uns finden? Plastiktüten und Hartplastbehälter, die einst als Verpackung für Waschmittel dienten? Auch in Deutschland bin ich bereits an meine Grenzen gestoßen. Selbst wenn das verkaufte Produkt nicht in Plastik verpackt war, war es das auf jeden Fall auf dem Transport, insofern es einen gab. Es gibt mir zu denken, in einem System zu leben, in dem wir nicht wirklich nachhaltig leben können.

Wie gehe ich also mit dem Problem um? Im Großen und Ganzen wende ich die gleichen Methoden an wie in Deutschland. Vieles ist schon dadurch getan, dass ich mir für meinen täglichen Bedarf die richtigen Quellen beschaffe. Konkret heißt das:

  • Ich vermeide es, in den Supermarkt zu gehen und gehe stattdessen auf dem Markt einkaufen. Dort bekomme ich meine Lebensmittel unverpackt. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Standbesitzer stecken in ihrem eigenen Trott und schmeißen nur so mit Tüten um sich, weshalb ich jedem mehrmals לא שקית [schrei: lo sakkit!] ins Gesicht brüllen muss, damit er überhaupt reagiert. Aber es funktioniert.
  • Humus und Oliven lasse ich mir in Einmachgläser abfüllen. Die gibt es hier nämlich auch. Da dann häufig das Glas mit Öl oder Humus oder beidem vollgeschmiert ist, habe ich eine Tüte dabei, die ich immer wieder reinige, damit sie mir keine neue mitgeben.
  • Pita kaufe ich bei meinem Bäcker des Vertrauens. Der hat rund um die Uhr geöffnet und bäckt immer frisch. Da bekomme ich auch mein Süßgebäck in Papier und gebe einfach meinen Stoffbeutel für das Brot hin.
  • Nüsse und Süßigkeiten waren etwas knifflig, aber ich habe einen Laden gefunden, der sie in Papier verkauft.

Wenn man erstmal die Aufmerksamkeit der Verkäufer hat, sind viele bereit einem Lebensmittel in mitgebrachte Gefäße abzufüllen. Produkte, die ich nur in Plastik bekommen kann, aber nicht zwingend brauche, lasse ich wie in Deutschland einfach weg.

Zumindest ist ein Anfang getan, wobei ich mich auf einem recht schmalen Grat zwischen Integration und Gewissen bewege. Trotzdem freue ich mich, wenn mein Handeln nützt. Und Hoffnung gibt es auch: Es wird gerade an einer Gebühr für Tüten gearbeitet. Dennoch gibt es für mich viele Baustellen. Wenn also noch jemand Tipps hat, immer her damit!

 

Alles Liebe,

Philipp

8 Kommentare

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  1. super initiativ Philipp. Davon können wir uns glaube ich alle eine Scheibe abschneiden… eigentlich doofer Ausdruck, wir mir gerade auffällt… ;)
    Danke für diesen Beitrag zum Plastik-Bewusstsein!!!
    alles Beste für Dich, Stefanie

    • Hallo Stefanie,

      super, dass dir mein Beitrag gefällt! Es freut mich, wenn mein Blog andere Menschen zum Überdenken des Alltäglichen anregt.

      An dem Ausdruck habe ich mich tatsächlich auch schön öfter gestört. Ich stelle mir dann immer vor, wie ein Metzger eine Scheibe Wurst abschneidet und sie anderen zum Kosten reicht. :D

      Alles Liebe,
      Philipp

  2. Lieber Phillipp

    Ja, ich bin auch immer wieder auf’s Neue entsetzt, mit wie viel Plastik wir uns umgeben (da braucht man die Nase nur in einen ganz normalen Supermarkt zu stecken) und wie selbstverständlich die meisten Menschen damit umgehen – also Plastikverpackungen und -tüten gedankenlos gebrauchen.

    Denn Plastik bleibt für immer! Es kann von der Natur nicht abgebaut werden. Und die Verbrennung von Plastik ist nicht wirklich besonders gesundheitsfördernd.

    Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, meine Tasche oder meinen Rucksack zu „präparieren“, so dass ich unterwegs nicht auf Plastiklösungen zurückgreifen muss. Dazu gehört die Einkaufstasche für Spontaneinkäufe von Lebensmitteln (die ich ja eigentlich nicht machen will – aber da ist manchmal so ein GAP zwischen Anspruch und Realität). Ferner die Wasserflasche und etwas für den Hunger (Nüsse, etc).

    Zum Thema „Plastikfreies Bad“ gibt es eine ganze Tabelle mit Vorschlägen auf meinem Blog zum Download (unter „Freebies“).

    Herzliche Grüsse,

    die Frau Momo

  3. Hallo Philipp,
    Plastik mein Thema! Aber zum Glück nicht nur. Zu Deinem Gedanken des schmalen Grades, Integration, sowie dem Aspekt „ab in den Burggraben“, da kommen bei mir wieder „Tretminen“ hoch.
    Die Integration ist ja immer ein Problem, man möchte ja weder Tourist noch neunmal kluger Deutscher sein, besonders in Israel.
    Und wie heisst es so schön uns geht es zu gut! Nur deswegen haben wir den Kopf frei für solche Überlegungen? Naja ob das nun wirklich der Grund ist, bezweifle ich. Wenn es so wäre, dann hätten wir nicht dermaßen viel Plastikverpackungen um unsere Konsumgüter herum. Es würden alle diese Produkte verschmähen und die Hersteller müssten umdenken. Wer sich so viel kurzlebiges Zeugs leisten kann, um es nur in den Schrank zustellen, der hätte Geld genug, ein sorgenfreies Leben und auch Zeit sich Gedanken um den Müll zu machen. Doch machen dies nur wenige, wie man sieht. Ist es das Problem mit dem Kick für ein wenig Glück, das nur durch das Ergattern der Trophäe für einen Moment hoch schwappt und danach schnell verebbt? Das Perpetuum mobile? Werbung und gewisse Verkaufsstrategien sind regelrechte Fallen: Die „Geiz ist geil“- Methode z.B. 1-Euro-Shops, oder „nur so lange der Vorrat reicht“ mit sehr geringer Auflage wie die Angebotstage mit Wühlkiste bei Aldi. Wir sind die Hamster im Hamsterrad und die Hersteller erfreuen sich jeden tag auf’s Neue über ihre rennenden Hamsterkäufer.

    Beim Burggraben kommt sofort der Gedanke nach Mikro- und Nanoplastik hoch. Im Mittelalter waren es noch Scherben im cm-Bereich. Ja der Fortschritt macht es möglich. Wir schaffen es auch noch in 600 Jahren, dass man sich unserer grandiosen technischen Leistung erfreut. Die Mikro- und Nano-Puzzle, die wir der Nachwelt hinterlassen. Ich bezweifle, dass dieses Puzzle den gleichen Spassfaktor haben wird wie ein Holzpuzzle, auch wenn es auf 3D upgegradet wurde.

    Wie spannend so eine Plastikausgrabung sein kann habe ich in
    meinem Urlaub 2014 erlebt. Das Ausgrabungsgebiet: 11 km langer Natursandstrand in Südfrankreich- fast Menschen leer auch in der Hauptsaison. Für das normale Auge wenig Müll, doch er war da. Manchmal spitzte nur ein Eck hervor oder es waren „Plastikscherben“, die man aus dem Sand zog. Hier ein Auszug aus meinem Beitrag zu Mikro- und Nanoplastik:
    „…Viele Leute sammelten Muscheln, ich sammelte Plastik. Jeden Tag entstand aus Teilen des gesammelten Plastikmülls ein Bild.
    Und jeden Tag brachte ich einen 20 bis 30 Liter Sack voll mit Plastikmüll zum Mülleimer. Neben uns gab es Leute, die Ihren Müll an Ort und Stelle vergaßen. Mein Aufklauben hat ihnen nicht einmal dazu verholfen, ihren eigenen Plastikmüll mitzunehmen. Trotzdem werde ich es wiederholen, denn es hat auch Spaß gemacht. Irgendwie war es eine Schatzsuche. Ich wusste nie was ich so aus dem Sand ziehe und wie sich das Plastik verhält. Manches zeigte Form- und Farbveränderungen. Anderes zerbröselte bei der ersten Berührung zu Mikroplastik. Plastik so zerbrechlich wie ein verkohltes Papier. Ein unglaubliches Gefühl das nicht mit unseren Erfahrungen von Plastik übereinstimmt. Bizarr und unbegreiflich. …“

    Was mich total verwunderte, war dass die meisten Leute Franzosen waren, die Ihren Müll so absichtlich jeden Abend dort liegen ließen. Haben die Franzosen doch das Plastikverbot strikter als wir durchgesetzt! Und da wären wie wieder bei der Integration angelangt ;-)
    Ach und noch was: Ruanda /Indien usw. haben ein totales Plastiktütenverbot siehe Artikel der Süddeutschen Zeitung von 2010: http://www.sueddeutsche.de/wissen/verbot-von-plastiktueten-vom-muell-gebeutelt-1.444176
    Wie man sieht es ist kein Problem das nur in wohlhabenden Ländern erkannt wird.

    Grüße Claudia

    • Hallihallo,

      ich finde es gut, dass es Länder gibt, die ein Tütenverbot strikt durchziehen. Wie im Artikel schon beschrieben, glaube ich aber nicht, dass man es nur einer bestimmten Nation oder anderen Gruppierung zuschreiben kann. Ich halte es einfach für wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen und zu stärken – egal wo. Manchmal wird ja doch ein Schalter umgelegt. Und da kann man meiner Meinung nach auf jeden Fall auch noch viel in Europa tun!

      Müll gibt tatsächlich aber auch interessante Aufschlüsse und erzählt Geschichten. Leider sehr häufig mit traurigem Ende.

      Alles Liebe,
      Philipp

      • Ok. Der andere Link war eher über Indien. Sorry für den falschen Link oder war es grad der richtige ;-) Denn ich gebe Dir Recht ohne Bewusstsein wird auch kein strenges Verbot was bringen (wenn die Anzahl der Sünder > Polizei sind)

        Dann noch ein Zitat aus einem anderen Beitrag über Ruandas Plastiktütenverbot:
        „…Da auch der Schwarzmarkt in Ruanda immer weiter wächst, sollen nun vor allem die Händler verfolgt werden: „Wir wollen Inspektoren einsetzen, die nicht nur Plastiktüten beschlagnahmen, sondern auch die Dealer festnehmen können“, sagte ein Mitarbeiter der ruandischen Umweltmanagementbehörde der Tageszeitung „New Times“. Aber nicht nur Strafen sollen die Problematik der Tüten ins Bewusstsein rücken. Seit einigen Jahren wird Kindern in Schulen erklärt, wie gefährlich so ein paar Gramm Polyethylen sind. Und dort hören sie vielleicht auch, dass die Industriestaaten verglichen mit all diesen Bemühungen echte Entwicklungsländer sind….“( aus http://www.fluter.de/de/139/thema/13185/)

        Das wäre der gewesen, den ich eigentlich meinte: http://www.focus.de/politik/ausland/erwartet-das-auch-die-eu-strengstes-gesetz-der-welt-wer-in-ruanda-plastiktueten-verteilt-dem-wird-der-laden-dicht-gemacht_id_4366408.html

        Grüße Claudia

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